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Der Streaming-Vollverstärker PLAY von eversolo (699 oder 799 Euro mit CD) überzeugt mit kompakten Maßen und großartiger Performance (Bild: eversolo, Montage: F. Borowski)

Test eversolo PLAY: Der will wirklich nur spielen!

Mit Marken wie eversolo, WiiM oder FiiO erobert derzeit eine neue Generation innovativer HiFi-Geräte die Herzen der Verbraucher. Altbekannte Größen der Branche scheinen ins Hintertreffen zu geraten, denn die „neuen Wilden“, die überwiegend aus Produktionsstätten im Reich der Mitte stammen, bieten durchdachte Funktionen, top Verarbeitung und tollen Klang zum sehr fairen Preis. Ganz neu in diesem Segment – und die sich zumindest optisch ähnlich – sind der eversolo PLAY und der WiiM Amp Ultra. Lesen Sie hier zunächst den ausführlichen Test des eversolo PLAY Streaming Vollverstärkers. Der WiiM bekommt seinen eigenen Auftritt, ebenso wie ein weiterer Vertreter dieser Gattung von Bluesound. In einem gemeinsamen Fazit stellen wir die Kandidaten anschließend gegenüber.

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Ist er der Eine? Der kleine eversolo PLAY kann fast alles. Aber auch so, dass es Spaß macht? (Foto: F. Borowski)

Wer die Artikel auf LowBeats aufmerksam verfolgt, wird eversolo bereits gut kennen. Mit den Tests der „Digital Media Player“ DMP-A6 Master Edition, DMP-A8 und zuletzt dem DMP-A10 haben die eversolo-Entwickler jedes Mal voll in Schwarze getroffen. Wie auch mit der Tochtermarke Luxsin, die mit dem X9 einen ausgezeichneten DAC und Kopfhörerverstärker in die Waagschale geworfen hat.

Auf der diesjährigen High End zauberte das noch recht junge aber äußerst umtriebige Unternehmen eversolo weitere brandheiße Kandidaten aus dem Hut. Neben einer für den Herbst angekündigten High-End-Kombination aus Streamer und DAC (T8 und Z10) war der Streaming Vollverstärker PLAY ein Publikumsmagnet. Der ist nun erhältlich und hat schon den LowBeats-Testparcours durchlaufen.

eversolo PLAY: mit oder ohne CD

Der PLAY ist in zwei Varianten erhältlich. In der Normalversion für 699 Euro und für 100 Euro mehr mit einem seitlich integrierten CD-Laufwerk. Darüber lassen sich CDs nicht nur abspielen, sondern auch rippen. Allerdings können einfache USB-CD-Laufwerke, wie es sie für wenige Euro zu kaufen gibt, auch mit dem gleichen Funktionsumfang an die Normalversion angeschlossen werden.

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Für 100 Euro mehr ist der PLAY mit einem seitlich integrierten CD-Laufwerk erhältlich über das auch CDs gerippt werden können (Foto: eversolo)

Design und Ausstattung des eversolo PLAY 

Als Streaming-Vollverstärker gehört der PLAY zu den praktischen beinahe All-In-One-Komponenten, die auf größtmögliche Integration setzen. Nur noch Passivlautsprecher nach Wahl anschließen, und fertig ist die komplette HiFi-Anlage. Dazu ist das Gerät äußerst kompakt und findet garantiert auch in der kleinsten Hütte Platz.

Das Design des PLAY ist – nun ja – fremdinspiriert und wird in sehr ähnlicher Form auch von anderen Herstellern genutzt. Die Urform hat kein geringerer als Apple mit dem Mac Mini und später mit dem Mac Studio etabliert: eine in etwa quadratische Grundform mit ca. 20 x 20 cm Grundfläche, stark abgerundete Kanten und ansonsten sehr minimalistischem Look. Neben dem eversolo PLAY nutzt beispielsweise auch Silent Angel diese Form für viele seiner Komponenten, wie etwa den Musikserver Rhein Z1C (Test demnächst).

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Der PLAY im Größenvergleich zum DMP-A10 (Foto: F. Borowski)

Die Grundmaße weichen aber leicht ab, ebenso die Kantenradien, und auch andere Details wurden nicht exakt den Macs nachempfunden. Zudem gibt es den eversolo beispielsweise nur in Schwarz, den Mac aber nicht. Trotzdem: der Ursprung dieses Designs aus Cupertino lässt sich kaum leugnen.

