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KEF XIO: Highend Soundbar für Musik und Filmwiedergabe gleichermaßen. Dolby Atmos & Co. an Bord, audiophiles Streaming, innovative Lautsprecherkonstruktionen zeichnen die XIO aus. 2.299 Euro (Foto: R. Vogt)
KEF XIO: Highend Soundbar für Musik und Filmwiedergabe gleichermaßen. Dolby Atmos & Co. an Bord, audiophiles Streaming, innovative Lautsprecherkonstruktionen zeichnen die XIO aus. 2.299 Euro (Foto: R. Vogt)

Test: KEF XIO Highend-Soundbar mit Musikstreaming und Dolby Atmos

Bekannt für seine HiFi-Lautsprecher produziert KEF mit der „XIO“ seine erste Soundbar. Sie verspricht nicht weniger als die maximale Symbiose aus HiFi- und Heimkino in einem schlanken, typischen Soundbar-Formfaktor. Kann das gelingen? Das haben andere namhafte HiFi-Hersteller auch schon versucht; mit gemischten Ergebnissen.

KEF XIO: hier liegend vor dem 55"-OLED im LowBeats Hörraum während des Tests (Foto: R. Vogt)
KEF XIO: hier liegend vor dem 55″-OLED im LowBeats Hörraum während des Tests (Foto: R. Vogt)

Die KEF XIO ist schon ein echtes Biest von einer Soundbar. Und das in jeder Hinsicht. 1,21m breit, über 10 Kilogramm schwer und kostet 2.299 Euro. Trotzdem wirkt das Produkt dezent und vergleichsweise unauffällig im Auftritt.

Verwendung liegend oder hängend

KEF XIO: kann vor dem TV auf dem Möbel unauffällig liegen oder flach an der Wand unter dem TV hängen (Zeichnung: KEF)
KEF XIO: kann vor dem TV auf dem Möbel unauffällig liegen oder flach an der Wand unter dem TV hängen (Zeichnung: KEF)

Die KEF XIO ist so konstruiert, dass sie entweder auf einem Schrank oder Bord liegend platziert ist, oder gemeinsam mit dem TV an der blanken Wand hängt. Und wie oben auf dem Foto des Hörraums zu sehen, ist die XIO etwas breiter als unser 55-Zoll-TV und etwas schmaler als ein 65-Zoll-Fernseher (siehe Zeichnung).

KEF XIO: 12 innovative Hightech-Lautsprecher arbeitem je nach Aufstellung und Audioformat zusammen (Foto: KEF)
KEF XIO: 12 innovative Hightech-Lautsprecher arbeiten je nach Aufstellung und Audioformat zusammen (Foto: KEF)

Ein Lagesensor schaltet automatisch die Lautsprecher stets so, dass (gleichgültig, ob hängend oder liegend montiert) die jeweils richtigen Kanäle aus den passend orientierten Lautsprechern kommen. Und derer sind viele eingebaut. Sehr viele. Da gibt es zwei linke, zwei rechte und zwei Center-Lautsprecher, zwei seitliche für die Surrounds und vier parallellaufende Tieftöner die wie ein gemeinsamer Subwoofer zum Einsatz kommen. Das ist schon ziemlich ausgefuchst.

Innovativ: neue Lautsprecher

Die Centerlautsprecher im KEF XIO: Je nach Aufstellung arbeitet nur der zum Hörer gerichtete Lautsprecher (Foto: R. Vogt)
Die Centerlautsprecher im KEF XIO: Je nach Aufstellung arbeitet nur der zum Hörer gerichtete Lautsprecher (Foto: R. Vogt)

Die Abdeckungen lassen sich – ungewöhnlich bei Soundbars – abnehmen und erlauben so einen Blick hinter die Kulissen. Hier (Bild oben) sind die zwei Center zu sehen. Es wird stets nur der jeweils eine verwendet, der in Richtung Zuschauer zeigt, abhängig von der Aufstellung der XIO ( (liegend oder hängend). Zum Einsatz kommen die neu entwickelten Uni-Q MX-Lautsprecherchassis .

