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Dual CS 529 mit Haube
Dual stand schon immer für Vinyl-Hören mit Komfort. Der Dual CS 529 aber setzt all dem die Krone auf: ein analoger Luxus-Liner für 1.000 Euro (Foto: Dual)

Test Plattenspieler Dual CS 529: der Vollste unter den Vollautomaten

„Flaggschiff“ würde zu groß und zu martialisch klingen und doch führt der Dual CS 529  1.000 Euro die Preisliste des Programms an. . Erstaunlich für einen Vollautomaten, der per Bluetooth nicht nur tönt, sondern sich auch fernsteuern lässt. Da ist man  erstaunt und erfreut zugleich: Hier treffen altes Wissen und ein sehr guter Tonabnehmer auf neue Fertigungswege und neuen Plattenabspiel-Luxus.

Aufgeben wäre eine Option gewesen. Doch dazu war der Name zu groß: Dual – ein Markstein in der deutschen HiFi-Geschichte. Ach was – in der weltumspannenden HiFi-Geschichte. Wir wiederholen jetzt nicht die Legende, auch nicht den Abstieg. Kann jeder in den einschlägigen Foren oder auf Wikipedia nachlesen. Spannender ist die Frage, was Dual heute kann. Dual residiert noch immer in Deutschland. Nicht mehr im Schwarzwald, sondern im Speckgürtel von München. Fuchstal ist auf der Landkarte schwer zu finden – ein Dorf westlich vom Ammersee, südlich von Landsberg. Eine gewaltige Halle mit der Dual-Fertigung findet man nicht, es gibt sie schlicht nicht. Auf unserem Testmuster prangt rechts neben dem Scharnier der bekannte Schriftzug „Made in China“.

Weiterlesen, das ist nicht ehrenrührig, sondern ein Zeichen des globalen Marktes. Zudem gibt es in Shenzen Fertigungsstraßen, die in ihrer Größe wie Qualität zu den besten der Welt gehören. Der clevere Schachzug von Dual heute: Es gibt eine Entwicklungsabteilung nahe der Grenze zu Salzburg sowie viele Patente, die man klug ausbeutet. Das Wissen ist da, die technischen Zeichnungen und eine veränderte Firmenpolitik: Nicht mehr vielen Vieles bieten, sondern bewusst den Katalog reduzieren. Es gibt drei manuelle Modelle und drei automatische Modelle – basta.

Dual CS 529 mit LP
Die schönere der beiden Ausführungen: Walnuss schmeichelt dem Auge, das ist auch echtes Furnier, die schwarze Version hat Dual auf Folie reduziert (Foto: H. Biermann)

Was macht den CS 529 nun zum Spitzenreiter? Es ist die Kombination alter Wertversprechen und neudeutscher Must-haves – hier eben eine Verbindung per Bluetooth. Klar kann ich darüber meine Musik an die HiFi-Kombi weiterleiten, aber auch an die Kopfhörer. Und das Spiel funktioniert bi-direktional. Verbunden mit der hauseigenen Dual-App halte ich mit dem Smartphone auch eine Fernbedienung in der Hand. Die ist reduziert, aber praktisch für Dinge, die man als Vinyl-Fan faktisch nicht kennt: die LP bis zu zehnmal wiederholen? Kein Problem. Nach 30 Sekunden oder 30 Minuten in den Tiefschlaf fallen? Auch nur einen Fingertipp entfernt.

Dual CS 529: die perfekte Auspack-Inszenierung

Der große Rest ist Handarbeit. Die aber wunderbar vorbereitet wurde. Dual liefert hier ein Paradebeispiel der „Out-of-the-Box“-Philosophie. Das ist auch Teil des modernen Kerngeschäfts: König Kunde bestellt in seinem Online-Shop, der Postbote klingelt. Herausforderung eins: Der CS 529 und alle seine Brüder müssen hochwertig und stabil verpackt sein. Herausforderung zwei: In zehn Minuten soll der erste Ton erklingen. Auch dieses Versprechen löst Dual ein. Kein Stress, keine Fragezeichen – wer wirklich nicht weiterweiß und das Lesen von Bedienungsanleitungen hasst: Dual hat auf seiner Webseite allerlei Firmenvideos gepostet – vom Auspacken bis zum Tausch des Tonabnehmers. Umkehrschluss: Auch eine junge Zielgruppe wird hier bedient.

