Die FinkTeam Kim ist der klangstärkste Lautsprecher bis 10.000 Euro. Und das, obwohl sie so dezent und harmlos erscheint... (Foto: FinkTeam)

Test FinkTeam Kim: kleine Box für die ganz große Bühne

Nur selten schafft es ein Lautsprecher, eine ganze Messe zu elektrisieren. Doch genau das gelang der FinkTeam Borg. Auf der HIGH END 2018 geisterte ihr Name durch die Gänge und jeder HiFi-Begeisterte wollte, nein: musste zumindest mal kurz ein Ohr auf diesen Ausnahme-Lautsprecher geworfen haben. Das anschließende Votum war einhellig: nämlich begeistert. Die LowBeats Redakteure waren ähnlich angetan: Seit dem Test im April 2019 ist die charakteristische 2-Wege Kombination ein Dauergast im Hörraum – als Referenz für passive Standboxen. Und obwohl sie sicherlich jeden Euro wert ist, bleibt der Paarpreis von gut 25.000 Euro doch recht ambitioniert. Also hat das Team um Karl Heinz Fink eine Art geschrumpfte Borg entwickelt, die Kim. Und die ist auf ihre Art kein Deut weniger faszinierend als ihre große Schwester.

FinkTeam Kim mit Borg im LowBeats Hörrauzm
Die FinkTeam Kim ist zwar kleiner und sieht weniger charakteristisch aus als ihre große Schwester namens Borg, hat aber technisch/akustisch so viele Ähnlichkeiten, dass die Verwandtschaft unüberhörbar ist. Das Bild zeigt die beiden im LowBeats Hörraum (Foto: H. Biermann)

Eine Geschichte über einen Lautsprecher aus dem Hause Fink ist auch immer eine Geschichte über Karl Heinz Fink selbst. Zum einen hat er in seinem Entwicklerleben wahrscheinlich für mehr Lautsprecher-Companies entwickelt als jeder andere aus der Entwickler-Zunft und verfügt somit weltweit über exzellente Kontakte. Und in seinem top ausgestatteten Labor am Rande der Essener Innenstadt tummeln sich Akustik-Spezialisten aus den unterschiedlichsten Bereichen, die hier echte Forschung betreiben. Kein Wunder, dass sogar die Auto-Industrie regelmäßig auf der Matte steht und sich beraten lässt.

Zum anderen hat der Mann ein Faible für Feinmechanik (er sammelt Uhren, Foto-Apparate sowie Gitarren) und ist leidenschaftlicher Musikhörer. Wenn nicht gerade eine Pandemie das kulturelle Leben lähmt, reist er schon mal gern durch die gesamte Republik, um die Größen des Blues live zu erleben. Betrachtet man all diesen Eigenschaften, dann ahnt man, dass in dieser mächtigen Gestalt von Karl Heinz Fink eine sehr glückliche Kombination aus Möglichkeiten und Passion zusammmenkommt. Kann in einer solchen Gemengenlage überhaupt Mittelmäßiges entstehen? Schwer vorzustellen. Ich jedenfalls habe in den letzten 25 Jahren nur herausragend Gutes aus dieser Ecke gehört und auch bei der Kim hat der Meister wieder alle Register gezogen…

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FinkTeam Kim von vorn
Die FinkTeam Kim ist eigentlich eine Kompaktbox. Da aber der Ständer Teil des Konzepts und fest verschraubt ist, kann man über diese Einordnung trefflich streiten  (Foto: H. FinkTeam)
FinkTeam Kim von schräg vorn
Der Metallständer ist deshalb Teil des Systems, weil er die Kim in exakt die richtige Schräglage versetzt. Die Einwinkelung sorgt dafür, dass das Klangbild auf eine realistische Höhe projeziert wird (Foto: H. FinkTeam)
FinkTeam Kim hinten
Die Gesamthöhe von Kim plus Ständer ist mit 85 Zentimetern sehr moderat. Das lässt sie neben dem Sideboard fast verschwinden. dass der Bassreflex-Port so weit oben angebracht ist, trägt zur sauberen Basswiedergabe bei (Foto: H. FinkTeam)
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Die Konzeption der FinkTeam Kim…

