Test BMW 540i xDrive + Harman Kardon: Thrilling me softly

Hier hat BMW wirklich wie so oft im Elektronikbereich Pionierarbeit geleistet und den Nerv von spontanen Selbständigen, die wie ich beruflich viel mit dem Auto unterwegs sind, getroffen. Die grundliegende technische Umsetzung ist absolut brillant und sehr ausgreift. Allein mit der Trefferquote der Empfehlungen habe ich bisher wechselhafte Erfahrungen gemacht.

Doch heute klappt alles wie im Werbefilm und die Unterstützung kommt mir nach der über drei Stunden langen Reise fast wie ein Geschenk des Himmels vor. Der Concierge kann in seiner, Hunderte von Kilometern entfernten Zentrale die Position des Wagens und das im Navigationssystem eingestellte Ziel sehen. Außerdem hat er Online-Zugriff auf alle möglichen Dienste und Datenbanken.

So liefert er entsprechend meiner Wünsche – Italienisch oder Essen wie die Einheimischen in Zielnähe, gut zu Fuß erreichbar – zwei Vorschläge, darunter ein äußerst interessant klingendes Steakhaus. Das ist mir natürlich am liebsten, doch hatte ich in dem Skiort bestenfalls mit einer wenig authentischen Dependance der großen Ketten gerechnet. Ob es sich dabei um Zufall, männliche Intuition oder Big Data handelt, mag ich mir gar nicht ausmalen, so lange solche Treffer dabei herauskommen. Die Kontaktdaten inklusive Telefonnummer und Website schickt mir der Concierge direkt ins Auto und stellt das Lokal gleich als Ziel ein. Doch für das Auto ist schon am Hotel Feierabend, damit ich mir die Füße vertreten und den perfekten Tag mit etwas Rotwein abschließen kann.

Joe’s Steak Höhle entpuppt sich als wirklich toller Tipp und mit dem kleinen, in einem Onlineportal gebuchten Hotel habe ich auch einen guten Griff gemacht. Voller Erwartung freue ich mich auf die hochalpine Bergetappe am nächsten Morgen.

Plan B läuft immer mehr aus dem Ruder

Allerdings hat mein ursprünglicher Plan zu dem Zeitpunkt schon Risse bekommen. Der BMW 540i xDrive hat zwar bis auf leichte Abstriche beim Drehmoment den gleichen Motor, ein 3.0-Liter 6-Zylinder mit 340 PS und 450 Nm wie der reichlich wilde M140i xDrive (500 Nm), aber einen gänzlich anderen Charakter. Man könnte sagen, sein Fahrverhalten hat eine feinere Auflösung. Mit dem 340-PS-Kraftpaket im kleinen, aber nicht unbedingt leichten 1er gibt es nur zwei Fahrzustände. Entweder entspannt und fast lautlos gleiten im Eco-Pro-Modus oder volle Attacke. Zügig liegt dem Kompakten mit seinen knapp 2,7 Metern Radstand in dieser Version nicht besonders. Das hat zwei Gründe: Seine Gewichtsverteilung passt am besten zu den kürzeren, leichteren Drei- und Vierzylindern und die 500 Nm Drehmoment spürst du bei schnellerer Fahrt und entsprechendem Leistungseinsatz als Giermomenteinflüsse, die den Wagen und seinen Bändiger ständig in Bewegung halten. Unter Vollast dreht das Giermoment den kleinen Wilden leicht in die Kurve hinein, was ihn deutlich gefügiger macht.

Der 5er fährt sich viel runder, fließender und erfordert weniger Korrekturen am Lenkrad, auch wenn sich die Automatik in der Kurve zum Schalten entscheidet. Statt „digital“  durch die um diese Zeit fast völlig leeren Serpentinen zu heizen, schwingst du dich mit der Business-Limousine lässig durch die Kurven wie mit einem Carving Ski, ganz gleich, ob du dich nun im Sport- oder Komfort-Modus des Fahrwerks befindest.