Dual CS 529 Plattenteller
Der Teller ist gediegen, wertig – aus Aluminium-Druckguss. Für den schnellen Einsatz hat Dual den Riemen bereits über den Subteller geschwungen – der lässt sich einfach über den Motor-Pulley ziehen (Foto: H. Biermann)

Das haben die Ingenieure im „Usability“-Labor perfekt erarbeitet. Ich kenne viele andere Plattenspieler, die selbst vermeintliche Kenner vor ein oder zwei Fragezeichen stellen. Das Beliebteste: Wo ist denn der Riemen – und wie bekomme ich ihn auf den Motor-Pulley? Nichts leichter: Dual hat ihn schon um den Innenteller geschwungen und mit einem roten Klebeband befestigt. Das ist eigentlich eher eine deutlich sichtbare Schlaufe – den Riemen damit anheben und um den Pulley schlingen. Doppelter Vorteil: Das geht nicht nur schnell, sondern auch ohne Hautkontakt. Die Profis wissen, wie kritisch sich auch nur die kleinste Menge Schweiß oder Hautfett auf die Präzision des Antriebs auswirkt. Keine Baumwollhandschuhe nötig.

Der Tonabnehmer ist immer der kritischste Punkt: Richtig anwinkeln, Messschablone auflegen und auf keinen Fall die Schrauben oder gar die winzigen Muttern in den Hochflorteppich fallen lassen… Diese Hürde kennt der CS 529 nicht: Ein Ortofon 2M Red ist auf einer Headshell vormontiert – einfach auf den Tonarm aufstecken.

Dual CS 529 mit Ortofon 2M Red

Das Ortofon 2M Red liegt im Einzelpreis bei etwa 100 Euro und dürfte in dieser Preisklasse das uneingeschränkt Beste sein, was der Markt hergibt (Foto: Dual)

Der wirkt gut, stabil, vollkardanisch aufgehängt, aber nicht luxuriös. Aber da schleicht sich ein Vorurteil an, denn Dual greift hier auf das Wissen und die Patente des CL1249-Tonarms von 1975 zurück – Edelstoff aus den goldenen Jahren. Nur hier eben sehr unaufgeregt ausgelegt und mit einer Headshell nach SME-Art variiert.

Weiter geht der Aufbau: Das Gewicht einstellen – dazu den Nadelschutz ab, den Tonarm ausbalancieren, dann die Markierung auf dem Gegengewicht auf null einstellen – und alles mit einem gemeinsamen Dreh auf zwei Gramm, vielleicht sanft darunter, aber nicht deutlich darüber – Dual empfiehlt 1,6 bis 2,0 Gramm. Das Antiskating-Rad liegt rechts von der Tonarmachse, dieses auf den gleichen Wert einstellen. Das funktioniert per Federspannung, ebenfalls mit dem Wissen alter Tage.

Dual CS 529 Arm
Die Funktionen am Tonarm sind – wie der ganze Plattenspieler – selbsterklärend (Foto: Dual)

Praxis: der Weg zu den Lautsprechern

Jetzt stehen drei Wege offen, wie die Informationen der Rille an die Lautsprecher zu bekommen. Klassisch stricke ich ein Kabel plus Erdung vom CS 529 zum Phono-Eingang des Verstärkers oder zu einer externen Vorvorverstärkerbox. Muss aber nicht sein. Der große Dual kommt mit einem integrierten Phonoverstärker in die Wohnzimmer. Also einfach den Schalter auf der Rückseite umlegen und direkt jeden beliebigen Cinch-Eingang nutzen. Klar: Wenn ich Bluetooth nutzen will, muss ich den Mikroschalter auch in dieser Position belassen, die Verstärkung wäre egal, aber die RIAA-Entzerrung muss sein. Den Kontakt starte ich dann neben dem großen Drehknopf auf der Oberfläche. Dort hat Dual einen Druckknopf mit der Aufschrift „Pairing“ eingelassen – eigentlich alles offensichtlich.

Dual CS 529 Back
Kleines Detail mit großer (verstärkenden) Wirkung: der kleine Schalter links aktiviert die integrierte Phonostufe. Bei Bluetooth-Übertragung muss sie eingeschaltet sein (Foto: Dual)

Nochmals: Das Lesen dieser Zeilen hat wahrscheinlich länger gedauert, als der komplette Aufbau. Vieles, wenn nicht sogar alles ist selbsterklärend. Aber als Journalist will man mehr wissen: Was sind denn das für drei Rundungen, die Dual in die MDF-Basis eingefräst hat? Klar sehe ich die Spindel für das zentrale Loch des Plattentellers – daneben auch eine Zahnrad-Konstruktion für die Automatik, explizit für den Start und die Endabschaltung. Nummer zwei der Rundungen ist für den Motor mitsamt Pulley reserviert, klar.

