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Test Cabasse Grand Baltic 4 + Subwoofer Santorin 30-500

Und glücklicherweise auch per beigelegter Fernbedienung. Die finde ich beim Subwoofer äußerst hilfreich, weil man A.) in der Regel am Sitzplatz noch Feinjustagen vornehmen muss und B.) beim Santorin 30-500 bis zu drei unterschiedliche Presets abrufen kann – sehr hilfreich bei extrem geringen sowie bei sehr hohen Pegeln.

Cabasse Santorin 30-500 Anschlussfeld
Eingänge für Cinch-, XLR- oder Lautsprecherkabel. Wir empfehlen, den Subwoofer mit Lautsprecherkabel zu verbinden. Die Lautsprecherausgänge des Santorin 30-500 sind nicht gefiltert (Foto: H. Biermann)

Bei einer Aufstellung, wie wir sie gewählt haben – also mit dem Subwoofer genau zwischen den beiden Cabasse Grand Baltic 4 – ist die schlaueste Verkabelung diese: Man steuert den Subwoofer an (er bietet Eingänge für asymmetrische, für symmetrische und für Lautsprecherkabel an) und geht von dort mit Lautsprecherkabeln zu den Baltics. So muss man die wenigsten Kabel verlegen. Unter klanglichen Gesichtspunkten ist es womöglich besser, die Baltics direkt mit dem Verstärker zu verbinden. Aber ich habe mir beide Varianten angehört und der Vorteil der direkten Verbindung war marginal…

Cabasse Santorin 30-500 Display
Man kann  auch per Hand einiges einstellen: Tiefpassfilter von 30-200Hz  in 1Hz-Schritten, Laufzeitverzögerung in 0,34-Meter-Schritten von 0 bis 6,8 Meter, die Phase und natürlich den Pegel. Das Display auf der Vorderseite zeigt die Veränderungen (Foto: H. Biermann)

Die Subwoofer von Cabasse gefielen mir früher schon sehr gut, weil sie immer sehr pegelfest waren und präzise spielten. Auch der Santorin 30-500 bleibt in dieser Tradition ein beeindruckender Aktiv-Woofer. Er lässt sich zudem wirklich einfach und punktgenau einstellen. Allerdings auch an Punkten, an denen es weniger sinnvoll ist: Die Phase beispielsweise verändert man in 1-Grad-Schritten. Da ist man ganz schön lange am justieren…

Die Cabasse Grand Baltic 4 im LowBeats Messlabor

Wesentliche Bestandteile eines LowBeats Tests sind die Impedanz- und Pegelmessungen. Sie helfen, einen angemessenen Verstärker für den Testlautsprecher zu finden. Die Messungen der Baltics waren im hohen Maße erfreulich: Das Impedanz- und Phasenverhalten ist selbst für kleinere Verstärker völlig problemlos zu meistern. Im Klartext: auch Röhrenverstärker mit 20 oder 30 Watt sind durchaus eine Alternative. Doch dazu später mehr. Die Grand Baltic 4 zeigt sich hier als lineare 4-Ohm-Konstruktion, obwohl sie im Datenblatt als 8-Ohm-Modell geführt wird.

Impedanzverlauf und elektrische Phase Cabasse Baltica
Impedanzverlauf und elektrische Phase Cabasse Grand Baltic 4. Impedanzminimum 3,2 Ohm / 260 Hz. Integriertes Hochpassfilter (Messung: J. Schröder)

Von jeher sind Cabasse Lautsprecher mit einem hohen Wirkungsgrad gesegnet. Das gilt auch für die Cabasse Grand Baltic 4. Wenn ein hoher Wirkungsgrad dann auch noch mit geringen Verzerrungen einhergeht, ist das Optimum erreicht. Bei unseren klassischen 94-dB-Messung (gemessen in einem Meter Abstand) lässt die Cabasse-Kugel fast gar keine Verzerrungen erkennen.