..ähnelt natürlich der erfolgreichen Schwester Borg. Es handelt sich ebenfalls um ein 2-Wege-System mit vergleichsweise großem (20 cm) Tiefmitteltöner in Kombination mit einem hoch effizienten Air-Motion-Transformer- (AMT-) Hochtöner. Den Tiefmitteltöner hat das FinkTeam selbst entwickelt und lässt ihn nach eigenen Vorgaben bei asiatischen Spezialisten fertigen. Den AMT-Hochtöner hingegen kauft Fink bei Mundorf ein. Der Kölner Bauteile-Profi hat mittlerweile ein sehr breites Programm an AMTs und ist derzeit einer der profundesten Anbieter dieser hocheffizienten Spezialhochtöner.

FinkTeam Kim AMT Hochtöner
Der recht große (Membranhöhe = 11 cm) AMT-Hochtöner stammt von Mundorf und läuft in der Kim von etwa 2.200 Hertz bis weit über die Hörgrenze. Damit die Reflektionen der Schallwand das eigentliche Signal nicht beeinträchtigen, ist die Fläche neben dem Hochtöner stark angefast (Foto: FinkTeam)

Ein weiteres Hochamt im Fink‘ schen Lautsprecherbau sind stets auch die Frequenzweichen. Wie bei vielen seiner Lautsprecher verwendet Fink auch in der Kim ein Frequenzweichen-Design nach Linkwitz/Riley mit einer Flankensteilheit von 24 dB/Oktave. Davon verspricht sich Fink zwei Eigenschaften, die eigentlich kaum unter eine Hut zu bringen sind: eine scharfe Trennung der beiden Treiber und dennoch ein gute Impulswiedergabe. Das erfordert einen komplexen Weichenaufbau.

Und dennoch erstaunt die hohe Anzahl der Bauteile auf der Platine. Sie sind ein Hinweis auf zusätzliche Korrekturglieder, mit denen Karl Heinz Fink unter anderem eine Phasenkorrektur von Tiefmittel- und Hochtöner umsetzt. Diese Phasenkorrektur verzögert das Signal zum Hochtöner um wenige Millisekunden und verschiebt dadurch dessen Schallentstehungs-Zentrum virtuell etwas nach hinten. Ergebnis: Der Gesamtschall kommt in etwa zeitgleich beim Zuhörer an, das Klangbild wird räumlicher und präziser. Weil dieser Trick bei passiven Lautsprechern aber leider nur sehr unvollkommen realisierbar ist, hat Fink dazu noch eine elektronische Variante im Köcher. Doch dazu später mehr.

FinkTeam Kim Frequenzweiche
Auch auf der Frequenzweiche dominieren die hochklassigen Bauteile des Kölner Spezialisten Mundorf (Foto: FinkTeam)

Der eigentliche Held im Kim-Konzept jedoch ist das Gehäuse. Es besteht erkennbar aus zwei Teilen (Front + Gehäuse), die tatsächlich von verschiedenen Herstellern kommen. Die Frontplatte mit der auffälligen Anschrägung neben dem Hochtöner ist satte 37 Millimeter stark, die Gehäusewände dagegen bestehen aus einem Sandwich: 12 mm MDF, eine Lage dauerelastisches Gel und noch einmal ein 12 mm starke MDF-Platte. Dieses Wandkonzept hatte das Team um Karl Heinz Fink bei der Entwicklung der Q Acoustics C 500 entdeckt. Es erwies sich als so überlegen und Resonanz-mindernd, dass es nun auch in der Kim zum Einsatz kommt.

