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Test Kompaktbox Elac Adante AS-61

Die Adante AS-61 im Praxistest

Wie schon angedeutet, hat der Bandpass nicht nur Vorteile. Im Falle der AS-61 sorgt er für einen recht bescheidenen Wirkungsgrad. Man sollte also bei der Auswahl des angeschlossenen Verstärkers auf eher kräftige Exemplare achten: 80 oder 100 Watt pro Kanal (an 4 Ohm) sollten es schon sein. Denn man will ja auch mal etwas lauter hören…

Doch dafür braucht man halt Leistung. Und vom Pegel her wachsen mit der Adante AS-61 die Bäume eh nicht in den Himmel:

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Elac Adante AS-61 LowBeats Pegelmessungen
Bei moderaten Zimmerlautstärken liegt das Verzerrungsverhalten der Elac auf erfreulich niedrigem Niveau (Messung: J. Schröder)
Elac Adante AS-61 LowBeats Pegelmessungen
Bei hohen Pegeln steigen die Verzerrungen erkennbar (Messung: J. Schröder)
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Unterm Strich sind noch weitgehend unverzerrte Spitzenpegel bis knapp über 105 Dezibel möglich. Das ist für eine Kompaktbox dieser Größe nur Durchschnitt. Zum Vergleich: Die nur unwesentlich größere Cabasse Bora brachte es auf 8 (!) Dezibel mehr. Von der Impedanz her ist die Adante AS-61 unprobelmatisch – sauber oberhalb der 4-Ohm-Linie.

 

Elac Adante AS-61 LowBeats Pegelmessungen
Die Elac Adante AS-61 verhält sich wie eine klassische Bassreflex-Konstruktion mit zwei Impedanz-Spitzen im Bass.(Messung: J. Schröder)

Diesbezüglich ist also kein Ungemach zu erwarten. Allerdings ist die kapazitive Blindleistung (rote Flächen) im leistungsrelevanten Bereich zwischen 30 – 100 Hertz recht groß. Der Verstärker sollte also nicht nur kräftig, sondern auch stabil sein. Von den vielen, die ich ausprobiert habe, gefielen mir an der Adante AS-61 der Exposure 3010 S2D (2.200 Euro) und der erst kürzlich getestete Atoll In 400 ES (4.500 Euro) am besten.

Wegen des nicht allzu hohen Maximalpegels liegt die sinnvolle Raumgröße bei etwa 25 Quadratmetern – oder darunter. Die AS-61 hat den Vorteil, in fast allen Räumen im Bass herausragend präzise zu spielen. Selbst in Räumen, die klein oder ungünstig geschnitten sind – womöglich ein Vorteil des unkonventionellen Bassbereichs. Die Adante muss dafür nicht zwangsweise auf den passenden Ständern stehen – es ginge zur Not auch das Sideboard –, aber doch weitgehend frei mit mindestens 30 oder 40 Zentimetern Abstand zur Rückwand.

Die Elac Adante AS-61 im Hörtest

Wie oben schon erwähnt, ist die Adante AS-61 einer der Lautsprecher mit den meisten Stunden im LowBeats Hörraum. Und sie wurde brav von Stunde zu Stunde freier und feiner. Allerdings machte die Elac schon vom ersten Takt an deutlich, was in ihr steckt – nämlich die Fähigkeit zur enorm schnelle, präzisen und feinen Wiedergabe. Eine meiner Lieblingsaufnahmen in Bezug auf Hochtonverästelung ist immer noch das Stück „Hurricane Come And Gone“ von Monty Alexander (Album: Caribbean Circle).

Coverbild-Monty Alexander "Caribbean Circle"
Fantastische Aufnahmen von Tonmeister David Chesky (Cover: Amazon)

Es ist schlicht atemberaubend, wie schnell und dennoch niemals scharf die Elac alle Details auffächert, den manchmal perlenden, manchmal grummelnden Klaviertönen mühelos folgt und wie glaubhaft sie die Becken ausschwingen lässt. Hart geschlagene Snaredrums oder zartes Triangel: Alles scheint diesem Lautsprecher leichtzufallen. Andrew Jones scheint hier mit seiner Koax-Kombination von steifer Mitteltonmembran und weicher Hochtonkalotte ein extrem glückliches Händchen gehabt zu haben.

Denn der Koax klingt nicht nur tonal absolut richtig, er schafft auch das, was vielen anderen „klassischen“ Mehrwege-Systemen mit separaten Hoch- Mittel- und Tieftönern oft versagt ist: die zeitrichtige Wiedergabe. Die Elac öffnet die Tür zur Aufnahme, vor allem zur Tiefe der Aufnahme. Sie gibt den Sängern und Instrumenten Plastizität und Körperhaftigkeit und vermittelt bei Live-Aufnahmen dieses schöne Gefühl, dichter dabei zu sein, als es auf Konzerten gemeinhin möglich ist.

