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Test Dynaudio Special Forty – 40 Jahre audiophile Erfahrung

Dazu muss vielleicht angemerkt werden, dass Dynaudio ja auch nicht irgendein Lautsprecherhersteller ist, sondern einer der größten der Welt. Gut 200 Menschen arbeiten für das dänische High-End-Unternehmen; die Entwicklungsabteilung ist – gemessen an Firmen wie Canton, Elac oder Magnat – geradezu riesig. Das liegt vor allem an der Zusammenarbeit mit dem VW-Konzern, für dessen Auto-HiFi-Anlagen Dynaudio viele akustische Konzepte und noch mehr Treiber liefert. Und weil die Anforderungen der Automobilindustrie so hoch sind, ist natürlich die Austattung der Dynaudio-Labore exzellent. Kurz: Man hat alle Möglichkeiten – und schöpft sie aus. Auch wenn die Treiber der Dynaudio Special Forty aussehen, als wären sie den Achtzigerjahren entsprungen, sind beide doch klanglich und technisch State-Of-The-Art.

Ein- und Aufstellung der Dynaudio Special Forty

Die Special Forty ist unter den Kompaktlautsprechern einer der kleineren. Schon optisch macht sie damit deutlich, dass sie für die Beschallung von Räumen weit jenseits der 20 Quadratmeter nicht optimal geeignet ist. Tatsächlich sollte der Hörplatz nicht weiter als drei Meter von ihr entfernt liegen, sonst geht der Kleinen die Puste aus. Wie die LowBeats Messungen zeigen, ist die Special Forty (wie alle Dynaudio Kompaktlautsprecher) kein Pegel-Gigant. In einem Meter Abstand bringt sie es auf 94 Dezibel weitgehend unverzerrter Dauerlautstärke  – was in Spitzen durchaus auch mal über 100 Dezibel sein können.

IM DistortionDynaudio Special 40 @94dBspl / 1m
Intermodulationsspektrum Dynaudio Special 40 @ 94dBspl / 1m: Größenübliche Pegelfestigkeit bei recht gutmütigem Verzerrungsverhalten. 94dBspl stellt auch den höchsten empfohlenen, noch HiFi-tauglichen Lautstärkepegel dar. Dynamische Spitzen können dabei durchaus mehr als 6 Dezibel darüber liegen (Messung: J. Schröder)

In kleineren Räumen unter 20 Quadratmetern und auf Hördistanzen unterhalb von drei Metern kann man damit erstaunliche freudvolle Pegelerlebnisse haben. Denn einer der Vorteile von Dynaudio Treibern war schon immer ihre enorm hohe Belastbarkeit. Auch wenn man immer lauter dreht und die Verzerrungen hochgehen – das steckt die Special Forty lange Zeit sehr gutmütig weg.

Unabhängig vom Pegel ist aber wichtig, dass die die Special Forty freisteht. Ob man jetzt im Dynaudio Programm bleibt (Stand 6, 10 oder 20, Preise zwischen 300 und 500 Euro/Paar) oder einen anderen seriösen Ständer nimmt, ist nicht so relevant. Weil aber die kleine Jubiläums-Box im oberen Bass durchaus kräftig abgestimmt ist, verbietet sich eine Aufstellung in direkter Wandnähe – womöglich noch auf dem Sideboard. Das würde den oberen Bassbereich über Gebühr anheben. Mit wenigstens 50 – 60 Zentimetern Abstand zu Rück- und Seitenwand dürfte sie in den meisten Räumen optimal aufgestellt sein.

Zum angeschlossenen Verstärker. Wie fast alle Dynaudio Kompaktboxen ist die Special Forty nicht sehr effizient. Allzu schwachbrüstig sollte der Verstärker daher eigentlich nicht sein. Ich schreibe eigentlich, weil ich die Dynaudio Special Forty auch an dem Röhren-Amp Fezz Audio Mira Ceti gespielt habe und erstaunt feststellen musste, dass da deutlich mehr Pegel herauskam, als ich mutmaßte. Die gute Harmonie selbst mit diesem schwächlichen 9-Watt-Verstärker lenkt den Blick auf zwei weitere Vorteile der Special Forty. Erstens: ihre Impedanzkurve ist linearisiert.

