Wir waren ein bisschen erstaunt: Nubert feiert seit Januar dieses Jahres das 50-jährige Jubiläum und alle Welt hat große Flaggschiffe mit Mega-Bässen als Demonstration der technologischen Größe des Unternehmens erwartet. Aber nein. Das einzige Jubi-Modell ist die vergleichsweise schlicht-schlanke Nubert nuJubilee 50. Doch wenn man ehrlich ist, spiegelt diese universelle und erfreulich günstige Aktivbox nahezu perfekt das Wesen der Schwaben wider, die sich in 50 Jahren nie von der Günther-Nubert-Gründungsidee des „ehrlichen Lautsprechers“ entfernt haben. In den Test startete die kleine Standbox daher schon einmal mit hohem Sympathie-Vorschuss…

Die Besonderheiten der Nubert nuJubilee 50
Die schlanke Aktiv-Standbox ist eindeutig als Sondermodell ausgewiesen und macht das auch an verschiedenen Punkten deutlich. Beispielsweise ist sie auf 500 Paare pro Farbe (Schwarz & Weiß) limitiert. Aber das sind immer noch 1.000 Paare und ausreichend viele, um die Nubert-Gemeinde mit ihr zu beglücken.
Und natürlich hat sie alle Technik eingebaut, die derzeit bei Nubert in den Aktiv-Speakern oder Soundbars aktuell en vogue sind. Also eine sauber entzerrte DSP-Aktivtechnik und eine Anschlussfreudigkeit, die praxisnah ist: klassische Anschlüsse (analog, optisch, Koax) plus Bluetooth 5.0 aptX HD und HDMI eARC.
Für das Jubiläums-Modell wählten die Nubert-Designer einen sehr gradlinigen Entwurf, bei dem lediglich die Deckel- und Bodenkanten leicht angefast sind. Passend und wirklich hübsch geraten ist der neue Fuß, welcher der kleinen Box praktisch und optisch einen guten Stand verleiht. Zudem ist das Lack-Finish (Mehrschichtlack in Schwarz oder Weiß) vorzüglich.

Die Technik…
…basiert auf einem Master-/Client-System, weshalb der charakteristische Bedienknopf auch nur auf einer der beiden Lautsprecher sitzt. Technisch ist die nuJubilee 50 ein aktives 2,5 Wege System mit zwei 13 Zentimeter Tiefmitteltönern, von denen der untere nur bis etwa 500 Hertz spielt. Bewährt ist auch der 26 mm große Hochtöner, den Nubert schon seit vielen Jahren erfolgreich weiterentwickelt und einsetzt.

Nubert hat schon vor Jahren begonnen, extrem langhubige (eigentlich für den Subwoofer-Einsatz gedachte) Bässe auch als Tiefmitteltöner einzusetzen. Wegen der etwas höheren Masse sind die natürlich nicht ganz so impulsschnell wie jene Modelle mit ultra-leichter Mitteltonmembran. Dafür aber sind diese Bässe naturgemäß sehr viel höher belastbar.

Tiefer und satter Bass ist seit jeher ein Markenzeichen von Nubert-Lautsprechern und auch die nuJubilee 50 überrascht an dieser Stelle mit einer Basswucht, die man diesem Böxchen nicht zutrauen würde. Zumal man über verschiedene Filter (wie die Nubert-Klangwaage) den Klang auf die jeweilige Wohnraum-Situation oder auf den persönlichen Geschmack einstellen kann. Und theoretisch ist es über diesen Weg auch möglich, im Bass noch ein Pfund draufzulegen…
Nubert hat die Jubiläums-Box als Universalisten erdacht: Sie soll im Wohn- oder Arbeitszimmer als hochwertiges Stereo-Set gut klingen, aber eben auch Gaming ermöglichen oder eine Soundbar ersetzen. Deshalb finden wir hier erstaunlich viele Soundbar-Funktionen: Der interne Prozessor beherrscht Dolby, DTS, aber auch so TV-wichtige Funktionen wie ein Voicing (Funktion: voice+), was die Sprachverständlichkeit deutlich verbessert. Und natürlich hat die nuJubilee einen HDMI eARC-Anschluss, damit sie in der Lautstärke über die TV-Fernbedienung steuerbar ist.