Während der Tag bei einem Dry Aged Steak vom heimischen Rind ausklingt, gehen mir die Ereignisse der letzten Stunden noch einmal durch den Kopf. Soll ich wirklich diesen bequemen Gleiter querstehend über den Gletscher quälen? Schließlich hat sich bereits unerwartet ein zweiter Handlungsstrang aufgetan, der dem Wagen und seinem Anspruch vielleicht besser gerecht wird. Andererseits stechen mir bei meinem Abendspaziergang durch Sölden, das sich im Laufe der Jahre in eine Art alpines Las Vegas verwandelt hat, am Hotel Central die BMW 540i xDrive der BMW Driving Experience ins Auge, die sich im Winter genau da austoben, wo ich auch hinwollte: Auf den Rettenbachgletscher.

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Testfahrt BMW 540i xDrive mit Harman Kardon
Kleiner Fingerzeig von oben: Der Concierge Service von Connected Drive fand auf Knopfdruck für den Autor ein Steakhaus in der Nähe seines Hotels und schickte die Daten direkt ins Auto (S. Schickedanz)
Steakhouse Joe's Höhle, Sölden
Dry Aged Rind aus dem Ötztal – genau nach dem Geschmack des hungrigen Autors nach der späten Ankunft in Sölden (Foto: S. Schickedanz)
Steakhouse Joe's Höhle, Sölden
Ganz ohne Vernetzung oder Karte fand der Autor in Joe’s Steak Höhle zielstrebig das teuerste Getränk. Ein Glas uralten Diplomatico Rum aus Venezuela – in Deutschland firmiert er inzwischen unter dem Namen Botucal. Der BMW 540i xDrive hatte damit bereits auch Feierabend. Er wartete am Hotel auf die Alpentour am nächsten Morgen (Foto: S. Schickedanz)
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Als ich am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein wieder ins Auto steige, bin ich schon so entschleunigt, dass ich einfach mal ganz locker in Richtung Rettenbachfirn losfahre und sehen, was sich ergibt. Schließlich brauche ich zu den tollen Eindrücken vom Vortag auch noch ein paar schöne Bilder. Und wenigstens ein bisschen Schnee für ein paar Donuts wäre auch willkommen. Doch bisher waren die Straßen brottrocken und frei von Schnee und Eis. Ob das jetzt an der globalen Erwärmung oder am ungezügelten Einsatz von Taumitteln liegt, vermag ich nicht zu sagen. Auf jeden Fall hatte der Allradantrieb xDrive nicht die geringste Chance zu glänzen, als ich an einer Gabelung durch eine Passsperrung gestoppt werde. Erstaunlich gelassen, werte ich es als Intervention von ganz oben. „Protect me from what I want“ hatte die amerikanische Künstlerin Jenny Holzer vor vielen Jahren mal auf ein V12 LMR BMW Artcar geschrieben.

Irgendwie betrachtete ich es als Fügung, einen Bericht zu machen, der mehr zum enorm beruhigenden Charakter des Wagens und seinem richtungsweisenden Arsenal an elektronischen Gadgets passt. Schließlich hatte ich auf der tempobegrenzten österreichischen Autobahn die Annehmlichkeiten des teilautonomen Fahrens genossen – als altmodischer Drive-it-yourself-Verfechter. Und die Einlage mit dem Concierge Service, der mir den Abend rettet, während ich nebenbei mit M-Speed über den verwaisten Bergpass fege. Es ist nicht der Speed des Wagens, der selbst zu leistungsmäßig vergleichbaren M5-Modellen vergangener Zeiten den Unterschied macht, es ist der Speed, mit dem dein Blut in deinen Adern zirkuliert.

Ruhig Blut im BMW 540i xDrive

In einem M5 ganz gleich welchen Baujahrs gleicht das Blut in deinen Venen einem rasenden Gebirgsbach, in den du ein paar Fässer hochkonzentriertes Adrenalin gekippt hast. Im BMW 540i xDrive fließt es langsam wie der Neckar in Stuttgart. Selten hatte Geschwindigkeit so etwas Beiläufiges, ja Dezentes. Mein alter M5 brüllte bei hohen Drehzahlen bisweilen wie ein Rennwagen, was daran lag, dass sein 3,6-Liter-4-Ventiler auf dem Aggregat des legendären M1 basiert, also von der Basis tatsächlich ein Rennmotor war, der entsprechend hohe Drehzahlen brauchte.