Dynaudio Special Forty Frequenzweiche
Obwohl die Frequenzweiche eine eigentlich Bauteile-arme 6-dB/Oktave-Charakteristik hat, also mit nur einem Kondensator vor dem Hochtöner und nur einer Spule vor dem Bass, finden sich hier 14 Bauteile. Schuld daran sind etliche Filter und die Impedanz-Linearisierung (Foto: H. Biermann)

Zweitens: Weil sie auch nur geringe Phasenschwankungen aufweist (rote und blaue Flächen in der Messung unten), sind auch kleinere Verstärker an ihr nicht überfordert. Es wird halt nicht sehr laut. Aber geklungen hat es mit dem Fezz Audio wirklich bezaubernd: sehr warm, sehr fein und habhaft.

Impedance and electrical phase Dynaudio Special 40
Impedanz- und Phasenverlauf der Dynaudio Special 40: ein absolut unkritischer 4-Ohm-Lautsprecher (Messung: J. Schröder)

Gehört haben wir die Special Forty überwiegend im 70 Quadratmeter großen LowBeats Hörraum. Da brauchten wir natürlich etwas mehr Leistung. Die bezogen wir nach einigen Versuchen (unter anderem mit Cambridge Audio Edge A, Musical Fidelity M5si, Exposure 3010 S2D) vom genialen Atoll IN 300, den ich hier ausdrücklich als gelungene Verstärker-Ergänzung anpreisen möchte. Das klang großartig…

Die Dynaudio Special Forty im Hörtest

Die Special Forty ist einer jener Lautsprecher, die – obwohl nur Pi mal Daumen aufgestellt – schon aus dem Stand gut klingen (ein Tag Einrauschen vorausgesetzt). Sie klingt basskräftiger, als man von ihrer Gehäusegröße erwarten würde und entwirft pralle, wunderbar habhafte Klangbilder, mit einer tollen Plastizität und dieser Raumtiefe, für die Dynaudio Speaker bekannt sind. Gibt man sich dann auch noch Mühe mit der Aufstellung, honoriert die Special Forty jeden Schritt.

Jeder Lautsprecher hat ja Musik, mit der er besonders gut klingt. Die Welt der Dynaudio Special Forty ist jene von natürlichen Instrumenten und Stimmen. Musik von Singer Songwritern wie David Munyon (bei Stockfisch Records) klingt schlichtweg fantastisch: Sie transportiert den Brustton des Amerikaners genauso überzeugend warm-kraftvoll wie die herrlich fein und flirrend aufgenommenen Obertöne der Gitarrensaiten. Es war fast, als könne man das Holz der Gitarre sehen. Das macht die Special Forty überragend gut.

Oder Klassik: Bei Carl Orffs Camina Burana (San Francisco Orchestra unter der Leitung von Herbert Blomsted) waren auch im Tutti alle Stimmen bestens verständlich. Die Trompeten schmetterten schön vor sich hin, wurden aber nie scharf. Und die Aufnahme bekam eine Größe und Raumtiefe, die man nach dem Hören der Dynaudio Special Forty nicht mehr missen möchte.

Im Vergleich zur ebenfalls vorzüglichen und sehr räumlich abbildenden B&W 705 S2 spielt die Dynaudio etwas bodenständiger und klangfarbenstärker, die B&W etwas flinker und klanglich „heller“. Und wie all ihre Schwestern ist auch die Jubiläumsbox kein Dynamikwunder. Ihre Wiedergabe ist von einer hohen Homogenität geprägt, aber bei brutalen Impulsen kappt die Special Forty ein wenig die Spitzen. Doch wie gesagt: da sind sich fast alle kompakten Dynaudios ähnlich.

Schon seit längerer Zeit hat Dynaudio mit der Excite X 18 und der Contour 20 zwei Kompaktboxen im LowBeats Referenzregal. Jede ist auf ihre Art herausragend gut; zwischen den beiden hat Dynaudio die Special Forty platziert. Der direkte Vergleich drängte sich also förmlich auf.

Dynaudio Special Forty vs Excite 18 vs Contour 20
Traten im LowBeats Hörraum gegeneinander an (von links): Excite X 18, Special Forty, Contour 20. Alle mit 17 oder 18 Zentimeter großem Tiefmitteltöner, alle mit 28 Millimeter Hochtonkalotte (Foto: H. Biermann)

