High End 2017: Rückblick auf die größte Messe ihrer Art

High End 2017: die Vorführungen/Best Sound Of The Show

Octave Chef Andreas Hofmann hatte zur Messe die Röhrengemeinde mit einem 16-Watt-Verstärker überrascht –  sein erstes Single-Ended-Trioden-Konzept. Der Octave V16 SE (Preis: 8.900 Euro) war eigentlich als ultimativer Kopfhörerverstärker erdacht, dennoch wollte Hofmann ihn auf der High End 2017 als klassischen Verstärker mit einem Hochwirkungsgrad-Lautsprecher vorführen: die neue Blumenhofer Gran Gioia Mk2. Allerdings traute Hofmann den hohen Wirkungsgrad-Angaben der bayerischen Hornbauer nicht ganz und spendierte seinem neuen Vollverstärker einen Vorstufenausgang, sodass dieser zusätzlich eine RE 320 Endstufe für Bi-Amping ansteuern konnte.

Das Ergebnis klang super. Die Blumenhofer Gran Gioia Mk2 scheint ein richtig guter Lautsprecher zu sein, der kleine Octave ein ebenso guter Verstärker. Die Musik kam genau auf den Punkt, sehr detailreich, aber auch mit viel musikalischen Fluss. Eine Kombination, die absolut empfelenswert ist.

Ocetave und Blumenhofer Horn im Messerückblich High End 2017
Der Octave V16 SE (oben Mitte)  ist gar nicht so klein – obwohl er nur 16 Watt leistet. Perfekt passt da ein Hochwirkungsgrad-Lautsprecher wie die Blumenhofer Gran Gioia Mk2 für 60.000 Euro (Foto: H. Biermann)

KEF Botschafter Johan Coorg führte den größten und teuersten Lautsprecher, die Muon, und den kleinsten und modernsten Lautsprecher des KEF Programms vor. Die große Muon hatte dabei einen schweren Stand: die KEF LS 50 Wireless ist einfach zu gut und weit besser, als ihr Preis von 2.300 Euro vermuten ließe. Ab und an streute Coorg auch Vorführungen der brandneuen KEF Q950 ein. Die Standbox ist zwar etwas schlicht verarbeitet, aber klanglich ein Hammer! Nach längerem Hören würde ich sagen: Unter 2.000 Euro gibt es wahrscheinlich nichts Besseres.

Johan Coorg im Messerückblick High End 2017
KEF Botschafter Johan Coorg hier bei der Präsentation der KEF Muon (außen), der LS 50 Wireless (weiß) und der KEF Q950 (Foto: H. Biermann)

Einstein baut seine Lautsprecherlinie aus. Während sich der mittlere „Monitor“ gerade im LowBeats Hörraum warmläuft, hat Familie Bohlmeyer schon den nächsten Streich parat: die Mini Monitor, die einfach in allen Belangen etwas kleiner als der Monitor ist: ein 15 Zentimeter Tiefmitteltöner im geschlossenen, extrem stabilen und von Anette Bohlmeyer wie üblich sehr attraktiv gestalteten Gehäuse. Dazu die bekannte Morel-Kalotte im Hochton. Das Ganze sieht bezaubernd aus und klang sehr lebendig.

Die neuen Einstein Lautsprecher im Messerückblick High End 2017
Wie immer hübsch gestylt und klanglich wunderbar natürlich: Einsteinkette mit den neuen Kompaktmonitoren für 10.000 Euro pro Paar (Foto: H. Biermann)

Eine Kette aus lauter Elac Prototypen: Auf der High End 2017 führte Elac-Entwickler Andrew Jones (siehe auch LowBeats Interview) seine neuen Adante Koax-Standboxen AF 61 an einer Kette aus Audio Alchemy-Komponenten vor. Adante liegt in der Hierarchie über UniFi. Und gemessen daran, dass diese Kombination  auch serienreif vierstellig bleibt, klang es überragend gut und zeigt, dass der neue Elac Weg – der des gut bezahlbaren HiFi – der richtige ist.

