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Test Magnat Signature 1109 – Standbox mit HiRes-Lizenz

 Überhaupt gehen die Rheinländer bezüglich der Materialien, beziehungsweise derer Kombination, sehr eigene Wege: im Bass und im Mittelton nutzen sie extrem steife Aluminium/Keramik-Membranen, im Hochton vergleichsweise weiche Gewebekalotten.

Viele anderen Hersteller versuchen, über durchgehend gleiches Material klangliche Harmonie herzustellen. Doch wie auch schon bei der Quantum 720-Familie vertraut Magnat auch beim Flaggschiff Signature 1109 auf diesen Mix aus hart & weich, den die Entwickler in vielen Hörversuchen für sich als klanglich überlegen ausgemacht haben.

Magnat Signature 1109 Bass
Die weiß-gelbliche Membran der Tief- und Mitteltöner besteht aus einem sehr steifen Komposit aus Aluminium und Keramik. In einem chemischen Prozess (anodische Oxidation) entwickelt die dünne Aluminiumfolie auf ihrer Vorder- und auf und ihrer Rückseite einen Keramik-Überzug. So entsteht ein leichter, dennoch sehr steifer Keramik/Aluminium/Keramik-Sandwich, der für eine exzellente Impulstreue steht (Foto: H. Biermann)

Getrennt werden die vier einzelnen Zweige (Bass, Mittelton, Hochton, Superhochton) durch eine Frequenzweiche mit fast durchwegs steilflankigen Filtern, die auf der Rückwand hinter dem oberen Bass angebracht ist. Den Superhochtöner lässt Entwickler Gather nicht einfach parallel zum „großen“ Hochtöner laufen – das gäbe hässliche Auslöschungen.

Stattdessen begrenzt eine Spule die Aktivitäten des Haupthochtöner mit 6 dB pro Oktave nach oben und der Superhochtöner bekam ebenfalls eine „sanfte“ 6 dB-Filterung zu tiefen Frequenzen hin; die Übernahme der beiden liegt bei etwa 18.000 Hertz – also in einem Bereich, wo das Ohr eines Erwachsenen meist schon nichts mehr wahrnimmt.

Magnat Signature 1109 Frequenzweiche
Schnappschuss in die Box: Die Frequenzweiche sitzt auf der Rückwand der Magnat Signature 1109. Die Bauteile sind durchwegs von ordentlicher Qualität. Die Übergangsfrequenzen liegen bei 340 Hz / 2.300 Hz / 18.500 Hz (Foto: H. Biermann)

Man könnte daraus folgern, dass man den kleinen Hochtöner gar nicht hört. Doch doch. Wir haben versuchsweise den Mitteltöner und den Hochtöner abgeklemmt – aus dem Superhochtöner kommt durchaus noch eine Menge hörbarer Schallenergie…

Auf- und Einstellung der Magnat Signature 1109

Die Magnat Signature 1109 wurde von Christian Gather erfreulich trocken und präzise abgestimmt. Die Bässe reichen zwar recht weit in den Tieftonkeller, sind aber an keiner Stelle aufgedickt. Dieser Charakterzug lässt dem Nutzer etwas mehr Freiheiten bei der Aufstellung. Heißt: auch partnerschaftlich-freundliche Positionen in der Nähe der Rückwand (Abstand: unter 50 cm) sind zwar nicht optimal, aber möglich. Für die Vorgänger 1009 und 1009 S hätte ich eine solche Empfehlung nicht abgegeben; beide sind „satter“ abgestimmt, dröhnen aber in Wandnähe auch schneller.

Beim Anschluss empfehle ich trotz der Bi-Wiring-Möglichkeit eine gute Single-Wire Verkabelung, denn die mitgelieferten Kabelbrücken von Oehlbach machen einen guten Eindruck. In den Hörtests fand ich übrigens etwas moderater klingende Verbindungen (Richtung: Audioquest, QED, Fast Audio) passender als die von mir ebenfalls sehr geschätzten, mehr auf Präzision abgestimmten Lautsprecherkabel von in-akustik und HMS.

Magnat Signature 1109 Kabel
Die Kabelbrücken sind von der Schwesterfirma Oehlbach und von guter Qualität (Foto: H. Biermann)

Ich hatte oben schon angedeutet, dass auch der Wirkungsgrad und die Maximalpegel-Fähigkeiten der Magnat Signature 1109 nicht von schlechten Eltern sind: die Messungen weisen fast 90 Dezibel pro zugeführtem Watt aus.

