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Test Kompaktbox Monitor Audio Studio

Die Monitor Audio Studio in der Praxis

Zwei Tieftöner von 10 cm Durchmesser können naturgemäß keine Pegelgewitter im Bass entfachen. Aber die von Monitor Audio gewählte Abstimmung ist im Oberbass etwas angereichert und suggeriert so den Eindruck von „mehr Bass“. Zudem zeigen sich die selbst entwickelten Tiefmitteltöner als erstaunlich leistungsfähig.

Im Messlabor ermitteln wir standardmäßig die Verzerrungen bei 94 Dezibel (in 1 Meter Entfernung). Die dunklen Flächen zeigen die Verzerrungen bei diesem mittleren Schalldruck: Sie sind noch vertretbar hoch.

Daraus kann man auch einen Spitzenschalldruckpegel für dynamische Peaks ableiten: Für die Monitor Audio Studio liegt er bei etwa 100 Dezibel. Das ist angesichts der geringen Membranfläche eine Menge.

Monitor Audio Studio
Vor allem im Bereich der Übergangsfrequenz um 2.700 Hertz sind die Verzerrungen recht hoch (Messung: J. Schröder)

Damit kann man in kleineren und mittleren Wohnzimmern recht laut hören, aber längere Partybeschallungen verbieten sich natürlich mit der Kleinen.

Obwohl man mit ihr gar nicht so laut hören kann (oder sollte), ist es ratsam, dass der angeschlossene Verstärker über gewisse Leistungsreserven (nicht unter 50 Watt Sinus/Kanal) und viel Stabilität im Bassbereich verfügt.

Monitor Audio Studio
Der Impedanzverlauf der Studio ist im Leistungs-relevanten Bassbereich unkritisch. Oberhalb von 20 KHz geht die Impedanz deutlich unter 4 Ohm. Das ist aber nicht mehr entscheidend (Messung: J. Schröder)

Von der Größe und dem Erscheinungsbild her ist die Studio ja eigentlich wie gemacht für die Aufstellung auf dem Sideboard. Ich hatte damit allerdings kein Glück. Im frisch eingerichteten LowBeats Kompaktboxen-Hörraum (Fläche 15 qm) haben wir eine Sideboard-Lösung aufgebaut, um diese Variante auszuprobieren.

Monitor Audio Studio Logo
Das Logo ist im Korpus eingelassen. Auf der Unterseite sorgen kleine Gummi-Füßchen für eine Entkopplung vom Untergrund (Foto: H. Biermann)

Doch die Monitor Audio Studio spielte auf unserem Sideboard unter Wert. Zum einen saß der mittig angebrachte Hochtöner etwas zu tief (leichter Höhenabfall), zum anderen aber wurde der recht kräftige Bass um 70 Hertz noch kräftiger. Auf die passenden Ständer (Paarpreis: 500 Euro) geschraubt und mit knapp 70 cm zur Rückwand aufgestellt, war die Welt aber schnell wieder in Ordnung.

Monitor Audio Studio Stand
Die soliden Metallständer für die Studio kosten 500 Euro pro Paar und haben pfiffige Vorrichtungen, um die Kabel zu verstecken (Foto: Monitor Audio)

Das galt auch nach dem Umzug in den großen LowBeats Hörraum: Nach kurzer Suche war der richtige Abstand zur Rückwand gefunden und die Studios klangen auch bei einer Hördistanz von fast 4 Metern souverän. Hier können sie die Vorzüge ihres symmetrischen Aufbaus (und der daraus resultierenden, eher gebündelten Abstrahlung) voll ausspielen: Konventionelle Kompaktboxen dieser Größe tun sich in unserem Hörraum schwerer.

Die meisten Hörtests der Studio haben wir an unserem derzeitigen Lieblings-Amp der 5.000 Euro-Klasse, dem Cambridge Audio Edge, durchgeführt. Aber es gab auch Durchgänge mit Verstärkern, die von der Preisklasse vielleicht besser passen: dem Exposure 1010 (650 Euro) und dem Pioneer A-70 DA (um 1.000 Euro).

Da wurde schnell deutlich, dass die Studio Kraft und Kontrolle braucht; an dem kleinen Exposure wurden die (ja eh leicht angehobenen) oberen Bässe etwas zu füllig. Am deutlich kräftigeren Pioneer klang das Ganze nicht nur „schneller“, sondern auch feiner.