Uni-Q MX Mittel/Hochtöner mit mächtigem Antrieb und innovativer "mechanischer Frequenzweiche" (Zeichnung: KEF)
Uni-Q MX Mittel/Hochtöner mit mächtigem Antrieb und innovativer „mechanischer Frequenzweiche“ (Zeichnung: KEF)

Wie bei den konventionellen HiFi-Lautsprechern von KEF gewohnt, kommen auch bei der XIO koaxiale Mittel/Hochtöner zum Einsatz. Aus Platz- und Kostengründen haben die kleinen 5-cm-Chassis der XIO-Soundbar aber keine zwei separaten Treiber ineinander verschachtelt verbaut, sondern einen einzigen Antrieb für einen äußeren Konus und eine zentrale Kalotte, die ein elastischer Ring miteinander verbindet. Der bewegt bei tieferen Frequenzen die gesamte Membran und – ab einer gewissen Frequenz – überwiegend die Kalotte als zentralen Hochtöner. Daher leitet sich der Name „MX“ ab: Mechanical X-Over, sprich „mechanische Frequenzweiche“.

Chassis-Anordnung für Surround, Höhen und Stereo-Kanal, hier liegend für Links (Foto: R. Vogt)
Chassis-Anordnung für Surround, Höhen und Stereo-Kanal, hier liegend für Links (Foto: R. Vogt)

Zur Seite hin verbaut KEF Breitbänder zur Virtualisierung der Surround-Kanäle. Hier sieht man nochmals die durchdachte Doppelverwendung der Uni-Q MX Chassis. Der jeweils nach vorne zeigende Lautsprecher fungiert als Frontkanal. Das nach oben zeigende Chassis verwendet die XIO als Höhenkanal über die Reflexion via Zimmerdecke, wie das fast alle Soundbars so umsetzen. Dies gilt  für die Signale von Dolby Atmos und Dolby Surround Upmixer ebenso, wie für DTS:X und dessen Upmixer. Darüber hinaus werden auch die bislang eher exotischen Immersive-Audio-Decoder von 360° Reality Audio und MPEG-H Audio unterstützt.

5 x 18cm Tieftöner: mehr passt in die schlanke Soundbar nicht, dafür stecken vier davon in der XIO (Foto: R. Vogt)
5 x 18cm Tieftöner: mehr passt in die schlanke Soundbar nicht, dafür stecken vier davon in der XIO (Foto: R. Vogt)

Neben den Uni-Q MX Mittel/Hochtönern haben die Ingenieure auch komplett neue Tieftöner entwickelt. Diese sind mit 5 x 18 Zentimetern oval gestaltet und verwenden eine neu entwickelte, gefaltete Sicke zur Aufhängung die eine sehr weite, lineare Auslenkung erlaubt. Die Membran selbst besteht aus Aluminium. Der eigentliche Clou, auf den KEF besonders stolz ist, versteckt sich in einer speziellen Schwingspule. Mit ihrer Unterstützung lässt sich über einen Sensor die tatsächliche Membranbewegung messen. So wird etwa das Signal zum einen verwendet, um mittels einer aktiven Gegenkopplung die Präzision in der Wiedergabe zu steuern. VECO nennt sich das in Marketingsprech und steht für Velocity Control, also Bewegungskontrolle. Ein interessanter Nebeneffekt dabei ist, der so natürlich nicht im Prospekt beschrieben steht, dass man bei zunehmender Lautstärke (und damit Membranauslenkung) immer mehr den Tiefbass beschränkt, zu Gunsten eines korrekten Pegels bei geringeren Verzerrungen. Alle vier Tieftöner bekommen das gleiche Summensignal aller Kanäle und arbeiten daher wie vier kleine, parallele Subwoofer.

Anschlüsse und Verbindungen

Minimalistische Anschlüsse und dennoch vorbildlich: Netzschalter, abschaltbare Mikrofone, Reset-Taste wenn nichts mehr hilft (Foto: R. Vogt)
Minimalistische Anschlüsse und dennoch vorbildlich: Netzschalter, abschaltbare Mikrofone, Reset-Taste, wenn nichts mehr hilft (Foto: R. Vogt)

Am Anschlussfeld finden sich die üblichen Verdächtigen mit HDMI eARC für Soundsignale inklusive Atmos & Co. vom Fernseher, ein optischer Eingang für weitere digitale Signale oder ältere Displays, USB für Updates, ein Netzwerkanschluss und nicht sichtbar natürlich WLAN und Bluetooth. Dazu gesellt sich eine Cinchbuchse für den Anschluss eines externen Subwoofers.