FinkTeam Kim Farb-Variationen
Das klassische Bi-Color: Das FinkTeam bietet die Kim in verschiedenen Varianten an (Foto: FinkTeam)

Und dann sind da halt noch die internen Resonanz-Absorber. Das ist eine Spezialität von Fink – auch, wenn er nicht deren Erfinder ist. Das waren die Herren Takashi Mitsuhashi und Hiroyuki Hamada, beide Entwickler bei Pioneer, die 1999 auf die Idee kamen, ein Lautsprechergehäuse ruhig zu bekommen, indem man mit präzise abgestimmten Helmholtz-Resonatoren die internen Raummoden kontrolliert. Eine kluger Ansatz.

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FinkTeam Kim innen
Das Kim-Gehäuse in der Animation. Man erkennt die massive Stärke der Schallwand (3,7 cm) und den mehrfach verstärkten Gehäusedeckel. Und man sieht den eigentlichen Clou des Gehäuses: etliche interne Resonanz-Absorber (Animation: FinkTeam)
FinkTeam Kim Absorber
Vier interne Resonanzabsorber (an den Seitenwänden, am Boden und im Bassreflexkanal) reduzieren die stärksten internen Dröhnfrequenzen (Animation: FinkTeam)
FinkTeam Kim bR-Port
Das Bild zeigt den Bassreflexkanal der FinkTeam Kim. Sogar hier wurde ein interner Resonanzabsorber eingebaut (Animation: FinkTeam)
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Denn normalerweise nutzt man für die Eindämmung dieser internen Resonanzen Dämm-Material. Aber mittlerweile weiß man auch, dass Dämm-Material die Basswiedergabe beeinträchtigt: Sie verliert Energie und Präzision. Die Variante mit den Absorbern ist also sehr viel eleganter und besser, weil man dank ihrer Hilfe auf das Dämm-Material weitgehend verzichten kann. Aber man muss diese internen Absorber abstimmen können.

Und hier kommt die Simulations-Abteilung vom FinkTeam ins Spiel, denn die Abstimmung der unterschiedlichen Resonatoren ist alles andere als trivial: Ist der eine richtig abgestimmt, verändern sich die Bedingungen im Inneren. Mit Ausprobieren kommt man nicht weit; man muss das komplexe Verhalten mit entsprechenden Programmen simulieren.

Nun ist die Behausung der Kim natürlich nicht so fest wie etwa das Aluminiumgehäuse der Magico A3 oder das Kunststeingehäuse der Lyravox Karlson (beide bald im Test) – es besteht ja „nur“ aus MDF. Es bleibt aber dennoch auch bei sehr hohen Pegeln erfreulich ruhig.

Praxis

Der Anruf kam aus dem Messlabor: „So muss ein Impedanzschrieb aussehen“, sprach ein begeisterter Jürgen Schröder auf der anderen Seite der Leitung. Jürgen Schröder ist LowBeats Tonmeister und Mess-Chef. Er hat schon vieles gesehen und bei vielen Messungen kritisch den Kopf geschüttelt. Doch für die Kim hatte er nur Lob übrig. Zu Recht. Die Verzerrungswerte sind niedrig, der mögliche Maximalpegel für einen Lautsprecher dieser Größe echt erstaunlich. Denn addiert man zu der zweiten Messung (rotes Diagramm) noch den üblichen Headroom, schafft ein Pärchen Kim einen Maximalpegel von über 110 Dezibel. Das bekommen auch deutlich größere Standboxen nicht immer souverän hin…

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Bei gehobener Wohnzimmer-Lautstärke (94 Dezibel in 1 Meter Entfernung) sind im Tiefmitteltonbereich kaum Verzerrungen sichtbar – im Hochton gar keine (Messung: J. Schröder)
Auch bei deutlich höherem Pegel ist der Hochton absolut verzerrungsfrei. Ein klares Votum für diese Art Hochtöner (Messung: J. Schröder)
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Doch besonders angetan war Schröder vom Impedanz- und Phasenverhalten der FinkTeam Kim. Die nominell hohe Impedanz von 8 Ohm ist im HiFi unüblich geworden, für die meisten Verstärker indes eine Wohltat: Denn die Impedanz einer üblichen 4-Ohm-Box (vor allem mit Doppelbass-Bestückung) fällt gern einmal auf die 2-Ohm-Marke. Und dann muss das Netzteil schwer schuften. Vor allem, wenn das Ganze noch mit deftigen Phasendrehungen einhergeht. LowBeats ermittelt seit geraumer Zeit den Equivalent Peak Dissipation Resistance, den EPDR-Wert, der sich aus der Kombination von Impedanz- und Phasenverhalten ergibt. Dieser Wert zeigt, dass das Verstärker-Netzteil bisweilen mit sehr viel niedrigerem Impedanzverhalten zu tun hat, als es uns die „reine““ Impedanzkurve vorgaukelt. Lautsprecher bei Musikwiedergabe sind halt doch recht komplexe Wesen.

