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Test: Rega RP1 mit Ortofon 2M Blue

Auf der Chassisunterseite ist alles perfekt – drei (!) Gummifüße, wie es sich gehört (und nicht vier). Oft scheint es, dass viele Hersteller schlichtweg zu faul sind, den Schwerpunkt ihres Gerätes zu ermitteln und geschickt drei Füße drum herum zu platzieren. Stattdessen werden einfach vier Füße in die vier Ecken gesetzt, damit der Dreher schließlich schön kippeln kann … Höhenverstellbare Füße sind hier kein Heilmittel – dadurch wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Oft lassen sich die Drehgewinde nämlich nicht gegenkontern oder sind aufgrund ihres Gewindespiels selber schon kippelig. Und wozu auch? Plattenspieler gehören auf einen ebenen Untergrund (idealerweise ein an die Wand montiertes Rack), da gibt´s dann auch keine Notwendigkeit zur Höhenkompensation. Alles richtig gemacht, Rega!

Rega RP1 mit Ortofon 2M Blue: Alles simpel, aber gut

Weiterhin fällt uns auf der Unterseite auf, dass hier ein fest montiertes, relativ dünnes Cinchkabel direkt in die Tonarmlagerachse läuft. Keine Cinchbuchsen weit und breit, auch kein Erdungskabel in Sicht! Der Kabel-Maniac bekommt Schweißperlen auf der Stirn: nix da mit Strippen-Rolling! Ich allerdings begrüße das (in dieser Preisklasse).

Klanglich ist ein durchgängiges Kabel prinzipiell im Vorteil gegenüber einer zusätzlichen Steckerverbindung – und eine teure High-End Strippe wird hier niemand allen Ernstes ranklemmen wollen (wenn es denn ginge). Ich freue mich über eine „Baustelle“ weniger und hake das leidige Kabelthema in diesem Fall ab. Danke, Rega!

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Tonarm RB 101
Der Tonarm RB101 ist absolut praxisgerecht und klingt für diese Klasse überragend (Foto: C. Bussler)
Rega RP1 von hinten
Der Blick von hinten: Die Basis sitzt auf drei Füßen. Alles ist simpel, aber robust (Foto: C. Bussler)
Emblem Rega RP1
Das modische Emblem auf dem einfachen „Brett“. So einfach kann guter Plattenspieler sein (Foto: C. Bussler)
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Der Tonarm RB 101 aus Aluminium ist grundsätzlich hochanständig und schnell abgehandelt: Als Besonderheit ist die sich verjüngende Wandstärke zur Minimierung von Resonanzen zu nennen; auf den ersten Blick sieht das Ding nämlich zylindrisch aus. Ansonsten gibt es nichts Auffälliges – das recht simple Headshell, den Kunststoffflansch zur Befestigung am Chassis sowie die nicht vorhandene Höhenverstellbarkeit nehme ich achselzuckend zur Kenntnis. Einziges „Gimmick“ ist das (grob) einstellbare Antiskating.

Das Gegengewicht des Arms verfügt in seiner Bohrung über zwei Gummiringe, so dass es sich am einfachsten mit einer leichten Drehbewegung aufschieben lässt. Ein Gewinde gibt es leider nicht, ebenso wenig eine Skala, die zumindest einen ungefähren Wert für die Auflagekraft abschätzen ließe. Das ist wirklich Minimalismus pur.

Die Lösung hier: Für verschiedene Tonabnehmer gibt es gummierte Distanzscheiben, die vor dem Gegengewicht platziert werden. Das Gegengewicht einfach bis zum Anschlag vor diesen Distanzring schieben – fertig. Die Auflagekraft soll dann stimmen. Das tat sie bei mir nicht: Für Ortofons 2M Blue werden 17-20 mN empfohlen; tatsächlich waren es 22 mN, hier ist also Vorsicht geboten. Dem preisbewussten (Wieder-) Einsteiger möchte ich hier z.B. Ortofons kleine „Wippe“ ans Herz legen, mit diesem simplen Hilfsmittel gelingt die Einstellung der Auflagekraft hinreichend genau.

