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3D-Klangwelt mit 20.000 Watt: Ascendo AIA

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Koaxialtreiber der CCRM 12 von hinten
Der 30 Zentimeter Koaxialtreiber der CCRM 12. Gut zu sehen ist der mittig implantierte Hochtöner (Foto: R. Vogt)
Koaxialtreiber des CCRM 6
Der Koaxialtreiber des CCRM 6 (Foto: R. Vogt)
Endstufe der AIA-Monitore
Die hoch effiziente Endstufe der Monitore. Sie leistet in etwa 500 Watt und kommt ohne Lüfter aus (Foto: R. Vogt)
DSP-Board der AIA-Monitore
Das Board für den DSP ist recht kompakt und passt deshalb bestens in die AIA-CCRM-Monitore (Foto: R. Vogt)
CCRM Seitenansicht mit Anschlussfeld (Foto: R.Vogt)
Der CCRM von der Seite. Man sieht die geringe Bautiefe und das Anschlussfeld auf der Seite (Foto: R. Vogt)
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Manufaktur in der Galgenmühle

Wo vor sehr langer Zeit Korn gemahlen und gelagert wurde, werden heute große Lautsprecher aufgebaut. Die Produktion der Schallwandler erfolgt ebenso in den Räumlichkeiten der ehemaligen „Galgenmühle“ wie auch die Vorführung, für die Ascendo eigens eine Raum-in-Raum-Konstruktion entwickelt hat.

Das Schemabild (siehe S.1 oben) gibt eine Idee, wie in etwa die einzelnen Lautsprecher angebracht sind. Da die Endstufen (und die Prozessoren) direkt in jeder Box stecken, ist ein zusätzlicher Elektronikraum überflüssig; nur ein Rechner/Server muss irgendwo stehen.

Das Vorführ-System verfügt „nur“ über 24 Kanäle, was aber in Bezug auf die Größe des Demo-Raums in der Manufaktur absolut ausreichend ist. Die meisten Menschen werden eh den Kopf schütteln: Bitte wie? 24 Kanäle? Reichen da nicht klassischer Weise 5.1 – also sechs?

Das AIA-Zentrum
Von hier aus gehen die Ethernet-Kabel zu den einzelnen Lautsprechern. Das System erkennt jeden angeschlossenen Speaker (Foto: R. Vogt)

Nein. Schon das neue Dolby-Atmos-Verfahren braucht eigentlich in der Minimalbesetzung eine 7.2.4-Anordnung, also mit sieben Satelliten, Center und Rear-Speakern, zwei Subwoofern und vier Deckenlautsprechern. Aber auch bei Dolby Atmos sind der Anzahl der Kanäle kaum Grenzen gesetzt; bei Auro 3D ist es ebenso.

Auf der Ascendo Webseite ist eine schöne Übersicht über sinnvolle Konfigurationen für die verschiedenen Tonformate zu finden. Und meine Erfahrung geht genau in diese Richtung: Je mehr Kanäle, desto besser – vorausgesetzt natürlich, man kann alle so exakt einstellen und einsetzen wie beim AIA System.

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AIA CCRM 6 im Einsatz
Die einzelnen Satelliten-Lautsprecher, hier die CCRM 6, sind vergleichsweise flach und im AIA-Demoraum übereinander aufgehängt (Foto: AIA)
AIA-Demoraum hinten
Der Blick nach hinten lässt die vier Deckenlautsprecher erkennen (Foto: R. Vogt)
Subwoofer SMSG 15 von AIA
Der kleinere der beiden Subwoofer: der SMSG 15 mit geschlossenem Gehäuse (Foto: R. Vogt)
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Höreindruck Ascendo AIA: Klang zum Anfassen

Jürgen Scheuring und Holger Biermann
Jürgen Scheuring und Holger Biermann (Foto: R. Vogt)

Holger Biermanns Höreindruck der Demonstration

Meine Erwartungen den Klang betreffend waren nach den vorausgegangenen Gesprächen mit Jürgen Scheuring und Stefan Köpf (Verkaufs- und Marketingleiter) gewaltig. Der Ascendo AIA Ansatz ist so richtig und konsequent, dass er eigentlich nur gut klingen konnte.

Und tatsächlich. Kollege RV hatte – wie immer zu diesen Anlässen – eine 3TB-Festplatte mit allerfeinsten Mehrkanal-Aufnahmen dabei. Darauf sind unter anderem alle verfügbaren Dolby-Atmos-Sampler, die ich ebenfalls gut kenne und bei verschiedenen Gelegenheiten (Demos von Onkyo, Teufel) schon ausgiebig erfahren konnte.