Der intern B58 genannte Baukastenmotor des BMW 540i xDrive schöpft seine Leistung nicht aus der Drehzahl, sondern profitiert von der stimulierenden Wirkung der Zwangsbeatmung. Sein TwinPower-Turbo zieht schon aus Leerlaufdrehzahl souverän an und bleibt auch bei seinen maximal möglichen 7.000 Touren in jeder Hinsicht kultiviert.

Mit dem M140i xDrive hat er eigentlich nur sein leises Betriebsgeräusch und den verblüffend niedrigen Verbrauch gemeinsam – wobei der 5er noch mal eine ganze Nummer leiser ist, dafür aber aufgrund seiner Größe etwas mehr Sprit konsumiert. Er ist in jeder Situation ungleich erwachsener und souveräner. Während der 140er nach außen sehr dezent auftritt, erweist er sich gegenüber den eigenen Passagieren als Poser. Mehr als einmal entlockte es mir während der Testfahrten mit extrabreitem Grinsen die Worte: „Das ist echt krank“. Er stößt dich dauernd darauf, wie viel Power er besitzt. Im 540er bist du schneller als du denkst, aber du denkst keine Sekunde über die Technik nach.

Das gilt auch für die Gestaltung des Cockpits, was Fluch und Segen zugleich ist. In der Mercedes E-Klasse fühlt man sich immer ein wenig als VIP, was nicht nur an der VIP-Funktion ihres Burmester-Systems liegt. Es ist schier unmöglich, die Lüftungsdüsen einzustellen oder auf sein virtuelles Cockpit mit Breitwand-Bildschirm zu schauen, ohne dem Design zu huldigen. Bei den Schaltern und Tasten spielen sich die tollen Materialien in den Vordergrund. Das gleiche gilt für den Volvo V90 T6. Dafür nimmst du bei beiden schon mal kleine Abstriche in der Funktionalität in Kauf.

Beim BMW 540i xDrive überkommt mich immer das Gefühl von Vertrautheit, weil sich die Funktionen und die Gestaltung von Infotainment, Bedienungsorganen wie dem Automatikwahlhebel und die Position des Zentralbildschirms unter den verschiedenen Baureihen stark ähneln. Fast erscheint mir alles so konsequent und logisch, als hätte sich das Cockpit selbst erschaffen, so als Folge von Naturgesetzen. Das ist super praktisch im Alltag, weil du viele Funktionen wörtlich blind bedienen kannst. Es wirkt aber auch gleichzeitig etwas bieder im Vergleich zu den Design-Ikonen von Volvo oder Mercedes.

Immer mehr ertappe ich mich dabei, den 5er als Vernunftauto zu betrachten. Das mag provozieren, schließlich reden wir hier über mindestens 64.000 Euro und 340 PS. Doch es gibt nun mal Leute, die berufsbedingt viel reisen und mit einem Auto als Transportmittel am besten bedient sind – sei es, weil sie flexibel sein müssen, schweres Gepäck transportieren oder Ziele jenseits großer Städte ansteuern. Sprich, die typische Diesel-Klientel. In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung schwenken jetzt immer mehr Fahrer auf Benziner um, wobei viele den Fehler begehen, ein großes Auto mit einem kleinen Motor zu kombinieren.

BMW 540i xDrive mit Harman Kardon im Ötztal
Satz mit X: Der Pass zum Rettenbachgletscher ist gesperrt, xDrive hin, xDrive her. Das gibt der Testfahrt des BMW 540i eine neue Wendung (Foto: S. Schickedanz)

Je länger ich den BMW 540i bewege, desto mehr nimmt die Geschichte einen Lauf, den ich so nicht geplant hatte, der aber durch mein ursprüngliches Vorhaben beflügelt wird. Da das Fahren im Fünfer trotz gebührender Aufmerksamkeit so wunderbar leicht von der Hand geht, kommen mir Vergleiche wie mit Dom Perignon in den Sinn. Der Mönch, nach dem der besonders feinperlige und harmonische Top-Linie von Moët & Chandon benannt ist, suchte nach einer Formel für besseren Wein und erfand aus Versehen den Champagner. Auch die Chemie kennt unzählige Beispiele dieser Art.

