Im Rahmen des Produkt-Launchs durfte der LowBeats-Kollege Andrew Weber einen Teufel MYND selbst bemalen. Das dabei entstandene Einzelstück müssen wir in diesem Test unbedingt noch mal zeigen. Denn selten hat eine solche Aktion besser gepasst: Der MYND ist kein Lautsprecher, der geschniegelt auftreten will. Er will benutzt, angefasst, im Zweifel geöffnet und repariert werden. Genau diese Haltung macht ihn im aktuellen Bluetooth-Markt so interessant.

Teufel MYIND: Grüner Deal im Bluetooth-Segment
Bei tragbaren Lautsprechern scheint gerade etwas in Bewegung zu geraten. Nachhaltigkeit ist plötzlich mehr als ein Stichwort im Datenblatt. Der Teufel MYND stellt diesen Anspruch nicht nebenbei, sondern ins Zentrum. Das sieht man ihm an. Und man spürt es im Umgang.
Das kantige Gehäuse besteht zu 50 Prozent aus recyceltem Kunststoff, die Inbus-Schrauben liegen offen, nichts wird kaschiert. Der MYND ist in Warm Black, Warm White, Light Mint und Wild Berry erhältlich und polarisiert damit bewusst. Wer organische Rundungen und wohnraumfreundliche Stoffbespannung sucht, ist hier falsch. Wer dagegen ein Produkt möchte, das Haltung zeigt, sollte genauer hinsehen.
Bislang kannte ich ein derart konsequentes Nachhaltigkeitskonzept im Bluetooth-Bereich eigentlich nur von Nobel-Lautsprechern wie dem B&O Beosound A5. Der ist klanglich stark, optisch edel, aber preislich in einer völlig anderen Umlaufbahn. Der MYND zeigt, dass nachhaltige Lautsprecher nicht zwangsläufig Luxusartikel sein müssen.

Innenleben: Mehr als nur ein Öko-Gimmick
Hinter der rauen Schale arbeitet ein geschlossenes 2.1-System mit einem 9-cm-Tiefmitteltöner, zwei 2-cm-Hochtönern und zwei Passivmembranen. Letztere sind entscheidend für den Bass, der hier deutlich mehr Substanz liefert, als man dem kompakten Format zutraut.
Teufel kombiniert das mit cleveren Waveguides, die für eine vergleichsweise breite Abstrahlung sorgen. Drei Class-D-Endstufen übernehmen die Leistungs-Arbeit, ein DSP hält Frequenzgang und Dynamik im Zaum. Leistungsangaben? Fehlanzeige. In der Praxis interessiert das sowieso kaum, denn der MYND macht schnell klar, dass er nicht zur leisen Fraktion gehört.
Reparieren ausdrücklich erwünscht
Der vielleicht wichtigste Punkt: Der MYND ist nicht als Wegwerfprodukt gedacht. Der 5.200-mAh-Akku ist auswechselbar, das Gehäuse vollständig verschraubt, alle Module lassen sich trennen. Teufel geht noch einen Schritt weiter und stellt Schaltpläne, Sourcecodes und CAD-Daten offen zur Verfügung.
Damit wird der MYND zum Gegenentwurf vieler verklebter Lifestyle-Speaker. Wer will, kann Teile im 3D-Druckern nachfertigen oder eigene Erweiterungen bauen. Das ist kein Marketing-Gag, sondern eine ernst gemeinte Einladung an Bastler und Reparateure. Und ja: In dieser Konsequenz ist das im Bluetooth-Segment aktuell nahezu einzigartig.

Alltagstauglich – trotz Idealismus
So viel Öko-Fokus wäre wertlos, wenn der MYND im Alltag nerven würde. Tut er nicht. IP67 macht ihn wasser- und staubdicht, die Akkulaufzeit von bis zu 40 Stunden ist sehr gut, im Eco-Modus sind sogar bis zu 42 Stunden möglich.
Der Eco-Modus reduziert Bass und Dynamik wie bei ähnlichen Konzepten etwa von JBL. Das ist kein Bug, sondern Physik. Angesichts des soliden Grundklangs bleibt aber selbst dann genug Substanz für Hintergrundmusik oder lange Tage draußen.

