Der Hama Canton UltiMate Pro ist ein Henkelmann. Der Gattungbegriff dazu lautet „Boombox“. Eigentlich ein Markenname von JBL, aber Boombox hat sich hierzulande als Bezeichung für Bluetooth Henkelware durchgesetzt. Hier also der UltiMate Pro mit großem „M“ in der Mitte. Ein deutscher Sendbote in einen Milliardenmarkt – und gemeinsames Kind von Canton und Hama. Eine kluge Kooperation, denn die Ambitionen und die Umsetzung sind stark. Eigentlich hat Canton, der große, ehrwürdige Lautsprecherhersteller aus dem Taunus, nur wenig mit Hama, dem schwäbischen Allerlei-Zulieferer für die gesamte Technikwelt, zu tun. Und doch gibt es eine Zusammenarbeit, die beiden hilft: Hama schmückt sich mit dem klangvollen Namen Canton, die wiederum erschließen sich ganz neue Vertriebskanäle und damit neue Kunden.
Hama Canton UltiMate Pro UltiMate Pro: die Technik
Jetzt gleich die Gretchenfrage: Leidet das Renommee von Canton angesichts der UltiMate Pro Boombox? Nein, das ist ein blitzsauberes Produkt, spannend, effektiv und mit einigen Zaubertricks ausgestattet. Canton wäre dumm, sich an ein solches Projekt allein zu wagen, dafür muss man zu viele Einzelbausteine auf dem Weltmarkt einkaufen. Hama kennt die Wege. Der UltiMate Pro ist ein Henkelmann, eine kabellose Bluetooth-Box. JBL macht Milliardengewinne mit dieser Bauform – und kann auch kleiner. Der UltiMate Pro ist hingegen ein Machtwort in Design und Gewicht. Über fünf Kilo lassen sich mal nicht so eben auf den Fahrradgepäckträger wuchten. Dem Karton liegt noch ein Schultergurt bei – das kann sich zum sportlichen Event auswachsen.

Die erste Botschaft also: Dieser Lautsprecher ist für ein Leben zwischen der Wohnung und dem Garten geschaffen. Die Schutzklasse liegt bei IPX6, wenn der Starkregen schon das Grillfeuer gelöscht hat, spielt diese Boombox munter weiter – und zwar bis zu 24 Stunden lang. Im Inneren liegt ein großformatiger Lithium Ionen Akku mit 4500 mAh. Geladen wird über USB-C, ein passendes Netzteil liegt dem Lieferumfang nicht bei – macht Apple mittlerweile genauso.
Alles geschieht über ein kleines Terminal im Rücken, das wassergeschützt hinter einer Blende verborgen ist. Dort liegt auch ein USB-Power-Ausgang – ich könnte also mein Smartphone bei der Grillparty parallel aufladen. Wenn die Party mit zunehmender Zeit alle Besucher etwas mutiger macht – dann stöpsle ich per 6,3er-Klinke ein Mikrofon zu und rufe zum Karaoke-Contest. Die PR-Poeten haben die schöne Formulierung gefunden: „Der ultimative Begleiter für alle, die das Leben auf die Spitze treiben wollen.“

Will ich aber gar nicht. Ich möchte gepflegt und mobil meine Musik hören – mit dem besonderen Canton-Kick. Hier hat der Chefentwickler Frank Göbl Ohr und Messtechnik angelegt. Die Hardware selbst galt bei der Entwicklung als von Hama gegeben – zwei Wege im Doppel zur Front, zwei Bässe zu den Seiten, ein Digital-Amp mit 120 Watt davor. Da ist im Stereo-Panorama naturbedingt wenig zu machen. Obwohl: Canton und Hama haben sich da einen Trick ausgedacht – ich kann zwei UltiMate Pro zum Stereo-Paar vereinen. Das ist eine klasse Idee, peppt das Outdoor-Event auf und schafft auch im Innenraum (unsere Eltern liebten die Idee des Party-Kellers) richtig eindrucksvolle Raumwirkung.
Also auspacken und anschließen. Obwohl: Anschließen muss man hier recht wenig, eigentlich gar nichts – der UltiMate Pro ist für den Musiktransfer per Bluetooth ausgelegt. Leider nicht für WLAN, dann hätte Hama/Canton noch allerlei Anbieter von Amazon Alexa bis Apple Siri hinzufügen können/müssen. Gleich mit dem ersten Start gibt sich der UltiMate Pro als Bluetooth-Adressat zu erkennen, einfach am Smartphone auswählen, fertig. Gelang in unserem Test maximal problemlos. Was beim Auspacken auch gefiel: Hier wird auf Umwelt belastendes Verpackungsmaterial verzichtet, kein Plastik, nur die nötigsten Stoßsicherungen aus Papier und recycelter Pappe – das ist vorbildlich.
Der schnellste Weg: Man öffnet die etablierte Musik-App auf dem Smartphone, also beispielsweise Apple Music, und drückt auf Play. Am UltiMate Pro selbst lassen sich dann drei Presets für den Klang per Tipp (über riesige Tasten) abrufen – „Bass Sound“, „Power Sound“ und „Balanced Sound“. Das entspricht der weiten Spannbreite von Bumm-Bumm bis gesittet. Was hier schnell auffällt: Je mehr ich den Bass bis zum erstaunlich großen Membran-Hub bringe, desto mehr lösen sich die Tieftonanteile vom restlichen Klangbild. Da fallen die Präsenz und das Timing auseinander, als ob die Chassis nichts miteinander zu tun hätten. Bei „Balanced Sound“ hört man in diesem Kontext am besten, am ehrlichsten.
Aber: Das sind nur die Grobfunktionen – Hama hat auch eine kleine, effektive App entwickelt, die einen Equalizer mitbringt. Dann habe ich zehn Frequenzbereiche von 35 bis 16.000 Hertz, die ich frei meinem Ideal, meinem Raum oder meinen Partygästen anpassen kann. Weiterhin sehe ich den Ladestand des Akkus und kann frei den Eingang der Signale umstellen. Das ist wirklich gut gelungen. Doch halt, wichtig zu wissen: Die App heißt „Hama Smart Home App“ – der Name verrät, dass ich hier auch Smart-Home-Applikationen einbinden könnte. Konjunktiv, denn dies macht per Bluetooth solo keinen Sinn – aber in der zwingenden Folge muss ich meine eMail-Daten eingeben, preisgeben. Das Spielchen treiben andere Anbieter auch …