Intermodulation spectrum Cabasse Baltica @94dBspl / 1m
Intermodulationsspektrum Cabasse Grand Baltic 4 bei 94dB / 1m: Insgesamt sehr geringe Verzerrungen. Hochpass-gefiltert bis etwa 100 Hz. (Messung: J. Schröder)

Aber auch bei deutlich gesteigertem Pegel zeigt sich die Baltic in Bezug auf Verzerrungen äußerst moderat. Unter den bislang gemessenen Testlautsprechern bei LowBeats nimmt die Baltic 4 in der „Disziplin Verzerrungsarmut“ einen der vordersten Plätze ein. Klasse.

Intermodulationsspektrum Cabasse Baltic bei 102dB / 1m: Insgesamt noch geringe Verzerrungen. Sehr pegelfest (Messung: J. Schröder)

Was sagen uns die Messungen? Erstens: die Cabasse Grand Baltic 4 läuft auch an kleinen Verstärkern top. Der leistungsintensive Bassbereich wird sowieso vom aktiven Subwoofer abgedeckt. Zweitens: Wer es darauf anlegt und einen kräftigen Verstärker anschließt, kann mit den Baltics richtig laut Musik hören. Das haben wir natürlich auch getan – und hatten echt Spaß…

 Cabasse Grand Baltic 4 mit Santorin 30-500 im Hörtest

Die Vorfreude war groß und die außergewöhnliche Sub-/Sat-Kombination hielt, was der technische Aufwand und der recht hohe Preis versprachen. Was bei diesen Kugeln immer sofort verblüfft: die Leichtigkeit, mit der sich der Klang von ihnen löst. Die Bühne ist breit und wie selbstverständlich sehr tief. Bei entsprechenden Aufnahmen wie Yuri Honings Version von „Walking On  The Moon“ (Album: Star Tracks) vermitteln die Cabasse Kugeln den Eindruck, man könne zwischen den Musikern hindurchspazieren und ihre Instrumente anfassen. Das kann kaum ein Lautsprecher besser.

Cabasse Lautsprecher sind – wie auch die des ebenfalls französischen Herstellers Triangle – dem dynamisch-authentischen Klang verpflichtet. Das gilt auch für die Baltic 4. Das Saxophon auf der Aufnahme hat mit ihr eine seltene Lebendigkeit und Kraft. Es gibt sicherlich Lautsprecher, die in Hochton noch etwas feiner auflösen als die Baltic. Aber ihre dynamischen Fähigkeiten sind schon sehr beeindruckend.

Der Santorin 30-500 hat einen nicht unerheblichen Anteil an diesem äußerst authentischen Auftritt. Dank der vielfältigen Einstellmöglichkeiten kann man auch ihm einen sehr knackig-präzisen Charakter anerziehen – so, dass er optimal zur Baltic passt. Aber er ist ein so guter Subwoofer, dass wir ihn auch in vielen anderen Hör-Versuchen mit einbezogen. Immer mit einem höchst überzeugenden Ergebnis.

Wir haben anfangs viel mit klassischen Vollverstärkern gearbeitet – überwiegend mit dem quicklebendigen Cambridge Audio Edge A oder dem Hegel H590, der ja Leistung im Überfluss hat. Mit ihm hatte die Kombi auch in den oberen Basslagen ungemein viel Kraft und Substanz – was Stimmen sehr echt klingen ließ. Vor allem bei Schlagzeugsoli konnte man es mit ihm richtig krachen lassen. Die Lebendigkeit der Baltic und der tiefreichende, knochentrockene Bass entfachten einen herrlichen Sog in die Musik. Da wollte man immer noch ein bisschen lauter drehen…

Aber irgendwann kommen auch die Baltic 4 an ihre Pegelgrenzen; es ist erstaunlich, wie viel Energie im Bereich um 100 Hertz gerade bei elektronischer Musik noch fließt. Und was auch auffiel: Schon immer klangen die Cabasse Speaker in den Mitten kernig, manchmal hart. Davon ist auch die Baltic 4 nicht ganz frei. Das ist häufig die Eigenart solch dynamischer Lautsprecher.

