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DALI Epikore 3 Ambiente
Die DALI Epikore 3 ist die kleinste der Serie, aber so überzeugend und pegelfest, dass sie selbst große Standboxen aussticht. Der Preis: 10.000 Euro (Foto: DALI)

Test Kompaktbox DALI Epikore 3: Die Dänen drehen an der Luxus-Schraube

Da hat jemand mit den Buchstaben gespielt. Die Epikore-Serie von DALI vereint zwei Edelversionen, den Überflieger „Kore“ und die günstigere „Epicon“-Serie. Alles in den Wortmixer, noch etwas vom griechischen Philosophen Epikur hinzu – schon ist der Epikore-Kunstbegriff geboren. In Zahlen ausgedrückt ist die Sache deutlich komplizierter. Wenn wir jetzt sagen, dass das Pärchen der Kore bei 100.000 Euro liegt, dann greifen sich viele ans Herz. Nicht zu Unrecht. Ein Lautsprecher mit 148 Kilogramm pro Box wirkt womöglich etwas aus der Zeit gefallen. Aber als Hersteller sammelt man kostbares Wissen aus der frei agierenden Entwicklungsabteilung. Genau das hat jetzt die Epikore erreicht. Das größte Pärchen, die Epikore 11, steht bei 44.000 Euro das Paar. Wir haben uns nun für einen Test der kleinsten Box entschieden, die DALI Epikore 3 für 10.000 Euro. Das nimmt sich fast bescheiden aus …

„40 Jahre Forschung, Entwicklung und Produktion“ – einst als Graue-Maus-Marke für die HiFi Klubben gegründet, ist DALI heute eine weltweit agierende Lautsprechergröße, die wir gut kennen und hoch schätzten. LowBeats-Chef Holger Biermann kommentierte den Auftritt der mehr als doppelt so großen Rubikore-7-Schwester so: „Dass eine DALI wie eine DALI klingt – also warm-satt und obenrum seidig – wissen wir. Neu aber ist die wirklich frappierende Verzerrungsarmut, das enorme Pegelvermögen und das elektrisch völlig anspruchslose Verhalten. Ein Lautsprecher, der leise wie laut mit höchstem Wohlfühlfaktor begeistert. Ergebnis: Überragend!“

DALI Epikore 3: die Technik

Die Messlatte für die kleine 3er war also bereits gesetzt – wie auch der Preispunkt: Bei 10.000 Euro kann der „Wohlfühlfaktor“ etwas leiden. Zumal auch der passgenaue 12-Kilo-Ständer des Hauses mit 1.000 Euro extra bezahlt werden will – pro Stück versteht sich. Also liegen die Kosten für das Set-up der schönen Wohnraumfotos bei 12.000 Euro.

DALI Epikore 3 Stand
Der Ständer kostet zwar 1.000 Euro pro Stück, aber man bekommt richtig was geboten. Und in Vergleich zu unserem Standard-Ständer von Monitor Audio brachte er noch einmal mehr Ruhe und Tiefe ins Klangbild (Foto: H. Biermann)

Aber die Dänen nehmen hier ja auch ein Wort in den Mund, das bislang verpönt war: „Luxus“. Das bezieht DALI zuerst auf das Gehäuse – absolut vollkommen nachvollziehbar, denn das ist schlicht eine der schönsten Kompaktboxen, die ich kenne. Die Klarlackschichten werden nach Klavierlack-Vorgaben aufgetragen, regelrecht dick wie eine Glasplatte. Natürlich auf Echtholzfurnier. Schwarz ist langweilig, Nussbaum etwas zu gediegen – ich liebe „Maroon“, das changiert zwischen kastanienbraun und weinrot, ein Hingucker.

Der Rücken ist eine Wucht, ein Terminal mit vier großen Schraubklemmen für die Lautsprecherkabel. Also Bi-Wiring, eine hochwertige Kabelbrücke für den Single-Betrieb liegt bei. Dass die Dänen ihr „Luxus“-Wort halten, zeigt hier auch der Umstand, dass die Klemmen aus der gewaltigen Kore stammen. Die Bassreflexöffnung der Epikore 3 liegt nicht unten, sondern in der Höhe, führt aber über einen Kanal in die Gehäusekammer des Tieftöners.