Nubert-Kennern wird schnell die große Ähnlichkeit der Jubiläumsbox zur Soundbar Nubert nuPro AS-3500 auffallen: eine sehr ähnliche Bestückung (es fehlt nur der zweite Hochtöner), das gleiche Anschluss-Board, die gleichen Prozessoren und – nach Blick auf das Datenblatt – auch die gleichen Endstufen. Das Einzige, was den Jubiläums-Standboxen fehlt, sind die 16-Zentimter-Subwoofer (auf der Unterseite) der Soundbar. Doch dafür kommt die nuJubilee ja im Paar. Und wer wirklich noch mehr Bass braucht, findet auf ihrer Rückseite einen dezidierten Subwoofer-Anschluss. Schließt man hier per Cinch-Kabel einen Subwoofer an, stellt sich die Übergangsfrequenz automatisch auf praxisgerechte 80 Hertz ein. Clever.
Die große Ähnlichkeit zur Soundbar wirft ein Schlaglicht auf die Vielseitigkeit der nuJubilee 50. Und darauf, dass Nubert zum Jubiläum wirklich ein tolles Schnäppchen entwickelt hat: Eine AS-3500 hat zum Markstart gut 900 Euro (heute reduziert auf 750 Euro) gekostet, das Pärchen nuJubilee geht zum Paarpreis von 950 Euro über die Theke. Das ist mehr als fair.
Praxis
Die Jubi-Standbox ist wie gesagt, ein Master-Client-System und erfordert zwingend ein Verbindungskabel. Das legten die Schwaben als robust-hochwertiges Vierpolkabel aus.

Nuberts kleine Jubiläums-Standbox ist zwar ein sympathischer Tausendsassa, aber keine Netzwerk-Box – eine Steuerung per App ist also nicht möglich. Die Bedienung erfolgt am ansprechend illuminierten Bedien-Element oder – sehr viel bequemer – über die Fernbedienung.
Wir kennen die Fernbedienung schon länger und sie hat sich bewährt. Nach kurzer Eingewöhnzeit hat man raus, wie man in die einzelnen Klang-Menüs kommt. Zwei Einstellungen finde ich hier besonders hilfreich: „Wide Sound“ und „Voice+“. Letzteres erklärt sich schnell: Die Stimmen bei TV-Ton sind häufig kaum zu verstehen. Mit dieser Funktion wird der Sprachbereich deutlich angehoben.

