Die Fyne Audio F502 wurde zu einem der Stars auf der HIGH END 2023. Nicht, dass sie dort ihre Premiere gefeiert hätte – zum Zeitpunkt der Messe war sie schon mehr als drei Jahre auf dem Markt. Aber im Rahmen der Sounds-Clever-Initiative der veranstaltenden High End Messe-Gesellschaft (gekonnt komponierte Anlagen bis 5.000 Euro) bliesen die F502 – angeschlossen an einen Leak Stereo 230 (siehe Vorstellung der Kette) – die Lautsprecher der konkurrierenden System förmlich aus dem großen Demo-Raum. Und als Mitte vergangenen Jahres die Schotten eine Neuauflage auf den Markt brachten, wurden wir natürlich hellhörig: Sind die Fyne Audio F502S womöglich noch besser…?

Die Besonderheiten der Fyne Audio F502S
Wer sich vielleicht schon vorab die F 502 angesehen hat, wird im Vergleich zur neueren F 502 keine elementaren Unterschiede erkennen. Eingebaut sind sehr ähnliche Treiber, wie auch in der Vorgängerin. Heißt: Im Zentrum der 2,5-Wege-Konstruktion arbeitet ein ausgefeilter 20-cm-Koax, in dessen Mitte – man hat ja jede Menge Tannoy-Erbe in der Firmen-DNA – ein Hochtonhorn für die Frequenzen oberhalb 1.700 Hertz eingesetzt ist.

Das Hochtonhorn endet bündig mit der Membran des Mitteltöners und die Schwingspulen von Hoch- und Tiefmitteltöner sind so dicht beieinander positioniert, dass sich eine nahezu perfekte Phasenlage ergibt: Genau darin liegen die Vorteile der Punktschallquelle. Koax-Gegner dagegen argumentieren, dass die Tiefmittelton-Membran das Hochtonsignal modulieren würde. Das Argument ist bei normalen Koaxen nicht ganz von der Hand zu weisen. Doch das spezielle Fyne-Horn ist so konzipiert, dass die Hochtonsignale vergleichsweise stark gebündelt und somit kaum von den Schallwellen des Tiefmitteltöners beeinflusst werden.
Der technisch wesentliche Unterschied zur Vorgängerin liegt in der leicht veränderten Hornführung und im Material des Hochton-Kompressionstreibers: Hatte die F502 noch eine 25 Millimeter Titankalotte, so ist es bei der Nachfolgerin eine gleichgroße Kalotte aus Magnesium. Der Unterschied ist tatsächlich hörbar: Magnesium klingt zarter. Bei der recht forsch klingenden F502 war diese leichte Charakter-Korrektur durchaus angezeigt. Und natürlich muss man eine solche Veränderung auch mit anderen Bauteilen auf der Frequenzweiche anpassen. Der Blick auf die Weiche zeigt wie auch bei der Vorgängerin eine Klassen-übliche Bauteile-Qualität, aber nicht unbedingt eine komplett andere Schaltung. Wichtig ist, dass im Hochton-Signalweg möglichst nur gute Folien-Kondensatoren liegen. Das ist hier gegeben.

Unterstützt wird der 20-Zentimeter-Koax von einem gleichgroßen Bass, der ausschließlich im Bereich von 30 bis 250 Hertz schuftet und so für das wirklich stabile Bassfundament der F502S sorgt. Charakteristisch sind die eingekerbten Sicken von Bass und Koax. Diese Asymmetrien in den Sicke sorgen für ein viel besseres Resonanzverhalten der Einspannung. Ein Punkt der in der Treiberentwicklung lange Zeit vernachlässigt wurde.

Wie üblich, haben wir auch die F502S aufgeschraubt. Sichtbar wurde ein erfreulich sauber gemachter Gehäusebaubau mit einer exzellenten Furnierung.

Im Basspegel unterstützt werden die beiden Tieftöner durch eine Bassreflex-Konstruktion, die neudeutsch als „Downfire“ bezeichnet wird. Dabei wird der Schall nach unten abgestrahlt – aber nicht einfach dumpf auf den Boden, sondern über einen Kegel, der die Energie gleichmäßig zu allen Seiten verteilt.

Die Bilder, die hier das „BassTrax”-Diffusorsystem darstellen, sind der Vorgängerin F502 ohne „S” entliehen und zeigen, dass sich im Fußbereich einiges getan hat: Die neue F502 wirkt weniger verspielt und gradliniger.

