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Die SE-Version des beliebten Streaming-Vollverstärkers EVO 150 von Cambridge verspricht besseren Klang. LowBeats hat den Direktvergleich gemacht (Foto: Cambridge)

Test Cambridge EVO 150 SE Streaming-Vollverstärker: Jetzt mit verfeinerter Rezeptur

Mitte 2021, also vor immerhin schon vier Jahren, überzeugte der britische HiFi-Hersteller Cambridge Audio im LowBeats-Test mit einem Streaming-Vollverstärker, welcher der Konkurrenz in vielerlei Hinsicht voraus war. Mit seinem großflächigen Display, einem tollen, wandelbaren Design im Mid-Size-Format sowie großartiger Ausstattung und Bedienung ist der EVO 150 damit bis heute absolut auf der Höhe der Zeit. Anstatt all das über den Haufen zu werfen und einen komplett anderen Nachfolger zu entwickeln, haben die Briten diese gute Grundlage nun verfeinert. Und zwar in der Verstärkersektion. Alles andere blieb nahezu unverändert. LowBeats hatte die günstige Gelegenheit, die bisherige Version gegen die neue „SE“-Version zu testen. Und natürlich um gleichzeitig die Frage zu beantworten: Reicht das Feintuning, dass der Cambridge EVO 150 SE weiter an der Spitze mitspielen kann?

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Eineiige Zwillinge, aber der Obere soll besser klingen. Stimmt das? (Foto: F. Borowski)

Cambridge EVO 150 SE: It’s Special Edition Time

Ich weiß nicht, wie Sie das empfinden, aber wenn ich höre, dass ein Hersteller von einem bestimmten Produkt eine „Special Edition“ herausbringt, setzt bei mir immer so eine gewisse Skepsis ein. Soll uns da etwa alter Wein in neuen Schläuchen verkauft werden? Für eventuell mehr Geld als bisher? Haben die keine neuen Ideen mehr? Hätten sie das Produkt nicht einfach weiterentwickeln und es „Mark II“ oder ähnlich nennen können? Die Verwendung des Begriffes „Special“ soll wohl irgendeine besondere Exklusivität suggerieren. Aber der EVO 150 SE ist weder in der Stückzahl limitiert noch verfügt er über äußerliche Exklusivitätsmerkmale wie zum Beispiel vergoldete Knöpfe. Nur eines der austauschbaren Seitenteil-Paare mit Magnetbefestigung hat ein neues Design bekommen. Also was bitte schön ist hier so „special“? Das sehen und hören wir uns mal genauer an…

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Die mitgelieferten Seitenteile sind dank magnetischer Befestigung mit einem Handgriff austauschbar (Foto: F. Borowski)

Einen bösen Verdacht kann ich hier schon mal ausräumen: Der EVO 150 SE ist nicht teurer geworden. Im Gegenteil. Verglichen mit dem Ursprungspreis des EVO 150 von 2.499 Euro ist der EVO zum Start mit 2.399 Euro sogar einen glatten Hunderter günstiger. Und zwar ohne an irgendwie beim Material oder in der Ausstattung eingespart zu haben. Sehr schön! Viele andere Hersteller nutzen solche Gelegenheiten gerne mal, um ordentlich was auf den Kaufpreis aufzuschlagen. Ob gerechtfertigt, oder nicht.

Nichts eingespart bedeutet: Der EVO 150 SE verfügt nach wie vor über das sehr solide und elegant gestaltete Gehäuse mit massivem Alu-Deckel, die austauschbaren Seitenteile für eine wandelbare Optik, die gleiche solide Fernbedienung und ein sehr üppiges Anschluss-Bouquet. Die zugehörige, schon damals sehr gute StreamMagic App wurde zudem in der Zwischenzeit stetig weiter verbessert.

Was ist neu? (Spoiler: nicht sehr viel)

Äußerlich ist die SE-Version des EVO 150 nur an drei Merkmalen zu erkennen. Erstens: Das Unternehmen heißt seit Kurzem nur noch „Cambridge“ statt „Cambridge Audio“. Dementsprechend wurde das Logo-Badge im Deckel und auf der Fernbedienung geändert. Der neue Name ist auf jeden Fall griffiger. Aber das macht den EVO natürlich nicht „speziell“. 

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Das neue Logo im Deckel des EVO 150 SE (Foto: F. Borowski)
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Neues Logo-Badge auf der Fernbedienung des EVO 150 SE (rechts) (Foto: F. Borowski)
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Die Seitenteile im Kühlrippenlook sind neu. Früher wurde stattdessen ein Wellenmuster mitgeliefert (Foto: F. Borowski)
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Zweites Erkennungsmerkmal: Der metallene Sub-Drehring um den Lautstärkeregler, mit dem der Eingang umgeschaltet werden kann, hat jetzt eine etwas andere Prägung und Farbe. Zuvor war der Ring diamantförmig gerändelt, jetzt ist er diagonal geriffelt. Haptisch ist die neue Ausführung etwas angenehmer, softer, hat aber nicht ganz so viel Grip.

