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Test Kompaktbox Sonus faber Venere 2.0

So klingt die Sonus faber Venere 2.0

Die ersten Testplatten, die wir auflegten, zeigten eine tendenziell warme Box. Hier konnte man sich sonnen und schwärmen im feinsten Samt. Nirgends Nervigkeit, sondern high-endige Noblesse. Das macht die Sonus faber Venere 2.0 zum familien-typischen Mitspieler vieler anderer Sonus-faber-Lautsprecher.

Kürzlich ist Aretha Franklin gestorben – ein trauriger Anlass, mal wieder in ihre Platten zu hören. Zumal die meisten Scheiben in hochauflösenden 24 Bit und 96 Kilohertz vorliegen. Spirit In The Dark ist so ein Schmuckstück.

Der Titelsong des Albums ist eine ganz feine Abmischung: Im Zentrum die Singstimme, dahinter ein Flügel und das Schlagzeug. Die Dynamik entwickelt sich langsam. Ein Lautsprecher muss hier höchst sensibel mit den dynamischen Gewichten hantieren.

Was der Venere 2.0 vorbildlich gelang – insbesondere die Stimme des Soulstars hatte Durchschlagskraft, stand weit vor den Membranen. Plastischer geht es kaum. Dann der Background-Chor von links – der Raum veränderte seine Dimensionen, und die Sonus faber Venere 2.0 spielt mit. Das war analytisch und sinnlich zugleich – eine erstrebenswerte Kombination.

Dann „One Way Ticket“: Die Musik schleicht sich an, der Besen streichelt das Schlagzeug, auch Aretha Franklin nimmt sich zurück, langsam beginnt der Groove. Wäre der Lautsprecher auf vordergründige Show ausgelegt, dann würden wir das spätestens jetzt hören. Doch die Venere blieb bei ihrem Kurs, das war samtig, smooth, elegant.

Die Preisliste für das Paar beginnt bei 1.680 Euro. Das erscheint nach diesem ersten Test erstaunlich erschwinglich.

Sonus faber Venere 2.0 Seite
Von Formsprache verstehen sie was, dies Italiener: die Venere 2.0 in weiß Hochglanz (Foto: Sonus faber)

Hören wir einmal bei den Konkurrenten hinein. In der gleichen Preisklasse tummelt sich auch die Exite X18 von Dynaudio. Die Dänen verfügen ebenfalls über ein feines Händchen im Mix zwischen Informationen und Partygefühl.

Das war sogar einen Hauch gesättigter als bei der Venere 2.0. Die Italiener legten sich hier mit einem Überflieger an. Dynaudio verfügte über den stärkeren Punch in den Mitten und Tiefen. In allen anderen Punkten war es ein Treffen auf Augenhöhe.

Da wollten wir noch einen weiteren Mitbewerber hinzugesellen. Wir holten die kompakte FM-8 von Gato-Audio aus dem Regal, wieder ein dänisches Meisterwerk. Doch diesmal behielt klar die Venere die akustische Lufthoheit. Das war deutlich geschlossener, sinniger, antriebsstärker. Klares Votum für die Italiener.

Klassik muss sein. Auch hier haben wir über Qobuz den Download eines legendären Albums gestartet – Sir Georg Solti dirigiert Wagners „Tannhäuser“. Die Decca-Tontechniker haben die Bänder aus den 1970er Jahren neu digitalisiert und nun in 24 Bit und 96 Kilohertz angeboten.

Das ist die ganz große Oper, mit den luxuriös aufgelegten Wiener Philharmonikern und einem Dirigenten am Rande des Herzinfarkts – Solti setzt vom ersten Takt an auf eine enorme Innenspannung.

Der Schluss des ersten Aufzugs beispielsweise scheint wie mit dem Rasiermesser dirigiert, scharf, ultra-präzise, bewusst unromantisch. Dazu ein Fest der besten Wagner-Sänger der Zeit. So etwas will man nicht über einen schlechten Lautsprecher hören.

Hier kommt audiophile Freudenstimmung auf. Die Sonus faber Venere 2.0 musste sich nicht anstrengen. Sofort gelang ihr das plastische, greifbare Klangbild. Wie sich beispielsweise René Kollo in der Titelrolle aus der Stereoachse auf den Hörplatz zuschob – das lässt sich selbst im Opernhaus nicht schöner erleben.

Das hatte den berühmten „Peng“ in der Stimme – den großen Dynamikschub bei Spitzentönen. Emotional und intellektuell schwang sich das zu Festspielen der Schallplattengeschichte auf. Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Die Venere 2.0 spielte hier deutlich über den Vorgaben ihres Preisetiketts.

Fazit Sonus faber Venere 2.0

Was schon die Venere 2.5 versprach, wird auch von der Venere 2.0 gehalten: Mit der stattlichen, aber eleganten Kompaktbox ist Sonus faber ein echter Coup gelungen: die Venere 2.0 sieht einfach großartig aus und macht auch die Ohren glücklich.

Der günstige Preis entsteht durch Fertigungswege in China, die die Italiener offenbar perfekt unter Kontrolle haben. Das Finish liegt auf einem Niveau mit den besten Lautsprechern aus Vicenza.

Die klangliche Abstimmung ist warm, samtig – aber stark in der dynamischen Analyse. Wer schlau ist und Geschmack hat, ordert die Version im feinen Walnuss-Furnier.

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Die Gegenspieler:
Test Dynaudio Excite X 18: die feine Kompaktbox
Test Kompaktbox Gato Audio FM-8: klein, fein, stark

Sonus faber Venere 2.0
2018/08
Test-Ergebnis: 4,6
Überragend
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Tendenziell warmer, dennoch analytischer Klang
Unproblematisch anzutreiben
Exzellente Verarbeitung
Gute Preis/Leistungs-Relation

Vertrieb:
Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
www.audio-reference.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Sonus faber Venere 2.0 (Schwarz, Weiß): 1.680 Euro
Sonus faber Venere 2.0 (Wallnuss): 2.000 Euro