LowBeats Messung FinkkTeam Kim: Impedanz, Phase und EPDR
Die Impedanz (rote Kurve) liegt für eine HiFi-Box recht hoch (nominell 8 Ohm) und die Phase (blaue Kurve) verläuft vorbildlich flach. Und damit bleibt auch das Produkt aus Impedanz + Phase, der EPDR-Wert (graue Kurve), erfreulich anspruchslos (Messung: J. Schröder)

Die FinkTeam Kim ist in diesen Belangen absolut vorbildlich. Selbst der EPDR-Wert fällt nur einmal – nämlich bei 100 Hertz – ganz kurz unter 3 Ohm. Das ist Linearität, die man sich wünscht. Mit diesem Lautsprecher sollte wirklich jeder Verstärker zurecht kommen.

Apropos: Am Anschlussfeld der Kim findet sich ein dreistufiger Damping-Schalter. Über ein Netzwerk von Widerständen kann man hiermit die Dämpfung, sprich die Kontrolle des Verstärkers in Maßen einstellen. Gerade für Röhrenverstärker lohnt sich hier ein Ausprobieren, welches die beste Dämpfung ist. Die Idee ist super, aber nur sehr dezent wahrnehmbar.

FinkTeam Kim Anschluss
Die Einstellmöglichkeiten sind – wie bei allen passiven Lautsprechern – gering. Doch an der Kim kann man den Hochtöner minimal im Pegel anpassen. Deutlich exotischer und derzeit nur bei Lautsprechern des FinkTeams zu finden ist der Damping-Schalter, mit dem der Hörer den Dämpfungsfaktor des Verstärkers verringern kann (Foto: H. Biermann)

In Bezug auf den angeschlossenen Verstärker ist die Kim so etwas wie der universelle Lautsprecher. Selbst mit dem kleinen Westendaudio Leo (300B Röhre, der an 8-Ohm-Speakern gerade einmal 2 x 11 Watt ausspuckt) oder dem ebenfalls bezaubernden Kopfhörer-Amp Bakoon 13R (der an 8 Ohm immerhin 20 Watt ausgibt) ließ es sich richtig gut und vergleichsweise laut hören. Mit den Verstärkern, mit denen wir letztendlich im großen LowBeats Hörraum hörten (Neukomm CPA 155S und SPL Vor-/Endstufe Director Mk2 und Performer m1000) konnten wir erheblich lauter hören. Schöner und feiner aber war es fast mit den beiden „kleinen“ Amps.

Noch ein Wort zur Aufstellung: Die Kim verführt durch ihren filigranen Ständer und die dezente Bauhöhe zum An-die-Wand-Stellen, womöglich links und rechts vom Sideboard. Ich plädiere hier allerdings energisch auf eine freie Aufstellung. Dieser Lautsprecher klingt unter optimalen Bedingungen schlichtweg fantastisch. Er gehört in keine Ecke – auch nicht in solche, die sich durch Möbel ergeben. Denn das schmälert seine herausragend gute räumliche Abbildung deutlich.

Hörtest

Und damit ist das erste Stichwort schon gefallen: Räumlichkeit. Ich kenne nur ganz wenige Passivboxen, bei denen sich der Schall derart selbstverständlich von den Gehäusen löst und die ein so großes, zugleich präzises Klangbild zeichnen wie die Kim. Die  Harfe auf Friedemanns Witeckas „Eine kleine  Zupfmusik“ (Album: Saitensprung) modellierte die Kim so verblüffend echt in den Hörraum, dass ich geneigt war, in die Saiten zu greifen.

