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Test Kopfhörer beyerdynamic Amiron wireless – Maßanzug für die Ohren

Nach welchen Algorithmen der DSP im beyerdynamic Amiron wireless das Musiksignal schlussendlich personalisiert, bleibt allerdings ein Mimi-Geheimnis. Nur so viel war zu erfahren: Herkömmliches Equalizing findet nicht statt; es würde eventuell bestehende Hörprobleme auf Dauer eher vergrößern. Über die Vorgehensweise lässt sich daher nur spekulieren – meine persönliche Vermutung: Adaptive, gehörphysiologisch gewichtete Signalkompression in denjenigen spektralen Bereichen, bei denen der Anwender schon bei geringer Maskierung das Nutzsignal schwer heraushören kann.

beyerdynamic Amiron wireless: Bedienung

Neben dem Mimi-Hörtest bietet die beyerdynamic MIY-App aber noch weitere Features. Recht clever ist zum einen die Tracking-Funktion. Ähnlich einem Datenlogger registriert diese beim Musikhören Dauer und Lautstärke des Signals. Daraus ermittelt Tracking den prozentualen, bereits „verbrauchten“ Anteil am empfohlenen musikalischen Tagespensum. Bei erreichten 100 Prozent sollte man den Ohren eine Pause gönnen – über die der Empfehlung zugrundeliegenden Grenzwerte klärt die MIY-App allerdings nicht auf.

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beyerdynamic MIY App Tracking option
beyerdynamic MIY App: Über die Tracking Option lässt sich der tägliche Musikkonsum automatisch erfassen. Ausgewertet werden Lautstärke und Hördauer (Screenshot: J. Schröder)
beyerdynamic MIY App personal sensitivity touch panel
beyerdynamic MIY App: Über die Touch-Option lässt sich die Ansprechempfindlichkeit der Sensorfläche personalisieren (Screenshot: J. Schröder)
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Ausgesprochen positiv überrascht war ich über die – ich nenne es mal – Multi-Source-Fähigkeit des beyerdynamic Amiron wireless im Bluetooth-Betrieb. So ist es möglich, vom Computer via Bluetooth Musik zu hören und dabei gleichzeitig vom Smartphone ebenfalls via Bluetooth die Funktionen der MIY-App zu nutzen. Ich hab’s ausprobiert: Das Zu- und Abschalten der Mimi-Personalisierung benötigte zwar einige Sekunden Reaktionszeit, verlief aber unterbrechungsfrei.

Eine weitere, praktische Beigabe der MIY-App: In einem separaten Menüeintrag erlaubt sie auch die persönliche Empfindlichkeits-Anpassung der für die Gestensteuerung zuständigen Sensorfläche.

beyerdynamic Amiron wireless – Hörtest

Geschlossene Hörer zeichnen sich meist durch ein warmes, recht intimes Klangbild aus. Da macht aucht der beyerdynamic Amiron wireless keine Ausnahme. Seine Grundcharakteristik zielt eindeutig in die eher füllige, angenehme und kultivierte Richtung. Mit einer dezenten Betonung des unteren Grundtonbereichs in der 100-Hertz-Region schafft er dabei ein voluminöses Klangfundament, ohne dabei ins Dunkle zu verfallen.

Wie die meisten geschlossenen Hörer zeichnet sich auch der beyerdynamic Amiron wirelsss durch einen prallen, in den ganz tiefen Lagen jedoch nicht gnadenlos zupackenden Bass aus – obwohl er das Register sehr tiefer Frequenzen durchaus beherrscht. Nicht unerheblich zu seinem angenehmen Charakter trägt zudem die saubere, sehr geschmeidige Stimmenwiedergabe bei – sehr schön zu hören bei „Runnin‘ feat Georgia Anne Muldrow“ auf dem brandneuen Album Negro Swan von Blood Orange.