Subwoofer per Funksignal ansteuern mit KEF KW2-RC Funkempfänger (Foto: KEF)
Einen Subwoofer per Funksignal anzusteuern ist mit dem Aufpreispflichtigen KEF KW2-RC Funkempfänger möglich (Foto: KEF)

KEF bietet aber auch einen Funkempfänger für Subwoofer an: Mit dem KEF KW2-RC (179 Euro) lassen sich diverse KEF Subwoofer-Modelle aufrüsten, für die es spezielle Steckverbindung vorgesehen ist. Wer einen anderen Subwoofer verwenden möchte: Bitte sehr. Das Funkmodul kann auch per USB-Buchse mit Strom versorgt werden und bietet einen kombinierten Miniklinken-Ausgang mit analogem Signal oder Toslink an. Ein analoger Miniklinke-zu-Cinch-Adapter gehört zum Lieferumfang.

KEF Connect App

Von vielen Anwendern wird die KEF Connect App sehr gelobt. Hier muss ich aus meiner Sicht leider in Teilen widersprechen. Mich hat sie Anfangs in den Wahnsinn getrieben. Vielleicht bin ich aber auch der Einzige, der mit der Logik nicht klarkommt. Ich habe die Versionen für Android Smartphone und iPad probiert. Erster Nerv-Faktor: ohne eigenes KEF-Online-Konto geht nix. Das macht nicht nur KEF so, aber streng genommen wäre das technisch nicht notwendig.

KEF XIO kommt nicht ohne die KEF Connect App aus (Foto: R. Vogt)
KEF XIO kommt nicht ohne die KEF Connect App aus (Foto: R. Vogt)

Lob: Ich hatte nie ein Verbindungsproblem, Abstürze oder ähnliches. Auch die XIO Soundbar hat die Connect App stante pede entdeckt und angezeigt. Auch die weitere Einrichtung mit Schritt für Schritt Anweisungen gelang angenehm. Dann gab es aber schon bei der Einrichtung ein paar Unstimmigkeiten die wirklich genervt haben, weil man erst einmal auf Recherche gehen musste, um zu ergründen was da klemmt.

KEF XIO lässt sich sehr detailliert konfigurieren und dem Geschmack anpassen (Foto: R. Vogt)
Die KEF XIO lässt sich sehr detailliert konfigurieren und dem Geschmack anpassen (Foto: R. Vogt)

Wer bitte ahnt denn, dass man in den Tiefen der Einstellungen den Menüpunkt mit der seltsamen Formulierung  „Das Gerätedisplay ist derzeit“ erst ausschalten muss, um die Tasten der Soundbar einzuschalten!? Später, im Kleingedruckten erfährt man schließlich, wie die XIO per App wieder auszuschalten ist. Fernbedienung und Soundbar bieten konventionelle Power-Tasten zu Ein/Ausschalten. In der App gibt es die nicht. Zum Einschalten muss man eine Quelle wählen. Zum Ausschalten ist die aktive Quelle erneut anzuwählen, um die XIO in den Schlaf zu versetzen. Tricky, aber man gewöhnt sich dran, wenn man es erstmal herausgefunden hat.

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KEF XIO: integrierte Mikrofone erlauben eine akustische Anpassung an Raum und Platzierung (Foto: R. Vogt)
KEF XIO: integrierte Mikrofone erlauben eine akustische Anpassung an Raum und Platzierung (Foto: R. Vogt)
IPT - Intelligente Platzierungs Technologie nennt KEF sein Verfahren (Foto: R. Vogt)
IPT – Intelligente Platzierungs Technologie nennt KEF sein Verfahren (Foto: R. Vogt)
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Weniges muss man manuell einstellen (Foto: R. Vogt)
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Weniges muss man manuell einstellen (Foto: R. Vogt)
Die eigentliche Messung und Korrektur laufen automatisch (Foto: R. Vogt)
Die eigentliche Messung und Korrektur laufen automatisch (Foto: R. Vogt)
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Wie andere gute Soundbars kann sich die KEF XIO auf den Raum und die eigene Aufstellung akustisch kalibrieren. Dazu gibt es zwei verdeckte Messmikrofone in der Soundbar. Auch hier nervte es erst, dass der Einmessvorgang stets hängenblieb. Nach einigen Nachforschungen entdeckten wir, dass die Funktion in der Firmware der XIO noch gar nicht implementiert war. Es gab aber bereits eine neue Version, die das dann konnte. Die App: Kein Hinweis, keine eigenständige Prüfung, ob eine neue Firmware vorliegt – ärgerlich. Man muss selbst die Firmware checken und das Update auslösen. Danach klappte das Einmessen aber geschmeidig. Ein (erstaunlich leises) Rauschen, kurz Ruhe, ein Klicken, fertig. Abgelegt wird das Korrektur-Ergebnis in einem frei zu benennenden Profil.