Die Monitor Audio Studio im Hörraum

Yello: Toy. Das Cover
Toy ist das 13. Album von Yello. Alle sind extrem gut aufgenommen, dieses aber vielleicht am besten (Cover: Amazon)

Was erwartet der geneigte HiFi-Fan von einer Box mit zwei solchen Mini-Tieftönern? Wahrscheinlich nichts. Dann wird er von der Studio mächtig überrascht. Mir jedenfalls ging es so. Dass so viel Bass und satte Wärme aus einem so kleinen und schmalen Lautsprecher kommen können…

Wir hatten die Monitor Audio Studio über viele Wochen im Hörraum und so kamen zwangsläufig fast alle unsere üblichen Hörtest-Alben zum Einsatz. Zum Beispiel die Yello Toy. Die Bässe auf dem Album sind nicht ultratief, kommen aber brachial. Und die Studio transportiert die Tieftonschläge und die tief wabernden Grooves erstaunlich kraftvoll und satt.

Die Canton A45 BS, eine  Art Preisklassen-Referenz bei LowBeats, hat gefühlt eine Oktave mehr Tiefbass und zeigt auch in den Tiefen der Aufnahme noch etwas mehr Information. Aber die Monitor Audio ist in den Mitten etwas lebendiger und griffiger; die Canton wirkt in diesem Bereich dezenter und feiner.

So klingt auch Musik von Singer/Songwritern wie Sean Rowe (Album: New Lore) mit der Monitor Audio Studio wunderbar lebendig. Die tiefe Stimme des Sängers hat viel „Körper“ und Charakter, aber vor allem die Plastizität der Wiedergabe ist ein Hammer: Die schmale Box modelliert die akustischen Ereignisse so luftig in den Raum, als könnte man jedes Instrument oder den Meister selbst anfassen. Klasse

Der Vergleich mit der ebenfalls sehr urbanen und chic designten KEF LS 50 (Paarpreis: 1.200 Euro) drängt sich auf. Auch die KEF ist ja (dank ihres Koax) eine Meisterin der dreidimensionalen Abbildung. Auch sie schafft es, eine bemerkenswerte 3D-Raumtiefe darzustellen.

Sowohl LS 50 als auch Studio mogeln ein bisschen mit nicht immer präzisen Bässen. Das ist erlaubt, wenn nicht gar Pflicht in dieser Größenklasse – sonst klingt es nämlich schnell dünn. Doch die Monitor Audio hat noch ein wenig mehr Punch in den Bässen und spielt in den Mitten lebendiger – das macht Schlagzeug-Soli impulsiver und authentischer.

Diese Lebendigkeit in den Mitten ist ein Charakterzug, der die Studio auch etwas vom klassischen Monitor Audio Linienprogramm abhebt. Die Mitten sind nicht nur etwas habhafter, sondern auch ein wenig rauer, nicht ganz so fein wie bei der KEF LS 50, der Canton A45 BS und einigen MA-Modellen; sie hat quasi etwas mehr Grip.

Monitor Audio Studio im LowBeats Hörraum
Kleine Box im großen Hörraum: Nicht nur am Referenz-Verstärker Cambridge Edge A (vorne im Bild) klang die Monitor Audio Studio erstaunlich souverän (Foto: H. Biermann)

Fazit Monitor Audio Studio

Hätte ich schätzen sollen, hätte ich die Monitor Audio Studio deutlich teurer angesetzt. Sie ist exzellent verarbeitet und vollgestopft mit edler Lautsprechertechnik. Sie folgt einer sehr schönen Design-Sprache und klingt – gemessen an ihren Preis von 1.300 Euro – exzellent.

Ihrer Form nach ist sie, wie der Brite sagt, ein klassischer Bookshelf-, also Regal-Lautsprecher. Doch sie gehört auf den von Monitor Audio empfohlenen Ständer; erst dort kommt auch die unglaublich plastische Abbildung wirklich zum Tragen.

Die Studio ist eine tolle Kompaktbox, die aber Fürsorge braucht: Bei der Aufstellung ist sie etwas kritischer als andere Lautsprecher ihrer Klasse und auch die Qualität des angeschlossenen Verstärkers sollte hoch sein.

Diese Mühe aber belohnt die Studio mit einem wunderbar holografischen und breitbandigen Klangbild und der seltenen Fähigkeit, auch in karg eingerichteten Designer-Wohnzimmern absolut überzeugend zu klingen.

Mit- und Gegenspieler im Test:
Test Canton A45 BS – Kompaktbox mit Standbox-Bass
Test Kompaktlautsprecher KEF LS 50: in Tradition der LS3/5a
Erster Test: Vollverstärker Cambridge Audio Edge A
Test Vollverstärker Exposure 1010 S2: Feinster Klang für 650 Euro


Monitor Audio Studio
2018/12
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Lebendig-natürliches Klangbild
Holografische Abbildung
Elegantes Erscheinungsbild, tolle Verarbeitung
Für größere moderne Wohnzimmer geeignet

Vertrieb:
Pannes Vertriebs KG
Berliner Straße 3
23795 Bad Segeberg
www.derbesteklang.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Monitor Audio Studio: 1.300 Euro
Monitor Audio Studio Stand: 500 Euro