Wie der Mac besteht auch das Gehäuse des eversolo PLAY aus solidem Aluminium, wenngleich bei genauerer Betrachtung klar wird, dass der PLAY nicht wie der Mac aus einem Stück gefertigt wurde. An der Oberseite ist ein eingesetzter Deckel erkennbar. Allerdings mit superschmalen Spaltmaßen. Die Wandstärke ist mit etwa 3 mm üppig für diese Klasse; das Gerät wirkt äußerst stabil. Eine solche Material- und Verarbeitungsqualität wäre noch vor kurzem im Bereich unter 1.000 Euro undenkbar gewesen. Da gab es sonst nur Plastik und dünnes Blech.

Ähnlich sieht es mit der Display-Bestückung aus. Haben etwa die Japaner über viele Jahre nur kleine, simple, meist einfarbige Matrix-Displays in ihren Geräten verbaut, verwöhnt eversolo seine Kunden mit hochauflösenden Farbdisplays in Smartphone-Qualität und mit Touchfunktionen. Im PLAY steckt eines mit 5,5“ Diagonale, das je nach Anzeigemodus mal mehr, mal weniger Informationen einblendet. So gibt es beispielsweise auch Anzeigen, die noch vom Hörplatz aus gut gelesen werden können. 

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Das hochauflösende Display in Smartphone-Qualität ist aus jedem Winkel gut ablesbar (Foto: F. Borowski)

Der PLAY repräsentiert als Streaming-Vollverstärker eine neue Kategorie bei eversolo. Zwar teilt er sich die allermeisten Funktionen und Anzeigen mit seinen Streaming-DAC-Brüdern der DMP-Serie, aber die Macher haben dem PLAY auch einen neuen Look des Interfaces spendiert, der von den Anzeigen der anderen Familienmitgliedern etwas abweicht. Wem das nicht gefällt, der kann das Interface-Design in den Einstellungen auf den „klassischen“ Look umschalten. Beides hat Vor- und Nachteile. So gefällt mir beim neuen Look beispielsweise die Display-Ausnutzung mit den Icons der Anwendungen besser, sowie der Umstand, dass die Wiedergabe-Screens einen schwarzen statt leicht gräulichen Hintergrund haben. In der klassischen Ansicht hingegen gefällt mir die Aufteilung der Wiedergabescreens teilweise besser.

Nachfolgend ein paar Screenshots, die ich per „Screencast“ vom Smartphone gemacht habe. Die eversolo App (iOS und Android) ermöglicht es mit dieser Funktion, die Anzeige des Geräts auf dem Smartphone oder Tablet zu spiegeln:

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Hier fünf Bildschirmfotos des neuen Looks, der die Bedienung einfacher und übersichtlicher machen soll. Zunächst das Hauptmenü mit den Einstellungen … (Screenshot: F. Borowski)
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… einige der Musik-Apps … (Screenshot: F. Borowski)
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… Wiedergabescreen 1 … (Screenshot: F. Borowski)
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… Wiedergabescreen 2 … (Screenshot: F. Borowski)
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… Wiedergabescreen 3 (Screenshot: F. Borowski)
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Dies ist das Hauptmenü der klassischen Ansicht, die aber nicht den Kachel-Look der größeren DMP-Modelle zeigt … (Screenshot: F. Borowski)
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… Das Einstellungsmenü im Classic-Look … (Screenshot: F. Borowski)
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… Wiedergabescreen 1 im Classic-Look …(Screenshot: F. Borowski)
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… Wiedergabescreen 2 im Classic-Look …(Screenshot: F. Borowski)
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… Wiedergabescreen 3 im Classic-Look (weitere verfügbar) (Screenshot: F. Borowski)
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Die Bedienung per Touch und über einen Dreh-/Drück-Knopf an der Vorderseite ist wie von eversolo gewohnt ausgezeichnet. Die auf Android basierende Oberfläche und das Touch-Display sind reaktionsschnell und es lassen sich alle Einstellungen plus Musiksteuerung am Gerät bewerkstelligen. Nicht nur über die App. Der große Knopf an der Front ist leicht gerastert, aber für die Lautstärkeregelung kommt im PLAY aus Kostengründen nicht die aufwändige Regelung über Relais und Festwiderstände zum Einsatz, wie bei den DMP-Geschwistern.