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Elac Entwickler Andrew Jones im Messerückblick High End 2017
Andrew Jones: Der renommierte Elac Entwickler war sich nicht zu schade, die ganze Messe über den kompetenten Vorführer zu geben (Foto: R. Vogt)
Elac Adante AF 61 im Messerückblick High End 2017
Die neuen Elac Adante Koax-Lautsprecher AF 61 an einer Audio Alchemy Kette. das ist High End für kleines Geld (Foto: H. Biermann )
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Paradigm ist ein Lautsprecher-Entwickler, der hierzulande noch nicht sonderlich aufgefallen ist. Das aber absolut zu Unrecht. Paradigm, die eng mit Martin Ligan Verbandelt sind und bei denen auch die fantastische Anthem AV-Elektronik entsteht, hat mit der Persona-Linie eine ganze Serie an Meisterstücken aufgelegt. Vor allem das Flaggschiff P9 H steckt voller Hightech. Zum Beispiel Hoch- und Mitteltöner aus Beryllium. Zudem ist die P9 H aktiv, hat also die Endstufen schon eingebaut. Aber im Gegensatz zu fast allen anderen Aktivboxen hat die P9 H auch noch eine sehr gut Raumentzerrung von Anthem (ARC) eingebaut. Der Paradigm Vorführraum auf der High End 2017 war quasi unbehandelt und dennoch klang es fantastsisch: vor allem im Mittelhochtonbereich absolut feinseidig und detailreich, im Bass bis in die tiefsten Lagen sehr kontrolliert und druckvoll. Klasse!

Die Paradigm P9 H im Messerückblick High End 2017
Eine makellose Verarbeitung, den größten aktuellen Beryllium-Mitteltöner, eine aktive Anbsteierung inklusive ARC-Raumentzerrung: Die Paradigm P9 H ist vollgepackt mit Hightech. Paarpreis: 37.000 Euro (Foto: H. Biermann)

Schon vor der Messe stand diese Vorführung auf der Liste der Top-Anwärter auf den „Best-Sound-Of-The-Show“: Karl-Heinz Fink hat mit seinem Finkteam das bislang einzige Lautsprechermodell einer geplanten Serie, die WM4, mit Octave-Verstärkerelektronik kombiniert und ein überragendes Ergebnis hinbekommen: Die Musik groovte wunderbar, Details kamen glasklar, aber stets angenehm und harmonisch. Ein Lautsprecher, der auf perfekte Weise unaufgeregt spielt.

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Finkteam WM4 im Messerückblick High End 2017
Lautsprecher Finkteam WM4 mit 38 cm Bass (Preis: 60.000 Euro) sowie Octave Vorstufe HP 700 und Mono-Endstufen MRE 220 (Foto: R. Vogt)
Karl-Heinz Fink im Messerückblick High End 2017
Karl-Heinz Fink hat wahrscheinlich mehr Lautsprecher im HiFi entwickelt als jeder andere Entwickler weltweit. Doch das stets für andere Marken oder Firmen. Mit der Finkteam WM4 hat er nun nach langer Zeit wieder einmal einen Schallwandler unter eigenem Namen und nach eigenem Gusto gemacht (Foto: R. Vogt)
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Den seit Jahren professionellsten Auftritt gibt es traditionell bei Gauder Akustik/AVM. Da liegt es nicht nur an der Qualität der Komponenten und am raumakustischen Wissen von Roland Gauder, mit dem er den Vorführraum akustisch präpariert. Es liegt auch an dem musikalischen Conferencier Thomas Hintze, der auf unnachahmliche Weise herausragende Stücke seiner Jazz-Sammlung zum Besten gibt. Die hier gespielte Kombination war bewährt: Die Standbox Gauder RC8, angetrieben von je zwei AVM Ovation MA 8.2. Sind die Endstufen mit ihren mehr als 1.000 Watt schon über jeden Zweifel erhaben, so hat die RC8 auch bei dieser Vorführung wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie die beste Gauder ist – obwohl RC9 und RC11 um einiges teurer sind. Es klang wunderbar „komplett“, ausgesprochen luftig und sehr natürlich. Auch hier hätte ich gern sehr viel länger gehört.