Mit der gleichen Veränderung wurde der Fußbereich zudem stabiler: Die furnierten Holzplatten sind jetzt durchgehend, die Bassreflex-Abstrahlung erfolgt durch vier eingelassene „Lüftungsschlitze“ zu allen Seiten. Die F502 sah zwar gediegener aus, die Konstruktion allerdings war im wahrsten Sinne des Wortes windiger.
Praxis
Für einen Lautsprecher dieser Klasse ist die F502S erfreulich wirkungsgradstark. 91 Dezibel (bei 1 Watt/1 Meter) verspricht uns der Katalog – und das stimmt. Der Fyne Katalog weist die 502S aber auch als 8-Ohm-Box aus. Und das ist tatsächlich falsch. Beziehungsweise stimmt die Angabe nur für den Leistungs-irrelevanten Bereich zwischen 500 und 7.000 Hertz. Würde man nur nach den Katalogdaten gehen, wäre die Kombination der F502S mit einem kleinen Röhren-Amp optimal.

Aber glücklicherweise messen wir ja nach und kommen zu einem anderen Schluss: Trotz hoher Effizienz funktioniert das Zusammenspiel mit schwächlichen Röhren oder kleinen Transistor-Amps nicht sonderlich gut. Denn dafür wäre eine hohe, stabile Impedanz hilfreich. Die aber hat die F502S nicht zu bieten: Ihre Impedanz (rote Kurve) rutscht im Leistungs-relevanten Bereich unter 3 Ohm und die Phase (blaue Kurve) macht zwischen 2 – 3 KHz einen derben Sprung. So ein Verhalten ist nichts für kleine Röhren wie den Simply Italy.

Für die F502S sind daher klassische Transistor-Verstärker mit stabilem Netzteil die bessere Wahl. Der Cambridge Audio CX81 oder der Rotel A14 beispielsweise spielten ganz wunderbar mit der F502S zusammen und schöpften auch einiges der stattlichen Pegelreserven aus:
Wie die LowBeats Messungen zeigen, liegen die Verzerrungen im Normalpegel-Bereich (wir verwenden hier stets einen Pegel von 85 Dezibel) bei null. Ihren weitgehend verzerrungsarmen Maximalpegel erreicht die Fyne F502S bei 106 dB mit statischen Messsignalen. Das heißt: In der Praxis beziehungsweise mit Musik erzielt sie durchaus satte Lautstärken bis 118 Dezibel. Ihre Vorgängerin war durch eine Resonanz im Bass um einiges weniger pegelfest.
Im Bereich von 50 – 100 Hertz zeigt sich der Bassbereich sehr kräftig. Das beeindruckt beim ersten Reinhören und beim Leise hören, ist aber bei der Aufstellung (vorausgesetzt der Zuhörer steht auf präzise und keine wummernden Bässe) eine Herausforderung. Eine Aufstellung direkt an der Rückwand ist jedenfalls nicht ratsam.
Das Hochtonhorn im Koax bündelt den Schall etwas stärker als übliche Kalottenhochtöner. Daher kann (oder sollte) man auch mit der Einwinkelung experimentieren: schon 30° außerhalb der Hörachse ist ein deutlicher Hochtonabfall bemerkbar. Eine weitere Fein-Justage ist über den dreistufigen „Presence“-Schalter am Terminal möglich. Er beeinflusst den Übertragungsbereich von 2,5 – 5,0 Kilohertz und ist sehr gut hörbar: Also gern damit herumexperimentieren.

Das Anschuss-Terminal weist auch aus, wo die F502 herkommt: „Designed and engineered in UK, Manufactured in Indonesia“. Die Werkbank Asien funktioniert auch hier einwandfrei.
Hörtest
Die F502S ist eine typische Fyne: Sie überwältigt den Zuhörer augenblicklich mit ihrer enormen Agilität – was gerade Live-Aufnahmen zu einem Erlebnis macht. Bei Manu Katchés „Live in Concert“ Album von 2014 verspricht schon der Applaus Spaß, weil die F502S den Zuhörer gleich in die Mitte des Geschehens setzt und das Klatschen so nah und direkt klingt.