Das fast schon theaterhafte, ungemein inspirierende und genial aufgenommene Musik-Projekt Debussy Now! begann mit der Kim regelrecht zu leben. Was sich bei „Regret“ über und neben dem Hörer alles bewegte, was da Töne machte, wie dynamisch druckvoll und impulsiv die Musik in den Raum geschleudert wurde, das war aller Ehren wert.

Debussy Now! Cover
Ein ungemein vielseitiges Musik-Projekt. Auch die Aufnahme ist klasse (Cover: Amazon)

Mit der messerscharfen Abbildung der einzelnen Instrumente und der großartigen Impulsivität geht auch ein ungewöhnlich klare Mittenwiedergabe einher. Die Frauenstimmen des Debussy-Projekts hatten eine Klarheit und Durchzeichnung, die außergewöhnlich ist. Und obwohl wirklich jedes noch so kleine Detail zu hören ist, bleibt die Kim stets auf der angenehmen Seite. Vordergründigkeit ist ihr fremd.

Ich drehe drei Stufen lauter und bin wieder überrascht, wie lässig und anstrengungsfrei dieser Hochtöner die Impulse raushaut: Das direkt ins Mikro geblasene Saxophon klingt schon beängstigend echt – auch, weil der AMT den dynamischen Abstufungen so leicht folgen kann.

Als Tester sucht man immer nach den kleineren oder größeren Schwächen der Testgeräte. Bei der Kim fand ich keine. Es ist ein ebenso ausgewogener wie mitreißender Lautsprecher. Aber auch einer, der nicht sonderlich groß ist. Vielleicht bricht er ja bei höheren Pegeln ein?

Pustekuchen. Auch der 20er Tiefmitteltöner gibt sich keine Blöße. Die Bassdrums auf James Blood Ulmers „Crying“ kommen hammerhart mit der genau richtigen Portion Knackigkeit und Tiefgang. Und das annährend in Livekonzert-Lautstärke. Wie groß ist das System, das da spielt? Nur diese kleine Kim? Man reibt sich die Augen: Es ist kaum zu glauben, was da rauskommt. Und wie die Messungen belegen, hat zumindest der Hochtöner noch sehr große Reserven…

Stellt sich die Frage: Wer kann es mit diesem Lautsprecher aufnehmen? Die üblichen Verdächtigen der kompakten Spitzenklasse (B&W 805 D3, Focal Sopra No1) sind von der Präzision und der Abbildung her, aber auch dynamisch eindeutig nur zweite Sieger. Selbst die von allen LowBeats Kollegen hoch geschätzte Dynaudio Heritage Special zelebriert zwar einen vergleichbar natürlichen Ton und verzaubert ebenfalls mit einem tollen Raum, aber den außergewöhnlichen klaren in der Mitten und der packenden Dynamik muss sich auch die Dynaudio beugen.

FinkTeam Kim mit Graham 5/5 im LowBeats Hörrauzm
Wir mussten schon die ganz dicken Geschütze (hier in Form der Graham 5/5) auffahren, um wenigstens annähernd Waffengleichheit zu erzielen (Foto: H. Biermann)

In der etwa drei mal so großen, sehr unorthodoxen Graham 5/5 fand die Kim zumindest dynamisch und in Sachen Tieftongewalt einen ebenbürtigen Gegner. Die britische 3-Wege-Box verzaubert auch mit toller Stimmwiedergabe und einem mächtigen Bass, aber auch sie hatte gegen diese glockenklaren Mitten wenig auszurichten. Am Ende mussten wir wirklich großes Geschütz auffahren: Die Borg sollte die Kim in ihre Grenzen weisen – und tat das auch standesgemäß. Aber die Unterschiede waren kleiner als gedacht…

