Cambridge Audio ist ja bekannt für solides und hochklassiges HiFi, das klanglich absolut allgemeinfähig ist. Aber das erfolgreichste Produkt des Programms? Ist seit sechs Jahren der Melomania. Die neueste Variante dieses pfiffigen InEars, den Cambridge Audio Melomania A100, hatten wir jetzt im Test – und sind immer noch begeistert.
Die HiFi-Historie von Cambridge Audio kann sich sehen lassen: Der P40 Vollverstärker bildete einst die Basis des Schaffens. Das war zur Flower-Power-Zeit als die Liverpooler Penny Lane von Miniröckchen bevölkert wurde und die Beatles kurz zuvor ihren gleichnamigen Hit launchten. Es folgten zwei Jahre später Tuner T50 und Amp P50, dann der 44-Kilo-Transmission-Line-Lautsprecher R50. Der CD1 CD-Player teilte dann als Pionier die Abtast- und Wandlerarbeiten in zwei Gehäuse auf. Und die Digitalära beehrten später einige Protagonisten wie der Stream Magic 2011, der erste Netzwerk-Player der Briten. 2019 ging es zurück in die Zukunft mit dem Bluetooth-AptX-HD-Plattenspieler Alva TT.

Warum das interessant ist? Weil Cambridge Audio immer mal wieder Neuland betrat – wie auch 2019 mit dem Melomania 1, dem ersten drahtlosen In-Ear des Hauses – und Vorfahr des Melomania A100, der vor mir liegt. „Melomania“ soll die Musikleidenschaft der Engländer auf den Punkt bringen. Auf dem Preisschild des A100 stehen 139 Euro – für die Ausstattung mit Active Noise Cancelling (ANC), Bluetooth aptX Lossless („verlustfrei“), „LDAC“-Audio für hochauflösende Audio-Dateien oder Spritzwasserschutz – das nimmt sich recht bescheiden aus. Wir werden hören.

Die leicht positive Verblüffung gilt auch für die wertige Verpackung im stabilen beigefarbenen Außen-Karton, schön aufgemachter, robuster Kunststoffschatulle für die Knopf-Hörer sowie die à la Apple bestückten Zubehörteilchen wie dreierlei Silikon-Passstücke, Print-Bedien- und Garantiekärtchen sowie USB-Ladekabel. Die Mini-Truhe schützt die InEars und dient zudem als Ladeplatz. Bis zu 39 Stunden ohne, bis 21 mit ANC sollen so drin sein, das ist ordentlich.
Für den guten Ton wollen 10-Millimeter-Treiber mit Magneten aus nachhaltigem, will heißen – wiederverwertbarem Neodym – sorgen. Die drahtlose Übertragung übernimmt Bluetooth aptX Lossless („verlustfrei“), wieder mit Qualcomm-Technik, zudem will „Bluetooth Low Energy Audio“ für die genannten Akkulaufzeiten powern. LDAC-Audio steht für hoch auflösende Audio-Dateien (theoretisch mit bis zu 990 kbit/s).
Praxis
Was auch für die Haptik und Wertigkeit gilt, die sogar für die Preisliga exzellent ausfällt. Zudem sitzen die beiden Hörer sehr angenehm und wackelsicher in den Ohren. Wilde Sprünge sollte man jedoch eher mit Sport-InEars veranstalten. Dann die „true wireless“-Kopplung via Bluetooth: Mit iPhone und Computer easy – die Paare finden sich im Nu und beim Einsetzen meldet eine freundliche Stimme „connected“…

Freisprechen via Smartphone funktioniert mit sechs Mikrofonen, die sich mit einem Qualcomm-Chip auch um das ANC-Management kümmern. Alltags-/U-Bahn-Geräusche oder Straßenverkehr dimmt die Technik ordentlich runter, allerdings nicht so vehement wie etwa die beiden B&W-Modelle Pi5 und Pi7. Doch der Transparenz-Modus kommt gut und lässt Ansagen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder am Bahnsteig gut verständlich an die Ohren.

Die Bedienung der wichtigsten Funktionen läuft wie üblich über kurze Finger-Tipps auf die kleinen Oberflächen der beiden InEars. Konfiguriert wird das Ganze über die Melomania-App, denn…
…kein moderner InEar ohne App
Die Cambridge-App ist bekannt, übersichtlich und auch für Menschen ohne Vorkenntnisse einfach zu bedienen. Hier kann man etwa die Intensität des Noise-Cancelling einstellen oder die automatische Loudness-Funktion zuschalten. Sie sorgt bei relativ leisen Abhör-Lautstärken für eine Anhebung von Bass und Höhen. Bass allerdings macht der Melomania A100 genug.