Eine so hohe Effizienz bedeutet, dass sich das neue Magnat Flaggschiff theoretisch auch mit Watt-schwächeren Verstärkern gut betreiben lässt. Und tatsächlich: Schon mit dem kleinen Exposure 1010 S2 klang die Signature 1109 erstaunlich gut und zauberte holografische Klangbilder mit schönen Klangfarben.

Aber das ist natürlich nicht dem Magnat Flaggschiff angemessen. Wer mit der Signature 1109-mal Live-Konzerte in fast Originallautstärke gehört hat, der wird das nicht missen wollen. Und das erfordert Verstärker mit deutlich mehr Leistung.

In einem zweiten Versuch kombinierten wir die Magnat mit dem Hybrid-Vollverstärker RV4 aus gleichem Hause. Mir ist der RV4 eigentlich etwas zu samtpfotig, aber in Kombination mit der Signature 1109 ergibt sich ein wunderbar stimmiges Ganzes. Das ist eine Kombi, mit der man lange und sehr erfüllt Musik hören kann.

Magnat Signature 1109 im LowBeats Hörraum
Nicht immer passen Verstärker und Lautsprecher von einer Marke so gut zueinander wie der hybride RV4 und das Magnat Flaggschiff Signature 1109 (Foto: H. Biermann)

Aber will (und darf) man mit der Magnat wirklich die Kuh fliegen lassen, reichen auch die 150 Watt (pro Kanal) des RV4 nicht ganz; wir bemühen für solche Gelegenheiten dann gern die bärenstarke Stereoendstufe Nubert nuPower A (in Verbindung mit der Vorstufe SPL Director).

Und ja: selbst bei Pegeln, in denen einen gemeinhin der Nachbar wegen Ruhestörung bezichtigt, kann man bei der Signature 1109 – eine entsprechende Endstufe vorgeschaltet – noch einmal lauter machen, ohne dass es zerrt. Ganz großes Kino.

So klingt die Magnat Signature 1109

Cover Art Sean Rowe "New Lore"
Plattencover Sean Rowe New Lore (Cover: Amazon)

Auch wenn mich das neue Magnat Flaggschiff ständig dazu verführen wollte, den Pegelregler des Verstärkers kräftig nach rechts zu drehen – ich widerstand. Zumindest am Anfang der Hörtests.

Denn die 1109 beherrscht auch die Kunst der leisen Töne und hat in allen Pegelstufen etwas wunderbar Spielfreudiges, Klares und Substanzielles. Da ist nicht nur einfach ein Bassfundament, sondern alles hat fest umrissene Konturen und auch im Grundtonbereich eine schöne Stabilität.

Davon profitieren auch Stimmen wie recht tiefe von Sean Rowe (Album: New Lore). Die Magnat schafft es auf eine sehr packende Weise, die charakteristische Stimme absolut glaubhaft darzustellen.

Weil ihre Mittenauflösung so gut ist. Und weil sie auch feindynamisch alles mitbringt, was man sich von einem großen Lautsprecher wünscht – was man aber gar so oft nicht bekommt…

Absolut überragend aber ist die Magnat Signature 1109, wenn es laut werden darf. So hammerhart genau auf den Punkt, so unmittelbar direkt in die Magengrube hört man die hart getretenen Bassdrums zu Beginn von James Blood Ulmers Live-Aufahme „Crying“ mit HiFi-Lautsprechern nur selten.

Magnat Signature 1109 Hörtest
Im LowBeats Hörraum bekam es die Magnat Signature 1109 unter anderem mit der Quadral Platinum+9 zu tun. Man traf sich in etwa auf Augenhöhe (Foto: H. Biermann)
Ascendo D7 Active – Hörtest Musik
Eine großartige Live-Aufnahme aus einem relativ kleinen Konzertraum: James Blood Ulmer Live At Bayerischer Hof

Im Vergleich mit der kürzlich getesteten Quadral Platinum+ Nine (Paarpreis: 5.000 Euro) überzeugt die Magnat allein schon durch ihre höhere Effizienz. Die Quadral zieht den Raum weiter auf, schiebt im Bass ein nochmals größeres Pfund in den Raum und kann der Magnat auch in Sachen Maximalpegel fast das Wasser reichen. Allerdings punktet die Signature 1109 mit der nochmals höheren Präzision im Grundton und der größeren Natürlichkeit in den Mitten.

