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Alon Wolf
Alon Wolf mit der Magico S2 bei „My Sound“ in Starnberg (Foto: H. Biermann)

S-Klasse Tage bei My Sound: Magico-Chef Alon Wolf im LowBeats-Interview

Vor wenigen Wochen hatten wir die Magico S2 im Test. Die Standbox ist Magico-typisch ein perfekt verarbeitetes Tonmöbel im Aluminiumgehäuse und klingt – ebenfalls Magico-typisch – überragend gut. So gut, dass die Frage aufkam, ob es in qualitativen Bereichen überhaupt noch besser geht. Wir konnten uns die Frage schnell beantworten, denn es waren S-Klasse-Tage bei „My Sound“ in Starnberg. Das heißt: Hier, in dieser wirklich passenden Location, direkt am Starnberger See gelegen und ausgestattet mit den schönsten und akustisch besten Studios Deutschlands konnte man die S2, die größere S3 und das Linien-Flaggschiff S5 mehr oder minder direkt miteinander vergleichen. Und was die Sache noch interessanter gestaltete: Der Magico-Gründer und -Mastermind Alon Wolf war selbst vor Ort und stand dem LowBeats Team Rede und Antwort – siehe Interview weiter unten.

Magico ist selbst in der spitzen Weltelite der Lautsprecher immer auf den ganz vorderen Plätzen zu sehen – nicht nur wegen der irrsinnig teuren Top-Modelle, sondern weil jeder dieser Lautsprecher in jeweils seiner Klasse mit das klanglich Machbare darstellt. Insofern hat Wolf einiges zu erzählen. Seine Einschätzung zu unserer Frage, ob er nicht schon im Kleinen (S2) enorm viel vorlegt? „Doch, doch: Aber mit immer größerem Aufwand wird es auch klanglich besser, sonst würde ich es ja nicht machen. Aber natürlich werden die Schritte immer kleiner. Wesentlich jedoch ist die wachsende Dynamik-Fähigkeit der größeren Lautsprecher. Sprechen wir zum Beispiel von der S-Linie: Die S5 etwa bewegt viermal mehr Luft als die S2. Das hört man.“

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Alon Wolf mit Magico S5
Große Lautsprecher (Magico S5), treffen auf einen großen Mann (Alon Wolf) und auf noch größere Wand-Fotografien von Wolfgang Linhard (Foto: H. Biermann)
Alon Wolf mit der Magico S3 an einer Soulution-Kette bei „My Sound“ in Starnberg (Foto: H. Biermann)
Alon Wolf
Alon Wolf mit der Magico S2. Zur besseren Einschätzung hatte My Sound-Chef Wolfgang Linhard hatte den gleichen Vollverstärker (Pass INT 250), den auch LowBeats im Test nutzte, angeschlossen (Foto: H. Biermann)
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Da hat der Meister Recht. Tonal ist eine Magico immer als eine Magico erkennbar: Man bekommt immer eine sehr feine Auflösung, die so gar nicht anstrengend ist. Eine solch hohe Familien-Ähnlichkeit ist ja längst nicht bei allen Lautsprecher-Anbietern zu erkennen. Aber beim Wechsel von S2 auf S3 war tatsächlich – neben dem spürbar tieferen Bass – durchaus eine etwas höhere Lebendigkeit und Feindynamik zu erkennen.

Noch viel deutlicher wurde der Vergleich mit der großen S5. Die schien einfach „lauter“ zu spielen – so viel mehr Dynamik und Spielfreude legte sie an den Tag. Das hätten wir in dieser Klarheit nicht erwartet. Aber gut: die S5 kostet mit knapp 110.000 Euro auch fast das dopplte von der S2, die bei rund 50.000 Euro liegt.

Und so waren wir auch schnell im Gespräch über Preise, Qualität und das Musikhören an sich:

Magico-Chef Alon Wolf im LowBeats-Interview

Auf die Ursprünge seines Schaffens angesprochen zückte Wolf zu Beginn unseres Gesprächs gleich das Smartphone und zeigte uns stolz Fotos seines Enkels. Auf denen ist der in Windeln gepackte zweijährige Knabe, stets mit einer Kindergitarre zu sehen. „Wo auch er hingeht, er hat dieses Instrument immer dabei“, schwärmte Alon Wolf mit einer dicken Portion von großväterlichem Stolz. Ob aus dem Kleinen nun ein Gitarrenvirtuose oder ein Ingenieur der Lautsprechertechnik wird, ist aber noch offen.

