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LINA DAC X ist die Full-Size-Variante des bekannten Network-DAC LINA von dCS. Die edle Streaming-Vorstufe (16.880 Euro) überzeugt mit Klang und Eleganz (Foto: F. Borowski)

Test dCS LINA DAC X – Gourmet-Streamer für Minimalisten

Mit LINA hat der britische High-End Digitalspezialist dCS ein beeindruckendes System aus Mid-Size Digitalkomponenten, bestehend aus Streaming-DAC, Kopfhörerverstärker und Master Clock geschaffen. Kürzlich wurde die Serie um den dCS LINA DAC X ergänzt. Dieser basiert technisch auf dem LINA Network DAC, vereint aber dessen Eigenschaften in einem Full-Size-Gehäuse mit großem Lautstärkeregler. Genau die richtige Mischung für diejenigen, die Endstufe(n) oder Aktivlautsprecher anschließen möchten. Das haben wir uns mal näher angesehen und angehört.

dCS LINA DAC X: das doppelte Linchen

Die Modellserie LINA stellt bei dCS den Einstieg in die Welt ihrer sehr high-endigen Digitalkomponenten dar. Das englische Unternehmen mit Sitz im Technologie-trächtigen Cambridge gilt als konsequenter Hersteller von Digital-HiFi. Aber auch als einer der kostspieligsten dieses Segments. Mit Produkten wie dem voriges Jahr vorgestellten Varèse werden Summen fällig, für die man auch ein kleines Eigenheim bekommen würde. Auch die darunter angesiedelten Serien Vivaldi und Rossini schlagen noch heftig ins Kontor. Mit der Einzelkomponente Bartók (siehe Test) bleibt man unter 30.000 Euro. Da wird einem schnell klar, dass auch die „Einstiegsserie“ LINA keineswegs in der Konsumerklasse angesiedelt ist.

Doch Geld beiseite. Einen dCS leistet man sich, oder eben nicht. Was den LINA DAC X für mich als Tester auf den ersten Blick so interessant machte, ist sein Design. Das orientiert sich ganz klar an den bisherigen LINA-Komponenten. So übernimmt der DAC X deren reduziertes, monolithisches Äußeres mit dem abgerundeten Sockel und einem großen schwarzen Fenster an der Front. Doch anders als die Midis bietet der DAC X mit seinen 44,4 cm Breite mehr Frontfläche. Diese nutzten die Designer visuell geschickt nach allen Regeln des Minimalismus aus. Nur ein großer Drehknopf findet sich noch auf der ansonsten freien Fläche. Das große Fenster, die leere Fläche und der Drehknopf zusammen bilden zusammen eine harmonisch proportionierte Front in einem dCS-typischen, massiven, aus dem Vollen gefrästen „Unibody“ Alu-Gehäuse.

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Clean look: Das Design des LINA DAC X folgt der Regel „weniger ist mehr“ (Foto: F. Borowski)

Ich assoziiere das Design aus irgendeinem Grund stets mit Leica Kameras, die gleichermaßen mit reduziertem Design ein ikonisches Aussehen bieten. Dabei bin ich eigentlich kein Hardcore-Minimalist, der alles außer Bauhaus-Regeln verteufelt. Aber manchmal passt einfach alles mit geringsten Mitteln, und das ist dCS beim LINA DAC X gelungen.

Der Look ist so konsequent reduziert, dass darüber hinaus gar nicht viel zu beschreiben ist. Der dezente, zu den Ecken hin abgerundete Sockel und zwei umlaufende Rillen im vorderen und hinteren Gehäusebereich vervollständigen das Bild. That’s it! Um den Anblick nicht weiter zu stören hat dCS den Standby-Button – die einzige physische Taste am Gerät – an der Unterseite des Gehäuses im Bereich des Displays angebracht.

