Dass die Münchener HiFi Tage 2026 die abgewanderte HIGH END ersetzen könnten, damit hatte natürlich niemand gerechnet. Schon gar nicht, weil kurz vor Beginn der Messe im feinen Le Meridien Hotel direkt vor dem Münchener Hauptbahnhof die Ausstellerliste immer noch reichlich kurz war und die großen Namen fast alle fehlten. Meine Erwartungshaltung war entsprechend gedämpft, zumal die Messeveranstalterin Ivonne Borchert-Lima wie auch auf den Messen in Hamburg und Stuttgart recht stattliche 15 Euro für den Eintritt aufrief …
Markus Schönrock (stehend, Mitte) von Sonic Throne ist derzeit Gast auf fast allen Messen, um sein außergewöhnliches Tonmöbel (ein Sessel mit eingebautem und individuell anpassbaren Mehrkanal-Soundsystem) den geneigten Besuchern vorzuführen. Der Preis des Sessels liegt bei 15.000 Euro (Foto: H. Biermann)
Doch es kam alles viel schöner. Am Samstag war der Messebereich des Hotels aufs Schönste mit HiFi-Freunden „geflutet“ und am Sonntag, knapp vor 14 Uhr verkündete die Messeleitung den tausendsten Besucher. Das ist nicht die Welt, aber es waren ja auch nur 20 bespielte Räume unterschiedlicher Größe. Und insofern wären deutlich mehr Besucher womöglich schon zu viel des Guten gewesen. Und mir bot sich so die Gelegenheit, mich mal intensiver mit auch etwas unbekannteren Marken/Produkten auseinanderzusetzen. Gleichwohl: Die Stimmung war gut und Peter Neumann vom Lautsprecher-Spezialisten APE meinte sogar, die Münchener HiFi Tage 2026 sei die Messe mit dem besten Feedback, das er je mit APE bekommen hätte. Ein großes Lob.
Eine der schönsten Seiten dieser Messe: Es waren unerwartet viele jüngere Gesichter (hier bei Sennheiser) zu sehen (Foto: H. Biermann)
Aufgeteilt war die Messe in zwei Bereiche: Unten die großen Konferenz-Räume, belegt von den dänischen Größen Scansonic und Audio Group Denmark. Während im Scansonic-Raum der Vertriebschef der Dänen Morten Kim Nielsen sein sehr überzeugendes, perfekt eingespieltes, halbstündiges Programm abspulte, sorgte AGD durchweg für große Freude. Hier spielten die neuen Subwoofer BM3 die Vorzüge ihrer Konstruktion voll aus – mit satten, tiefen, mitreißenden Bässen.
Bei der dänischen Audio Group spielte ein Pärchen Børresen C3 in Kombination mit den bei LowBeats kürzlich vorgestellten Subwoofern BM3. Die Kombi „füllte“ den großen Konferenzraum mühelos (Foto: H. Biermann)
Messerundgang auf der Münchener HiFi Tage 2026
Und im ersten Stock des Hotels waren die anderen 18 Vorführungen zu hören und zu sehen:
Thomas Wolf, noch bis vor kurzem bei Audio Reference tätig, hat mit Nordyx Audio einen eigenen Vertrieb auf die Beine gestellt. Die wichtigsten Marken: Starke Sound und die Elektrostaten von Final Audio (hier im Bild weiß), die mithilfe der Subwoofer wunderbar leicht und transparent klangen (Foto: H. Biermann)
Inklang-Chef Thomas Carstenesen war vor Ort und bespielte die Gemeinde mit dem neuen Inklang-Flaggschiff Ceterra 70R, von der in Kürze auch ein LowBeats Test erscheinen wird. Das Interesse auf der Messe jedenfalls war sehr hoch – wohl auch ein Ergebnis des überzeugend guten Tons (Foto: H. Biermann)
Seidenton aus der Schweiz war eine echte Überraschung für mich. In der Vorführung war die STB Avertura, die wunderbar natürlich klang und vor dem Hintergrund des tollen Klangs und der teuren Herkunft erstaunlich günstig ist. Allerdings sind die Seidenton-Leute auch Meister des aufwändigen Tunings – was hier zelebriert wurde (Foto: H. Biermann)