Anschlüsse, App und kleine Stolpersteine
Bluetooth 5.3 inklusive Google Fast Pair funktioniert zuverlässig. Dazu kommen ein Klinkeneingang und ein USB-C-Port, letzterer macht den Teufel auch als USB-Soundkarte nutzbar. Am Mac lief das problemlos, am iPhone 16 Pro wirkte der Klang über USB dagegen etwas zahmer als via Bluetooth, sprich mit weniger Pegel und weniger Punch.
Unschön: Während der USB-Nutzung verlor die Teufel Go App bei uns mehrfach die Verbindung und fand sie erst nach dem Trennen des Kabels wieder. Da der MYND ohnehin automatisch auf den aktiven Eingang wechselt, ist die Quellenwahl in der App eher akademisch.
Die Tasten auf der Oberseite sind funktional, aber schlecht zu erkennen. Ohne farbliche Markierungen muss man sich einprägen, was wo sitzt. Auch die LED-Farbcodes für die Anzeige des gewählten Eingangs sind nicht intuitiv. Das ist kein Drama, aber unnötig sperrig.
App-Funktionen mit echtem Mehrwert
Davon abgesehen bietet die Teufel Go App sinnvolle Features: Equalizer, LED-Steuerung, Systemtöne und vor allem den Party Link. Damit lassen sich bis zu 100 MYND und andere kompatible Teufel-Boxen koppeln. Das ist nicht nur ein Party-Gag, sondern kann bei Events oder im Außenbereich ernsthaft nützlich sein.
Ebenfalls sinnvoll: Der Schongang-Lademodus, der den Akku langsamer und nicht vollständig lädt, um dessen Lebensdauer zu verlängern. Wer es eilig hat, deaktiviert die Funktion. Dann ist der MYND in rund 80 Minuten wieder voll.
Hörtest: Druck, Kontrolle und erstaunliche Gelassenheit
Klanglich gehört der MYND zu den Lautsprechern, bei denen man schon nach den ersten Takten merkt, dass hier jemand nicht nur auf maximale Wirkung, sondern auf Kontrolle geachtet hat. Bereits mit einem einzelnen Exemplar legte der Bluetooth-Speaker erstaunlich selbstbewusst los: satt, kraftvoll und mit einer Dynamik, die man in dieser Preisklasse nicht als selbstverständlich verbuchen sollte.
Der erste Eindruck wird klar vom Bass geprägt. Der MYND liefert Tiefton mit Substanz, ohne in die bei kompakten Party-Boxen so typische Überbetonung zu verfallen. Statt wummerndem Dauerfeuer gibt es konturierten Punch, der rhythmisch sauber bleibt. Besonders deutlich wurde das bei Rock-Produktionen mit akustischem Schlagzeug. Bass-Drums kamen groß, körperhaft und differenziert, mit klar erkennbarer Attacke und sauberem Ausklang. Genau hier trennt sich bei Bluetooth-Lautsprechern oft die Spreu vom Weizen. Und der MYND schlägt sich überraschend erwachsen.