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Die einzige physische Taste für ON und Standby ist unauffällig an der Unterseite angebracht (Foto: F. Borowski)

Kleiner Schönheitsfleck in dem ansonsten makellosen Look: Das große Fenster suggeriert ein entsprechend großes Display, aber hier begnügt sich dCS mit einem eher kleinen und nicht gerade hochauflösendem Bildschirm. Das trübt meiner Ansicht nach im Betrieb das Gesamtbild ein wenig. Aber Genießer schalten das Display ohnehin lieber aus.

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Mit 44,4 cm Breite ist der LINA DAC X die Full-Size-Variante des LINA Network DAC (Foto: F. Borowski)
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Gefräste, umlaufende Vertiefungen im Gehäuse sind die einzigen „Zierelemente” im Design (Foto: F. Borowski)
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Das Display ist nicht die modernste Technologie, aber für den Zweck natürlich völlig ausreichend, Die Steuerung erfolgt über die vier Touchfelder am unteren Rand (Foto: F. Borowski)
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Technisch gesehen ist der DAC X weitgehend identisch mit dem LINA Network DAC. Dessen Technik – samt dem berühmten dCS Ring DAC (ohne APEX wie im Bartók und den höheren Serien) – wird hier lediglich durch ein räumlich weiter von der Signalelektronik abgesetztes und extra abgeschirmtes Netzteil plus dem besagten Lautstärkeregler ergänzt, der elektronisch an die Hauptplatine angebunden ist. Und es gibt serienmäßig eine Fernbedienung, die beim LINA Network DAC optional zu erwerben ist. Der Rest ist identisch. Der dafür geforderte Aufpreis von 1.250 Euro ist üppig, was angesichts des Materialaufwands beim Gehäuse und der zusätzlichen Fernbedienung aber nachvollziehbar ist. Letztere soll voraussichtlich 2026 einzeln erhältlich sein und (nach vorläufiger Kalkulation) um 160 Euro kosten.

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Die mitgelieferte Fernbedienung. 2026 soll sie auch optional für den kleineren LINA Network DAC erhältlich sein (Foto: F. Borowski)

Wer will kann natürlich auch den LINA DAC X mit der externen dCS LINA Master Clock nachrüsten. Die entsprechenden BNC-Anschlüsse IN und OUT sind ebenso vorhanden, wie die RJ45 Power-Link-Buchsen zur gemeinsamen Steuerung mehrerer dCS-Komponenten. Dasselbe gilt für den LINA Kopfhörerverstärker, der sich natürlich auch an den DAC X anschließen lässt.

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Hier der LINA DAC X in Schwarz und mit der externen Clock (Foto: dCS)

Die Technik

Ich möchte an dieser Stelle keinen erneuten Anlauf nehmen, die Technologie des von dCS entwickelten Ring-DAC im Detail zu erläutern. Im Wesentlichen habe ich das schon im Test des Bartók behandelt, nur dass im LINA auf dessen APEX-Schaltung verzichtet wird. Darüber hinaus tue ich mich aber ehrlich gesagt schwer, als nicht-Digitaltechniker den Ausführungen der dCS-Ingenieure zu folgen. Es gelingt mir einfach nicht, diese zu Aussagen zu bewegen, denen man als Laie folgen kann …

Die beste Reduktion auf das Wesentlichste ist vielleicht wie folgt: Der Ring-DAC vereint die Vorzüge eines Ladder-DAC (der mit den ganz vielen Widerständen) mit denen eines herkömmlichen Delta-Sigma-Wandlers – ohne deren jeweilige Nachteile.