Datenschutz: Die integrierten Messmikrofone lassen sich deaktivieren, man braucht sie nur während des Kalibrierens (Foto: R. Vogt)
Datenschutz: Die integrierten Messmikrofone lassen sich deaktivieren, man braucht sie nur während des Kalibrierens (Foto: R. Vogt)

Wer sich – Stichwort Datenschutz – an den Mikrofonen stört, der kann diese gemäß Hinweis nach dem Einmessen physisch an der XIO-Rückseite abschalten. Vorbildlich.

Es gibt sechs vordefinierte Soundprofile, die auf der Einmessung beruhen. „Direkt“ gibt den Ton ohne weitere Bearbeitung wieder. „Standardeinstellung“ nutzt den Upmixer und die Virtualisierung mit ausgewogenem Frequenzgang, klingt aber etwas wuchtiger als Direkt, mit weiter Abbildung und starkem Center-Signal bei Stereomaterial. „Musik“ klingt sehr ähnlich. „Film“ ist nochmals wuchtiger. „Nacht“ bremst den Bass ein, beschneidet den tiefen Bass um die Nachbarn zu schonen. „Dialog“ klingt nur etwas schlanker als „Standard“ mit einer Center- und Sprach-Betonung, die recht gut funktioniert.

Klang und Praxis

KEF Connect App: Hauptseite mit Eingängen und Streaming-Quellen zu Wahl (Foto: R. Vogt)
KEF Connect App: Hier die Hauptseite mit Eingängen und Streaming-Quellen zu Wahl (Foto: R. Vogt)

Man merkt an der Auswahl der integrierten Dienste dass hier jemand auf Klasse statt Masse geschaut hat. Mit Ausnahme des Marktführers Spotify sind nur Quellen die potenziell auch hochauflösende Musik streamen integriert: Amazon Music, Deezer, Highres Audio, Qobuz und Tidal sind an Bord. Mit Tidal konnte ich sogar Dolby Atmos streamen und damit die wirklichen Fähigkeiten der KEF XIO für immersive Musikwiedergabe ausloten. Die Interfaces der Dienste sind aber primär auf Listen reduziert, man sollte also per Connect Variante möglichst die App des jeweiligen Streamingdienstes, etwa Qobuz, verwenden und dann die Soundbar als Wiedergabegerät wählen: Gleiche Qualität, aber voller Komfort des jeweiligen Dienstes. Bemerkenswert: Die XIO streamt auch klassisch DLNA vom eigenen Netzwerk. Je nach Quelle verarbeitet die KEF XIO Dolby Atmos, DTS:X, 360 Reality Audio, MPEG-H, FLAC, WAV, AIFF, ALAC, AAC, WMA, MP3, M4A, LPCM und Ogg Vorbis und das bis maximal 384 kHz/24 Bit.

Die Wiedergabe-Ansicht ist praktisch für alle Wiedergabequellen (außer eARC & Toslink) gleich (Foto: R. Vogt)
Die Wiedergabe-Ansicht ist praktisch für alle Wiedergabequellen (außer eARC & Toslink) gleich (Foto: R. Vogt)

Und wie klingt das nun, mit bis zu fünf Mini-Coax-Lautsprechern und vier kleinen, geregelten Subwoofern? Erstaunlich luftig und dennoch wuchtig. Die 1,21m Stereo-Breite sind selbst im Direkt-Modus breit genug um eine schöne Bühne aufzuspannen. Mit Upmixer und Virtualisierung im Standard- oder Musik-Modus weitete sich die Bühne erheblich, wurde breiter, wuchs in die Höhe. Aber die Mittenabbildung wurde diffuser, obwohl gegenüber dem vorigen zweikanaligen Stereobetrieb nun auch der Center mitlief. Spektakulärer wurde es in jedem Fall, dazu wuchtiger und auch lauter. Luftigkeit und Natürlichkeit schwanden aber etwas. Geschmacksache.

