Test BMW 750d xDrive mit B&W Surround: Besser denn je

Das System im BMW funktioniert ebenfalls ausgesprochen perfekt. Dank massiver Rechenpower des auf einen Apollo-Lake-Prozessor von Intel gestützten Infotainments kann der BMW Intelligent Personal Assistant die über die Bowers & Wilkins Anlage wiedergegebene Musik aus der Stimmaufnahme des Mikrofon-Arrays im Cockpit herausrechnen. Dadurch kann man im BMW 750d xDrive laut Wagner oder AC/DC hören und dennoch mit dem Zauberwort „Hey BMW“ jederzeit beim Sprach-Assistenten Gehör finden.

Während der Testphase war mein Terminkalender sehr feinmaschig durchgeplant. Mit anderen Worten: Die perfekte Gelegenheit, die ganzen Gadgets im BMW 750d xDrive unter realen Bedingungen einem Nutzwertcheck zu unterziehen. Nehmen wir den Concierge Service, den ich in meinem eigenen BMW seit Jahren nutze. Nachdem der Speisewagen auf der Bahnfahrt zur Abholung in Garching bei München außer Betrieb war und ich anschließend mit dem BMW erst mal für Hörtests in einem Münchner Verlag vorbeischaute, war Essen auf der abendlichen Fahrt nach Frankfurt am Main ein großes Thema. Der Concierge empfahl mir ein tolles Steakhouse mit 800-Grad-Ofen in Würzburg, wo ich zum Glück gleich einen Parkplatz fand und 15 Minuten vor Küchenschluss eintraf.

BMW 750d xDrive
Der BMW 750d xDrive war eine große Überraschung. Hinter dem Riesen-Grill hat sich in technischer Hinsciht eine ganze Menge getan (Foto: S. Schickedanz)

Damit es überhaupt innerhalb der Öffnungszeiten klappte, konnten der bärenstarke 6-Zylinder-Motor und das exzellent auf einem schmalen Grat zwischen Komfort und Sportlichkeit balancierende Fahrwerk beweisen, welche Klasse in ihnen steckt. Chapeau. Die Bayern haben keinen verkappten Panamera auf die Räder gestellt. Der 7er ist sehr schnell, entkoppelt einen aber stets so weit vom Akt des Fahrens, dass nur jene Rückmeldung zum Fahrer durchdringt, die er zum souveränen Beherrschen der 5,12 Meter langen Limousine braucht.

Dabei kam beim BMW 750d im Gegensatz zu den zuletzt gefahrenen Mercedes-Fahrzeugen mit elektronisch verstellbarem Fahrwerk selbst bei scharfer Fahrweise auf einer leeren, kurvenreichen Autobahn nicht das Verlangen auf, in den Sport-Modus zu schalten. Der 7er bettete einen zwar etwas auf Watte, aber seine Achsen hielten perfekt die Spur.

Der 2-Tonner tänzelte lässig wie Mohamed Ali in seinen besten Zeiten um sämtliche Biegungen. Auch das im Vergleich zu sportlicheren BMWs relativ starke Eintauchen beim Bremsen störte nicht wirklich, zumindest nicht im Bezug auf die Fahrstabilität. Abgesehen davon wurde es auch vom Wechsel in den strafferen Sport-Modus nicht wesentlich geringer.

BMW 750d xDrive: Der Sinn des Schwebens

Auf dieser Expressfahrt fiel mir ein interessanter Unterschied zu kleineren, sportlicher ausgelegten Modellen aus München auf. Bis Tempo 220 fühlte sich der extrem leichtfüßige BMW 750i xDrive wie schon erwähnt deutlich langsamer an, als er wirklich war. Darüber kehrte sich der Effekt allerdings um: Der Softie wollte dann mit starker Hand geführt werden und sträubte sich ein wenig gegen das Durchfahren der Biegungen.

Abhilfe brachte der Wechsel auf die bei dieser Gelegenheit gut in Szene gesetzte manuelle Gangwahl mit den Schalt-Paddeln am Lenkrad. Wer den 7er im möglichst niedrigen Gang mit viel Zug an der Hinterachse des variablen xDrive-Allradantriebs um schnelle Autobahnbiegungen zirkelt, wird mit höherer Kurvenwilligkeit und weniger Verspannung in den Schultern belohnt.