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Die Hauptplatine des LINA DAC X ist identisch mit der des kleineren LINA Network DAC (Foto: F. Borowski)
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Dies ist das Rohgehäuse des LINA Networkt DAC. Das des LINA DAC X ist entsprechend größer, aber genauso massiv (Foto: F. Borowski)
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Gekapseltes Netzteil (hier im LINA Network DAC) (Foto: F. Borowski)
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LINA DAC X – Praxis und Klang

Als Streaming-DAC-Vorverstärker ist die Aufgabe des LINA DAC X schon erklärt. An Endverstärker oder Aktivlautsprecher angeschlossen und mit dem Netzwerk verbunden (nur LAN) deckt diese Komponente ein heute sehr gängiges und beliebtes Funktionsspektrum ab. dCS verzichtet dabei bewusst auf umfangreiche DSP-Spielereien wie Raumeinmessung oder (parametrische) EQ-Funktionen, sondern verfolgt einen eher puristischen Ansatz, die Originaldaten so unbeeinflusst wie möglich in Schallereignisse umzuwandeln.

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Die Anschlüsse (Foto: F. Borowski)

Nichtsdestotrotz bietet der DAC X Möglichkeiten, auf das klangliche Gesamtergebnis Einfluss zu nehmen. Dies aber nur in sehr dezentem Umfang durch Auswahl unterschiedlicher Digitalfilter, DSD-Filter und drei sogenannte „DAC Mapper“. Letztere variieren die Art und Weise der Ansteuerung des Ring-DAC, was eine subtile Veränderung der Klangparameter zur Folge hat. Da die persönliche Lieblingseinstellung herauszufinden, oder gar den besten Mapper für die jeweilige Musikrichtung, erfordert viel Zeit und intensives Hören. Ich konnte mich innerhalb des Testzeitraums kaum auf einen eindeutigen Favoriten festlegen und blieb am Ende für die Klangbeurteilung bei den Standard-Einstellungen.

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Screenshot der zugehörigen dCS Mosaic App (Foto: F. Borowski)

Womit wir auch noch mal zur Bedienung kommen. Das Display an der Front verfügt über keine Touchfunktion. Aber unterhalb der Anzeige sind vier mit weißen LEDs markierte Sensorfelder, über die die Menüsteuerung erfolgt. Alle wesentlichen Funktionen lassen sich auch über die mitgelieferte Fernbedienung erreichen. Und wer hätte es gedacht? Die Steuerung kann auch über die bekannte dCS Mosaic Control App erfolgen. Die komfortabelste aller Möglichkeiten, Musik über den dCS zu genießen, ist aber auch hier Roon.

Klang: Das obere Ende der Fahnenstange

So fein und rein! Das kam mir immer wieder in den Sinn, wenn ich mit dem LINA DAC X Musik hörte. 

Wir sind ja schon längst der Ära entwachsen, in der Digital gleichbedeutend mit harsch, kühl und steril war. Die meisten D/A-Wandler bieten heutzutage ein sehr anständiges Niveau, wobei es aber nach wie vor erhebliche Unterschiede im Gesamterlebnis gibt. Aber worauf sind die zurückzuführen? Bei Komponenten wie diesen, in denen digitale wie analoge Signalpfade untrennbar miteinander verknüpft sind, lässt sich kaum sagen, welcher Part wie viel Anteil am Klangergebnis hat.

Es ist nur eine Vermutung, basierend auf inzwischen vielen Jahren Erfahrung mit unterschiedlichsten DAC-Vorstufen, aber ich bin überzeugt, dass der analoge Teil hinter dem Wandlerchip bei den meisten Komponenten den weitaus entscheidenderen Anteil an der klanglichen Güte hat. Bei dem dCS aber bin ich mir nicht so sicher. Hier scheint tatsächlich der Ring-DAC an den charakterlichen Eigenschaften den größeren Anteil zu haben. Auch das kann nur Spekulation bleiben, aber diese glockenreine und selten zarte Schmelz, den der LINA DAC X jeder Art von Musik mitgibt, ist mir so von keiner anderen digitalen Komponente bekannt. Auch nicht von meiner aktuellen Referenz, dem 18.000 Euro teuren Moon 791, der hier natürlich als Messlatte diente.