Zeit, „Maverick“ ein paar Jets fliegen zu lassen. Mit spektakulären Soundtracks kommt die KEF XIO super zurecht. Dafür spricht dass sie selbstbewusst auch den LFE mit ihren integrierten, geregelten Tieftönern wiedergibt. Der „.1“-Kanal hat stets nur Bässe und eine Verstärkung von +10dB. Das muss man erst einmal verarbeiten können. Dabei bekommt die Regelung der vier integrierten Tieftöner echt gut zu tun. Bis zu mittleren Lautstärken kommt das schön voll aus der Soundbar. Schiebt man den Lautstärkeregler in das obere Drittel der Skala wird es auch im Bass nochmal deutlich lauter aber dieser verliert (völlig korrekt) dann seine untersten Oktaven. Dabei eigentlich wichtiger: Die Abbildung und das Detailreichtum in allen anderen Kanälen bleiben überdurchschnittlich klar und stabil. Selbst in lauten Actionszenen blieb der Dialog wunderbar klar und verständlich. Die immersive Klangverteilung in Breite und Höhe sind vorbildlich.

Dynamik-Gewinn mit externem Subwoofer

Große, separate Subwoofer können lauter, Tiefer und gleichzeitig verzerrungsärmer spielen als die XIO-Tieftöner alleine (Foto: R. Vogt)
Große, separate Subwoofer können lauter, Tiefer und gleichzeitig verzerrungsärmer spielen als die XIO-Tieftöner alleine (Foto: R. Vogt)

Was ließe sich da klanglich verbessern? Man kann etwa die vier kleinen Tiefönerchen von ihrem Tiefbass befreien. Was sich mit geübtem Ohr gut wahrnehmen lässt, ist deren hoher Klirranteil im tiefen Bass. Völlig okay, denn die integrierte Membranregelung manövriert bei größeren Pegeln stets am Rande der machbaren Membranauslenkung. Wie in der Messung zu sehen hat der Bass erst unterhalb von 45Hz rund 15 Prozent Verzerrungen (THD).

Die KEF XIO beinhaltet aber ein vollständiges Bassmanagement womit sich tiefer Bass auf einen separaten Subwoofer umleiten lassen. In diesem Falle habe ich einen Velodyne Acoustics DB-15 angeschlossen und auch eingemessen. Und obwohl der bei der Messung (Grafik oben) bereits 10dB lauter spielt erzeugt er gerade mal 1,7% Verzerrungen. Da die Tieftöner des XIO nun nur noch viel höhere Frequenzen verarbeiten müssen und dadurch viel weniger Membranauslenkung ausführen, wird auch deren Basswiedergabe signifikant sauberer und differenzierter, auch bei hohen Lautstärken.

KEF XIO Bassmanagement mit Voreinstellungen für KEF Subwoofern oder  komplett manuell für andere Fabrikate (Foto: R. Vogt)
KEF XIO Bassmanagement mit Voreinstellungen für KEF Subwoofern oder komplett manuell für andere Fabrikate (Foto: R. Vogt)

Für eine Vielzahl von Subwoofern der eigenen Marke bietet KEF sinnvolle Voreinstellungen. Es ist aber ebenfalls möglich, jeden andern Woofer zu verwenden und entsprechend manuell einzustellen. Ganz wichtig: Bitte auch den Hochpass-Filter verwenden, sonst arbeiten die vier Tiefton-Ovale der XIO weiter ungebremst. Wichtig: Dies ist dann im Profil mitabzuspeichern. Schön: Das Ganze lässt sich alles weiträumig wie bei einem AV-Receiver konfigurieren und einstellen. Nicht für jedermann: Nutzt man keinen KEF Subwoofer aus der Liste, muss man alles manuell einstellen, denn die automatische Einmessung kümmert sich um nicht um einen externen Subwoofer.

Testaufbau im Hörraum mit KEF XIO plus Velodyne Acoustics DB-15 Subwoofer (Foto: R. Vogt)
Testaufbau im Hörraum mit KEF XIO plus Velodyne Acoustics DB-15 Subwoofer (Foto: R. Vogt)

Hat man einen guten Subwoofer kombiniert und eingestellt, blüht die KEF XIO nochmal richtig auf. Befreit von der Tieftonlast spielen die geregelten Tieftöner knackig präzisen Grundton und die ganze Soundbar tönt auch bei hohen Pegeln bis knapp 100 Dezibel sehr sauber und differenziert. Der Einsatz eines Subwoofers lohnt in der Kombination mit der KEF XIO in jedem Fall und wer es gerne laut hat, der sollte die Ergänzung gleich mit einplanen.