DALI Epikore 3 Back
Die Lautsprecherbuchsen der Kore und ein speziell geformtes Bassreflexrohr – die Rückseite der Epikore 3 (Foto: DALI)

Der 17er Tiefmitteltöner sieht wie altbekannt aus, trägt aber durchweg die neuen Gene der Kore: Die Magnete bestehen aus Soft Magnetic Composit (SMC), ein magnetischen Granulat nun in der zweiten Generation.  Auch der Träger der Schwingspule ist der Kore entlehnt und aus Titan gefertigt. Wer genau hinsieht, entdeckt ebenfalls eine neue Prägung auf der blutroten Membran mit ihren bewusst chaotisch eingestreuten Holzfasern – ein symmetrisches Sternenmuster mit dem ebenfalls neuen „Clarity-Cone“ im Zentrum.

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DALI Epikore 3 TMT
Auch in Bezug auf die Membran ist der Tiefmitteltöner neueste DALI-Forschungsstand: der Tiefmitteltöner der Epikore…
DALI Epikore 3 TMT
… der über einen fast Membran-großen Magneten verfügt. So etwas ist selten im HiFi (Foto: H. Biermann)
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Das ist vielleicht die spannendste Botschaft: DALI erneuert alles, bleibt aber seinen Idealen treu. Auch den Doppelhochtöner kennen wir schon aus der Epikon 7: Der heißt nun EVO-K Hybrid-Hochtöner und ist eine 35 Millimeter durchmessende Softdome-Kalotte in einem Array mit einem Magnetostaten darüber. Dieses Quasi-Bändchen hat eine schwingende Fläche von 10 mal 55 Millimetern. Die Gewebekalotte beginnt ihre Arbeit bei 2.800 Hertz und spielt bis 12.500 Hertz; darüber übergibt er dann an den Magnetostaten. Fachlich richtig spricht DALI von einer 3-Wege-Konstruktion.

DALI Epikore 3 Hochton-Array
Die bei DALI seit vielen Jahren bewährte Kombination aus großer Hochtonkalotte plus Bändchen spielt auch in der Epikon 3 (Foto: H. Biermann)

Praxis

Äußerlich sieht das alles super aus. Was man aber natürlich nicht sieht, sind die deutlich gesunkenen Verzerrungen und damit die höhere Ausbeute an Wirkungsgrad und Maximalpegel – wie die Messungen zeigen. Wir hatten vor nicht allzu langer Zeit die nächstgrößere Epikore 7, die exzellente Messwerte zeigte und als größten Unterscheidungspunkt einen weiteren 17er Tiefmitteltöner plus deutlich mehr Volumen aufbietet. Wer nun glaubt, die deutlich größere Standbox bringe auch deutlich mehr Pegel , sieht sich getäuscht: Mit 105 dB Maximalpegel (beziehungsweise 117 dB mit Musik) sind ein überragender Wert, der eigentlich Beschallungsboxen zu Gesichte ständ. Hier zeigt sich einfach die überlegene Verzerrungsarmut der neuen DALI-Treiber.

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MTD-Spektrum Dali Epikore 3 @85dBC/1m
Sehr ausgewogen mit leichtem Hochtonabfall: Beim Wohnzimmerpegel von 85 dB zeigen sich keinerlei Verzerrungen (Messung: J. Schröder)
MTD-Spektrum Dali Epikore 3 @105dBC/1m (CTA-426-B wtd.)
Beim Maximalpegel von 105 dB zeigen sich breitbandige Verzerrungen. Der Wert an sich ist fantastisch (Messung: J. Schröder)
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Aber damit nicht genug: Der Wirkungsgrad der kleinen Epikore ist mit 87 Dezibel (W/m) vergleichsweise hoch. Und am allerschönsten: Mit diesem (recht linearen) Impedanz- und Phasengang dürften wohl nur die wenigsten Verstärker Probleme haben.

Impedanzprofil Dali Epikore 3
Die Impedanz verläuft im gesamten Bereich oberhalb 4 Ohm – und das erfreulich linear (Messung: J. Schröder)

Hörtest

Wie mag die Rache von Alice Cooper aussehen? Wir können es nachhören. Genau: Unter dem Namen – „The Revenge of Alice Cooper“ – hat der Mann mit den dunkelumrandeten Augen ein neues Album aufgelegt. Mit einer Subbotschaft an die Fans: Er werde erst dann aufhören, wenn auch Clint Eastwood seine Karriere zu beenden gedenkt. Aber der dreht noch Filme mit 95 Jahren. „Black Mamba“ eröffnet das Album und es knurrt mächtig: Tief dröhnen die Gitarren, der Rhythmus leiert und Robby Krieger liefert ein Solo, das perfekt ins Bild passt – giftig wie die besagte schwarze Mamba. Das ist nichts für sensible Kompaktboxen. Ich will den Schlag ins Gesicht.