Doch die Kur offenbarte schnell ihre Kehrseite. Als Nebenwirkung waren spätestens dann die ursprünglichen 6 Liter Durchschnittsverbrauch außer Reichweite. Doch für eine gemütliche Essenspause direkt am Mainufer war es das Opfer wert. Und für den Erkenntnisgewinn auch: Selbst dann blieb der Verbrauch noch unter 10 Litern, was ich meinen Freunden/innen bei den Grünen lieber nicht auf die Nase binden würde. Was aber für Eingeweihte immer noch ein exzellenter Praxiswert ist. Schließlich kauft man sich eine solche  Business-Limousine bestimmt nicht, um die Kinder von der Schule abzuholen (dafür hat BMW schließlich SUVs wie den X7 im Programm).

Innenraum des BMW 750d xDrive
Der Innenraum des BMW 750d xDrive verknüpft edle Materialien mit gediegenem Design und allerlei elektronischen Gadgets (Foto: BMW)

Viele Besitzer werden vermutlich hinten Platz nehmen und sich an Annehmlichkeiten wie Entertainment-Bildschirmen an den Vordersitzen und riesiger Mittelkonsole mit herausnehmbaren Android-Tablet erfreuen. Aber sie müssen sich dort im Verzicht üben. Während nämlich ihr Chauffeur sich an gleich drei extrem hochwertigen, hochauflösenden Diamond-Hochtönern erfreuen darf, müssen sie im Fond wie beim Vorgänger mit Aluminium-Hochtönern vorlieb nehmen.

Und hier kommt die neue Abstimmung zum Tragen. Auch wenn BMW die Ungleichverteilung von Edelsteinen und Leichtmetall nicht beseitigt hat, gelang es den Sound-Entwicklern, die Folgen zu lindern. Die neue Abstimmung wirkt Wunder. Die Musik reißt einen mit, spricht nicht nur den Kopf an, sondern auch den Bauch.

Nachtflug mit allerlei Annehmlichkeiten

Alle Insassen partizipieren darüber hinaus von den Wellness-Programmen, die einen durch eine Kombination aus Licht, Massage und Musik verwöhnen. Wem die Vorauswahl an Klängen nicht gefällt, kann manuell seine eigene Musik mit dem Programm verbinden.

Dank der nächtlichen Reise konnte ich mir ein Bild davon in der Praxis machen. Wovon ich trotz später Stunde keinen Gebrauch machte, waren die zahlreichen Fahrassistenten. In dem Punkt bin ich ähnlich altmodisch wie Antoine de Saint-Exupéry („Nachtflug“), der seinen für die 40er Jahre hochmodernen Lockheed Lightning Aufklärer in der US Air Force wegen des Feelings meist mit offener Kanzel flog, wie er es von seiner Pionierzeit im Doppeldecker gewohnt war. Will sagen: Ich hatte keine Lust, die Kontrolle abzugeben, auch wenn der 7er inzwischen fast von alleine fahren könnte.

Immerhin stellte ich zufrieden fest: Der neue 7er scheint mitzudenken. Wenn man versehentlich die Fahrbahnmarkierung auch nur leicht touchiert, was bei der Bedienung moderner Infotainmet-Systeme schon mal vorkommen kann, greift er mit Gegenlenken beherzt ein. Wenn man beim aktiven Fahren auf einer leeren Straße etwas die Kurve schneidet, hält er sich heraus. Wer will dabei schon von automatischen Eingriffen aus dem Rhythmus gebracht werden, wie es etwa im Volvo V90 T6 AWD der Fall war?

Als ich nach meiner über 400 Kilometer langen Reise spät, aber entspannt und munter am Ziel ankam, stand unzweifelhaft fest: Hinter der riesigen Doppelniere hat sich der 7er BMW deutlich weiterentwickelt. Die Kombination aus herausragender Geräuschdämmung und formidabler Beschallung durch das nach wie vor äußert dynamische, aber weit kultiviertere Bowers & Wilkins Surround System macht in Verbindung mit der genialen Schubkraft des 3-Liter-Dieselmotors das Reisen zum Genuss.