KEF XIO Fernbedienung: Reduziert auf die essentiellen Aufgaben im Alltag (Foto: R. Vogt)
KEF XIO Fernbedienung: Reduziert auf die essenziellen Aufgaben im Alltag (Foto: R. Vogt)

Im Alltag kommt man übrigens um die Verwendung der App kaum herum. Die an sich gute Fernbedienung bietet nur Grundfunktionen. Praktisch gelöst ist deren Rückseite, denn zum Batteriewechsel schiebt man die gesamte Unterschale nach unten. Dadurch bleibt hat sie keine Nähte oder Ritzen.

Fazit KEF XIO: fantastischer Klang

Als Soundbar-Erstling ist die KEF XIO wirklich ein Hammer. Teuer, schwer, groß und klanglich wirklich fein auflösend und erstaunlich dynamisch. Die Bedienung an der XIO und per Fernbedienung ist etwas rudimentär, aber eben auch unkompliziert. Die KEF Connect App kontrolliert dafür alle Einstellungen und wird bei den meisten XIO Anwendern den Alltag bestimmen.Wir fanden bei der App einige Schwächen, die wir in die Bewertung aber nicht einfließen habne lassen: Erfahrungsgemäß werden solche App-Schwächen zügig nachgebessert

Bei der Auswahl der Streamingdienste legten die KEF-Entwickler Wert auf Tonqualität und Musikauswahl statt auf Masse. Und 3D-Aufnahmen von Tidal & Co. lassen sich beispielsweise in Dolby Atmos wiedergeben. Das ist super, denn praktisch alle anderen Soundbars können Musik nur in Stereo streamen.

Die vier clever geregelten Tieftöner arbeiten wie ein Subwoofer und klingen bis zu einer gewissen Lautstärke verblüffend gut. Wer gerne Actionfilme schaut oder laut Musik hört der sollte einen separaten Subwoofer verwenden, denn vom Tiefbass befreit klangen die kleinen ovalen Hightech-Tieftöner auch sehr laut noch sehr sauber und dynamisch. Wer also absolut keine klassischen Lautsprecher-Boxen im Raum haben möchte und dennoch in fein aufgelöster Qualität Musik, klare Dialoge und echtes Surround-Feuerwerk genießen möchte sollte sich die KEF XIO genau anschauen. Wir kennen kaum eine andere, die derart gut klingt.

 

KEF XIO
2025/08
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Feine Auflösung, erwachsenes Klangbild
Highres-Audio-Streaming, sogar in Atmos
Bis zu mittleren Lautstärken sensationeller Bass
Echtes Bassmanagement, Subwoofer empfehlenswert

Vertrieb:
GP Acoustics GmbH
Kruppstraße 98
45145 Essen
www.de.kef.com

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
KEF XIO: 2.299 Euro
KEF KW2-RC: 179 Euro

Technische Daten

KEF XIO
KonzeptImmersive-Audio Soundbar mit 5.1.2 Kanälen
Ausstattung:6x Koax-Mittel/Hochtöner, 4x geregelte ovale Tieftöner, 2x seitliche Breitbänder. Externe Subwoofer per Cinch oder Funkmodul
Formate:
(Abhängig von Quelle und Eingang)
Dolby Atmos, DTS:X, 360 Reality Audio, MPEG-H, FLAC, WAV, AIFF, ALAC, AAC, WMA, MP3, M4A, LPCM und Ogg Vorbis
Eingänge/Ausgänge:
HDMI 2.1 eARC, TOSLINK, Subwoofer Cinch & Funk, Airplay 2, Google Cast, DLNA/UPnP, Bluetooth 5.3: Audio-Streaming: Spotify, Tidal, Amazon Music, Qobuz, Deezer, HIGHRESAUDIO, Internet Radio, Podcast
Abmess. (H x B x T):70 × 1210 × 165 mm
Gewicht:10,5 Kilogramm
Alle technischen Daten

Große Soundbars im Test:

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Bluesound Pulse Soundbar+
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Autor: Raphael Vogt

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Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.