Ich wollte – Tester von schönen Dingen sind auch stets etwas egoistisch – zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und nebenbei noch meine alte Rechnung mit dem Berg begleichen. Jetzt genieße ich die sprachlos machende Schönheit der Landschaft und höre „High And Dry“ in verschiedenen Versionen von Radiohead über Jamie Cullum bis zu Rhythms del Mundo. Dabei verspüre ich nicht die geringste Lust, das Gas durchzutreten.

Bisher bin ich immer brutal durch diese schönen Berge gerast, auch gerade auf Skiern – die österreichischen Pisten sind das alpine Pendant zu unseren deutschen Autobahnen. Diesmal kann ich entspannt den Anblick genießen. So ist es tatsächlich nur die Suche nach Schnee und ein paar schönen Perspektiven für die Fotos, dass ich nach Hochsölden abbiege.

Dort kann der xDrive-4×4-Antrieb endlich mal zeigen, was in ihm steckt. Die Dorfstraße soll man eigentlich mit Schneeketten befahren. Während der 540i xDrive souverän heraufkraxelt, fällt mir ein, dass ich mal vor Ewigkeiten mit einem damals schon im Youngtimerstadium befindlichen 3er ohne Ketten raufgefahren bin. Wusste gar nicht mehr, wie steil das war und würde die Geschichte vermutlich selbst nicht mehr glauben, wenn sie mir ein anderer erzählen würde.

Auf der Rückfahrt sehe ich die Bergwacht, wie sie an ihrem VW-Bus Schneeketten aufziehen, bevor sie den Pass zum Gletscher befahren, Für einen Moment überlege ich ernsthaft, ob ich ihnen was von wegen Autotest und Ausnahmegenehmigung erzählen soll. Doch in diesem Moment merke ich, dass mein Trauma endgültig von mir abgefallen ist. Ich genieße die Entspannung, die coole Musik und den märchenhaften Ausblick von hier oben.

Selten war Sölden so bequem zu erklimmen: Der BMW 540i xDrive meistert selbst steile Schneestrecken vollkommen entspannt ohne Ketten (Foto: S. Schickedanz)

Also wozu auf einer so erholsamen Reise unnötig Stress machen? Man sollte die Vergangenheit ruhen, die irre Harakiri-Aktion mit dem M5 on the Rocks für sich stehen lassen – ob mit oder ohne Pokal. Das Original ist durch ein High Tech Remake nicht zu toppen – auch wenn wir vielleicht eines nicht so fernen Tages Klassiker wie Casablanca in Farbe mit jeder Menge Digital-Effekten oder gar Fortsetzungen sehen werden, weil viele Regisseure den richtigen Moment zum Aufhören verpassen.

Ganz offensichtlich hat der Zufall die Regie in meinem perfekt geplanten Roadtrip übernommen. Und das ist gut für die Story. Etwas weiter talwärts kommt schon die nächste Wendung, denn bei aller Vernunft darf auch ein bisschen Spaß im Schnee nicht fehlen. Seitwärts erblicke ich eine nicht geräumte steile Auffahrt ohne Ausschilderung. Mal sehen ob der xDrive das auch noch packt (selbstredend nach Deaktivierung von ESP und Traktionskontrolle). Weil ich nicht sehen kann, was hinter der Biegung kommt, nehme ich allerdings keinen Schwung mit und fahre mich prompt fest.

Doch selbst dieses kleine Malheur dient letztlich vortrefflich dazu, den BMW 540i xDrive noch besser kennenzulernen. Während ich den ganzen Weg rückwärts herunterfahre, können 3D-View mit Front- und Rückfahrkamera und ABS brillieren. Doch was ist das? Irgendeine Regelung stabilisiert und bremst den Wagen beim Rückwärtsfahren am Steilhang. Scheinbar besitzt der 5er eine Art Bergabfahrhilfe. Vorwärts kenne ich das vom Jeep Cherokee, den ich auf der Teststrecke von Fiat Chrysler in Balocco mal für ein Männermagazin testete. Aber in einer vornehmen Limousine (ich bin ein großer Anhänger dieser klassischen Form) hätte ich eine solche Geländetauglichkeit zu allerletzt erwartet.