The Revenge of Alice Cooper Cover
Das Cover sagt eigentlich alles: Das Leben ist ein Trash-Film, hier die Musik dazu. Alice Cooper lässt die VU-Zeiger am Anschlag zucken und die Gitarren kreischen. Auch das muss ein Lautsprecher können, der offensichtlich Feingeist sein will (Cover: amazon)

Zu meiner Überraschung kann das die Epikore 3. Klar drücken die Tiefen – aber die DALI hat auch dieses wunderbar zupackende Moment in den Mitten und Höhen. Das Album ist übigens höchst klassisch in Connecticut aufgenommen worden – in einem Profistudio, aber unter jeglichem Verzicht auf digitale Technik. Es klingt, wie aus der Zeitmaschine.

Unbezahlbar ist unser Klangtipp Nummer zwei: Das „Folk Bitch Trio“ vereint zehn Titel und nennt das neue Album „Now Would Be A Good Time“. Wir hängen wie bei Alice Cooper in den 1970ern ab. Aber in komplett unterschiedlichen Stilen. Die Damen sind jung, huldigen dem Klangideal von Crosby, Stills & Nash. Feine Sirenengesänge über das gesamte Panorama. Da muss ein Lautsprecher seine Analyse zeigen – in der Ortung wie der inneren Harmonie. Da ist sie wieder, diese seidige Freude an den Feinheiten. Es gibt im Album der drei Damen nur Gesang, akustische Gitarren, manchmal verirrt sich ein Schlagzeug.

Now-Would-Be-A-Good-Time
Die Damen räkeln sich auf dem Sofa. Vor den Mikrofonen sind sie aber alles andere als überentspannt. Das ist feinster Folk, vielleicht eine Gitarre, ein Hauch Schlagzeug – aber vor allem singende Elfen, die einen in eine andere Welt befördern. Herrlich klar und reduziert aufgenommen (Cover: amazon)

Eigentlich keine Grenzgänger-Kost für einen Lautsprecher. Aber ich will träumen und schweben. Genau diesen Moment liefert die kleine Epikore. Himmlisch geradezu, wenn der Song „I’ll Find A Way (To Carry It All)“ anhebt. Da stimmt auch der künstlerisch überzogene Nachhall – das wird an guten Lautsprechern regelrecht dreidimensional, da zaubert auch die Epikore Reflexionen hinter mich, die eigentlich unser Hörraum nicht zulässt. Das ist die höchste Magie einer grandiosen Aufnahme an ebenso grandiosen Lautsprechern.

Die große EMI, die gibt es nicht mehr. Die Abbey-Road-Studios gehören mittlerweile Universal, ebenso die Pop-Aufnahmen, die Beatles inklusive. Was aber nicht alle wissen: Der wertvolle Klassik-Katalog ging an Warner. Hier gibt man sich Mühe, die Schätze nach 24 Bit und 192 Kilohertz zu transferieren. Klangtipp für Stimmfetischisten: 60 Tracks von Nicolai Gedda sind auf Qobuz erschienen – ein Tenor mit Glücksgarantie, jede Arie ein berührendes Erlebnis. Anspieltipp: „Les contes d’Hoffmann“ von Jaques Offenbach – „Va pour Kleinzach!“. Das gibt es natürlich als Gesamtaufnahme, was hier aber besonders erfreut: Die Arie wurde hörbar in nur einem Take aufgenommen, und dies bei einer eher kleinen Mikrofonaufstellung. Hinten der Herrenchor in der fiktiven Edel-Kneipe (gibt es heute noch in Berlin hinter dem Schauspielhaus). Die helle Brillanz der Geigen, das Treibende der galoppierenden Cellisten – ganz große Oper.