Andrew Weber von LowBeats und Alon Wolf, Magico
LowBeats-Mitstreiter Andrew Weber (li.) im Gespräch mit Alon Wolf, Inhaber und Gründer der US-amerikanischen Boxenschmiede Magico (Foto: H. Biermann)

Wolf selbst hatte die ersten Berührungspunkte mit Musik durch das alte Grundig „Dampfradio“ seines Großvaters, vor dem er stundenlang als Kind der Musik lauschte. Seinen ersten Lautsprecher baute er, als er 16 Jahre alt war.

„Von Anfang an, war es mir wichtig, stets die bestmögliche Klangqualität zu erreichen.“ Später besorgte er sich DIY-Kits, um den Aufbau der Boxen „die Physik, die da drinsteckt“, zu erkunden. „Schon früh erkannte ich, dass man das eine oder andere durchaus besser machen konnte.“ Nun, das hat er getan. Heute gehören die Lautsprecher aus seiner 35 Mitarbeiter starken Manufaktur zum Besten, was es auf dem Weltmarkt gibt und im Bereich Physik zeigt er so manchem Mitbewerber, wo technisch der Hammer hängt, wie etwa seine Beryllium-Hochtöner mit Diamantbeschichtung deutlich demonstrieren.

Allerdings sind seine Werke preislich im sehr gehobenen Segment angesiedelt. Auf die Frage, ob es denn nicht auch günstiger gehen könnte, reagierte Wolf daher ein wenig konsterniert. Es wird deutlich, dass er rein ingenieursmäßig an die Entwicklung geht, kaufmännische Scheren sind ihm zuwider.

Gutes noch besser machen

Das ist eben High-End in Reinstkultur, wenn es nur ein bisschen besser klingen soll, kostet es richtig viel mehr Geld. Und Gehirnschmalz. Aber davon hat Alon Wolf offenbar noch reichlich in Reserve. Denn auf die Frage, was ihn antreibt, antwortete er: „Wenn ich morgens aufstehe, denke ich nicht daran, was ich bisher geleistet habe, sondern, was ich Neues, Besseres entwickeln kann.“

„Wenn ich einen Lautsprecher entwickle, habe ich keinen Endverkaufspreis im Kopf. Egal, ob Sie die A-, S-, oder M-Serie nehmen, gibt es keinen Unterschied bei der Entwicklung. Auch nicht in der Art des akustischen Designs. Sie sind alle nach den denselben strukturellen, wissenschaftlichen beziehungsweise technischen Prinzipien konstruiert. Das Einzige, was wir tun, ist es, die Materialien, die darin stecken, immer weiter zu optimieren. Wenn Sie also eine A3 hören, die 15.000 Euro kostet, und dann eine M9, für die Sie 900.000 Euro bezahlen müssen, dann werden Sie gewisse Ähnlichkeiten feststellen. Sie werden bemerken, dass sie aus demselben Stall stammen. Aber natürlich ist die M9 viel größer, viel dynamischer, vielleicht auch ein wenig flüssiger, etwas geschmeidiger im Klang und anderes mehr, was im Wesentlichen auf die Investition in die darin verwendeten Teile zurückzuführen ist. Aber nehmen wir zum Beispiel das Beryllium. Die Berylliummembran, die wir in der A-Serie verwenden, ist dieselbe Berylliummembran, die auch in der M9 verwendet wird. Das Einzige, was der Hochtöner der A-Serie nicht hat, ist die Diamantbeschichtung. Aber wir reden hier auch von einer Preisdifferenz vom Faktor zehn im Vergleich zu dem in der M9 eingesetzten Hochtöner. Das ist es aber nicht allein. Lassen Sie mich es Ihnen genauer erklären.

Wir entwickeln unter der Maßgabe, günstig sein zu wollen, aber wir haben keine Endpreise im Kopf. Wir wissen nicht, wo wir landen werden. Die großen Lautsprecher ziehen die kleinen mit und wir verkaufen die großen Boxen sehr gut. Mit der A-Serie realisieren wir, was wir für das absolute Minimum halten, schließlich wissen wir ja, wie teuer es werden kann. Bei der S-Serie ist es aus unserer Sicht ausgewogen und bei der M-Serie ist es uns egal, was es kostet.“

Soll heißen: Kompromisse werden keine gemacht. Das erklärt dann auch, dass ein Einstiegsmodell, wie der Regallautsprecher Magico A1, beim Fachhändler „My Sound“ mit rund 6.980 Euro zu Buche schlägt. Pro Stück versteht sich.