Eine relativ wichtige Funktion ist für mich deshalb die Klang-Anpassung per 7-Band-Equalizer, bei der man erfreulicherweise verschieden Kurven an- und in Speicherplätzen ablegen kann. Prinzipiell klingt der A100 recht kräftig im Bass. Aber nach wenigen, kleineren Korrekturen passte alles…
Hörtest
…und schon die ersten Takte beeindruckten: David Gilmour mit seinem aktuellen Live-Opus, eingefangen in Rom, begeisterte mit feiner Stimmartikulation und schön durchhörbarem (Live-)Raum im Circus Maximus. Der einstige Band-Mate bei Pink Floyd, Roger Waters, tat es mit seinem aktuellen Werk „This Is Not A Drill: Live From Prague“ gleich, mit ebenso formidablen Songs und prima Klang – beinahe fantastisch, wie der Melomania A100 hier die sonore Stimmartikulation der Stimme und die Feindanymik der Gitarre rüberbrachte.

Das Klangbild glänzte mit prima Auflösung, Druck, Drive und toller Stereobandbreite. Und das aktivierte ANC verlieh dem Ganzen grundsätzlich noch einen Tick mehr Authentizität.
Was ein weiterer Klang-Knaller bestätigte: Das skandinavische Tingvall Trio begeistert mit ihren federnd-luftigen Arrangements. Der A100 überzeugte mit feiner Auflösung von Piano und Becken – vor allem auch die ausgeleuchtete Stereobühne geriet mitreißend. wenngleich der Bass hier und da zwar erstaunlich tief, aber minimal eingedickt klang. Hier einmal ein Youtube-Link zu „Pax“ vom Tingvall Trio, damit auch das Auge mit-erleben darf:
Es folgten noch mehrere Durchgänge, auch an verschiedenen Tagen und in diversen Situationen. Die kleinen Engländerinnen habe ich in den letzten Tagen fast im Dauerbetrieb. Sie begeisterten mich sozusagen „melomanisch“. Bevor Eifrige jetzt im nachschlagen wollen: Melomanie ist die Musik-Besessenheit. Die wird, das würde ich an dieser Stelle prophezeien, mit dem A100 nicht geringer…
Fazit Cambridge Audio Melomania A100
An dieser Stelle muss ich mich outen. Und zwar als Freund anständiger, besser noch exzellenter Preis-/Leistungsverhältnisse, sprich klasse HiFi zum fairen Preis. Das war schon als Tester bei AUDIO und „TVmovie multimedia“ so. Neben all den ultrafaszinierenden Highend-Komponenten, die das Herz unweigerlich höherschlagen lassen, triggern mich aber echte Schnäppchen fast noch mehr…
Den englischen Audio-Spezialisten von Cambridge Audio ist mit ihren frisch gebackenen, smarten True Wireless InEars genau so ein Preis-/Leistungs-Meister gelungen. Das Klangbild der Melomania A100 begeistert mit einem gut aufgelösten, raumgreifenden Klangbild sowie mit Feinzeichnung und Charme. Die Stimmen besitzen Strahlkraft und Artikulationsstärke, der Bass kommt wuchtig, wenngleich teils etwas weich – aber das lässt sich per EQ schnell auf den eigenen Geschmack anpassen. Das Noice Cancelling ist recht gut und die Haptik hochwertig. Wie gesagt: Ein Preis-Leistungs-Crack!
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Räumlich schön durchhörbares, facettenreiches Klangbild |
| | Einfache Bedienung, prima Tragekomfort |
| | Beeindruckende Verarbeitungsqualität und Haptik |
| | Active Noice Cancelling (ANC) in 3 Stufen einstellbar, 7-Band EQ |
Vertrieb:
Cambridge Audio Deutschland
Telefon: 0410 18099810
www.cambridgeaudio.de
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Cambridge Audio Melomania A100: 139 Euro
Technische Daten
| CAMBRIDGE AUDIO Melomania A100 | |
|---|---|
| Konzept: | Kabelloser „True Wireless“ In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer mit ANC |
| Treiber-Bestückung: | 10 mm dreischichtiger Verbundwerkstoff |
| Wandlerchip: | Qualcomm QCC3084 |
| App: | ja |
| Unterstützte Codecs: | aptX™ Lossless, aptX™ Adaptive, AAC, SBC |
| Akku-Laufzeit: | Bis zu 39 Stunden Akkulaufzeit, 21 mit ANC |
| Ladedauer: | ca. 60 Min, Schnellladen 10 Min. für 3 Stunden Wiedergabe (ohne ANC) |
| Telefonie: | 6 Mikrofone, Echo- und Rauschunterdrückung |
| Besonderheiten: | 7-Band-Equalizer, automatische Loudness |
| Alle technischen Daten | |
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