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Revox Audiokassette
So wird sie von unten betrachtet aussehen, die Revox Audiokassette, die es im vierten Quartal 2025 geben soll. Hergestellt bei Revox in Villingen (Foto: Revox)

Noch in diesem Jahr: Revox Audiokassetten

Bald zu haben: Revox Audiokassetten. Kassetten? Tapes? Ja, Sie haben richtig gelesen. In einer einzigartigen Kooperation holt sich das deutsch-schweizerische Unternehmen Produktionsmaschinen und Knowhow von der amerikanischen „National Audio Company (NAC)“ nach Baden-Württemberg. Dort sollen die Revox Audiokassetten noch im vierten Quartal 2025 hergestellt werden – mehr als 22 Jahre nachdem bei EMTEC in Ludwigshafen die letzten Tapes vom Band liefen. Und jetzt ausgerechnet Kompaktkassetten in Neuauflage? Nun, wir erinnern ans Vinyl, auf das vor gar nicht langer Zeit auch kaum jemand gesetzt hätte. Noch 2014 wurden in den Vereinigten Staaten nur 50.000 Alben auf Kassette verkauft, 2023 waren es bereits knapp 440.000 Exemplare. Noch immer wenig, im Vergleich zu CD oder Schallplatte, aber die Zahlen gehen nach oben. Auch wenn die Kompaktkassette, ebenso wie Vinyl, sicherlich ein Nischenprodukt bleiben wird. Aber eines, mit dem man rechnen muss.

„Revox wird durch die exklusive Kooperation zum marktführenden Anbieter von Leer– und Musikkassetten und zum Betreiber einer der größten Kassettenproduktionsanlagen in Europa“, stapelt die Revox Group in einer Presseaussendung gar nicht mal so tief. Was aber auch stimmt. Die Kassettengehäuse werden übrigens von „Musicbox S.R.L.“ zugeliefert. Kein Wunder, schließlich sind die Italiener laut eigener Aussage der letzte verbliebene Hersteller von sogenannten C-0 (C-Zero) Leergehäusen. Auch NAC bezieht seine Gehäuse von dort. Werfen wir mal einen genaueren Blick auf des Unternehmen in Springfield, Missouri (Nein, die Simpsons wohnen dort nicht).

Steve_Phil Stepp_NAC
Ohne sie würde es heute wohl keine neuen Audiokassetten mehr geben. Steve (rechts) und Phil Stepp von der National Audio Company aus Missouri (USA). Einst holten sie eine Maschine, die für die Magnetstreifen von Kreditkarten zuständig war, ins Werk und rüsteten diese für ihre Zwecke um (Foto: Revox)

Die National Audio Company ist beileibe keine Neugründung, sie ist bereits seit 1968 am Start, gerade mal fünf Jahre nachdem Lou Ottens von Philips seine Kompaktkassette vorgestellt hatte und die dann einen unvergleichlichen Siegeszug rund um die Welt antreten sollte. NAC hielt sich unter anderem deshalb lange am Markt, da die öffentlichen Bibliotheken (National Library Service) der Vereinigten Staaten stets Audiokassetten für Hörbücher – insbesondere für sehbehinderte Menschen – im Portfolio halten wollten. Zudem hatte man auch die Produktion von CDs aufgenommen, ließ die Kassette aber stets weiterlaufen.

Die National Audio Company bezog das Bandmaterial lange von externen Zulieferern, zuletzt aus Südkorea. Als auch dieses Unternehmen die Produktion einstellte, wurde es ab den 2010er-Jahren eng, denn die Lagerbestände würden nur noch für etwa drei Jahre reichen. Da beschloss Steve Stepp, Sohn des Firmengründers Warren Stepp, eine eigene Produktionsstraße für Bänder zu installieren. Doch das war leichter gesagt als getan. Woher nehmen?

Revox_Metallband
Auch das gab es mal: Ein Revox Typ IV-Band (Metall). Zugeliefert vermutlich von einer der damaligen großen Marken wie TDK, Fuji oder Maxell, denn auf dem Gehäuse (hier nicht sichtbar) steht „Made in Japan“ (Foto: Archiv)

Durch Zufall erfuhren sie von einer Bandbeschichtungsanlage, die in Nevada stand. 19 Meter lang und 20 Tonnen schwer, wurde diese einst für die Herstellung der Magnetstreifen auf Kreditkarten genutzt. In den 1980er Jahren gebaut, brauchten die Techniker von NAC mehr als anderthalb Jahre, nur für die Restaurierung des Ungetüms.

Die Idee war genial, so kam man an (fast) neue Maschinen, die sonst auf dem Weltmarkt nicht mehr zu bekommen waren. Doch die Mitarbeiter mussten reichlich Gehirnschmalz in den Aufbau stecken, bis das Ganze ihre Anforderungen erfüllte. Der Erfolg gibt ihnen Recht, denn schließlich wird es nun dank ihnen noch in diesem Jahr Revox Leerkassetten die komplett aus Westeuropa stammen, geben.

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Autor: Andrew Weber