Als der Tag ausklingt, lasse ich noch einmal die Klangeindrücke Revue passieren. Wie es der Zufall will, konnte ich im nachmittags besuchten Verlag die Bowers & Wilkins 802 D3 mit ihren Diamant-Hochtönern bei einem Verstärkertest als Referenz-Boxen hören. Die Gemeinsamkeiten waren nicht zu überhören: angefangen von den feinen, klaren Höhen über die schlanken, transparenten Mitten bis zum satten, aber kontrollierten Bass.

Wie eine Bowers & Wilkins 802 D3 auf Rädern

Nach der Modellpflege passt der B&W-Klang perfekt zum BMW-Fahrerlebnis. Der latente Hang zur Aggressivität ist endgültig Geschichte. Trotzdem packt einen das Surround-Sound-System nicht in Watte. Es löst nach wie vor so filigran auf, wie es sich für einen Ableger der B&W 802 D3 gebührt.

Zwar kosten die im Frequenzgang weiter heraufgezogenen Zentral-Bass-Subwoofer gegenüber dem Vorgänger etwas Präzision. Die Tieftonwiedergabe gelang nicht ganz so knackig und differenziert wie im BMW 740Ld xDrive aus den Anfängen der sechsten 7er-Genration. Der volle Grundtonbereich, das ausgewogenere und wärmere Klangbild wiegt das kleine Opfer allerdings deutlich auf. Schließlich ist die Basswiedergabe im neuen 7er für sich genommen immer noch eine Macht, zumal sie nicht von Fahrgeräuschen maskiert wird.

Mit seiner hochwertigen, geschmackvoll gestalteten Innenausstattung und dem Bowers & Wilkins Sound bot der 7er wirklich alles, was man von einer großen Business-Limousine erwartet. Gleichzeitig beherrschte er vieles, was man bei einem Fahrzeug dieser Größe nicht erwartet hätte. Rangieren auf engstem Raum machte dank der aktiv-mitlenkenden Hinterachse überhaupt keine Mühe, selbst Fahrten im Parkhaus taten der Freude am Fahren keinen Abbruch.

Innenraum vomBMW 750d xDrive
Das Bowers & Wilkins Surround Sound-System spielt im neuen BMW 7er auf einem bisher nie gekannten Harmonie-Level mit purer Emotionalität in der Musikwiedergabe (Foto: S. Schickedanz)

Auf der Rückfahrt brachte ein Stau die auf RTTI (Real Time Traffic Information) gestützte Navigation dazu, mich mit dem schweren Gerät auf eine ebenso schmale wie kurvenreiche Landstraße zu schicken. Zum Glück! Was der BMW 750d xDrive hier an Sportlichkeit und Fahrvergnügen an den Tag legte, verblüffte mich zu tiefst. Ich rede dabei nicht von Sportlichkeit, wie wir sie kennen. Eher von Sportlichkeit und Fahrdynamik auf einer neuen Ebene. Soll heißen: Der neue 7er bietet die Quer- und Längsdynamik, die man von einem weit kompakteren sportlichen Auto erwartet – nur eben ohne den Fahrer durch Grobheit, Kraftaufwand und Härte in einer Tour darauf zu stoßen. Das ist schon einzigartig.

Sportfahrer dürfen sich gleich doppelt freuen: Wer den Wagen im Sport-Modus abstellt, findet sich nach dem nächsten Motorstart nicht automatisch im Komfortmodus wieder. Das gleiche gilt für den Eco-Pro-Modus, den ich wegen der famosen Segelfunktion in ruhigen Momenten schätze. Dabei überzeugt auch die subtile Liebe zum Detail: Im Öko-Modus werden ausgewählte Musiktitel und viele Schriften in allen Displays in blauer Farbe angezeigt, im Sportmodus dominiert Rot.