Über „Wide Sound“ – man ahnt es – wird der Klag breiter, großzügiger. Das ist bei Ambient-Musik ganz angenehm und auch etwas entspannter.
Das Anschluss-Board bietet Zugänge für HDMI, einen optischen und einen koaxialen Digitaleingang. Und, um auch Quellen wie Plattenspieler anzuschießen, einen analogen Cinch-Input. Letzteres ist klanglich die schlechteste Variante, weil das Signal nach Eingang gleich auf 192KHz/24 Bit gewandelt wird und bei analogen Signalen einen A/D-Wandler arbeiten muss. In den Hörtests beließen wir es deshalb bei Signalen per HDMI und optischer Übertragung.
Für die Hörtests stellten wir die nuJubis links und rechts vom Sideboard auf, dazwischen das Display. Über die Aufstellung muss man sich bei einem solchen Konzept keinen Kopf zerbrechen: In der Regel bekommt man den Klang mit den verschiedenen Filtern und der Nubert Bass-Wippe auf die räumlichen Gegebenheiten hin sehr gut eingestellt.
Bleibt noch die Frage, ob die Jubiläumsbox mit ihren jeweils zwei Mini-Bässen pro Seite eine potente Soundbar ersetzen kann? Aber hallo! Wir haben wie üblich nachgemessen und kamen auf einen üppigen Maximalpegel von (weitgehend unverzerrten) 100 Dezibel, beziehungsweise 112 dB im Stereo-Betrieb mit Musik.
Man muss sich dabei vor Augen halten, dass die Nubert-Ingenieure diese kleine Standboxibox ja auf 40 Hertz hin entzerrt haben. „Entzerrt“ ist hier ein etwas irreführender Begriff. Denn natürlich arbeiten so kleine Tieftöner nicht freiwillig so tiefe Bässe ab, da muss man elektronisch nachhelfen. Oder genauer: anheben. Dass die kleine Nubert dennoch auf einen Maximalpegel von 100 dB Dauer und auf 112 dB mit Musik kommt, spricht für die Qualität der Nubert-Bässe und klug eingesetzten Filtern, die Verzerrungen verhindern.
Hörtest
In der Grundeinstellung die nuJubilee erwartungsgemäß ein wenig zu spektakulär: recht satt in den oberen Bässe und etwas zu glitzerig im Mittelhochtonbereich. Das ist für TV und Gaming sicherlich genau richtig und auch viele Musikfreunde werden diese leichte „Badewannen“-Einstellung (früher gern auch „Taunus-Sound“ genannt) gut finden. Aber ich habe es lieber etwas natürlicher und – Vorteil Aktivbox – man kann das ja einstellen…
Hier sind die vielen Nubert-Filter hilfreich: Mit wenigen Eingriffen wurde der Bass etwas knackiger, die Höhen etwas sanfter. Und damit dürften auch Freunde der klassischen Musik sehr gut leben können. Ich legte zunächst Ulla Van Daelen: „83 Strings“ auf, zarte Harfenmusik, für die die nuJubilee ganz sicher nicht gemacht wurde. Und doch setzte die Nubert die Harfe körperhaft in Szene, ließ die Saiten lang ausschwingen und gab sich durchaus spielfreudig. Mir gefielen auch die Singersong-Writer-Aufnahmen von Stockfisch sehr gut, welche die Nubert mit feiner Ausgewogenheit und genau dem richtigen Timbre wiedergaben.
Doch der eigentlich Clou ist der Tieftonbereich: Mit welcher Lässigkeit die beiden nuJubilee 50 beispielsweise bei „Tyna Jama“ von Orange mal eben Bässe mit diesem Tiefgang und ebenso erstaunlich hohen Pegeln aus den kleinen Membranen schütteln konnten, ist wirklich aller Ehren wert. Und weil es so schön war, kamen gleich noch die Kracher von Infected Mushroom, Underworld und Yello mit auf die Playlist. Das Ergebnis war stets das Gleiche: Da kann einem der Mund offenstehen bleiben…
Ein Lautsprecher, der sich ebenfalls eine großen Vielseitigkeit und großer Basskraft verschrieben hat, ist die Klipsch The Nines (Preis aktuell um 1.700 Euro). Die große Kompaktbox bot im Vergleich auch viel satten Bass und vielleicht sogar die noch größere Spielfreude. Aber ausgewogen-natürlicher und im Bass noch etwas habhafter spielte eindeutig die Nubert.
Bei Filmton schlug das Pendel erst recht zugunsten der schwäbischen Aktivbox aus, weil einerseits Voice+ einfach gut funktioniert und andererseits Dolby und DTS bei Filmen doch ganz schön sind. Und dann hat die nuJubilee 50 auch noch die größeren Pegelreserven…
Fazit Nubert nuJubilee 50
Am Ende langer Testreihen kann man festhalten: Diese kleine Standbox hat uns überrascht. Die schlanke Zwitterbox hat die Vielseitigkeit, die man sonst vielleicht von Cantons Smart-Lautsprechern kennt, die aber preislich in zwei Ligen höher spielen.
So bleibt unterm Strich ein gleichermaßen günstiger wie praxisnah-pfiffiger und sympathischer Lautsprecher mit vielen Talenten, der dank umwerfenden Bass-Bereichs, aber auch wegen seiner vielen Klang-Modi stimmungsvolle Musik und Filmton genauso lässig meistert wie packende Gaming-Szenen. Kurz: Ein musikalischer Allrounder für ganz viele Lebenslagen und tatsächlich eines so großen Jubiläums würdig.
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Breitbandiger, ausgewogener Klang |
| | Für die Größe extrem tiefe Basswiedergabe und erstaunlich hoher Pegel |
| | Die Vielseitigkeit einer Soundbar, viele Klangfilter |
| | Erfreulich günstig |
Vertrieb:
Nubert electronic GmbH
Nubertstraße 1
73529 Schwäbisch Gmünd
www.nubert.de
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Nubert nuJubilee 50: 950 Euro
Technische Daten
| Nubert nujubilee 50 | |
|---|---|
| Konzept: | Aktive 2,5-Wege Standtbox, Bassreflex Master-/Client-System |
| Bestückung: | TMT: 2 x 11,8 cm, HT: 1 x 2,6 cm |
| Eingänge: | 1 x analog, 1 x optisch, 1 x Koax, 1 x HDMI eARC plus Bluetooth 5.0 aptX HD |
| Raumklang-Formate: | Dolby, DTS, Wide-Sound |
| Max.-Pegel (Dauer /kurzfristig): | 100 / 112 dB |
| Besonderheit: | Umfangreiche Klangeinstellungen |
| Ausführung: | Schleiflack Weiß und Schwarz |
| Abmessungen (B x H x T): | 15,0 x 94,2 x 22,0 cm |
| Gewicht: | 29,4 Kilo (Paar) |
| Alle technischen Daten | |
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