Elektronische Musik profitiert ebenfalls vom soliden Fundament. Schnelle Kickdrums und synthetische Bassläufe werden mit Nachdruck wiedergegeben, ohne dass der Lautsprecher ins Grummelige kippt. Natürlich erreicht der MYND nicht den Tiefgang größerer Party-Systeme, aber innerhalb seines Formats wirkt der Bass kontrolliert statt effekthascherisch. Das ist ein großes Plus.
Die Mitten sind ausgewogen abgestimmt und bilden das Rückgrat der Wiedergabe. Gitarren, Keyboards und vor allem Stimmen stehen stabil im Klangbild. Auffällig: Der MYND verzichtet auf künstliche Präsenzanhebungen. Dadurch wirkt die Wiedergabe angenehm entspannt, selbst bei längeren Hörsessions. Frauen- wie Männerstimmen profitieren gleichermaßen von dieser Abstimmung, da es weder zu Schärfen noch zu nasalen Verfärbungen kommt.
Auch die Höhen fügen sich harmonisch ins Gesamtbild ein. Sie sind ausreichend präsent, um Details hörbar zu machen, drängen sich aber nie in den Vordergrund. Becken, Hi-Hats und perkussive Feinheiten werden sauber aufgelöst, ohne metallisch oder nervös zu wirken. Das trägt maßgeblich dazu bei, dass der MYND selbst bei höheren Pegeln langzeittauglich bleibt.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Pegelstabilität. Während viele Bluetooth-Lautsprecher spätestens ab etwa 70 bis 80 Prozent der Maximallautstärke hörbar komprimieren, Bass zurücknehmen oder tonal kippen, hält der MYND seine Balance erstaunlich lange. Erst jenseits der 90-Prozent-Marke wird deutlich, dass DSP und Endstufen an ihre Grenzen kommen. Bis dahin bleibt das Klangbild geschlossen, druckvoll und vergleichsweise souverän.
Insgesamt ergibt sich ein Klangcharakter, der weniger auf kurzfristigen Wow-Effekt als auf musikalische Stimmigkeit setzt. Der MYND klingt nicht spektakulär im Sinne maximaler Effekte, sondern erstaunlich erwachsen, kontrolliert und ausgewogen. Genau das macht ihn zu einem Lautsprecher, den man nicht nur für die Gartenparty, sondern auch für ernsthaftes Musikhören im Alltag gerne einschaltet.
Fazit Teufel MYIND: weit mehr als nur ein grünes Feigenblatt
Der Teufel MYND ist kein Everybody’s Darling – und will es auch nicht sein. Das Design polarisiert ganz bewusst. Wer sich darauf einlässt, bekommt dafür einen Bluetooth-Lautsprecher, der Nachhaltigkeit ernst meint, reparierbar ist und dabei klanglich überzeugend auftritt.
Der wechselbare Akku, die offenen Daten und der kräftige, ausgewogene Sound machen ihn in seiner Klasse nahezu alternativlos für alle, die nicht jedes zweite Jahr eine neue Box kaufen wollen. Der MYND zeigt: Auch Nachhaltigkeit kann laut sein. Und richtig Spaß machen.
GesamtKlangPraxisVerarbeitung |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Saubere Höhenwiedergabe, verblüffend satter Bass für die Größe, neutrale, differenzierte Stimmen |
| | Party-Connection von bis zu 100 Speakern möglich |
| | Verschraubte, reparaturfreundliche Konstruktion mit wechselbaren Teilen und Austauschakku |
| | 3D-Daten vom Gehäuse und Schaltpläne frei zugänglich im Netz |
Vertrieb:
Lautsprecher Teufel
Bikini Berlin,
Budapester Str. 38-50
https://teufel.de
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Teufel MYND: 250 Euro
Die technischen Daten
| TEUFEL MYND | |
|---|---|
| Technisches Konzept: | Bluetooth-Lautsprecher |
| Besonderheiten: | Modularer Aufbau, Staubschutz und Wasserdicht nach IP67 |
| Lautsprecher: | 2 x 20 mm HT; 1 x 90 mm TT |
| Frequenzgang: | 52 – 20000 Hz |
| Maximaler Schalldruck: | 95 dB/1m |
| Bedienung: | Am Gerät und App |
| Akku: | 5.200 mAh |
| Abmessungen (BxHxT) | 26 x 18 x 19 cm |
| Gewicht: | 2,44 kg |
| Alle technischen Daten | |
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