Die Borg spielt in den oberen Bässen noch eine Spur straffer, gradliniger, hat mehr Tiefgang und ist auch noch einmal um einiges pegelfester. Aber wie sagte einer der Gäste beim Hörtest: „Im Leisen ist mir die Kim fast lieber…“ Tatsächlich ist die Kleine im Grundtonbereich etwas wärmer abgestimmt und klingt damit charmanter. Das ist zwar im Sinne der möglichst perfekten Wiedergabe nicht „richtiger“, aber schöner…

Nachschlag

Und als wäre das alles noch nicht genug und wäre die FinkTeam Kim nicht die fraglos best-klingende Box ihrer Klasse, legen die Essener noch einen obendrauf: Alle Kim-Besitzer, die Roon nutzen, können über ihren Händler eine spezielle Entzerrung für die Kim bekommen. Diese Entzerrung ist ähnlich der SAM-Entzerrung von Devialet und erfordert eine Vielzahl von Messungen. Aus diesen Messungen wird eine Korrektur der Phasen- und Gruppenlaufzeit berechnet.

Glücklicherweise ist Roon ja mittlerweile weit verbreitet, denn der Korrektur-File lässt sich hier völlig einfach einladen und auch wieder abschalten. Wie die Kim mit Korrektur-File klingt? Vor allem im Grundtonbereich noch genauer, noch besser auf den Punkt – in meinen Ohren ein großer Schritt in Richtung bessere Durchhörbarkeit. Ich habe während der Tests die Kim vielen Gästen mit und ohne Korrektur-Files vorgeführt und nicht alle fanden den Einsatz des Filters sofort besser. Aber wenn man ihn dann wieder rausgenommen hat, fehlte allen diese Klarheit.

Fazit FinkTeam Kim

Was soll man hier viele Worte machen? Die FinkTeam ist der klangstärkste Vertreter dieser Preisklasse. Ja, das gilt für die Stand- und Kompaktboxenklasse. Es gibt sicherlich etliche Musikfreunde, die von einer Borg träumen, für die deren Preisschild aber einfach zu hoch hängt. Mit der Kim gibt es nun keine billige, aber eine irgendwie noch erreichbare Alternative: Für nicht einmal 40% des Borg-Preises bekommt man mit der Kim schon sehr viel von dem, was die LowBeats Standboxen-Referenz auszeichnet.

Dass man mit der Kim zudem einen selten genügsamen Lautsprecher bekommt, an dem quasi jeder Verstärker bestens zurechtkommt, erhöht die Attraktivität ebenfalls. Wem das immer noch nicht genug ist, den verweise ich auf die Möglichkeit des Roon-Tuning per Korrektur-File. Damit bekommt der User einen Feinschliff-Nachschlag für Abbildung und Basspräzision, wie man ihn auch mit guten Aktivboxen kaum besser hinbekommt.

FinkTeam Kim
2021/04
Test-Ergebnis: 4,9
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Herausragend natürlicher und sehr plastischer Klang
Hohe Pegelfestigkeit, hohe Effizienz
Hohe, lineare Impedanz, wenig Phasendrehung, Röhren-tauglich
Gute Verarbeitung

Vertrieb:
IDC Klaassen
Am Brambusch 22
44536 Lünen
www.idc-klaassen.com

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
FinkTeam Kim: 9.950 Euro

Die technischen Daten der FinkTeam Kim

FinkTeam Kim
Konzept:2-Wege Bassreflexbox
Bestückung:HT = AMT; TMT = 20 cm
Impedanz:8 Ohm; Minimum 5,8 Ohm
empf. Verstärkerleistung:> 20 Watt pro Kanal
max. Raumgröße:30 Quadratmeter
Maximalpegel:111 Dezibel
Abmessungen (B x H x T):30,0 x 85,4 x 31,0 cm
Gewicht (Stück):
25,1 Kilo
Mit- und Gegenspieler:

Test FinkTeam Audio Borg: die neue LowBeats Referenz
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Test SPL Performer m1000: High End Mono-Amps aus dem Studio
Test B&W 802 D3: der Referenz-Lautsprecher
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Autor: Holger Biermann

Holger Biermann
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.