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Der LINA DAC X wurde u. a. mit den Wilson Audio Sabrina V gehört (Foto: F. Borowski)

Nicht, dass der dCS den Moon quasi in den Schatten stellte, aber insbesondere in so schwer greifbaren Klangdetails wie Transientenauflösung und Textur von Stimmen und Instrumenten ging der DAC X noch ein entscheidendes Stück weiter des Weges hin zum „echten“ Klang. Der Moon konnte in diesem Rennen wieder etwas aufholen, indem er mit etwas prächtigeren Klangfarben und mehr Substanz Reserven mobilisierte. Das war wirklich ein Duell auf höchstem Niveau, bei dem es am Ende zu einem Foto-Finish kam.

Doch abseits von Sportmetaphern, die letztendlich einen klaren Sieger suggerieren, muss dabei natürlich klar sein, dass hier Nuancen entschieden haben. Feinheiten, die letztendlich subjektiv wahrgenommen werden und von anderen ganz anders bewertet werden könnten. Daher lautet meine Empfehlung: Wenn Sie in dieser Klasse nach Ihrer ultimativen Klangreferenz im Bereich Streaming-DAC-Vorverstärker suchen, sind sowohl der dCS als auch der Moon Kandidaten, die in Erwägung gezogen werden sollten. Darüber wird die Luft sowieso unfassbar dünn.

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Der Lautstärkeregler ist natürlich massiv und sehr fein gelagert (Foto: F. Borowski)

Fazit dCS LINA DAC X: Musik ist Trumpf

Theoretisch ist Klangqualität das alles entscheidende Kriterium beim Kauf von HiFi-Komponenten. Aber machen wir uns nichts vor: Auch das Design und natürlich die Funktionen (plus ein paar weitere Faktoren) haben einen erheblichen Einfluss auf unsere Entscheidungen beim Kauf. Beim dCS LINA DAC X stehen vor allem zwei der genannten Kriterien im Vordergrund. Klanglich spielt man damit ganz weit oben in der HiFi-Hierarchie und das Design ist einfach eine Wucht.

Auch an der Funktion gibt es nichts auszusetzen. Nur wer nach einer Komponente sucht, die mit zahlreichen DSP-Features und möglichst dem größten Display am Markt ausgestattet ist, muss sich woanders umsehen. Der dCS lädt weniger zum Spielen als zum Musikhören ein. Und genau das ist doch eigentlich unser aller Ziel, oder?

Daumen hoch für diese traumhafte Vorstufe!

dCS LINA DAC X
2025/11
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
hervorragend feiner und ausgewogener Klang auf Referenzniveau
einstellbarer GAIN zur Anpassung an unterschiedlich empfindliche Endstufeneingänge
diverse Filtervarianten
Buffer nicht pro Eingang einstellbar

 

Vertrieb:
Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
Tel.: 040 53320-359

E-Mail: [email protected]
Web: audio-reference.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
dCS LINA DAC X: 16.880 Euro

Technische Daten

dCS LINA DAC X
Konzept:Streamer/DAC/Vorverstärker
Wandler-Bestückung:Ring DAC (dCS Eigenentwicklung)
Eingänge digital:3x S/PDIF (RCA, BNC, Tos), 2x AES, USB Audio, USB-A für Massenspeicher, LAN, 2x Word Clock
Eingänge analog:keine
Ausgänge:Pre OUT Cinch/XLR
App / Fernbedienung:für iOS und Android / Infrarot
Besonderheiten:Ring-DAC-Architektur, Word Clock, Power Link
Farben:
Silber, Schwarz
Abmessungen (B x H x T):444 x 122 x 356 mm
Gewicht:14 Kilogramm (ohne Verpackung)
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test Streaming-Vorstufe plus Endstufe Moon 791 + 761: bis zum Mond und noch viel weiter!
Test Wilson Audio Sabrina V – mit viel Feinschliff zur Meisterschaft

Test Music-Server Silent Angel Rhein Z1 – sichere Bank für Roon-Musik

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Autor: Frank Borowski

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LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.