Mit dem iFi iDSD Phantom bringen die Briten aus Southport einen echten Überflieger auf den Markt, eine Art „FlieWaTüt“ des HiFi. Übertrieben? Ganz und gar nicht, denn in dem iFi iDSD Phantom stecken ein D/A-Wandler, ein Ultra-Res-Streamer, ein Vorverstärker und ein Kopfhörerverstärker vereinigt in einem Gerät. Das beeindruckt Sie noch nicht? Nun, dann vielleicht, dass der Phantom modernste Digitaltechnik mit bewährter Röhrentechnologie kombiniert. So beherbergt das System nicht nur Wandler vom Typ Burr-Brown DSD1793 in Quad-Architektur, die bis 768 kHz und DSD512 auflösen, sondern – und jetzt kommt’s – zwei ausgesuchte NOS (New Old Stock) -Röhren vom Typ GE5670 JAN in der (wählbaren) Ausgangssektion. Zu den Röhren – News hin- oder her – ausnahmsweise mal ein wenig Hintergrund. Es lohnt sich, versprochen!

Die Doppeltriode 5670 fand erstmals vor fast 80 Jahren (15. September 1948) ihren Eintrag in die „EIA – Jedec – Electron Tube Registration List“. Entwickelt wurde sie ursprünglich für den Einsatz im VHF-Bereich (Very High Freqency, wie etwa UKW). Sie kann einen Frequenzbereich bis 800 MHz nutzen, hat eine gute Linearität, produziert nur geringe harmonische Verzerrungen und nur wenig Rauschen. Optimal also eigentlich für die Verwendung im Audiobereich. Doch ausgerechnet hier kam sie nur selten zum Einsatz. Der Grund: Sie war relativ teuer. Weniger auf den Taler achten musste und muss das Militär, wo sie dann auch oft und gerne eingesetzt wurde. Solche ausgesucht für die US-Streitkräfte produzierten Röhren erhielten dann den Zusatz „JAN“ (Joint Army & Navy). In der Sowjetunion gabs dafür die Abkürzung „OTK“ (Отдел технического контроля = Abteilung für technische Kontrolle). Die Russen verbauten sogar in ihren zweistrahligen Abfangjägern MiG-25 Elektronenröhren und setzten bewusst nicht auf Transistoren, da diese weniger anfällig für elektromagnetische Impulse bei Nuklearexplosionen sind …
GE5670 JAN: Über 100.000 Stunden Haltbarkeit
Zurück zur 5670 und zum iFi iDSD Phantom. In diesem finden ausgewählte Röhren vom US-amerikanischen Hersteller General Electric Verwendung, die aus Militärbeständen stammen, sie tragen also am Ende ihrer Typenbezeichnung die Buchstaben JAN. Es bedarf eigentlich keiner Erwähnung, aber diese sind selbstverständlich außerordentlich langlebig, auch wenn sie nach Produktionsende seit den 1980er-Jahren in militärischen Lagern auf ihren nun zivilen Verwendungszweck gewartet haben. Die Lebensdauer einer GE5670 JAN aus NOS-Beständen soll bei 100.000 Stunden und mehr liegen. Einen schonenden Betrieb vorausgesetzt.

Da darf auch hier mal die Frage erlaubt sein, welche elektronischen Komponenten heutzutage überhaupt so lange halten, geschweige denn in Nutzung bleiben, denn 100.000 Stunden entsprechen mehr als elf Jahre. Im Dauerbetrieb …

Wie setzen aber mal voraus, dass Sie vorhaben, einen iFi iDSD Phantom lange zu benutzen, was durchaus wahrscheinlich ist, wenn man sich seine Möglichkeiten ansieht, die wir hier einmal nach Herstellerangaben auflisten:
- Ultra-Res Network Streaming: Native Wiedergabe bis 768 kHz/DSD512 über Qobuz Connect, Tidal Connect, Spotify Connect, Roon, AirPlay 2, DLNA/UPnP
- DSD2048 Remastering: Chrysopoeia FPGA-Engine für ein studioähnliches DSD-Remastering bis DSD2048. Eine Technik, die auch japanische Masteringstudios nutzen
- Quad DAC Architektur: Vier interleaved Burr-Brown DSD1793-DACs
- Je nach Wunsch lassen sich drei Ausgangsmodi per Schalter wählen:
Solid State: Wiedergabe über diskrete J-FETs (Sperrschicht-Feldeffekttransistoren) für einen präzisen und verzerrungsarmen Klang
Tube: Wiedergabe via GE5670 JAN für Wärme und Fülle
Tube+: Für eine verstärkte zweite harmonische und mehr „analoge“ Färbung der Wiedergabe - K2HD Technologie (JVCKENWOOD): Diese Funktion dient der Rekonstruktion natürlicher Obertöne, die manch digitaler Aufnahme verlorengegangen sind. Modi: K2 (Originalauflösung) und K2HD (Upsampling auf 192 kHz/24 Bit)
- XBass Pro & XSpace Pro: Analoge Basskorrektur (10/20/40 Hz) und räumliche Signalbearbeitung (30/60/90°), abgestimmt für Kopfhörer und Lautsprecher
- Galvanische Isolation: Ethernet, S/PDIF und AES/EBU sind galvanisch getrennt, um Störeinflüsse zu reduzieren
- Leistung: Bis zu 7.747 mW Peak
- Digitale Filter & Modi: Bit-Perfect / Bit-Perfect+, GTO, Transient Aligned, Apodising – für unterschiedliche Klangcharaktere und zeitliche Signalbearbeitung.
Ob FlieWaTüt oder eierlegende Wollmilchsau: Der iFi iDSD Phantom dürfte in dieser Ausstattung so ziemlich einzigartig sein.
Verfügbarkeit und Preis
Der iFi iDSD Phantom ist ab sofort zu haben und kostet 4.695 Euro. Mehr Infos gibt es hier: www.wodaudio.com
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