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Test B&W 804 D3 – die unterschätzte Spitzenbox

Das Gehäuse selbst entsteht bei B&W vor Ort, indem fleißige Hände viele Lagen aus dünnem Birkenholz aufeinanderschichten, miteinander verleimen und dann von einer tonnenschweren Presse um diesen Matrix-Kern pressen lassen – siehe auch B&W Factory Report. Das ist immens aufwändig, aber die einzige Art, wie man so ein Gehäuse in dieser Qualität herstellen kann.

B&W 804 D3 Fertigung
Einzelne Schichten Birkenholz werden Schicht um Schicht miteinander verleimt und um das Matrix-Skelett gespannt (Foto: B&W)

Man merkt es schon beim Anfassen. Diese Serie ist in der Verarbeitung einfach überragend. Es gibt keine Spaltmaße, keine Schrauben, die Finger bleiben nirgendwo hängen: das Gehäuse wirkt wie aus einem Guss. Früher haben wir bei Lautsprecher-Verarbeitungsqualität „Made in England“ gern mal spöttisch die Augenbrauen hochgezogen. Aber das, was B&W hier auch mit der 804 D3 abliefert, ist allererste Sahne.

B&W 804 D3 Beauty
Finish ohne jeden Makel. Das Bild zeigt das Oberteil der 804 D3 mit Nautilus Hochton-Röhre von hinten (Foto: B&W)

Aber manchmal sagen ja Bilder – zumal bewegte – mehr als 1000 Worte. Dieser B&W Kurzfilm vermittelt recht gut, auf was es den Briten bei der neuen 800 ankam

Die B&W 804 D3 hat neben dem – im Rahmen der neuen 800er Serie – günstigen Preis einen weiteren Vorteil: ihr eher unauffälliges Äußeres. Das sehr technische Design der größeren Standboxen-Geschwister verfängt bei ihr nicht, weil sie eben keinen separaten, Turbinen-ähnlichen Mitteltonteil auf dem Bassgehäuse aufgesetzt hat. Auch wenn die „Turbine“ akustisch eindeutig Vorteile hat (mehr Ruhe und Klarheit in der Mittenwiedergabe), so ist der optische Aspekt nicht zu unterschätzen. Eine 802er oder eine 800er will immer Objekt sein und im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Eine B&W 804 D3 begnügt sich auch damit, einfach nur gut zu klingen.

Die optimale Aufstellung der B&W 804 D3

Es ist eine der herausragenden Eigenschaften der B&W 804 D3, dass ihr Bass zwar sehr tief herunterreicht, dabei aber ungemein präzise und knochig bleibt – eine wahre Freude für Freunde des natürlichen Basses. Die hohe Präzision und der Verzicht auf jegliche Überhöhungen macht diesen Lautsprecher zu einem der wenigen Spitzen-Schallwandler am Markt, den man bedenkenlos an die Rückwand des Raumes (oder zumindest dicht davor) stellen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass ein zu dröhniger Bass die ganze Wiedergabe vermiest. Mit diesem Wesenszug kann die 804 D3 ein echter Problemlöser sein.

So klingt die B&W 804 D3

Offen, transparent, ungemein detailreich, im Bass schlank, aber mit einem warmen, sonoren Grundton – so müsste die Kurz-Charakterisierung für die 804 D3 lauten. Es machte großen Spaß, obertonreiche Musik wie Monty Alexanders „Hurricane Come And Gone“ (Album Caribbean Circle) mit ihr zu hören. Man sitzt quasi in all dem Schlagwerk, überall passiert irgendetwas. Der Tiefton reicht erstaunlich tief, ist aber weit weniger wuchtig als etwa bei der 802 D3).

Und wie die anderen Mitglieder der B&W 800er Serie D3, die LowBeats zuvor im Hörraum hatte (805 D3, 802 D3), klingt auch die 804 D3 auf ergreifende Art und Weise räumlich. Die Aufnahmen bekommen mit ihr etwas stabil Plastisches; sie stellt Instrumente oder Sänger ein Stück vor die Lautsprecher und umreißt sie sehr genau. Das wirklich sehr gut aufgenommene Album Det Vi Har  von Kari Bremnes sorgte bei mir umgehend für ein Gänsehaut-Feeling – eine so echte, fast körperliche Nähe schuf die 804 D3. Denn die 804 D3 kann, was fast alle B&Ws überragend gut beherrschen: Das Klangbild löst sich komplett von den Gehäusen, als hätten sie nichts mit dem Ganzen zu tun.