AVM und Gauder auf der High End 2017
Thomas Hintze bei Gauder/AVM. Die Vorführung ist musikalisch immer mehrere Besuche wert. Aber auch klanglich geht es kaum besser. Die Kombination bestand aus Gauder RC8 plus Vorstufe AVM Ovation PA8 und vier Endstufen-Monos AVM Ovation MA 8.2 (Foto: H. Biermann)

Bei Burmester gab es neben dem Plattenspieler 175 noch die neuen Lautsprecher BC 350 zu bestaunen. Sie sind direkte Nachfahren der noch größeren Konzeptbox C500 aus letztem Jahr – siehe Messebericht High End 2016 – aber etwas kleiner geraten. Die Lautsprecher, die nach Aussagen von Burmester CEO Andreas Henke 2018 auf den Markt kommen sollen und sicher im „sechsstelligen“ Bereich liegen werden, klangen sehr natürlich, ausgewogen, aber auch ungemein lebendig. Im Gegensatz zu den Konzeptboxen C 500 des letzten Jahres nicht ganz so zupackend burschikos, sondern etwas feiner und eleganter. Insgesamt ein Auftritt, der der noblen Burmester-Kombination sehr gut zu Gesichte stand.

Burmester im Messrückblick High End 2017
Burmester mit neuen Super-Lautsprechern (BC 350) und dem neuen Plattenspieler 175 für 30.000 Euro (Foto: H. Biermann)

Umwerfend gut fand ich auch die Kombination aus Wilson Audio Alexx (Best Sound Out Of Show 2016, Vertrieb: Audio Components) und der großen Nagra Elektronik (Vertrieb: Gaudios), wie den Tower-Mono-Endstufen HD-Amp. Trotz kleinerer, durchaus hörbarer Schwächen des Vorführraumes hatte diese Vorführung so gut wie alles: eine ungemeine Kraft und zupackende Dynamik, aber auch genau den richtigen Schuss Wärme und Schmelz, um klassische Musik in ihrer ganzen Schönheit zu erleben. Und auch die räumliche Abbildung war, nachdem ich mir den optimalen Platz in der Mitte erkämpft hatte, nahezu perfekt plastisch.

Wilson Audio Alexx plus Nagra auf der High End 2017
Die Wilson Audio Alexx (Paarpreis: 128.000 Euro) an den Nagra Monoblöcke HD Amp (Paarpreis: 75.000 Euro) hatten einen absolut überzeugenden Messeauftritt (Foto: H. Biermann)

Man kann mir an diesem Punkt eine leichte Befangenheit vorwerfen: Ich hatte die neue Magico S3 MkII schon bei MY SOUND in Starnberg in optimaler Umgebung gehört und war echt angetan. Nun hatte MY SOUND Chef Wolfgang Linhard große, vorgefertigte Akustik-Elemente auf die High End bringen lassen und schuf somit für die derzeit wohl attraktivste Magico fast optimale Bedingungen. Angeschlossen an eine komplette Spectral Kette klang es wie erwartet: überragend luftig, natürlich und ohne jede Kantigkeit flüssig und schön. Diese Kombination ist atemberaubend und war auf der High End 2017 mein persönliches Highlight.

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Magico S3 MKII und Spectral im Messerückblick High End 2017
Die Magico S3 MkII (Preis: 38.900) an einer kompletten Spectral-Kette plus Meitner CD-Player MA-2. Das ist an Luftigkeit und Auflösungsvermögen nur ganz schwer zu toppen (Foto: R. Vot)
MY SOUND Raumakustik im Messerückblick High End 2017
Neuschwanstein als Motiv für ein riesiges Akustik-Element: Im Magico Raum hingen zwei davon – je links und rechts vom Zuhörer – und verwandelten den schlichten Messe- in einen gut gemachten Hörraum (Foto: H. Biermann)
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Fraglos in einer eigenen Liga dieses Messerückblick High End 2017 spielte das AIA Heimkino, das in Kooperation von Ascendo und Storm als Raum-in-Raum-Konzept auf der High End installiert wurde. Perfekter 3D-Klang unterfüttert mit dem Tiefton-Potenzial eines 50 Zoll-Subwoofers – so etwas war auf der Messe bislang noch nicht zu hören. Für Messebedingungen überragend.