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Oben: Einzige Änderung an der Front ist der optisch leicht veränderte Drehring des EVO 150 SE (Foto: F. Borowski)

Drittens: Die SE-Version wird außer mit den bekannten Holz-Seitenteilen nun mit einem Paar Magnetplanken im Kühlrippen-Design geliefert. Das wirkt stimmiger als die zuvor mitgelieferten und etwas avantgardistisch wirkenden Planken mit Wellenform. Aber das war’s dann auch mit den äußerlichen Unterschieden. An der Anschlussvielfalt, den Beschriftungen, dem Display (weiterhin ohne Touch-Funktion) und dem Funktionsumfang hat sich nichts geändert.

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Kein Unterschied bei den Anschlüssen. Unten der „alte“ EVO 150, oben die SE-Version (Foto: F. Borowski)

Die eigentliche Spezial-Zutat befindet sich im Inneren des Gerätes. Wobei man selbst nach dem Abschrauben des Deckels schon sehr genau hinsehen muss. Das erinnert ein wenig an das Kinder-Suchspiel „Wo ist Waldo?“.

Hier ein Vergleich des bisherigen EVO 150 und der neuen SE-Version:

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Suchspiel: Hier das Innenleben des bisherigen EVO 150… (Foto: F. Borowski)
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… und hier der EVO 150 SE. Wo sind die Unterschiede? Tipp: Konzentrieren Sie Ihre Suche auf die Platine im linken oberen Bereich (Foto: F. Borowski)
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Zunächst fiel mir nur ein anderer Versionsaufkleber auf einem der Vielbeiner der Hauptplatine auf. Beim genaueren Vergleich traten dann aber doch noch ein paar Unterschiede zutage. So ist die Verstärkerplatine nun blau statt zuvor grün. Die Bestückung selbst scheint unverändert, aber ein paar Bauteile sind doch anders. Bei noch näherem Blick findet sich dann ein wichtiger Hinweis in der oberen rechten Ecke der blauen Platine.

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Verbesserte Schaltung, noch mal getunt (Foto: F. Borowski)

Es handelt sich also um ein Hypex NCore-Modul mit dem Zusatz „X“. Diese neuere Variante des Herstellers und Pateninhabers Hypex verspricht gegenüber der vorherigen Version weniger Verzerrungen bei höherer Leistung, einen optimierten Frequenzgang und geringeres Grundrauschen. „Höhere Leistung“ ist hier aber nicht gleichbedeutend mit mehr Ausgangsleistung. Der EVO 150 SE leistet weiterhin – entsprechend der Modellbezeichnung – 150 Watt an 8 Ohm. Die Leistung an 4 Ohm nennt der Hersteller nicht. Und bevor Sie fragen: Eine SE-Version des EVO 75 gibt es nicht und ist derzeit auch nicht in Planung. Unter anderem deswegen nicht, weil es dafür kein upgedatetes NCoreX-Modul gibt.

Neben den Verbesserungen vom Hersteller der NCore-Module hat Cambridge selbst noch mal Hand angelegt. Genaue Details verraten die Briten nicht, aber in ausgiebigen Hörtests wurden einige Bauteile und Ansteuerungen verändert, die Hypex nun exklusiv für Cambridge in die Module einbaut. Sprich: Was im EVO 150 SE steckt, ist also kein frei erhältliches NCoreX-Modul. 

Hörtest: Kleine Änderungen, große Wirkung

Den Praxisteil überspringe ich an dieser Stelle geflissentlich. Wie schon gesagt, ändert sich funktional nichts am EVO 150 SE. Was der alles kann – und das ist schon eine Menge – habe ich im Test des Vorgängers ausführlich beschrieben. Die App hat sich seitdem natürlich weiterentwickelt, ist dadurch aber nur noch besser und vielseitiger geworden. 

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Vergleich alt gegen neu: Roon lieferte die Musik an beide Amps (Foto: F. Borowski)

Dies ist aber eine gute Gelegenheit, einen kleinen Fehler aus dem alten Testbericht auszubügeln. Damals hatte ich unter einem App-Screenshot fälschlich geschrieben, dass eine Anmeldung bzw. Registrierung notwendig sei, was aber nicht der Fall ist. Die Anmeldung kann jederzeit übersprungen werden. Durch eine Anmeldung kann der Hersteller in anonymisierter Form Daten über das Nutzungsverhalten auswerten und so etwa feststellen, welche Streamingdienste oder Anschlüsse hauptsächlich genutzt werden.

Nun aber Butter bei die Fische. Klingt der EVO 150 SE wirklich hörbar besser als die vorherige Version? Um das herauszufinden, installierte ich beide Versionen in meiner Hauptkette, wo sie die Børresen 02 SSE (Testbericht) befeuern mussten. Die Musik wurde für beide per LAN-Kabel via Melco S100 Switch von Roon geliefert. Auf diesem Weg war es mir möglich, die gleiche Musik parallel an beide Geräte zu streamen. Die Umschaltung zwischen beiden Geräten erfolgte rein manuell durch Umstecken der Lautsprecherkabel. So musste die Musik auf beiden nur pausiert und die Ausgänge kurz stumm geschaltet werden. Den SE hatte ich zuvor einige Tage eingespielt, weil er neu war. Der alte 150er hatte schon viele Stunden auf dem Buckel.

