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Test B&W 805 D3: Maßstab der Kompaktklasse

Der erste Eindruck beruhigte mich erst einmal: So groß sind die Unterschiede doch gar nicht. Mit Underworld ging mit beiden die Post ab: Die 805 D2 spielte unten herum satter und blieb im Mittelhochtonbereich dezenter, die Neue spielt etwas heller und agiler, aber, so schien es, in etwa auf Augenhöhe. Auch Kollege

Dvoraks 9. Symphonie als Pure Audio Blu-ray
Das Remaster einer großartigen Aufnahme aus dem Jahre 1960: Dvoraks 9. Symphonie unter Ferenc Fricsay nun als HiRes- (Pure Audio-) Aufnahme zu haben (Cover: jpc)

Jürgen Schröder meinte nach Durchgang 1: „Das ist eine richtig gute Box, die alte 805. Da wüsste ich gar nicht, welche ich vorziehen sollte.“ Als D2-Besitzer hätte ich in diesem Moment abbrechen sollen. Aber wir blieben sitzen und hörten und hörten. Fehler. Denn mit jedem Stück schien die B&W 805 D3 besser zu werden.

Es war vor allem diese neue Klarheit. Ohne direkten Vergleich fällt es nicht auf, aber bei der 805 D2 schien immer eine leichte Hüllkurve über allem zu liegen: Die Bässe etwas langsamer, die Stimmen etwas dunkler, Gitarren obertonärmer.

Alles nur ein bisschen, aber in der Summe doch einiges. Ich denke, dass die neue Tiefmitteltonmembran nicht unwesentlich zu diesem Mehr an Durchsichtigkeit, Präzision, Struktur und Mühelosigkeit beiträgt.

Nach den vielen Stunden des Hin- und Her-Vergleichens – was kann „meine“ 805 D2 genau so gut oder besser, wo ist die B&W 805 D3 überlegen? – überkam mich eine leichte Müdigkeit und ich ließ einfach eine Zeitlang nur Musik laufen. Und zwar jene Dvorak-Aufnahme mit Fricsay, die wir auch für die Ton/Film-Aufnahmen unseres Hörtests verwendeten. Und plötzlich,

Der Autor nach vielen Hörstunden und der für ihn bitteren Einsicht, dass das Bessere des Guten Feind ist und die neue 805 doch überlegen klingt (Fto: J. SChröder)
Der Autor nach vielen Stunden im Hörraum und der für ihn bitteren Einsicht, dass das Bessere des Guten Feind ist und die neue 805 (links) doch überlegen klingt (Foto: J. Schröder)

gedanklich weit weg vom konzentrierten Vergleich, hörte ich nur noch die Aufnahme und mir wurde klar, dass die neue 805 D3 eines sehr viel besser macht: Sie zieht einen viel tiefer in die Musik.

Dank ihrer überwältigenden holografischen Abbildung und der ebenso fantastischen Feindynamik erweckt sie den Eindruck, man sei Teil der Aufnahme.

Die feinen Obertöne der Celli-Saiten, das Knarzen des Holzes, die energisch geschlagenen Triangeln – ich hörte einfach mehr vom Wesen der Aufnahmen. Musik ist ja auch immer Energie, die transportiert werden will. Die 805 D3 beherrscht diesen Energietransport überragend gut.

Eigentlich bilde ich mir ein, klangliche Unterschiede einigermaßen genau beschreiben zu können. Aber letztendlich sind beschriebene Empfindungen ja immer auch missverständlich.

Für den geneigten LowBeats Leser haben wir daher eine erweiterte, interaktive Form entwickelt, diese beschriebenen Unterschiede nachzuvollziehen, ohne gleich im HiFi-Fachhandel einen Termin zu vereinbaren: Nämlich am Rechner selber zu hören.

Wir hatten schon bei unserem B&W-Besuch 2015 den Vergleich der beiden 805er mit einem PCM-Recorder aufgenommen – siehe Erster Hörtest. Aber ich kannte damals weder die Raumakustik noch die Anlage und außerdem stand der Recorder notgedrungen nicht mittig und etwas zu weit von den Lautsprechern entfernt.

Diesen filmischen Tonvergleich haben wir nun wiederholt: Im schon recht gut klingenden LowBeats HiFi-Hörraum mit definiertem Pegel und im Hörabstand von 3,5 Metern. Zu unserem zweiten „805-versus-805-Filmchen“ geht es unten oder hier.

Ich bin gespannt, ob Sie unsere Einschätzung teilen. Zum Abhören des Vergleichs muss man sich ein bisschen Mühe geben: Gute Kopfhörer oder das Abspielen über eine große Anlage sind Pflicht. An den eingebauten Lautsprechern des Rechners hört man natürlich nicht sehr viel …

LowBeats Redakteur Jürgen Schröder bei der Aufnahme der B&W 805 D3
LowBeats Digital- und Aufnahmespezialist Jürgen Schröder im Hörraum mit dem kleinen Sony PCM-Recorder bei der Aufnahme der B&W 805 D3. Auf dem Referenz-Board Tabula Rasa „Deep Space“ steht auch die Referenz-Anlage (von links): CD-Player Ayon CD-3sx, Vollverstärker Octave V80 SE (mit Blackbox) und Oppo 103 zum Abspielen der Blu-rays (Foto: H. Biermann)

Fazit: Die B&W 805 D3 ist die beste Kompaktbox um 5.000 Euro

B&W legt mit der neuen 805 D3 die Messlatte für Kompaktlautsprecher erneut sehr hoch. Die Verarbeitung ist fantastisch und klanglich dürfte sich jede Kompaktbox in diesem Preisbereich verdammt schwer tun, an diese Authentizität, Transparenz und Spielfreude heranzukommen.

Eines allerdings muss auch klar gesagt werden: Die 805 D3 ist eindeutig heller abgestimmt als ihre Vorgängerin; in klanglich „hellen“ und halligen Räumen ist das sicherlich nicht von Vorteil. Aber sie klingt auch sehr viel offener, energetischer, leidenschaftlicher, lebendiger, letztendlich authentischer; man hört die Vorzüge des neuen Membran-Materials.

Ich meine, die neue 805 ist trotz der stattlichen Preiserhöhung wieder die Top-Empfehlung für anspruchsvolle Musikhörer, die nicht so viel Platz haben.

Diejenigen HiFi-Fans, die bereits eine 805 D2 haben, dürfen sich freuen: Sie haben eine exzellente Box, die sich vor nichts verstecken muss.

Doch diejenigen 805 D2-Besitzer, die immer nur das Beste wollen, sollten in nächster Zeit den Fachhändler ihres Vertrauens aufsuchen. Denn in Abwandlung des ZDF-Slogans würde ich sagen: Mit der Neuen hört man besser …

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B&W 805 Diamond D3
2016/02
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Lebendiger, extrem transparenter Klang
Superbe Abbildung, Klang löst sich komplett von der Box
Fantastische Verarbeitung
Zusammen mit dem Ständer vergleichsweise teuer

Vertrieb:

B&W Group Germany GmbH

Kleine Heide 12
33790 Halle / Westfalen
www.bowers-wilkins.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
B&W 805 Diamond D3: 6.000 Euro

Mit Ständer B&W FS 805: 7.000 Euro