Noch so eine Überraschung – ebenfalls aus der Schweiz: Die Komponenten von Rowen sind bei den Eidgenossen längst eine feste Größe, bei uns sind sie eher underrated. Zu Unrecht, wie ich jetzt wieder hören durfte. Die Refyne-Speaker (Silber) hatte eine tolle Auflösung und zeigten einen enormen Druck (Foto: H. Biermann)
Gar keine Überraschung: Bei AP Elektronik spielte die AP Monitor 30P gewohnt gut-authentisch an der ebenfalls bestens beleumdeten SPL-Elektronik. Hingucker des Ensembles allerdings war der Orbiter Audio Plattenspieler, der noch im Einzelstück-Modus gehandelt wird, bald wohl aber für etwa 15.000 Euro zu haben ist (Foto: H. Biermann)
Best Sound of the Show mit Ansage: In Raum 2 spielten mit AudiaZ und Westend Audio zwei LowBeats Referenzen und der Klang war entsprechend packend und räumlich. Aus dem LowBeats Hörraum kannte ich die Kombination allerdings einen Hauch gefälliger (Foto: H. Biermann)
Der iFi DSD Phantom (im WOD Vertrieb) feierte auf der Messe seine Deutschland-Premiere. Der Flaggschiff-Kopfhörer-Verstärker mit Röhren-Ausgangsstufe verfügt über einen exzellenten DAC und ein ebenso überragendes Streaming-Modul (Foto: H. Biermann)
Der Bergmann Magne Plattenspieler mit Luftlagerung und Tangentiantonarm (auch im WOD Vertrieb) ist ja schon einige Jahre auf dem Markt. Erstmals aber habe ich den Ausnahme-Plattenspieler über eine kabellose Übertragung von iFi gehört und muss sagen: Ey, gar nicht übel… (Foto: H. Biermann)
Ich hatte schon lange keinen Lansche-Schallwandler mehr gehört und war sofort wieder begeistert: Diese Leichtigkeit im Hochton ist unerreicht… Die kleine No 3.2 MK2 spielte hier an einem Class-A-Boliden von Virtus Audio und einem Laufwerk von Reed (Foto: H. Biermann)
Lautsprecher-Tüftler und ATE-Chef Norman Gerkinsmeyer zeigte sein aktives Lautsprecherkonzept, dessen Clou der selbstentwickelte Ring-Mode-Breitbänder ist, der bis 200 Hertz runterreicht. Das einmessbare System liegt bei 20.000 Euro und wird in absehbarer Zeit auch bei LowBeats einen Gastspiel haben (Foto: H. Biermann)
Das Dipol-Studio zeigte die Vorzüge des Prinzips, hier anhand der Analysis Audio Omicron. Obwohl das kleinste Modell der Linie, schob die Omicron im Bass gewaltig an – ein klares Gegenargument für all jene, die meinen, Dipole seinen ärmlich im Bass… (Foto: H. Biermann)
Philipp Herrmann, Geschäftsführer des Hornspezialisten Avantgarde Acoustic, ließ es sich nicht nehmen, die brandneue Opus 1 selbst vorzuführen. Die aktive Opus 1 gilt Firmen-intern als Gamechanger, weil sie für überschaubare 13.000 Euro extrem viel bietet. Und tatsächlich: Geklungen hat es schlicht fantastisch (Foto: H. Biermann)
Die Röhren von der schwedischen WB Manufacture stehen schon lange in dem Ruf, feinsten Röhrenklang zu produzieren. Auf der Messe spielte ein Vollverstärker mit 805er Röhre. Eycatcher der Kombination allerdings war ein Dipol-Speaker von Aeroglas. Bestückung: 8 Zoll Breitbänder mit Hornvorsatz plus 21 Zoll Bass. Das knallte herrlich präzise… (Foto: H. Biermann)
Am Ende ist es eine gelungene Premiere und die Aussteller waren durchweg zufrieden. Die Messe zeigte aber nachdrücklich, dass München ein exzellenter Standort auch für größere HiFi-Messen ist. Denn Werbung wurde kaum gemacht, der örtliche Fachhandel nicht eingebunden. Und 15 Euro Eintrittspreis sind auch nicht ganz ohne … Dass sich dennoch eine so stattliche Zahl interessierter Besucher aktivieren ließ – darunter auch erfreulich viele jüngere Musikfreunde – zeigt das hohe Potenzial dieser Stadt.
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.