Dann setzen die Bläser ein und man spürt die immense Dynamik des Hochtonhorns: So mühelos können „normale“ Kalottenhochtöner den Dynamiksprüngen einfach nicht folgen. Das gilt auch für die hohe Impulsivität und Genauigkeit, mit der die Fyne das Klavierspiel in den Hörraum zaubert. Und das gilt erste recht, wenn der Meister selbst mit seinem Schlagzeug in den Mittelpunkt rückt. Auf „Drum Solo“ lässt Katché sein ganzes Können aufblitzen – und die Fyne ebenso. Die Energie, mit der hier Bassdrum getreten oder die Hihats geschlagen werden, hat absolut authentische Züge: Die Fyne zieht den Zuhörer regelrecht in die Aufnahme.
Wie auch bei der Vorgängerin bemängelt, ist mir auch der Bass der 502S knapp unterhalb 100 Hertz etwas zu fett. Bei entsprechenden Aufnahmen klingt die Britin dann etwas burschikos. Allerdings – und auch das haben wir natürlich ausgiebigst ausprobiert – sorgt dieses „Etwas-Zuviel-an-Bass“ bei extrem hohen Pegeln für ein berauschendes Erlebnis: Mit dem Lautstärkeregler auf 15 Uhr schoben uns die beiden hochpotenten 20er Tieftöner der Fyne mit „Bliss on Mushrooms“ von den Infected Mushroom fast aus dem Hörraum: so druckvoll kamen die Basswellen. Und natürlich wirkte der Hochtöner bei diesen Pegelorgien wenn überhaupt nur ganz am Rande gestresst.
Im Vergleich zur Canton Townus 100, so etwas wie der Platzhirsch der 3.000 Euro Klasse, klingt die Fyne im Mittelhochtonbereich etwas weniger fein, aber noch direkter, noch lebendiger. Vor allem aber macht sich schnell der Vorzug der Punkschallquelle bemerkbar: Die Abbildung der Britin ist einfach noch einmal überzeugender. Das Piano auf Manu Katchés LIve-Konzert stand wie physisch anwesend im Hörraum; auch beim „Beyond the sea“ der King Singers (Album: Great American Songbook) zeichnet die Fyne die Sänger verblüffend körperhaft und ließ der Musik auch nach hinten viel Raum – deutlich mehr als die Canton jedenfalls.
Fazit
Die bei LowBeats hoch geschätzte F502 hat mit der F502S eine dezent verbesserte Nachfolgerin gefunden: etwas smoother im Klang, effizienter im Wirkungsgrad und deutlich pegelfester. Leider nicht verbessert hat sich das Impedanz-Verhalten der F502, welches die Kombination mit kleinen Röhren-Verstärkern immer noch schwierig gestaltet. Man muss also mit gut gemachten Transistor- oder Impedanz-unabhängigen Digital-Verstärkern Vorlieb nehmen. Das ist keine wirkliche Einschränkung, weil die modernen Verstärkertypen ja mindestens 90% des Angebots ausmachen. Schade aber ist es schon, weil es von der Idee her schön passen würde…
Die Vorgängerin haben wir wegen ihrer explosiven Lebendigkeit als „Überragend“ bewertet. Die neue F502S ist in eigentlich allen Belangen besser, aber leider um satte 1.000 Euro teurer – womit sie preislich in einer höheren Klasse spielt. Und dennoch: Ihre authentische Art und Weise Musik zu zelebrieren ist auch in der 3.000 Euro Klasse außergewöhnlich.
Bewertungen
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Spielfreudiger, dynamischer Klang mit exzellenter Abbildung |
| | Gute Verarbeitung, hohe Stabilität |
| | Hoher Wirkungsgrad, hohe Pegelfestigkeit |
| | Bassüberhöhung bei 100 Hertz, braucht elektrisch stabile Verstärker |
Vertrieb:
TAD Audiovertrieb GmbH
Rosenheimer Str. 33
83229 Aschau
www.tad-audiovertrieb.de
Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Fyne Audio F502s: 2.800 Euro
Die technischen Daten
| Fyne Audio F502S | |
|---|---|
| Technisches Konzept: | 2,5-Wege Strandbox mit Horn-Koax |
| Bestückung: | 1 x 20 cm IsoFlare Koax, 1 x 20 cm Bass |
| Maximalpegel (Dauer / kurzfristig): | 106 / 118 Dezibel |
| Wirkungsgrad (2,83 Volt / Meter): | 91 dB |
| Leistung zum Erreichen des Max.-Pegels: | 95 Watt |
| Besonderheit: | Erdungsbuchs zum Abführen von HF |
| Abmessungen (B x H x T): | 30,0 x 111,2 x 38,2 cm (inklusive Fuss) |
| Gewicht: | 28,5 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
Mit- und Gegenspieler:
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