Erfreulich ist auch die Pegelfestigkeit der kleinen Standbox. Ich habe sie – obwohl der Lautstärkeregler an der Vorstufe SPL Director gefährlich dem Rechtsanschlag nahe kam und damit die angeschlossene Nubert nuPower A ihre über 400 Watt ins Rennen warf  – erst sehr spät zum Einknicken gebracht. Viel später jedenfalls als ich den kleinen 16,5 cm Bässen zugetraut hätte. Aber auch an dem kleinen DAC-Vollverstärker Elac EA101EQ-G mit seinen vielleicht 70 oder 80 Watt pro Kanal entfachte die 804 D3 ein erstaunliches Klang-Feuerwerk.

Lange Zeit standen B&W 804 D3 und die bereits als „überragend“ getestete Burmester B18 gemeinsam im LowBeats Hörraum; die beiden sind ja auch im Fachhandel ernstzunehmende Gegner – mit durchaus unterschiedlichen Wesenszügen. Und so bot sich auch der Vergleich an – den beide als Sieger beendeten. Die Burmester macht mehr satten Bass, ist dafür im Grundton etwas schlanker und wirkt dadurch in den Mitten etwas eleganter. Die B&W ist im Bass deutlich präziser und in den Mitten präsenter. Die B18 haben die meisten Mithörer als klanglich „schöner“ eingestuft, die 804 D3 als informativer und mitreißender, aber in den oberen Mittellagen nicht ganz so fein.

Um allen Lesern eine Idee von der Unterschiedlichkeit dieser Spitzen-Lautsprecher zu vermitteln, haben wir die beiden mit einem Kunstkopf-Mikrofon aufgenommen und dabei ihre Charakterzüge recht gut eingefangen. Aber hören Sie (bitte, bitte mit einem guten Kopfhörer plus Kopfhörer-Amp) selber: der Vergleich B&W 804 D3 gegen Burmester B18 im LowBeats Hörraum. Einfach auf den jeweiligen File klicken und schon geht es los…

Zur besseren Einordnung haben wir noch eine Aufnahme der B&W 805 D2 hinzu gestellt. Da hört man ziemlich deutlich, wie groß der Sprung von Kevlar zu Continuum als Mittelton-Membranmaterial und von D2 zu D3 ausfällt.

Den ungleichen Familienvergleich kompakte 805 D3 versus 804 D3 entscheidet die kleine Standbox übrigens klar für sich: der sehr viel tiefere, besser strukturierte Bass, mehr Information in der Mitte und der deutlich höhere mögliche Pegel dürften in den meisten Fällen für die 804 D3 sprechen…

Fazit B&W 804 D3

Äußerlich unauffälliger als die anderen Mitglieder der aktuellen 800er Familie, aber technisch genauso potent bestückt, schafft es die „kleine“ 804 D3 den Vorhang für die ganz große Bühne aufzuziehen. Mit ihrem detailreichen, hochpräzisen und sehr räumlichen Klangbild steht sie den größeren Modellen der 800er Serie kaum nach, hat aber den immensen Vorteil, auch dicht vor der Rückwand absolut sauber und tiefreichend zu spielen. Sie ist einfach die perfekte B&W-Lösung für kleinere Räume. Ihr vergleichsweise guter Wirkungsgrad und das wenig anspruchsvolle Impedanz-Verhalten erlauben auch eine gut klingende Kombination mit nicht so kräftigen Verstärkern. Viel besser geht es nicht.

Mit- und Gegenspieler im Hörtest:

Test Burmester B18 – klangliche Schönheit im Edel-Gehäuse
Test Vorstufe SPL Director – überlegene Studiotechnik für zu Hause
Test Endstufe Nubert nuPower A – jede Menge gutklingender Watt
Test Elac EA101EQ-G – geniale Vollausstattung für 700 Euro

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B&W 804 D3
2018/01
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Lebendiger, transparenter Klang mit präzisem Bass
Klang löst sich komplett von der Box
Überragende Verarbeitung
Prädestiniert für wandnahe Aufstellung

Vertrieb:

B&W Group Germany GmbH

Kleine Heide 12
33790 Halle / Westfalen
www.bowers-wilkins.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
B&W 804 D3: 9.000 Euro