Wichtig zu wissen: Eine herkömmliche Fernbedienung gehört nicht zum Lieferumfang. Optional gibt es aber für 30 Euro die eversolo-Fernbedienung BTR-12 oder für 50 Euro die deutlich hochwertigere und haptisch angenehmere V16, die dem Topmodell DMP-A10 beiliegt. Funktional sind die Fernbedienungen identisch und können somit auch für den PLAY genutzt werden. Darüber sind alle wichtigen Befehle zur Musiksteuerung und einige Anzeigenoptionen sowie On/Off, Lautstärke und Mute verfügbar, jedoch keine Menüsteuerung. Trotzdem würde ich jedem, der den PLAY nicht in Armreichweite nutzt, diese Zusatzanschaffung empfehlen. Gerade für die primären Steuerungen ist so ein Handsender immer noch viel komfortabler als eine App.

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Verschiedene Wiedergabescreens stehen zur Auswahl, zwischen denen einfach per Wischgeste gewechselt werden kann (Foto: F. Borowski)
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Der Lautstärkeknopf ist gerastert, die Regelung erfolgt aber nicht wie bei den DMP-Modellen über ein Widerstandsnetzwerk, sondern digital (Foto: F. Borowski)
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Der Leuchtring kann in der Farbe angepasst, oder auch ganz abgeschaltet werden. Das betrifft auch die Anzeige im Standby (Foto: F. Borowski)
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Zuletzt noch kurz ein Blick auf die Unterseite des PLAY. Die ist nämlich vollflächig mit Kühlrippen versehen, um die Abwärme besser aus dem Gehäuse zu ziehen. Der Look des Geräts bleibt auf diese Weise schön schier und glatt. Der PLAY steht auf vier soliden, gummierten Füßen aus Vollmetall statt aus Plastik, wie sonst in dieser Preisklasse gängig.

Funktionen und Anschlüsse des PLAY

Damit der Umfang dieses Artikels nicht völlig explodiert, verzichte ich darauf, sämtliche Funktionen des PLAY aufzuzählen und zu beschreiben. Diese stehen auf der extra eingerichteten deutschen Produktseite und in der umfangreichen deutschsprachigen Bedienungsanleitung, die übrigens vom hiesigen eversolo-Vertrieb audioNEXT (audiodomain.de) übersetzt wurde und somit ohne sinnfreie Maschinenübersetzungen auskommt. Das kann man vom Interface derzeit leider (noch) nicht ganz behaupten. Darin finden sich ein paar missverständliche Formulierungen. Ich habe allerdings schon weitaus schlimmere Interface-Übersetzungen erlebt, doch hier gibt es noch Raum für Optimierungen. Aber daran arbeitet der deutsche Vertrieb aktuell.

Eine Besonderheit möchte ich noch hervorheben. Wer sich die Apps auf dem eversolo genau ansieht, wird zwei Apps für Apple Music entdecken. Eine mit einem Apple-Logo und eine mit einer Note. Die mit dem Apfel ist quasi die offizielle Anwendung. Darüber kann Apple Music nur in eingeschränkter, resampelter Qualität gehört werden. Die andere App mit der Note ist hingegen ein inoffizieller Ansatz. Es handelt sich dabei um eine für den Bildschirm angepasste Version der Web-Anwendung von Apple Music. Durch diesen Kniff kann der eversolo als derzeit einziger Streamer überhaupt Apple Music bitperfekt und in HiRes wiedergeben.

Eversolo gehörte übrigens auch zu den Ersten, die Qobuz Connect unterstützten. Der PLAY kann direkt in der Qobuz-App als Ausgabegerät gewählt werden. Die App auf dem Smartphone, Tablet oder Computer dient dann nicht mehr als Hub zur Übertragung der Musik, sondern nur noch als Fernbedienung. Die Musik wird ohne Umwege direkt aus dem Netz auf dem Gerät abgespielt. Spotify Connect und Tidal Connect werden natürlich auch unterstützt.