Niclai-Gedda
Das gelingt keiner Silberscheibe – 60 Tracks in 24 Bit und 192 Kilohertz. In den 1960er und 70er Jahren führte kein Tenor-Weg an Nicolai Gedda vorbei. Er konnte alles. Italienisch, Französisch, Deutsch, Russisch, Operette, große Oper. Ein hohes C? Aber sicher und geradezu aufreizend locker. Audiophile freuen sich über die realistische, mehrdimensionale Abbildung von Orchester, Chor, Solostimme – und Raum (Cover: amazon)

Die Epikore staffelt beeindruckend gut: realistisch-tief, aber auch hoch. „Hoffmanns Erzählungen“ handeln von einem leidenschaftlichen Dichter, er trinkt, verliebt sich, schwärmt, geht in sich – da braucht es das Laute und die Einkehr. Würde ich nur Oper hören (tue ich nicht) – dann wäre dieser Lautsprecher mein absoluter Favorit für jene Momente, in denen man sich in einem wirklichen Opernhaus wähnen darf.

DALI Epikore 3 vs Dynaudio Contour 20 BE
Die Dynaudio Contour 20 Black Edition (links) hat im kleinen Hörraum von LowBeats die Dynaudio Heritage Special als Referenz abgelöst. An beiden muss man erst einmal vorbeikommen… (Foto: H. Biermann)

Der Vergleich zur Epikon 7? Bei moderaten Lautstärken wäre ich mir nicht sicher, ob ich die Große überhaupt heraushören würde: Hier wie dort die gleiche hohe Natürlichkeit, die gleiche samtige Raffinesse und Transparenz. Es spricht für die DALI-Entwickler, dass die familiäre Klang-Ähnlichkeit derart hoch ist. Allein wenn es sehr laut wird, spürt man bei der Epikon 7 die höhere Lässigkeit und Souveränität bei Pauken und elektronische Tiefbässen.

Ein anderes Vergleichsmodell muss her – eines in der gleichen Größenordnung. Wir finden es ebenfalls in Dänemark. Die Dynaudio Contour 20 Black Edition liegt mit 7.000 Euro zwar etwas unter der DALI, aber wir kennen und schätzen die Dynaudio mit ihren Finessen. Sie kann Körper – alles ist greifbar, muskulös punktgenau. Eine Ausgeburt an stimmungsvoller, authentischer Präzision. Tatsächlich fällt die DALI in diesem Punkt leicht ab. Sie klingt etwas ätherischer; ein Bass, ein Sänger haben mehr Wärme, aber einen Hauch weniger Korpus und Lunge. Doch der Gegengewinn an Räumlichkeit, Leichtigkeit und letztendlich “Schönheit” sind starke Gegenargumente pro Epikore 3.

Fazit Epikore 3

Mit der Epikore 3 ist DALI der große Wurf von Wahrheitsträger und klangerotischer Schönheit gelungen. Der Preis ist ambitioniert, aber Klang und Verarbeitung versöhnen. Wir auch das größere Model 7 ist die kleinere Epikore 3 erstaunlich verzerrungsarm und pegelfest; mit ihren Werten ersetzt sie locker so manch ausgewachsene Standbox. Wenn es ein Lautsprecher für die nächsten Jahre sein soll, der trotz überschaubarer Abmessungen, hohe Feingeistigkeit mit hohem Pegel verbindet, liegt man hier goldrichtig.

 

DALI Epikore 3
2025/08
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Angenehm warmer, fein-seidiger Klang
Enorm pegelfest
Elektrisch anspruchslos: lineare Impedanz, lineare Phase, hohe Effizienz
Perfekt verarbeitet

Vertrieb:
DALI GmbH
Berliner Ring 89
64625 Bensheim
www.dali.gmbh

Preis (Hersteller-Empfehlung):
DALI Epikore 3: 10.000 Euro
DALI Epikore 3 Stand: 2.000 Euro

 

Die technischen Daten

DALI epikore 7

Technisches Konzept:3-Wege Kompaktbox, Bassreflex
Bestückung:TMT: 1 x 16,5 cm Holzmembran, HT: 1 x 35 mm plus Magnetostat (10 x 55 mm)
Übergangs-Frequenzen:2,800 / 12,500 Hertz
Wirkungsgrad (2,83 V/m):87,0 Dezibel
Nominelle Impedanz:
4,5 Ohm
Maximalpegel (Dauer / kurzfristig):105 / 117 Dezibel
Mindestleistung für max. Pegel (Dauer):> 170 Watt
Abmessungen (H x B x T):47,0 × 25,0 × 42,0 cm
Gewicht:
22,0 Kilo
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test Kompaktbox Dynaudio Contour 20 Black Edition: die schwarze Scharfe

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Autor: Andreas Günther

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Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.