Das AIA Kino im Messerückblick High End 2017
Das AIA-Kino auf der High End 2017 war ein Raum-im-Raum-Konzept mit über 20 Lautsprechern. Zu sehen waren aber nur die Ascendo Live 15 (vorn), die eigentlich als HiFi-Lautsprecher konzipiert sind, aber auch als Heimkino-Box fantastisch gut funktionieren (Foto: R. Vogt)

Und dann gab es da ja noch die Parallelmesse zur High End 2017: die hifideluxe. Tannoy hatte sich hier unter anderem eingemietet und präsentierte die neue, noch nicht ganz fertige Legacy-Serie. Vor allem die kleine Eaton (Paarpreis: 5.300 Euro) machte unter den gar nicht so guten Bedingungen eine hervorragende Figur: Sie spielte kraftvoll, mit viel Wärme, aber mit prägnantem Hochmitteltonbereich und einer klasse Abbildung. Von dieser Serie werden wir noch viel hören…

Tannoy Lecacy eaton im Messerückblick High End 2017
Tannoy Legacy auf der Parallelmesse hifideluxe im Münchener Marriott. Vor allem die kleine Eaton mit 25 Zentimeter Koax trumpfte hier groß auf (Foto: H. Biermann)

Hoch Interessantes außerhalb der Show: Soundsteer SL-1 im Olympiapark

Doch die vieleicht spannendste Vorführung im Messerückblick High End 2017 fand gar nicht auf der High End selbst, sondern unter Ausschluss der allgemeinen Öffentlichkeit in der BMW-Welt im Münchner Olympiapark statt. Dort präsentierte Lexicon (wie auch JBL, Mark Levinson und Revel unter dem Dach der Performance Group von Harman) ein Paar seiner Konzeptlautsprecher Soundsteer SL-1. Das Ding sieht aus wie eine Sanduhr und ist mit jeweils 12 Hochtonkalotten, 8 Mitteltonkalotten sowie 4 Bässen bestückt. Die Lautsprecher sind aktiv, das heißt: jeder Treiber hat seine eigene Endstufe. Mit SL-1 will Lexicon eine völlig neue Freiheit in Bezug auf Aufstellung der Lautsprecher und Hörplatz der Zuhörer erreichen. Das Motto lautet: Der „Sweet Spot“ ist überall.

Wie funktioniert’s? Bei der Einstellung ermittelt ein eingebautes Mikro den Standort des Lautsprechers als auch den seines Pendants. Daraus errechnet das per Router ans Internet angebundene System die Raumakustik und optimiert die Übertragungskurven per digitalem Equalizer. Der Nutzer bedient das System mit einer pfiffig gemachten App auf seinem Smartphone, mit der er auf jedem Hörplatz im Raum (und sei es in einer Raumecke) den optimalen Stereo-Sound bekommt. Es ist quasi wie ein höchst ambitionierter Balance-Regler: nicht nur Pegel, sondern auch noch Frequenzgang, Phase und Abstrahlverhalten werden in Bezug zum anderen SL-1 ausgeglichen und optimiert.

Die Präsentation im sehr halligen Demoraum war überzeugend: Nicht nur, dass die Lexicon SL-1 sehr ausgewogen und fein klangen, auch die Idee ging auf: Selbst beim Durchwandern des Raums blieb der Stereo-Eindruck bestehen. Die Frage, warum dieses System beim Elektronik-Spezialisten Lexicon und nicht bei JBL angedockt wird, bleibt offen. Nicht die nach dem Preis: das Paar soll knapp 20.000 Euro kosten.

Lexicon Soundsteer SL-1 im Messerücklick High End 2017
Lexicon Soundsteer SL-1: zwölf Hochtöner, acht Mitteltöner, vier Bässe, 24 Endstufen, über 1.200 Watt. Der intelligente und App-gesteuerte Lautsprecher wird 20.000 Euro pro Paar kosten (Foto: H. Biermann)

Autor: Holger Biermann

Holger Biermann
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.