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Mit Naim und Bentley am Nürburgring

Der Bentley mit der Startnummer 7 mit Guy Smith, Steven Kane and Andy Meyrick lieferte sich packende Duelle und belegte am Ende den 2. Platz – auch in der Blancpain Endurance Serie. (Foto: Stefan Schickedanz)
Der Bentley mit der Startnummer 7 mit Guy Smith, Steven Kane and Andy Meyrick lieferte sich packende Duelle und belegte am Ende den 2. Platz – auch in der Blancpain Endurance Serie (Foto: S. Schickedanz)

Dann geht es in die Bentley-Box, wo wir einen Überblick über die Arbeit des Werksteams M-Sport bekommen. Doch das Beste kommt danach: Zwei schnelle Runden auf dem Grand Prix Kurs des Nürburgrings in einem Bentley Mulsanne Speed.

Ja, Sie haben richtig gelesen, in der größten Limousine aus dem Programm des britischen Herstellers. Über 5,5 Meter Außenlänge, fast 3,3 Meter Radstand und rund 2,7 Tonnen ohne Extras – doch dieses Prachtexemplar ist vollgestopft mit allem, was gut und teuer ist, inklusive Bar-Fach mit gekühltem Champagner, passenden Gläsern plus drei Journalisten als zusätzlichem Ballast.

Nomen est Omen: Die Mulsanne ist eine Gerade

Eigentlich sollte man meinen, das Automobil tauge nur zum Geradeausfahren, zumal es sinnigerweise nach einer Geraden benannt wurde. Mulsanne steht auf dem legendären Kurs von Le Mans für hohen Top Speed und Motorleistung – Punkte, an denen immerhin mit über 500 PS, 6,8 Liter Hubraum, über 1100 Nm Drehmoment und über 300 km/h wahrlich kein Mangel herrscht.

Der Fahrer ist ein Rennprofi, der den Wagen richtig ausquetscht, wobei er ihm bemerkenswerte Fahrleistungen abtrotzt. In einer schnellen Kurve bricht gar das Heck aus. Doch nichts knarzt oder verwindet sich. Selbst die Bremsen überstehen die Tortur mit links.

Vor 10 Jahren bin ich die Strecke mal selbst mit einem BMW M3 gefahren; damals hätte ich mir nie träumen lassen, sie noch einmal aus dieser extravaganten Fond-Perspektive zu sehen.

Nissan GT-R und Continental GT3-R am Nürburgring 2015
Um sich mit Sportwagen wie der roten Flunder rechts duellieren zu können, speckte Bentley den Continental GT3-R auf 1.300 Kilo ab (Foto: S. Schickedanz)
Bentley Continental GT Logo
Das Bentley-Wappen verleiht dem Continental GT Flügel: Der 2,3-Tonner wirkt fast schwerelos, sofern man ihn nicht zu hart pusht (Foto: S. Schickedanz)

Nach dieser Ehrenrunde mit dem Bentley-Fanclub im Corso sind wir bereit für die Hauptattraktion und mir bleibt der Mund offen stehen: Das Rennen der Blancpain Endurance Serie ist Racing für Erwachsene.

Beim 24-Stunden-Rennen hauen die Wagen nach einem kurzen Gastauftritt auf der Kurzanbindung des Grand-Prix-Kurses für eine gefühlte Ewigkeit auf die Nordschleife ab. Und das Starterfeld ist so riesig, dass man auch auf den Monitoren in den VIP-Lounges nur Fragmente hingeworfen bekommt.

Eigentlich lebt der 24-Stunden-Klassiker vor allem vom Trubel im Fahrerlager und der Lagerfeuer-Romantik an der Strecke. Doch hier kann man vom Turm fast die ganze Strecke einsehen und bekommt im Ring-TV die packenden Duelle rausgepickt.

Und wenn man auf dem Balkon vor der Lounge steht, braucht man nur etwas über eine Minute bis zur nächsten Vorbeifahrt der Favoriten zu warten. Außerdem bieten die Autos in dieser Serie einen genialen Sound, der allerdings ohne Ohrenschützer richtig weh tut.

Finale: Der zweite Platz und trotzdem alles richtig gemacht

Am Ende belegten die Bentley-Boys Guy Smith, Steven Kane und Andy Meyrick den zweiten Platz des Rennens und sicherten sich den zweiten Platz der Meisterschaft. Das nötigt mir schon Respekt ab.

Wenn man sieht, mit welchen hochkarätigen Sportwagen das ursprünglich über 2,3 Tonnen schwere Herrenfahrerauto sich packende Zweikämpfe liefern kann, kann man erahnen, wie viel Arbeit in die Renn-Variante einfloss.

Schließlich bringt es selbst die Straßenversion des Bentley GT3-R noch auf stattliche 2,2 Tonnen. Die ausgeräumte und durch reichlich Carbon-gepimpte Rennversion wiegt dagegen „nur“ 1,3 Tonnen, was von beachtlichem Wissen um Karosseriebau zeugt.

Den Nissan GT-R, den der schnellere der beiden Bentleys bis zu dessen Abflug gut im Griff hatte, kenne ich vom Stowe Circuit in Silverstone und einem Straßentest. Das Auto ist eigentlich eine Waffe und würde um den komfortbetonten Schwergewichtler von heute Morgen Kreise fahren.

Also Chapeau – ich ziehe den Hut vor Bentley M-Sport. Die meinen es ernst und machen einen richtig guten Job. Und außerdem haben sie mir mit dem Day at the Races eines meiner schönsten Rennwochenenden bereitet. Und dass der Hörtest so mager ausfiel, konnte diesen Eindruck nur ein ganz klein bisschen trüben …

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Bentley GT3-R beim Boxenstop Nürburgring 2015
Beim Boxenstopp zählt jede Sekunde (Foto: S. Schickedanz)
Bentley und Nissan GT-R an der Box, Nürburgring 2015
Beinahe kommt es zum Crash zwischen dem Bentley GT3-R und Nissan GT-R (Foto: S. Schickedanz)
Bentley und Nissan GT-R Beinah-Crash Nürburgring 2015
Beide Autos entgehen dem Crash nur knapp und gehen in der gleichen Reihenfolge wie vorher zurück ins Rennen (Foto: S. Schickedanz)
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