Kommen wir zum Highlight des Rega RP1: dem Plattenteller. Der besteht aus Phenolharz, auch unter dem Markennamen Bakelit bekannt – ein Kunststoff, aus dem früher Telefongehäuse, Lichtschalter oder Föhne gefertigt wurden. Das Material ist sehr resonanzarm, lässt sich sehr gut bearbeiten und ist besser geeignet als das inzwischen auch für Plattenteller weit verbreitete MDF (wer glaubt, ich sei kein MDF-Fan, hat übrigens Recht, insbesondere bezogen auf Lautsprechergehäuse, aber das ist eine andere Baustelle …).

Der Plattenteller selbst berührt dank einer entsprechend großen Bohrung die im Subteller steckende Achse übrigens nicht, eine sehr clevere Maßnahme zur Vermeidung von Schwingungsübertragungen! Die Zentrierung des Tellers auf dem Subteller per Führungsbögen hat zwar ein minimales Spiel, aber das wird von mir als vernachlässigbare Marginalie schnell abgehakt.

Die Leistungsaufnahme des Motors beträgt zudem nur ca. ein bis zwei Watt, es spricht also unter Umwelt- und Energiesparaspekten kaum etwas dagegen, den Dreher dauerhaft durchlaufen zu lassen. Chronistenpflicht: Eine Drehzahlregulierung gibt es nicht.

Der präzise Punch

Und wie klingt das Ding? Vor allem sehr schön rhythmisch und spielfreudig. Wo andere Dreher dieser Liga durch eine eher pfützenflache Dynamik auffallen, haut diese kleine Kiste dem Hörer Laut-Leise-Unterschiede glaubhaft um die Ohren. Weiterhin fällt auf, dass der RP1 das Klangbild – eigentlich völlig untypisch für einen Briten – nicht von der Mitte her aufbaut, sondern die Frequenzband-Enden oben und unten sehr gut ausleuchtet.

Insbesondere bei Rockscheiben gefällt der schöne Punch im Bass, der ist zwar recht trocken, aber dafür präzise. Das klingt dennoch sehr erwachsen – ich würde sagen „griffig“. Das typische Raumabbildungs-Bla-Bla lasse ich jetzt mal sein … Jedenfalls profitiert der Rega offenbar sehr von seiner Laufruhe (und davon, dass er bei mir immer läuft).

Wo andere Wettbewerber in dieser Preisklasse oft eine gewisse Unruhe in Klangbild zeigen, überzeugt der Rega RP1 in Pausen oder leisen Passagen durch eine regelrechte Schwärze im Hintergrund. Eine weitere Spezialität ist das Vermögen des RP1, scharfe S-Laute sehr sauber zu reproduzieren, das ist in dieser Preisklasse doch sehr ungewöhnlich, gleichwohl der Löwenanteil dieser Qualität wohl dem Ortofon-Tonabnehmer zuzuschreiben ist.

Fazit: Unter 1.000 Euro gibt’s kaum Besseres

Kurzum: Wer signifikant mehr Klangqualität will, der muss schon einen vierstelligen Betrag z.B. für Regas RP3 (inklusive gutem System) hinlegen. Zum gleichen Preis wie für die vorgestellte Kombination gibt es andernorts eine bessere (komfortablere) Ausstattung oder eine etwas bessere Verarbeitung.

Rein klanglich ist der Rega RP1 mit dem Ortofon 2M Blue ein Killer, in dieser Preisklasse kann ihm einfach niemand das Wasser reichen. Er erinnert mich ein wenig an meinen seligen Linn Basik mit Akito-Arm und K5-System, den ich vor ca. zwei Dekaden einmal besaß. Allerdings hatten die alten Akito-Arme früher oder später allesamt Lagerprobleme und fielen aus … Wer wie ich diese Erfahrung gemacht hat, freut sich schließlich über Regas zehnjährige (!) Garantie für Lager und Tonarmlager.

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Rega RP1 + Ortofon 2M Blue
2015/10
Test-Ergebnis: 4,2
SEHR GUT
Bewertung

Bewertungen:

Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt:

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Überragend spielfreudiger Klang
Einfacher und schneller Aufbau
Lange Garantiedauer
Minimalistische Ausstattung

Vertrieb Rega:
TAD-Audiovertrieb GmbH
Rosenheimerstraße 33
83229 Aschau
tad-audiovertrieb.de

Vertrieb Ortofon:
ATR-AudioTrade
Schenkendorfstraße 29
45472 Mülheim an der Ruhr

www.audiotra.de

Preis Rega RP1: 380 Euro, Preis Ortofon 2M Blue: 200 Euro