LowBeats im Interview mit Alon Wolf
Nachgefasst: Müssen Lautsprecher so teuer sein? Wolf: „Wenn sie so gut sein sollen, wie wie es mir vorschwebt, dann schon…“ Foto: H. Biermann)

„Wir versuchen einfach, so viel wie möglich herauszuholen. Wenn wir in der Serie aufsteigen, erweitern sich die Möglichkeiten. Wir können stärkere Magnete verwenden mehr Kanäle, um Luft abzuleiten, Titan-Schwingspulen einsetzen und solche Dinge. Wenn man einmal diesen Weg eingeschlagen hat, steigen die Preise einfach. Ein einfaches Beispiel: Eine Seidenkalotte, wie sie bei vielen Lautsprecherherstellern verwendet wird, kostet vielleicht 50 US-Cent, eine Beryllium-Kalotte liegt bei 180 US-Dollar, nur allein für die Membran. Ohne Diamantbeschichtung selbstverständlich.“

Ob es denn aus seinen Augen ernsthafte Konkurrenz für Magico gebe, fragen wir ihn. Man merkt seinem Gesicht an, dass er eigentlich sofort „Nein!“ sagen möchte. Aber er ist höflich und umschreibt das Ganze eher freundlich: „Ich kann nicht verstehen, warum die meisten Lautsprecher-Hersteller immer noch Materialien wie Papier-Membranen oder Gewebekalotten verwenden – das ist Technik von vor über 60 Jahren. Die Entwicklung ist auch hier vorangeschritten. Und Gegenfrage: Wissen Sie, wie viele Highend-Lautsprecher-Hersteller in den USA die Klippel Analyse-Systeme verwenden?“ Wir verneinen. „Ich kann es Ihnen sagen: genau eins. Und das sind wir. Ich weiß es genau, weil ich die Vertriebsleute von Klippel in USA gefragt habe. Welche Konkurrenz soll ich da also sehen?“

Wir warfen auch die Frage auf, ob man mit der Aktiv-Technik nicht noch weiterkommen könnte. Alon Wolf nickte lächelnd und blickte zu LowBeats Chefredakteur Holger Biermann, mit dem er vor etwas mehr als 10 Jahren mal einen seiner Kunden in Santa Barbara besuchte, der wiederum mit dem vollaktiven Ultimate III Horn hört. Die zelebriert einen so unfasslich großer, müheloser Klang, das bläst den Zuhörer förmlich um. Insofern weiß Wolf um die weitreichenden Möglichkeiten von “aktiv”.

Magico Ultimate III
Eine 5-Wege-Konstruktion mit – im gesamten Mittelhochtonbereich – gigantischem Wirkungsgrad, weshalb die vier oberen Wege (alles Hörner) gern mit Röhren-Endstufen betrieben werden. Ein Pärchen Ultimate III entsteht als selten gefertigtes Einzelstück über einen recht langen Zeitraum. Der Preis ist aktuell siebenstellig (Foto: Magico)

Und dennoch ist das Thema keines, das Wolf ernsthaft verfolgt. „Die Audiophilen mögen es nicht, weil sie dann nicht mit Endstufen und Kabeln experimentieren können”, sagt er. Aber meine Kunden sind nun einmal fast ausschließlich audiophile Hobbyisten…“

Da Alon Wolf einen zweijährigen, ganz offensichtlich musisch interessierten, Enkel hat, interessierte uns seine Einschätzung, wie man die Gen-Z und folgende für HiFi, abseits von Bluetooth-Lautsprechern erwärmen könnte. Seine Antwort fiel überraschend nüchtern aus.

„Da habe ich auch keine guten Ideen. Obwohl viele jungen Menschen Nachholbedarf haben. Viele kennen nur den Bluetooth-Kopfhörerklang. Sie wissen gar nicht, was guten Klang ausmacht. Die kaufen auch keine Schallplatten, weil die gut klingen, sondern weil sie denken, dass das cool ist. Leider. Wir haben durchaus auch junge Kunden, aber vielleicht fehlt es der Branche einfach insgesamt an Innovationskraft. Wie gesagt: Lautsprecher mit Holzgehäuse und Papier-Membranen gab es vor 100 Jahren schon…“

Später, als wir nach einem Hörtest, ein wenig plaudern spricht er ganz nebenbei über seine Freundschaft zu Andrew Jones, einem Ex-Lautsprecherentwickler der britischen Boxenschmiede KEF (sehen Sie hier das Interview). Ihn und KEF hält er für eine der wenigen innovativen Lautsprecherhersteller. Das hätte den Gründer von KEF, Raymond Cooke sehr gefreut. Denn der hatte seinen sicheren Arbeitsplatz bei Wharfedale hingeworfen, weil dessen Gründer, Gilbert Briggs, an Papiermembranen festhalten wollte. Cooke indes sah die Zukunft in dem Werkstoff Polystyrol und sollte Recht behalten. Ganz deutlich steckt auch in Alon Wolf etwas von dem Pioniergeist von Raymond Cooke. Wir werden wohl noch mit einigen Innovationen von Magico rechnen dürfen. Auch wenn sie sich nicht jeder leisten können wird…

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Autor: Andrew Weber