Nicht wenige Kopfhörer erkaufen sich ihr im ersten Moment angenehm wirkendes Klangbild durch besondere Zurückhaltung im Präsenzbereich von 1,5 bis 4,5 Kilohertz. Auch der beyerdynamic Amiron wireless spielt hier definitiv nicht vordergründig. Dennoch gelingt ihm ein mehrheitsfähiger Kompromiss zwischen Unaufdringlichkeit und Artikulationsschärfe. An der nötigen Strahlkraft lässt es der beyerdynamic jedenfalls nicht vermissen. Atmosphärische Titel wie das wunderschöne „Vision“ vom neuen Album Dream Songs des Kanadiers Devon Welsh erklingen denn auch sehr ausdrucksstark.

Wohlgemerkt – die vorangehenden Klangbeschreibungen gelten für den Betrieb des beyerdynamic Amiron wireless ohne die in der MIY-App verfügbare Mimi-Hörprofil-Personalisierung. Nach intensiver Auseinandersetzung mit Mimi und etlichen Hörtest-Durchgängen möchte ich mein erstelltes Mimi-Hörprofil mal als „absolut wasserdicht“, weil reproduzierbar bezeichnen. Dennoch kann ich in meinem Fall keineswegs von einer echten Klangverbesserung durch Mimi sprechen – eher ist das Gegenteil der Fall. Für mich lautet das Mimi-Credo: Tausche dynamische Agilität gegen höhere Durchschnittslautstärke und gesteigerte Konturenschärfe.

Es mag durchaus sein, dass dieses Rezept für Menschen mit Gehörproblemen oder „on the road“ bei Umgebungslärm aufgeht. Aber mein Ding ist’s nicht – bereits bei einer Mimi-Intensität von nur 20% klingt es für mich nach komprimierter „Presswurst“. Obendrein legt die Mimi-Personalisierung von Haus aus selbst bei geringster Korrektur schon mal um etwa 1 – 2 dB an Lautstärke zu. Das erschwert einen echten Klangvergleich, weil die Mehrheit der Zuhörer „lauter“ per se als besser interpretiert.

beyerdynamic Amiron wireless – Fazit

Der beyerdynamic Amiron wireless zählt fraglos zu den derzeit luxuriösesten unter den kabellosen Kopfhörern. Materialauswahl, Mechanik und Tragekomfort sind – typisch für gehobene beyerdynamic-Modelle – mal wieder absolut erstklassig. Auch in klanglicher Hinsicht kann der beyerdynamic Amiron wireless überzeugen. Vollmundig in den tiefen Lagen und unaufdringlich, aber keineswegs hintergründig im Präsenzbereich ist er der ideale Hörer, um entspannt Musik zu genießen. Die zuverlässig funktionierende Gestensteuerung an der rechten Hörerschale sorgt dabei für den nötigen Komfort.

Inwieweit die Klang-Personalisierung mit Mimi über die beyerdynamic MIY-App eine klangliche Verbesserung erzielt, lässt sich aus meiner Sicht nicht allgemeingültig beantworten. Vielmehr hängt dies von der Hörfähigkeit seines Benutzers ab. Vereinfacht lässt sich wohl sagen: Je geringer die „Hörleistung“, desto positiver die Wirkung von Mimi. Was das klangliche Resultat angeht, könnte ich persönlich jedenfalls gut und gern auf Mimi verzichten. Dem beyerdynamic Amiron wireless jedenfalls schadet das nicht, ist er doch auch ohne Klang-Personalisierung ein exzellenter Hörer.

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beyerdynamic Amiron wireless
2018/08
Test-Ergebnis: 4,5
Überragend
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Warmes, kultiviertes Klangbild
Hoher Tragekomfort
Robuste Mechanik und herausragende Verarbeitung
Umfangreiche Gestensteuerung

Vertrieb:
beyerdynamic GmbH & Co. KG
Theresienstr. 8
74072 Heilbronn
www.beyerdynamic.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
beyerdynamic Amiron Wireless: 699 Euro