Die wichtigsten Eigenschaften des eversolo PLAY:

    • Streaming aus zahlreichen Quellen, darunter Qobuz Connect, Tidal Connect, Spotify Connect, Amazon Music, Apple Music, sowie über Internetradio
    • Roon Ready
    • Wiedergabe über Cloud-Speicher oder lokal über USB-Speicher/NAS
    • Analoge und digitale Eingänge, darunter HDMI ARC und Bluetooth 5.0, AirPlay 1; kein Google Cast, kein Bluetooth TX zum Senden an BT-Kopfhörer
    • Phono-Input MM und MC
    • Trigger In
    • Digitaler Ausgang über USB und Coax
    • Subwoofer-Ausgang
    • Ethernet + WLAN mit innenliegenden Antennen
    • Zahlreiche DSP-Funktionen inkl. Raumeinmessung
    • D/A-Wandlung über einen 32-Bit-DAC AK4493SEQ von AKM mit VELVETSOUND-Technologie
    • Unterstützt PCM bis 768 kHz/32Bit und DSD512
    • Integrierter Class-D Chip-Verstärker auf Basis des TI TPA3255 mit 60 W/8 Ω; 110 W/4 Ω
    • Steuerung per Touch-Display, App und (optionale) Fernbedienung 
    • Multi-Room-fähig mit synchroner Wiedergabe

Schön wäre noch eine Bluetooth-TX-Funktion gewesen, um Musik an BT-Kopfhörer senden zu können. Einen Kabelanschluss für Kopfhörer hat der PLAY nämlich nicht. Einen Weg gibt es aber doch für Kopfhörerfans. Und zwar über den USB-Audioausgang. Mit einem Kopfhörer, der über einen USB-Audioanschluss verfügt, oder mit einem nachgeschalteten USB-DAC mit Kopfhörerverstärker kommen auch Head-Fi-Fans auf ihre Kosten.

Erwähnenswert ist sicherlich auch noch die in dieser Klasse selten zu findende Möglichkeit, einen Plattenspieler direkt anzuschließen. Und zwar nicht nur mit MM, sondern auch mit MC-System. Extra Phono-Verstärker oder Übertrager kann man sich damit sparen. Der Blick auf die Rückseite:

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Alle wichtigen Anschlüsse vorhanden. Sogar Phono-Fans mit Moving-Coil-Abtaster kommen auf ihre Kosten (Foto: F. Borowski)

Die geheime Verstärkersauce

Zugegeben, wirklich geheim ist da nicht viel. Der eversolo PLAY arbeitet im Verstärkertrakt wie diverse andere Amps dieser Bauart mit einer Class-D-basierten und auf Chipgröße geschrumpften integrierten Schaltung. Die eingesetzten Texas Instruments Vielbeiner vom Typ TPA3255 können laut Datenblatt fantastische 315 Watt im Stereobetrieb und bis zu 600 Watt Mono mobilisieren. Kaum zu glauben, aber wahr. Der PLAY leistet aber laut seinem Datenblatt „nur“ bis zu 60 W an 8 und 110 W pro Kanal an 4 Ohm. Der Grund dafür liegt im Netzteil.

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Ein Blick in das Innenleben des PLAY. Viel hochintegrierte Technik und das Schaltnetzteil im rechten Bereich nimmt viel Platz ein (Foto: audioNext)

Hersteller haben mit den besagten TI-Chips die Wahl, wie viel der möglichen Gesamtleistung sie abfordern, indem sie das dafür nötige Netzteil entsprechend kräftiger oder nicht ganz so stark auslegen. eversolo hat sich (ich spekuliere an dieser Stelle) wohl aus zwei Gründen dazu entschlossen, nicht aufs Ganze zu gehen. Erstens aus Kostengründen, denn Netzteile gehören zu den teuersten Baugruppen in den Geräten. Und zweitens aus thermischen Gründen, denn es gibt ja auch noch die CD-Version des PLAY. Damit wird der Platz im Gehäuse sehr eng und die Kühlplatte an der Unterseite reicht womöglich nicht aus. Lüfter sind zum Glück beim PLAY kein Thema.

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Überschüssige Wärme wird durch das Gehäuse selbst und über einen großflächigen Kühlkörper an der Unterseite abgeführt (Foto: audioNext)

Die Leistung des eversolo ist für die meisten gängigen Lautsprecher völlig ausreichend. Nur mit hochohmigen und zugleich wirkungsgradschwachen Speakern kommt der PLAY an seine Leistungsgrenzen. Und wenn die Lautsprecher allzu kritische Impedanzminima aufweisen. Im Test an den Referenzlautsprechern Wilson Audio TuneTot mit ihrer gutmütigen Impedanz stets oberhalb von 6 Ohm und einem Wirkungsgrad von 86 dB kam der kleine Amp bestens zurecht. Erst recht, wenn ein zusätzlicher Subwoofer angeschlossen wurde und die Hauptlautsprecher über den im PLAY integrierten Hochpass-Filter im Bass begrenzt wurden.