Mit OS7 macht BMW stärker von der erst kürzlich im Programm eingeführten Touch-Funktion Gebrauch. Es gibt zwar noch die Möglichkeit, alles mit dem iDrive zu bewerkstelligen, aber inzwischen geht es an vielen Punkten bequemer, Funktionen mit dem Finger auf dem Zentralbildschirm auszuwählen. Was man nicht oft genug herausstellen kann: Kein anderer Hersteller bietet so viele Wege ans Ziel. Denn während viele ganz auf Touch-Screens und Sprache setzen, gibt es bei den Bayern noch den blind zu bedienenden iDrive-Dreh-und-Drück-Steller, Touchpad und im 7er sogar Gestensteuerung. Für meinen Geschmack – ich sage das als Apple-User – hat BMW das iPhone so gut in sein OS7 integriert, dass ich keinen Grund sehe, das aufpreispflichtige Apple CarPlay zu benutzen.

Fazit BMW 750d xDrive mit Bowers & Wilkins

Vergessen wir mal das China-Syndrom mit dem Nieren-Leiden. Technisch betrachtet hat sich der ohnehin exzellente 7er BMW konsequent weiterentwickelt. Gerade mit dem vierfach aufgeladenen Reihensechser und der verbesserten Schwingungsdämpfung ist der 750d eher Vin als Rudolf Diesel. Im zweiten Anlauf überzeugte mich auch das Sound-System auf ganzer Linie.

Zwar verzichtet Bowers & Wilkins im Gegensatz zu den Mitbewerbern Audi A8 (B&O), Porsche Panamera (Burmester) und Mercedes S-Klasse (Burmester) auf 3D-Sound. Doch das konsequent auf puristische audiophile Musikwiedergabe ausgelegte B&W-System bringt den neuen BMW 750d xDrive akustisch auf Augenhöhe. Dafür sorgen die hohe Auflösung der Diamant-Hochtöner, die riesigen Dynamikreserven des 16-Kanal-Verstärkers und die neuerdings wärmere, vollere Abstimmung. Außerdem kostet es mit 5.650 Euro weniger als die Burmester-Anlagen der direkten Rivalen Mercedes S-Klasse, ja sogar weniger als der 3D-Sound der E-Klasse und besonders Porsche Panamera, wo für das berauschende Berliner-Klangfeuerwerk fast 7.000 Euro fällig werden. Auf den Preis bezogen, hat sich das Bowers & Wilkins Surround Sound-System also diesmal 5 Sterne redlich verdient.

Wir haben es beim neuen 7er und seiner High-End-Anlage mit einer blechgewordenen Reinkarnation des Cyrano de Bergerac zu tun, dem Dichter aus einem Versdrama von Edmond Rostand. Der litt auch an seiner zu groß geratenen Nase, war aber sehr smart und in Duellen stets der Schnellere. Dazu pflegte er gute Umgangsformen. Schauen wir mal, ob es in der bajuwarischen Adaption des Klassikers ein Happy End gibt.

(In eigener Sache: Die Wertung ist wie immer bei LowBeats auf die jeweilige Preisklasse beziehungsweise Fahrzeugklasse bezogen und nicht absolut zu sehen. Das heißt, ein direkter Vergleich zwischen einem 5-Sterne-Kleinwagen und einer 5-Sterne-Limousine ist nicht möglich).

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BMW 750d xDrive mit B&W Diamond Surround System
2019/11
Test-Ergebnis: 5,0
Überragend
Bewertung
Auto
Anlage
Spassfaktor

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr hochauflösend, breitbandig, dynamisch, satter, differenzierter Bass
Gegenüber dem Vorgänger gesteigerte Ausgewogenheit und bessere Raumabbildung
Limousine trifft Sportwagen: Sparsamer, bärenstarker, extrem leiser, schwingungsarmer Diesel, agiles Fahrverhalten plus sehr hoher Reisekomfort
Exzellente Digital-Instrumente, nochmals verbesserter Sprachassistent

Preis (Herstellerempfehlung): BMW 750d xDrive 116.600 Euro, 5.650 Euro Aufpreis für Bowers & Wilkins Diamond Surround System

Vertrieb:
BMW AG
Petuelring 130,
80788 München
www.bmw.de


Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.