Dual-CS-529-ohne-Teller
Alles zugänglich: auch der Sensor für den Single-Aufsetzpunkt (Foto: H. Biermann)

Wirklich klar? Was ist denn das für ein Zahnrad an der Pulley-Achse? Das ja mechanisch keinen Sinn macht, keine Aufgabe hat. Hat das Zahnrad doch: Die Rädchen werden von einem winzigen optischen Sensor erfasst, Dual kontrolliert hier die korrekte Umdrehungszahl. Clever gelöst. Deshalb gibt es auch keine Pitch-Schrauben für die ewigen Nach-Justierer. Dann haben wir noch die kleinste Öffnung – hier hat Dual über zwei Kunststoffschrauben jene Punkte vorgegeben, an denen der Tonarm aufsetzen soll. Denn: Vollautomat bedeutet auch, dass der CS 529 weiß, wo die Einlaufrille einer LP oder einer Single rotiert.

Stimmt nicht: Das „weiß“ der CS 529 natürlich nicht. Das ist kein Computer und die Mechanik ist nicht schlauer als ihr Nutzer. Der wählt über den runden Knauf die Umdrehungszahl (auch alte Schellacks mit 78 Umdrehungen sind möglich). Einmal auf den Knopf drücken – und der Arm hebt sich, schwenkt zur Einlaufrille und setzt die Nadel ab. Das ist ein Fest für die Augen und die Freunde der Mechanik. Aber für die Gegner, die Anhänger der maximalen Handsteuerung natürlich ein Graus. Es gibt Argumente auf beiden Seiten. Hier gefällt der Mix aus alter Handwerkskunst – Dual konnte und kann halt Vollautomaten. Der Clou mit der App kommt noch hinzu. Kann man auch alles abstellen oder unterbrechen – der Tonarm-Lift funktioniert immer. Nur in einem Punkt hat mich Verwirrung ergriffen: Wenn ich doch 33 1/3 Umdrehungen vorgebe – wieso senkt der CS 529 so beharrlich den Arm stets in der Mitte der Platte ab, als ob es eine Single wäre? Weil hier eben keine Intelligenz waltet. Der Mensch muss unterhalb des Tonarms noch einen Schalter umlegen und zwischen 17 oder 30 Zentimetern wählen. Ein etwas verstecktes Detail. Muss man wissen…

Dual CS 529 Fuss
Des Pudels Kern: Das Chassis besteht aus einer verdichteten MDF-Konstruktion mit Füßen aus Elastomer, die den Trittschall erfreulich effizient abfedern (Foto: H. Biermann)

Hörtest

Ja, ist denn schon Weihnachten? Da verkauft Amazon unter den Top Ten ein älteres Album in grünem Vinyl, passend zum Tannengrün des Weihnachtsbaumes: „Christmas“ von Michael Bublé. Nicht abschätzig mit den Augen rollen – das sind großartige Arrangements, die mit stattlicher dynamischer Breitseite aufgezeichnet sind. Wir haben die große Big Band, das intime Duett und die Schmusestimme. Für uns ein Festtagsschmaus bei drei Kernfragen zum CS 529: Klingt der Kabelkontakt besser als der Bluetooth-Weg? Was kann die interne Phonovorstufe? Lohnt der Upgrade mit einem höhenwerten Tonabnehmer?

Bluetooth ist immer ein Nadelöhr. Aber warum sollte ich den Vinylklang an einen Verstärker schicken und dort per Kabel meine Kopfhörer anschließen, wenn ich doch einfach meine Bluetooth-OverEars per Fingertipp verbinden kann? Da kommen alle Einsprüche als Belehrung daher. Aber beim Hören über Lautsprecher würde ich immer den Kabelweg nehmen, er ist direkter, besser. In unserem Test hatte ich klar ein Mehr an Informationen über die Klangbühne und die Binnendynamik, Mister Bublé swingte schöner.

Buble - Chistmas - Super Deluxe
Der Superstar aus Kanada als Weihnachtsmann: „Christmas“ von Michael Bublé klingt einfach gut. Ein Superseller zum Fest. Auch in tannengrünem Vinyl zu haben. „Super Deluxe“ – auch im Klang, das fetzt mit Big Band und wärmt im kleinen Ensemble das Herz (Cover: JPC)

Die Kombination von Ortofon 2M Red und der internen Phonostufe hat Dual offenkundig mit den Ohren ausgewählt. Das 2M Red sorgt für den „Kick“. Das ist auf musikalisch hohem Niveau. Ich bekomme die Eleganz einer guten Vinylpressung, die feine Staffelung von Phrasierungen, von der Singstimme bis zu den Violinen und den satten Celli. Aber auch den Lichtstrahl der Blechbläser – Hochdynamik ohne Schärfe. Das 2M Red ist in allen Praxiswerten hoch stabil, aber auch sinnlich.