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Zum Vergleich wurden nur die Lautsprecher umgesteckt (Foto: F. Borowski)

Dieser Vergleich war auch eine sehr seltene Gelegenheit, um Komponenten miteinander zu vergleichen, die sich nur in einigen wenigen Schaltungsdetails voneinander unterscheiden. Alles andere ist sonst gleich. Erfahrene High-Ender wird es kaum überraschen, dass deutliche Unterschiede hervortraten.

Der neue EVO 150 SE konnte sich unmittelbar von seinem Vorgänger durch ein etwas offeneres und feiner strukturiertes Klangbild absetzen. Perkussive Elemente wirkten eine Spur anspringender und Bässe  druckvoller. Die Darbietung des SE ist insgesamt stimmiger abgeschmeckt.

Mein Kontakt bei Cambridge erklärte, dass sich der SE klanglich etwas mehr an dem Ideal der Cambridge-Analogverstärker orientiere. Und das bringt es eigentlich gut auf den Punkt. Der SE klingt in jeder Hinsicht etwas natürlicher und weniger steril, ändert dabei aber seinen frischen und hochauflösenden Grundcharakter nicht.  

Aber reicht das aus, um vom früheren EVO 150 auf die SE-Version zu wechseln? Die Frage ist schwer zu beantworten und hängt meines Erachtens davon ab, wie gut man den „alten“ EVO noch veräußern kann, bzw. wie viel man neu in den SE investieren müsste. Die deutlich ansprechendere Art des SE ist schon ein deutlicher Gewinn, aber wir sprechen hier dennoch nicht von klanglichen Welten zwischen den beiden Versionen. Neue Interessenten für den EVO 150 SE erhalten für den Preis auf jeden Fall einen klanglich in seiner Preisklasse absolut überzeugenden Streaming-Amp.

Fazit Cambridge EVO 150 SE: frisch wie am ersten Tag

Das unveränderte Konzept des Cambridge EVO 150 SE wirkt trotz seiner über vier Jahre Bauzeit taufrisch. Dass hier kein Touch-Display verbaut ist, ändert an dieser Aussage nichts, denn das Bedienkonzept des Cambridge mit einigen dezenten Tasten am Gerät und der Steuerung per IR-Fernbedienung oder App ist absolut stimmig. Nur wer unbedingt auf umfassende DSP-Features und eventuell Raumeinmessung gehofft hat, wird enttäuscht.

Das überarbeitete Verstärkermodul der neuen SE-Version bringt einen willkommenen klanglichen Schub. Eigentlich gab es schon am Vorgänger in dieser Hinsicht nicht viel zu beanstanden, doch dass Cambridge mit dem SE nun eine so hörbare Klangsteigerung bietet, für die zudem nicht mehr bezahlt werden muss, macht den EVO 150 SE nur umso attraktiver.

Cambridge EVO 150 SE
2025/08
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Nochmals verbesserter Cambridge-Klang zum angemessenen Preis
Funktional voll auf der Höhe der Zeit
Angenehm großes Display
Keine interne Weiche für LFE, keine Raumkorrektur

Vertrieb:
Cambridge Audio Deutschland
Telefon: 0410 18099810
www.cambridgeaudio.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Cambridge EVO 150 SE: 2.400 Euro

Die technischen Daten des Cambridge Audio EVO 150 SE

Cambridge Audio EVO 150 SE
Konzept:Streaming-Vollverstärker mit Schaltnetzteil, Class-D
Leistung:2 x 150 Watt an 8 Ohm
Audioformate:ALAC, WAV, FLAC, AIFF, DSD (x256), WMA, MP3, AAC, HE AAC, AAC+, OGG Vorbis; MQA-Decoder
Eingänge digital:2x TOSLINK optisch, 1x S/PDIF koaxial, 1x TV ARC, 1x USB-Audio
Eingänge analog:1x RCA, 1x symmetrischer XLR, 1x Moving Magnet Phono-Vorstufe
Ausgänge:Lautsprecher A+B, 3,5 mm Kopfhörer, Vorverstärkerausgang, Subwoofer-Ausgang, Trigger
Dienste & Protokolle:TIDAL Connect, Spotify Connect, Qobuz, weitere; Roon Ready, Chromecast built-in, UPnP/DLNA, AirPlay2, Bluetooth, lokale Wiedergabe von USB-Massenspeicher
Drahtlos:Bluetooth 4.2 A2DP/AVRCP aptX HD, Wi-Fi (802.11 n, 2,4/5GHz, innenliegende Antennen)
Daten-Interface:1 x RJ45 Ethernet LAN, 1 x USB-Media (Typ A)
Abmessungen (B x H x T):
30,5 x 9,0 x 30,5 cm
Gewicht:
 5,3 Kilo
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test Streaming-Amp Cambridge Audio EVO 150
Børresen 02 SSE

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Erster Test: Vollverstärker Cambridge Audio Edge A

Autor: Frank Borowski

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LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.