Das auch, weil sie im Bass wunderbar trocken-präzise agiert. Da wummert nichts, kein Nachschwingen, wo es nicht auf der Aufnahme vorgesehen ist. Ein Tritt in die Bassdrum trifft präzise den Magen des Zuhörers. So soll es sein.

Man ist geneigt, von diesem luftig-präzisen Klang immer mehr zu wollen und den Pegelsteller weiter und weiter nach rechts zu drehen – gerade bei Bass-getriebener elektronischer Musik wie von Yello oder den Infected Mushrooms. Aber hier hat die Adante AS-61 ihre Limits. Selbst im kleinen LowBeats Hörraum (16 Quadratmeter), in dem sich die Elac pudelwohl fühlt, musste ich bei stark gehobener Lautstärke stoppen. Von außen ist der Passiv-Membran nicht viel anzusehen, aber man spürt förmlich, wie sich der kleine 16er Bass im Inneren abmüht. Kleines Zwischenfazit: Für Freunde der Pegelorgie gibt es Alternativen, so fein, leicht und präzise aber spielt kaum ein anderer Lautsprecher.

Wir haben ja in den letzten Jahren viele interessante Kompaktboxen dieser Klasse getestet: die Cabasse Bora, die Dynaudio Special Forty, die Quadral Sedan R9, die B&W 705 S2… Sie alle haben ihre Vorzüge. Die Cabasse und die Quadral sind wahre Pegelwunder und ersetzen mühelos auch größere Standboxen. Die Cabasse wirkt dabei etwas gröber, die Quadral minimal bedeckt. Die B&W und die Dynaudio sind im Mittelhochtonbereich ungemein farbig und fein, dafür im Bass sehr viel satter. Die Elac fasziniert hier mit ihrer herausragenden Präzision und Luftigkeit über den gesamten Wiedergabebereich. Wenn es nicht sehr laut werden muss, ist sie mehr als nur eine Alternative zu den arrivierten Mitbewerbern. In vielen Bereichen setzt sie die Maßstäbe.

Fazit Adante AS-61

Aus dem Handel höre ich, dass die Adante AS-61 auch ein Jahr nach ihrer Markteinführung noch nicht so richtig eingeschlagen hat. Ich kann mir diesen Umstand nur mit der etwas wuchtigen Optik erklären. Denn dieser etwas groß geratene Kompaktmonitor ist klanglich und verarbeitungstechnisch eine Perle. Eine Perle, die so überragend fein, transparent und richtig klingt, dass sie sich leicht von den meisten Mitbewerbern ihrer Klasse absetzen kann.

Ihr zweiter Trumpf ist die ungemein trockene und präzise Basswiedergabe in fast allen Räumen und an vielen Plätzen. Das Erlebnis ist überwältigend und zeigt, wie viel Leben & Information auch unterhalb 200 Hertz noch auf den Aufnahmen sind. Reggae-Fans oder Musikfreunde mit dem heute modernen Hang zum fetten Bass wird diese Bass-Performance womöglich nicht genügen. Ich sage: Endlich mal ein Lautsprecher, der auf schnelle und authentische Bässe hin abgestimmt wurde. Denn die Realität ist nur in den seltensten Fällen „phat“.

Ein kleines Manko aber teilt dieser Lautsprecher mit vielen anderen Edel-Speakern: Er braucht exzellente Verstärker im Rücken. Die Elac Adante AS-61 ist für das, was sie klanglich bietet, beinahe ein Schnäppchen. Aber damit sie auch wirklich GROSS klingt, kommt man fast nicht umhin, ungefähr das gleiche Geld noch einmal in den passenden Verstärker zu investieren. Aber sie ist es wert. Ohne Wenn & Aber.

Mit- und Gegenspieler

Test Kompaktbox Cabasse Bora – ein Pegelwunder
Test Dynaudio Special Forty – 40 Jahre audiophile Erfahrung
Erster Test B&W 705 S2: die perfekte Abbildung
Test Quadral Sedan 9: Kompaktbox mit Bändchen
Test Atoll IN 400 SE: bester Vollverstärker unter 5.000 Euro?
Test Exposure 3010 S2D: Hohe Dynamik & Agilität

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Elac
Adante AS-61
2019/07
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Herausragend feiner, luftiger und präziser Klang
Sehr sauberer Bass auch in kleinen Räumen
Gute Verarbeitung und hohe Materialqualität
Geringer Wirkungsgrad, Maximalpegel nicht allzu hoch

Vertrieb:
Elac Electroacustic GmbH
Fraunhoferstraße 16
24118 Kiel
www.elac.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Elac Adante AS-61: 3.000 Euro
Ständer: 600 Euro