Hörtest
Klanglich hat das durchaus etwas mit den Klangidealen des Canton-Chefentwicklers zu tun. Frank Göbl mag es dynamisch, knackig, Langweiler sollen zu Hause bleiben. Das ist natürlich die Pflichtvorgabe für diese Bauform – Party! Mit drei Ausrufezeichen am besten. Nein, ich würde kein spätes Beethoven-Streichquartett darüber hören wollen, auch im dezenten „Balanced Sound“ gibt es mehr Drive als Besinnlichkeit. Legen wir etwas zwischen Beethoven und Taylor Swift auf – Nirvana mit „Come as you are“. Wow, das hat Zug zum Tor, der Song lebt ja von der Basslinie, die stellt der UltiMate Pro perfekt in die Szene.
Wieder der Tipp: Wenn ich gut hören will, gehe ich eher dezent mit den Bass-Anhebungen um, sonst verliert alles unter 70 Hertz den Kontakt zum restlichen musikalischen Geschehen. Wichtig auch: Das ist primär ein Outdoor-Lautsprecher, wenn ich ihn im Innenraum höre, mit reflektierenden Wänden, dann wird der Kick schnell übermächtig. Der aber gerade im Garten ohne verstärkende Raumwirkung gebraucht wird. Das gelingt sehr überzeugend. Noch ein Faktor: Im privaten Hörraum achte ich darauf, dass die Hochtöner auf Ohrenhöhe agieren. Was im Garten- oder Party-Einsatz ja nicht die typische Haltungsform einer Bluetooth-Box ist. Hier hat Canton sehr clever das Abstrahlverhalten optimiert, es geht auch auf Bauchhöhe – mehr noch: Ich würde sagen, dass dieser Klangwandler hier deutlich besser klingt als auf Ohrenniveau.

Ich sehe gerade vor meinem inneren Auge, wie das komplette Canton-Team auf Bierkästen neben der Fertigungshalle sitzt und über die Abstimmung diskutiert. Das ist wirklich gut gelungen und funktioniert auch bei erstaunlich hohen Pegeln. Nicht die Option unterschätzen, dass zwei UltiMate Pro zu einem echten Stereo-Paar verknüpft werden können, dann hole ich mir ein Set-up in die Bude, das sich mancher von uns für eine Studentenparty in alten Zeiten nicht einmal erträumen hätte.
Fazit Hama Canton UltiMate Pro
Wo ein Millionengeschäft ist, ist auch eine Nachfrage. Die kann man mit Show-Lautsprechern beliefern – oder man macht es wie Canton und setzt auf Fairness. Der UltiMate Pro ist wahrlich kein audiophiler Einflüsterer, aber durch die Presets wirkt er ehrlich, anpassbar an Raum, Geschmack und viele Szenarien. Besser noch: die App mit feinrasterndem Equalizer nutzen. Unterm Strich bleibt ein robuster, musikalischer Wegbegleiter mit klassischem Canton-Sound für gar nicht so viel Geld…
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Kernig-dynamischer Klang |
| | 3 Presets für den Bass |
| | Robust, gute Verarbeitung, erstaunlich pegelfest |
| | Diffuser Klang mit „Bass Sound“ |
Vertrieb:
Canton Elektronik GmbH + Co. KG
Neugasse 21 – 23
61276 Weilrod
www.canton.de
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Hama Canton UltiMate Pro: 249,00 Euro
Technische Daten
| Hama Canton UltiMate Pro | |
|---|---|
| Konzept: | BT-„Boombox“, Stereo |
| Bestückung: | 2 x 15 cm Bass, 2 x 19 mm Hochtonkalotte |
| Besonderheit: | 24 Stunden Akkulaufzeit, IPX6 Strahlwasser geschützt |
| Eingänge: | USB-Typ-A; USB-C, 3,5-mm-Klinke |
| Abmessungen (B x H x T): | 46.5 x 19.2 x 25.4 cm |
| Gewicht: | 5,2 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
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