Auch vorwärts bei höherem Tempo überzeugt mich die Abstimmung des sehr schnell regelnden ABS, das auf Schnee tadellose Verzögerung ermöglicht. Nur das generell gummiartige Pedalgefühl gefällt mir gar nicht – mein einziger wirklicher Kritikpunkt am BMW 540i xDrive.

 Verkapptes SUV im eleganten Limousinenkleid

Nach diesem Abenteuer folgt die nächste Verlockung: Wieder ein Feldweg, aber diesmal nicht so steil und immerhin ausgeschildert. Da geht was. Mit dem Head-up Display wähle ich mir chilligen Soundtrack von Miles Davis aus und starte abermals ins Ungewisse.

Was folgt, deckt sich exakt mit den Eindrücken aus den trockenen Serpentinen, wo du mit dem BMW 540i xDrive sehr flott, aber völlig entspannt unterwegs sein kannst. Natürlich fahre ich auf dem verschneiten Feldweg mit seinen tiefen Spurrillen, der kaum breiter ist als der Wagen selbst, keinen Rallye-Stil. Schließlich lauern seitlich nicht nur Schneewände, sondern auch massive Felsen. Zudem kannst du manche Kurven nicht einsehen. Wenn du Untersteuern kriegst, hängst du mit der Nase in der Wand. Wenn du das Heck zu stark anstellst, wird der Wagen zu breit und bleibt hängen.

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Gemütliche Winterreise im BMW 540i xDrive (oben) trotz deaktivierter elektronischer Fesseln und Schwerstarbeit mit Handbremse (zu erkennen am „Bing“) im unterem Video mit dem BMW M5 E34 von 1992, der auf dem Rettenbachgletscher mit Hinterradantrieb ohne ESP, Ketten oder Ballast und zu allem Überfluss mit einer nicht empfohlenen Reifendimension unterwegs war. Umso erstaunlicher, dass Lehrgangsleiter Uwe Nittel bei 4:45 Min. den BMW per Handzeichen (Funkausfall) einbremst, um bei diesem Trainingslauf das Feld zusammenzuhalten. Wer dagegen im oberen Video genau hinhört, kann sogar die Trompete von Miles Davis heraushören – ein Indiz für die äußerst entspannte Stimmung an Bord trotz der anspruchsvolleren Strecke. Kein Wunder also, dass auch der neue BMW M5, der beinahe so viel Kraft hat wie die 2. Generation von 1992 und der BMW 540i zusammen, inzwischen mit xDrive-Allradantrieb ausgestattet ist. Im oberen Video kommt es übrigens bei 2:08 Min. zu einer interessanten Begegnung mit Snowboardern.

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Klingt nach einer reichlich langweiligen, dennoch ganz schön anstrengenden Tour. Doch im BMW 540i xDrive bekommt das Abenteuer die Züge einer gemütlichen Kaffeefahrt, die sich lässig mit einer Hand am Lenkrad bewerkstelligen lässt und so wenig anstrengt, dass ich noch aus vollen Zügen die faszinierende Winterlandschaft genießen kann. Während die Snowboarder, die meinen Weg kreuzen, sicher Nirvana in ihren Kopfhörern lauschen, bin ich ganz entspannt mit „Time After Time“ in der Live-Version, dem Miles-Davis-Cover des alten Cindy-Lauper-Hits.

Begegnung der dritten Art: Als Snowboarder den Weg kreuzen, fällt es einem passionierten Skifahrer schwer, die Fressfeinde nicht mit der Hupe zu erschrecken (Foto: S. Schickedanz)

Die Bilder im Kopf, aber auch die Bilder in der Kamera erzählen eine ganz andere Geschichte als das, was ich mir ursprünglich vorgestellt habe. Anders als geplant drängt sich der bemerkenswert ausgewogene, vielseitige und elegant auftretende BMW 540i xDrive niemals in den Vordergrund. Er ist selbst ein Concierge, der Businessreisenden wie Wintersportlern jeden Wunsch erfüllt – dezent, leise, entspannt.