Vielseitiger und praktischer geht es kaum

Es gibt nicht viel, was der PLAY nicht kann. Eine solche Funktionsvielfalt auch nutzbar zu machen, ist aber eine Kunst. Und die beherrscht eversolo mit Bravour. Das Bedienkonzept ist schnell erlernt. Das meiste ergibt sich völlig intuitiv. Wer mit einem Smartphone umgehen kann, kommt auch mit dem PLAY schnell klar.

Ein paar Punkte – ich hatte es angedeutet – sollten in den Menüs noch verständlicher werden. Insbesondere im Bereich des DSP und der Subwoofer-Anpassung. Aber im Großen und Ganzen ist der PLAY ein Musterbeispiel an Benutzerkomfort. Das gilt für die Bedienung am Gerät ebenso wie für die App. Verglichen mit etlichen anderen Apps für Streamer ist die eversolo-Lösung ein Genuss. Und sie wird sorgfältig gepflegt und regelmäßig mit Updates versorgt. Auch Firmware-Updates für die Hardware lassen sich komfortabel direkt aus dem Netz einspielen.

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Ist ein Update verfügbar, zeigt der PLAY dies beim nächsten Start an (Foto: F. Borowski)

Wenn es irgendwo mal etwas unübersichtlich wird, liegt das hauptsächlich an dem großen Funktionsumfang. Das ist aber so ähnlich wie bei mächtigen Programmen wie Word oder Photoshop. Keiner braucht wirklich alle Funktionen und wenn doch mal etwas Ungewohntes benötigt wird, muss man erst mal etwas suchen und sich einfuchsen. Trotzdem haben viele Nutzer lieber zu viele als zu wenige Funktionen. eversolo bringt Vielseitigkeit und einfache Bedienung jedenfalls sehr gut unter einen Hut.

Das wird schon bei der Ersteinrichtung deutlich. Nach dem ersten Start wird zunächst die Sprache und Zeitzone abgefragt. Eine Registrierung ist übrigens nicht erforderlich. Außer natürlich bei den Streamingdiensten, die man nutzen will. Während man sich neugierig durch die Menüs hangelt, taucht anfangs gelegentlich ein Pop-Up-Fenster mit einem kurzen Hinweis auf. Etwa dafür, wie man schnell zwischen Wiedergabeanzeige und Hauptmenü umschaltet. So kleine Dinge, die man nicht auf Anhieb selbst entdeckt. Sehr schön gemacht.

Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich aber doch gefunden. In den Einstellungen kann ausgewählt werden, ob sich der PLAY beim Druck auf den Drehknopf ausschaltet, in Standby geht oder das Ausschaltmenü anzeigen soll. Im Ausschaltmenü, das derzeit noch nicht komplett übersetzt ist, werden Optionen für ein zeitgesteuertes Abschalten, oder nur Display aus, oder Neustart angeboten:

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Das Ausschaltmenü (Screenshot: F. Borowski)

Mit „Ausschalten“ ist hier übrigens ein Herunterfahren des Systems gemeint. Wirklich aus ist der PLAY nur, wenn der Hauptschalter auf der Rückseite umgelegt oder der Stecker gezogen wird. Zumindest beim aktuellen Softwarestand (das war im Test v1.4.85) ist die Unterscheidung zwischen „Standby“ und „Ausschalten“ nahezu nutzlos. Ist das Gerät im Standby, kann es nach einem Druck auf die Powertaste binnen einer Sekunde wieder benutzt werden. So weit so gut. Aber obwohl die Traffic-LEDs an der LAN-Buchse im Standby munter flackern, verschwindet der PLAY aus Roon und taucht nach dem Aufwecken dort auch nicht zuverlässig wieder auf. Und der Verbrauch im Standby ist mit etwa 2,7 bis 3 Watt etwas zu hoch. Es wäre ok, wenn hier die volle Netzwerkbereitschaft gegeben wäre, aber das ist nicht der Fall.