Doch das Ascendo IA System in Ansbach spielt auf einem komplett anderen, sehr viel höheren Niveau. Das Mehr an Details, wenn das Blatt vom Dolby-Sampler zu Boden geht, die Art und Weise, wie physisch dieses Blatt im Raum anwesend zu sein scheint und ganz sanft auf den Boden fällt, ist schlichtweg gigantisch.

Das ist ja auch genau die Idee: Schallereignisse sollen das zweidimensionale Bild drastisch nach hinten und oben erweitern.

Und das schafft das AIA-System auf eine Art und Weise, wie ich es auch bei den großen Iosono-Systemen vom Fraunhofer Institut noch nicht gehört habe. Bei geschlossenen Augen ergibt sich ein sehr reales, dreidimensionales Bild.

Natürlich auch bei „echter“ Musik. Eine Live-Aufnahme von Lee Ritenour quillt über mit feinen Details, Gitarren-Obertönen und einer Natürlichkeit, die selbst besten High-End-Stereosystemen genügen würde.

Da reden wir nicht nur von absurd tiefen, beliebig lauten und niemals dröhnenden Bässen. Wir sprechen auch von einer stabilen Raumabbildung und -Ausleuchtung, die einzelne Instrumente sehr real auch hinter den Zuhörer positionieren kann.

Raphael Vogt
Hat in Bezug auf Heimkinos schon alles gesehen und gehört: Raphael Vogt

Raphael Vogts Höreindruck der Demonstration

Ein gutes Kino zu bauen, nötigt einen, scheinbar Unmögliches zu kombinieren. Kern jeden Filmtons ist die Filmmusik. Ein gutes Kinosystem muss also ebenso mit Popmusik wie mit Symphonieorchestern gut umgehen können. Die Abbildung muss in alle Himmelsrichtungen, diffus und scharf bündelnd, lückenlos und dennoch mit klarer Trennung gelingen. Zu guter Letzt kommen bei Effekten im Tief- und Tiefsttonbereich unerschöpfliche Reserven hinzu, die sich bei Referenzpegel schon für klassisches 5.1 auf satte 121 Dezibel summieren! Und dass soll alles kontrolliert und ohne dröhnen oder verzerren, bestenfalls gar kompressionsfrei klingen. Geht nicht? Doch, geht!

Es kommt dabei halt genau die Materialschlacht heraus, die Ascendo in Ansbach veranstaltet. Schon die Trailer von Dolby und Auro zeigten, dass das Demosystem mehr kann, als man gewohnt ist, und ich bin mit meinem eigenen vollaktiven 7.1.4-Setup und akustisch optimiertem Raum schon einiges gewohnt. Das Set spielt wie eine gelungene Synthese aus Konzert-PA und Highend-Lautsprecher. Hier kommt alles irrsinnig direkt und durch die diskrete Raumabbildung der Surroundwiedergabe wirklich plastisch greifbar, fühlbar mit dem ganzen Körper – und das hat nur bedingt mit der Lautstärke zu tun.

In weiser Voraussicht hatte ich einige Live-Musik-Scheiben mitgebracht und das war gut so. Ob gigantisches Stadionkonzert von Mylène Farmer, intimes Clubkonzert von B.B. King oder die Surround-Mixes von Pink Floyd in High-Res auf den Blu-rays der diversen Box-Sets: das spielte alles so live-haftig, wie man es sich erträumt. Die von den AIA Lautsprechern gelieferte Spreizung aus Grob- und Feindynamik sowie die Direktheit ohne Aggressivität  sind wirklich auf einem Niveau, das keine klassische HiFi-Anlage liefern kann.

Zu guter Letzt legte Geoffrey Heinzel mit einer Aufnahme eines Feuerwerks in Auro-3D in Sachen Grobdynamik nochmal eins drauf. Jeder kennt die Zündladungen, die die Raketen gen Himmel schießen. Und die klangen so erschreckend realistisch stumpf, knochentrocken, Mark und Bein erschütternd, wie ich das in einer Reproduktion nie für möglich gehalten hätte. Das Feuerwerk, das Ascendo AIA hier abbrennt, ist wirklich grandios.

Fazit Ascendo AIA: Der Ton holt auf

Seit langem hatten wir mal wieder das Gefühl, der Heimkino-Ton könne mit dem (ständig besser werdenden) Bild mithalten. Zugegeben: Der Aufwand ist gewaltig. Das Erlebnis aber ebenfalls.

Wer schon lange mit der Unzulänglichkeit klassischer Heimkino-Systeme hadert, kann sich hier inspirieren lassen: Das Ascendo AIA ist sehr dicht an der perfekten Illusion.

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