Ich finde nicht das, wonach ich gesucht habe, sondern etwas, das in Zeiten wie diesen eigentlich unbezahlbar ist. So verzichte ich bisher die ganze Zeit darauf, die News App von Connected Drive zu verwenden, weil ich mich doch nur aufregen würde. In meinem eigenen Wagen liebe ich die News, die man über das Connected Drive Portal sogar durch Eingabe von RSS-Feeds individualisieren kann. Das ist perfekt für Stau-Situationen oder man lässt es sich während der Fahrt vorlesen.

Die Sprachsteuerung von BMW ist ebenfalls eine Klasse für sich. Nachdem die Mercedes A-Klasse durch KI aufhorchen ließ, will ich mal sehen, was passiert, wenn man den viel zitierten Sprachbefehl zur Temperaturregelung im BMW erteilt. Alle Achtung: Der 5er ist auf diese Aktion zwar nicht ausgelegt, aber er versteht mein frei gesprochenes Anliegen: „Bitte stellen Sie die Temperatur manuell ein“, entgegnet er sinngemäß und blendet die nötigen Schritte im Display ein. Nicht schlecht für ein Auto, das ohne Tarnfolie im Straßenverkehr unterwegs ist.

Harmans Spezifikationen als Pausenlektüre

Beim Nachmittagskaffee bin ich die Ruhe selbst, obwohl ich die letzten Tage schon einiges an Strecke hinter mich gebracht habe. Die Bilder, die ich vom BMW 540i xDrive geschossen habe, spiegeln die Entspanntheit. Als Lektüre vertreibe ich mir die Kaffeepause mit der Systembeschreibung von Harman. Mit 16 Lautsprechern liegt das System von den reinen Zahlen gleichauf mit Bowers & Wilkins. Sogar die Chassis-Durchmesser sind identisch. Das bedeutet sieben 2,5-cm-Aluminium-Hochtöner, sieben 10-cm-Mitteltöner plus zwei 21,7-cm-Bässe. Die sitzen wie bei BMW üblich unter den Vordersitzen, wo sie die Rohbaustruktur der gewichtsoptimierten Karosserie aus Subwoofer-Gehäuse nutzen.

Der 9-Kanal-DSP-Verstärker leistet 600 Watt Sinus. Harman Kardon spendierte dem Sound-System eine tempoabhängige Klangadaption, die das subjektive Hörerlebnis bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und dem damit verbundenen Geräuschpegeln konstant hält. Der Center – das ist ganz wichtig, aber nicht selbstverständlich – verfügt über die gleiche 2-Wege-Bestückung wie die vier Türen. Das ergibt eine gleichmäßige Klangverteilung, löst besser auf als Center mit Breitband-Lautsprechern und vermeidet Klangabweichungen, die auf die Position der Musiker zurückzuführen sind.

Offenbar wollten die Designer die Mitteltöner aber unter dem lederbezogenen Türgriff verstecken, was zu einer tiefen Position und einem großen Abstand zu den Aluminium-Hochtonkalotten der beiden vorderen Kanäle führt. Interessanterweise haben die Harmänner eine stabile Abbildung hingekriegt, bei der man alle Stimmen oder Instrumente inklusive der Bassdrums von vorne ortet.

Anders als beim Harman-System im M140, der hinten und vorne nur das gleiche Stereo-Signal verwendet, handelt es sich hier um ein richtiges Surround-System mit 360-Grad-Rundumklang. Man braucht daher beim 5er BMW den Fader nicht nach vorne zu stellen, um eine für diese Preisklasse von Audio-System stabile Bühne vor sich zu haben.

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Seite 2    Fahrverhalten, Connected Drive, Concierge Service, Motor, Fahrtest
Seite 3    die technischen Daten des Harman Soundsystems, Fazit, Bewertung


Autor: Stefan Schickedanz

Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.