Noch kurioser wird es mit dem Befehl „Ausschalten“. Ich hätte erwartet, dass der Stromverbrauch in diesem Modus zumindest auf deutlich unter 1 W sinken würde. Aber es sind genau wie im Standby 2,7 bis 3 Watt – hä? Auch in diesem Modus flackern die Traffic-LEDs munter weiter. Beim DMP-A10 tun sie das im heruntergefahrenen Zustand übrigens nicht. Der Vertrieb bestätigte mir diesen Umstand durch eigene Tests und das Verhalten wurde an eversolo gemeldet. Mal sehen, was daraus wird. Als Bonus-Request habe ich darum gebeten, die Traffic-LEDs der LAN-Buchse generell abschaltbar zu machen. Der Hersteller prüft, ob das machbar ist.

Update 07.08.2025: Nur wenige Tage nach der Anfrage, die Traffic-LEDs deaktivieren zu können, hat eversolo dieses Feature im neuesten Update ergänzt. Die Liste der Verbesserungen in Version 1.5.05 (1.4.55 auf dem PLAY) umfasst insgesamt 37 Punkte.

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Mit dem neuesten Firmware-Update können die „Verbindungslichter“ (Traffic-LEDs) an der RJ45-Buchse nun ausgeschaltet werden (Screenshot: F. Borowski)
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Der entsprechende Punkt befindet sich unter Einstellungen > Netzwerk > Verkabeltes Netzwerk > Verbindungslichter [on/off] (Screenshot: F. Borowski)
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Für die Unstimmigkeiten mit dem Standby gibt es kleine Abzüge in der Praxisnote. Davon abgesehen ist der eversolo und seine Software im Betrieb äußerst zuverlässig und ausgereift. 

Let’s PLAY! – der Hörtest

Ich wurde bisher von keinem eversolo-Gerät enttäuscht und der PLAY ist keine Ausnahme. Von Beginn an erfreut der kleine Amp mit seiner absolut überzeugenden Transparenz und Klarheit an den Referenzlautsprechern. Es gibt auch nicht die geringsten Abstriche in Bereichen wie der Tonalität zu beanstanden. Hier klingt nichts topfig, nasal oder muffig. Der PLAY legt (im übertragenen Sinne) keinerlei Filter über die Musik. Technisch gesehen können natürlich über seinen DSP sogar eine ganze Menge verschiedener Filter angewendet werden, aber zur Einschätzung der tatsächlichen, ungeschönten Qualitäten des Amps blieben die digitalen Helferlein natürlich aus.

Über die Einmessfunktion habe ich schon im Test des DMP-A10 berichtet. Mit dem PLAY ändert sich nichts an meiner bisherigen Einschätzung. Unter meinen raumakustischen Bedingungen gefiel mir das Ergebnis mit DSP-Korrektur nicht ganz so gut. Zwar wurden die Problemzonen im Frequenzgang gut erkannt und weitgehend kompensiert, doch insbesondere der musikalische Zusammenhalt (auch zwischen Hauptlautsprechern und Sub) litt ein wenig. Hier ist das eigene Ausprobieren angesagt. Das gilt natürlich auch für die vielen manuellen Einstellmöglichkeiten des parametrischen EQ im PLAY. Die erfordern allerdings schon ein wenig mehr Fachwissen und Erfahrung oder zumindest sehr viel Geduld, will man nichts verschlimmbessern.

Wie ich hörte, arbeitet eversolo derzeit intensiv an der Optimierung der DSP- bzw. Einmessfunktion. Inzwischen hat das Kind mit „evotune“ auch einen Namen. In Kürze sollen noch einige erhebliche Verbesserungen per kostenlosem Update nachgeliefert werden.

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Der PLAY auf dem Desktop, hier auf der Endstufe T+A A 200, die mal Pause hat. Links ist der Apple Mac Studio zu sehen, dessen Grundform als Vorbild für den PLAY und einige seiner Konkurrenten gedient haben dürfte (Foto: F. Borowski)

Klingt der PLAY genauso gut wie seine Geschwister aus der DMP-Serie? Dieser Vergleich ist so natürlich nicht möglich, weil das stark von der verwendeten Endstufe abhängt, mit der die DMPs betrieben werden. So ist beispielsweise meine kleine T+A A 200 dem Chip-Amp des PLAY doch in so mancher Hinsicht weit überlegen. Vor allem in Sachen Dynamik eröffnen sich damit noch andere Welten, aber hier sprechen wir auch von einem riesigen Preisunterschied.