Und den entschied die Special Forty in vielen Belangen für sich. Vor allem im Vergleich zur Excite X 18 klingt die Jubiläumsbox in den Mitten feiner, geschmeidiger und vielschichtiger. Selbst bei kleinen Lautstärken klang die Stimme von Peter Gabriel (Album: So, remastered 2012) klarer und besser verständlich. Das Erstaunlichste aber: mit der Special Forty haben wir sehr viel lauter hören können als mit der Excite. Wenn bei den trocken-tiefen Bassdrum-Schlägen aus James Blood Ulmers „Crying“ bei der Excite schon die Schwingspule anschlug, blieb die Special Forty immer noch locker, kraftvoll. Die Jubi-Box hat den deutlich größeren Pegel-Headroom. Das ist beindruckend. Immerhin sehen die beiden Lautsprecher und ihre Lautsprechertechnik doch sehr ähnlich aus…

Der Vergleich mit der fast doppelt so großen Contour 20 verlief etwas anders. Bei solchen Dynamik-Sprüngen wie auf James Blood Ulmers „Crying“, bei elektronischer Musik wie Infected Mushroom oder bei den wabernden Bassteppichen von Yello hatte die Special Forty das Nachsehen. Nicht vom Pegel her. Aber die Contour zeigte gerade in den oberen Bässen deutlich mehr Durchzugskraft, Präzision und „Kontur“. Auch Gesangsaufnahmen profitieren von dieser nochmals höheren Genauigkeit, weil die Stimmen mit der großen Dynaudio noch charakteristischer und natürlicher kamen.

Ich muss gestehen, dass die Contour 20 ja schon lange mein absoluter Favorit im Dynaudio Programm ist. Ich persönlich ziehe ihre geradlinige und dynamische Präzision im Bass und Grundton der etwas wärmeren und „weicheren“ Spielweise der Special Forty vor – obwohl ich weiß, dass die Gangart der Special Forty sicherlich mehrheitsfähiger ist.

Und dann der Hochton: Hieß es nicht, der Esotar40 sei derzeit die Krone der Dynaudio Schöpfung? Ich habe die Triangeln am Anfang von Peter Gabriels „Mercy Street“ (Album: So) sicherlich 20 Male auf beiden Lautsprechern gehört: kein Unterschied. Beide zeigten die volle Auflösung und all die feinen Schattierungen des Instruments. Allerdings spricht ja auch das eigentlich für die Special Forty – sie ist ja deutlich günstiger als die Contour 20.

 Fazit Dynaudio Special Forty

28 mm Gewebekalotte im Hochton, 17 cm MSP-Membran im Tiefmittelton und eine 6-dB-Weiche: Die Charakteristika dieses Lautsprechers lesen sich wie aus einem Dynaudio Katalog des Gründungsjahres 1977. Und doch ist die Dynaudio Special Forty ein top moderner Kompakt-Lautsprecher, der den Jubiläums-Gedanken gekonnt umgesetzt – mit dem Klang von heute und mit technischen Anleihen aus den letzten 40 Jahren.

All das macht diesen Lautsprecher so sympathisch. Und nicht nur, dass er fantastisch verarbeitet ist: Er klingt, sogar an kleineren Verstärkern, wunderbar voll und prächtig. Hinzu kommt diese greifbare Räumlichkeit, die Dynaudio schon immer auszeichnet.

Die Entwickler haben die Dynaudio Special Forty im Grundton etwas fülliger abgestimmt. Damit klingt sie nicht ganz so sauber wie eine Contour 20, aber sie klingt nach mehr Tiefgang und kommt so dem derzeitigen Geschmack und dem Wunsch vieler Musikfreunde nach etwas mehr Bass nach. Ihr Klang ist gerade bei kleineren Lautstärken gefälliger. Machen wir es kurz: Ist der Raum nicht allzu groß und der Wunsch nach Pegel nicht allzu hoch, gibt es in dieser Preisklasse kaum Besseres.

Mit- und Gegenspieler:
Test Dynaudio Excite X 18 – die feine Kompaktbox
Test Dynaudio Contour 20 – die absolute Natürlichkeit
Erster Test B&W 705 S2 – die perfekte Abbildung
Test Fezz Audio Mira Ceti – 300B-Röhren-Amp für 2.500 Euro
Test Atoll IN 300  – DAC-Vollverstärker mit grandioser Lebendigkeit

Mehr von Dynaudio:
20 Jahre Dynaudio SE: 4 Kompaktboxen im Online-Klangvergleich

Dynaudio Special Forty
2018/12
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Überragend natürlich-warmer Klang
Sehr gute Abbildung
Sehr gute Verarbeitungsqualität
Röhren-geeignet

Vertrieb:
Dynaudio Germany GmbH
Ohepark 2
21224 Rosengarten
www.dynaudio.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Dynaudio Special Forty: 3.000 Euro/Paar