Wir gönnten uns den Vergleich zum etwas günstigeren Technics SL-40CBTE-T (800 Euro), der ebenfalls die Signale per Bluetooth ausgeben kann. Der Technics ist ein Direkttriebler und bestätigt beim Hören schnell die „Vorurteile“ des direkten Antriebs: mehr Gripp, mehr Dynamik eine etwas höhere Lebendigkeit.

Dual CS 529 mit TEchnics Kombi
Der CS 529 im LowBeats Hörraum im Vergleich mit dem Technics SL-40CBTE-T – ebenfalls ein Bluetooth-Plattenspieler. Gehört wurde über die ziemlich schnuckeligen Technics SC-CX700E-T Aktivboxen (Foto: H. Biermann)

Der Dual ging die Sache gemütlicher und entspannter an. Was allerdings auch zu hören war: Die Entkopplung des CS 529 funktionierte auf dem IKEA-Regal unseres Büros gegen Trittschall besser als die des Technics.

Und würde vielleicht ein anderer Abtaster den CS 529 noch beflügeln? In der Vergangenheit hatte Dual mitunter deutlich kritischere Systeme mitgeliefert, mehr der Preisrelation geschuldet als dem audiophilen Sinn. Nach meinem Eindruck ist dieses Ortofon kein Bremser. Und außerdem: In dieser Preisregion wollen die meisten Musikfreunde eine gewisse Softheit im Klangbild. Das 2M Red liefert ohne zu nuscheln, ohne Weichspüler, aber stark in Emotion und Spiellaune. Wer unbedingt, zwanghaft mehr Auflösung und Analyse haben will – ein guter Händler bietet den Hörvergleich und den optionalen Wechsel. Dank der zusteckbaren Headshell klappt das in Minuten. Aber man verändert natürlich den Charme eines Gesamtkunstwerks.

Fazit Dual CS 529

Der CS 529 ist ein echtes Flaggschiff. Ein größerer Teil des Preises wurde dabei in die nicht klangbringenden Zugaben investiert – er ist eben ein Vollautomat, mit App und Bluetooth noch dazu. Doch der rein musikalische Output trifft punktgenau den Gegenwert von 1.000 Euro. Nicht darüber, aber auch nicht darunter.

Es gibt viele Schattierungen, insbesondere eine schöne Musikalität, doch nicht die letzten Millimeter in der Dynamik und Raumabbildung. Ich kenne einige Plattenspieler dieser Preisklasse, die besser klingen. Aber es gibt keinen, der eine solche Gran-Tourismo-Lebensart versprüht wie der CS 529. Ein Plattenspieler, der Werbung für das Genre macht. Denn meiner Meinung nach ist dies die Zukunft der HiFi-Anlagen zu Hause: Bluetooth-Plattenspieler plus den entsprechenden Aktiv-Lautsprechern, die auch Streaming können. Sonst nichts. Warum? Weil es praktisch ist. Und weil es einfach super aussieht…

Dual CS 529
2025/12
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Klang
Praxis
Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Tonal-ausgewogener, entspannter, dennoch offener Klang
Vollautomat reinsten Wassers, sogar per App steuerbar
Erreicht per Bluetooth (also kabellos) auch Lautsprecher in größerem Abstand
Effiziente Trittschall-Entkopplung

Vertrieb:
Dual Deutschland
Tel.: 08191 9157770
www.dual.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Dual CS 529 schwarz: 1.000 Euro
Dual CS 529 Walnussfurnier: 1.100 Euro

Die technischen Daten

Dual CS 529
Technisches Konzept:Vollautomatischer Plattenspieler mit Riemenantrieb
Tonarm:Kardanische Lagerung
Tonabnehmer (vorinstalliert):Ortofon 2M Red
Ausgangsspannung bei 1 kHz, 5cm/s:5,5 mV
Auflage-Empfehlung 2M Red:1,6 bis 2,0 Gramm
Zubehör:Netzteil, Abdeckhaube
Besonderheiten:
Bluetooth, integrierte Phonostufe, App-Steuerung möglich
Abmessungen B x H x T:43,5 x 36,7 x 14,5 cm (mit aufliegender Abdeckhaube)
Gewicht:6,7 Kilogramm
Alle technischen Daten

Autor: Andreas Günther

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Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.