Aber es gehört ja zu den Vorteilen der Baltic, dass ihr Wirkungsgrad so hoch ist. Man könnte also auch in den Mitten feiner und dezenter aufspielende Röhren-Amps verwenden… Gesagt, getan. Schon mit dem kleinen Fezz Audio Mira Ceti, einem 300B-Verstärker mit nur 9 Watt, zauberte die Cabasse-Kombi Klangbilder mit prachtvollen Farben und von beeindruckender Größe. Noch besser wurde es mit dem Westend Audio Leo, ebenfalls einem 300B Röhren-Vollverstärker, aber mit doppelt so viel Leistung.

Westend Audio Leo im LowBeats Hörraum an Cabasse Baltic
Der Westend Audio Leo im LowBeats Hörraum im Zusammenspiel mit der Cabasse Grand Baltic 4: Obwohl er gerade einmal 20 Watt Musikleistung anbietet, war diese Kombi klanglich ein  Gedicht…  (Foto: H. Biermann)

Die grandiose Mittentransparenz des Leo beflügelte auch die Baltics enorm. Die Aufnahmen bekamen eine Luftigkeit, Mühelosigkeit, wie man sie sich immer wünscht. Ich habe schon lange nicht mehr so entspannt und dennoch fasziniert Musik gehört. Und weil die Endstufe des Santorin den Leo von einem Großteil der Bassarbeit befreit, haben ich auch mit dieser Kombi erstaunliche Pegel erzielt…

Nun schlägt der Leo selbst mit knapp 10.000 Euro zu Buche und wohl nur selten wird er die außergewöhnlichen Kugellautsprecher antreiben dürfen. Aber er zeigt, welches Potenzial an Mittentransparenz und Feindynamik in den Baltics der Generation 4 steckt.

Fazit Cabasse Grand Baltic 4

Hier sei mir ein persönliches Wort gegönnt: Ich fand die Baltic schon herausragend gut, als ihre erste Version 1992 auf den Markt kam und bei uns in der Redaktion vorgestellt wurde – schon damals übrigens mit einem Subwoofer, der dem heutigen Santorin 30-500 sehr ähnlich war. Die Dynamik, die Impulsgenauigkeit, die Räumlichkeit waren auch bei der ersten Baltic exzellent, doch sie klang sehr hart. Über die Jahre wurde der Klang immer besser. Auch die Cabasse Grand Baltic 4 ist kein Weichspüler. Aber mit der richtigen Verstärkerelektronik – und da reichen wenige Watt zum Glücklichsein – wird diese Kugel zum Zauberlautsprecher. Es ist bisweilen atemberaubend, wie lebendig und räumlich Musik mit dem Gespann aus Santorin 30-500 plus Baltic 4 klingen kann.

Zählen wir zusammen: 8.000 Euro für die Kugelboxen, 3.000 Euro für den schnittigen Ständer, 3.200 Euro für den Subwoofer. Mit 14.200 Euro ist das Gespann Grand Baltic 4/ Santorin 30-500 kein ganz preiswertes Vergnügen. Aber ein großes. Und eines, das wirklich zufrieden machen kann.

Im Test erwähnt:
Test Hegel H590 – der Weltklasse Vollverstärker
Test: Vollverstärker Cambridge Audio Edge A
Test Westend Audio Leo: 300B Röhren-Amp mit 2 x 20 Watt
Test Röhren-Amp Fezz Audio Mira Ceti – die Faszination 300B

Mehr von Cabasse:
Test Kompaktbox Cabasse Bora – ein Pegelwunder

Cabasse
Grand Baltic 4
mit Santorin 30-500
2018/12
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Extrem dynamischer und räumlicher Klang
Hoher Wirkungsgrad, harmoniert auch mit „kleinen“ Amps
Gute Raumanpassung dank exzellentem Aktiv-Subwoofer
Vergleichsweise teure Ständer

Vertrieb:
ATR – Audio Trade
Schenkendorfstraße 29
45472 Mülheim an der Ruhr
www.audiotra.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Cabasse Grand Baltic 4: 8.000 Euro (Paar)
Cabasse Grand Baltic 4 Ständer: 3.000 Euro (Paar)
Cabasse Santorin 30-500: 3.200 Euro (Stück)