In der Preisklasse des eversolo PLAY kenne ich (vorbehaltlich des Tests des WiiM Amp Ultra, der in Kürze beginnt) keinen direkten Gegner. Aus meinem Testportfolio kommt am ehesten der SA-C 600 CD von Technics (ca. 1.000 Euro) als Vergleich in Frage. Und der eversolo steht dem Technics in nichts nach. Hier wie dort liegen die Limits hautsächlich in den dynamischen Fähigkeiten sowie in der Feinheit der Wiedergabe. Hochklassigere Geräte bieten (meistens) noch mehr an natürlichem Schmelz und gelöster Räumlichkeit. 

Fazit: So gut war HiFi unter 1.000 Euro noch nie

Die Kapitelüberschrift ist ernst gemeint. Während die Preise in vielen Bereichen des Lebens scheinbar nur eine Richtung kennen, nämlich steil nach oben, gibt es zumindest in der Unterhaltungselektronik und speziell bei HiFi-Streamingkomponenten einen erfreulichen Gegentrend. Bevor jetzt jemand zu Recht einwendet, dass ausgerechnet im HiFi vieles ja auch immer unbezahlbarer wird, präzisiere ich das noch mal. Die Rede ist von genau solchen neuen Marken wie eversolo, die die Messlatte in Sachen Preis/Leistung deutlich höher legen, und Technik bezahlbarer machen, für die noch vor kurzer Zeit erheblich höhere Summen aufgerufen wurden. 

Der eversolo PLAY ist ein Paradebeispiel dafür. Am ehesten vergleichbar ist er mit dem NAD M10, den wir in der zweiten Generation getestet hatten. Doch der kostet mit 2.500 Euro fast das Vierfache. Der NAD hat eine noch etwas kräftigere Endstufe und bietet Raumeinmessung über das bewährte Dirac Live. Doch bei dem Preisunterschied werden viele Interessenten über solche Kleinigkeiten sicherlich hinwegsehen. Zumal der PLAY dem M10 klanglich kaum nachsteht. Wenn überhaupt. Und welcher Streaming-Amp in dieser Klasse bietet schon Phono MM- und MC-Eingänge?

So bleibt am Ende wieder mal eine sehr hohe LowBeats-Wertung für einen eversolo hängen. Wie sich die Konkurrenz dagegen schlägt, erfahren Sie demnächst an gleicher Stelle auf dieser Welle. Dranbleiben! Abschließend ein paar Lautsprecherempfehlungen passend zum eversolo PLAY:

Kompaktlautsprecher:
  1. Q Acoustics 5020 (ca. 800 Euro)
  2. Wharfedale Super Denton (ca. 1.200 Euro)
  3. KEF LS50 Meta (ca. 1.300 Euro)
  4. Der audiophile Klassiker: ProAc Tablette 10 (ca. 1.400 Euro)
  5. Besonders günstig, für ein Komplettsystem unter 1.000 Euro:
    Q Acoustics 3010i und 3020i (ca. 250 / 300 Euro)
Standlautsprecher:
  1. Teufel Ultima 40 (ca. 500 Euro)
  2. Q Acoustics 5040 (ca. 1.300 Euro)
Subwoofer:
EverSolo PLAY
2025/07
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
erwachsener Klang mit ordentlich Dynamik
riesiger Funktionsumfang, alle wichtigen Anschlüsse
ausgezeichnete Bedienung (einschließlich App)
Preis/Leistung: fantastisch

Vertrieb:
audioNEXT GmbH
Isenbergstr. 20
45130 Essen
www.audiodomain.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Eversolo PLAY: 699 Euro (799 CD-Version)

Technische Daten

EVERSOLO PLAY
Konzept:Streaming-Vollverstärker
Ausgangsleistung:2x 60 W an 8 Ω, 2x 110 W an 4 Ω
Wandler-Bestückung:AK4493SEQ
Eingänge digital:Coax, Toslink, HDMI ARC, USB-Media, LAN, WLAN, Bluetooth
Ausgänge digital:Coax, USB Audio
Eingänge analog:1x Stereo Cinch und 1x Phono (MM/MC)
Ausgänge analog:1x Subwoofer, LS-Terminals
App / Fernbedienung:Eversolo App (IR/Bluetooth Remote optional)
Besonderheiten:5,5″ LCD-Farb-Touchscreen, Raumeinmessung, PEQ
Farben:
Schwarz
Abmessungen (B x T x H):20 x 23 x 7 cm
Gewicht:2,64 kg
Alle technischen Daten
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Autor: Frank Borowski

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LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.