Insgesamt klingt die Signature 1109 – neben allen andern Vorteilen – ungemein ausgewogen-natürlich und ähnelt auch vom dynamischen Antritt her der LowBeats Lautsprecher-Referenz, der Wolf von Langa Chicago: ein viel größeres Kompliment kann ich einem 4.000-Euro Lautsprecher kaum machen.

Waren die ehemaligen Flaggschiffe dieser Preisklasse bei Magnat bislang immer ein bisschen gemütlich abgestimmt – mit satten Bässen und schmeichelnden Mitten – so trägt die neue Signature 1109 hier eine andere Handschrift.

Wollte man einen Vergleich aus dem Autobereich bemühen, dann waren Quantum 1009, Quantum 1009 S & Co. allesamt Grand Coupes, mit denen man wunderbar cruisen kann. Die Magnat Signature 1109 ist dagegen eher ein Roadster, der einen sehr flott von Null auf 100 bringt und mit dem man dank entsprechend festem Fahrwerk auch enge Kurven bedenkenlos schnell nehmen kann.

Bleibt noch die Frage nach dem Sinn oder Unsinn der großen Hochtonfähigkeiten: Was bringt die von höchster Stelle attestierte HiRes-Tauglichkeit? Bringt sie den „Roadster“ Signature 1109 mit HiRes-Aufnahmen noch schneller von Null auf Hundert? Schwer zu sagen.

Die Magnat ist fraglos ein gut klingender Lautsprecher mit einem feinen Hochtonbereich. Aber andere Top-Schallwandler dieser Preisklasse (wie etwa die kompakte Dynaudio Contour 20, deren Übertragungsbereich schon bei unter 30 KHz endet) empfanden wir in den Hörtests keineswegs weniger fein oder gar weniger HiRes-geeignet…

Fazit Magnat Signature 1109

Es ist wie immer bei den Magnat-Flaggschiffen der letzten 20 Jahre: Auch mit der Signatutre 1109 bekommt man erstaunlich viel fürs Geld.

Mit diesem Lautsprecher kann man nicht nur wunderbar Musik hören, sondern auch größere Räume problemlos beschallen. Und man kann sich mit diesem Lautsprecher Live-Konzerte aus der Konserve noch um einiges glaubhafter nach Hause holen, als es mit den meisten anderen HiFi-Lautsprechern dieser Größen- und Preisklasse möglich ist.

Der verantwortliche Entwickler Christian Gather – das merkt man – mag es eher knackig-direkt. Ein guter Lautsprecher darf bei ihm schon mal wie ein guter Bühnenmonitor klingen. Lebendig muss es sein. Packend. Und sehr präzise.

Schon bei der Direkt Zweiklang von der Magnat Schwesterfirma Heco hat Gather dieses Ideal beeindruckend gut umgesetzt, fast noch konsequenter bei der großen Heco Direkt Dreiklang. Und nun – auf ebenfalls sehr beeindruckende Weise – auch bei der Magnat Signature 1109.

Ich mag solche Lautsprecher. Sie haben Charakter und heben sich wohltuend ab von den modernen, eher schmusekursigen Abstimmungen, die weltweit angesagt sind.

Aber diese attraktive Agilität ist auch immer eine schwierige Gradwanderung: Wann wird das Lebendige anstrengend? Bei der Magnat Signature 1109 ist dieser Balance-Akt in meinen Ohren perfekt gelungen.

Mehr zur Magnat:
Magnat Quantum 720: die komplette Übersicht
Test Magnat RV4 – Vollverstärker mit BT & Röhrenflair

Die Mit- und Gegenspieler im Hörraum:
Test Quadral Platinum+ Nine – viel Druck im Bass
Test SPL Director – Vorstufe aus dem Studio
Test nuPower A – Super-Endstufe vom Direktvermarkter


Magnat Signature 1109
2018/03
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Hoch dynamisches, lebendig-natürliches Klangbild
Sehr breitbandig
Hoher Maximalpegel
Hoher Wirkungsgrad

Vertrieb:
MAGNAT AUDIO-PRODUKTE GmbH
Lise-Meitner-Straße 9
50259 Pulheim
www.magnat.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Magnat Signature 1109: 4.000 Euro