Kopfhörer/Vorverstärker sind voll im Trend – auch, weil Kopfhörer eine immer größere Rolle in der HiFi-Wiedergabe spielen. Konsequenterweise bringt nun auch der polnische Verstärker-Spezialist Fezz Audio seinen ersten Kopfhörerverstärker: Und der Fezz Audio OVO EVO hat gleich mal ein dickes Ausrufezeichen gesetzt.

Unter all den Röhren-Verstärkern am Markt spielen in den letzten Jahren die Modelle von Fezz Audio bei uns in der Redaktion immer eine besonders große Rolle. Warum? Zum einen, weil die Polen im Ursprung Spezialisten für Übertrager sind; sie verkaufen die berühmten Toroidy-Trafos in die ganze Welt und können so für ihre Röhren-Verstärker immer die perfekt zugeschnittenen Übertrager einsetzen. Ein riesiges Plus. Andererseits arbeitet Fezz Audio in Deutschland schon seit vielen Jahren mit Frank Urban vom Audium Vertrieb zusammen. Der Berliner hat ein sehr genaues Auge auf den Markt und stupst die Leute von Fezz Audio immer mal wieder in die richtige Richtung. Und ich könnte noch einen dritten Sympathie-Punkt anführen: Mit dem Mira Ceti haben die Polen einen Vollverstärker im Angebot, der den einzigartigen Klang der 300B-Röhre erfreulich günstig zugänglich macht und der bei uns schon lange einen Stammplatz im Referenzregal hat.

Aber zurück zum Fezz Audio OVO, der selbstredend auch Röhren-bestückt ist – wenn auch nicht mit der Leistungsröhre 300B. Als Vorverstärker beziehungsweise Kopfhörer-Verstärker reichen ihm eine bescheidene Ausgangsleistung von 1,5 Watt. Und damit sind wir schon bei den…

…Besonderheiten des Fezz Audio OVO

Zunächst einmal entstammt der neue Kopfhörer-Verstärker der ebenfalls noch recht neuen EVO-Generation. Wirkten die früheren Modelle äußerlich an vielen Stellen doch etwas hemdsärmelig, ist das EVO-Design richtig anmutig geworden: Mit fein gerundeten Kanten, geringsten Spaltmaßen, einer Vielzahl von Farbvarianten und dem genialen Röhrenschacht auf der Deckelseite. Dank einer Glasscheibe, die sich leicht herunterdrücken und dann aufschieben lässt, sind so die Röhren nicht nur sichtbar (hübsch), sondern auch schnell austauschbar (praktisch).

Fezz Audio OVO EVO Röhren-Schacht
Unter dem Gehäusedeckel des OVO liegt der Röhrenschacht, der dank der einfach aufzuschiebenden Glasscheibe gut zugänglich ist (Foto: H. Biermann)

Der OVO ist ein klassischer Vorverstärker und arbeitet mit einer symmetrisch aufgebauten Class-A-Schaltung im Single-Ended-Trioden-Modus. Das klingt schon beim Lesen gut. Ich hätte die Schaltung gern gezeigt, aber ich hätte das Gerät nicht ohne größere Kraftanstrengung aufbekommen. Das spricht in gewisser Weise auch für die Qualität des Zusammenbaus…

Fezz Audio OVO EVO Kontrolle
Ein weiteres Qualitätsmerkmal: Am Ende werden Monteurin (Beata) und Tester (Marek) namentlich aufgeführt – Manufaktur halt (Foto: H. Biermann)

Als Treiberröhre setzen die Polen hier auf eine 12AU7, in der Ausgangsstufe indes auf zwei EL84-Röhren – alle drei sind in dem obenliegenden Schacht gut sicht- und austauschbar. Ein besonderer Leckerbissen sind natürlich die für diesen Aufbau spezielle angefertigten Toroidy-Ausgangsübertrager; die machen am Ende die Musik.

Praxis

Der Fezz Audio OVO Evolution ist eine – schon von der Konstruktion her – exzellente Vorstufe mit expliziter Kopfhörer-Funktion. Für die Vorstufenfunktion sind leider nur zwei Eingänge vorhanden: 1 x XLR (der OVO ist ja symmetrisch aufgebaut) und 1 x klassisch Cinch. Um Endstufen anzuschließen, sind ebenfalls je ein Cinch- und ein XLR-Ausgang vorhanden.

Fezz Audio OVO EVO Rückseite
Äußerst spartanisch: Der OVO bietet nur zwei Zugänge und Ausgänge. Hinzu kommt ein Schacht für die Zusatz-Module (Foto: Fezz Audio)

Das war es schon? Nicht ganz. Wer genau hinsieht, entdeckt auf der Rückseite noch einen verschraubten Schacht. Hier kann (und sollte) man eine der drei von Fezz Audio angebotenen Erweiterungs-Optionen (je 299 Euro) einbauen. Angeboten werden ein Bluetooth-, ein Digital- oder ein Phono-Modul:

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Fezz Audio OVO EVO Module
Das Digitalmodul (bereits eingebaut) arbeitet mit einem DAC von AKM und bietet je einen koaxialen und einen und optischen Eingang (Foto: H. Biermann)
Fezz Audio OVO EVO Phono-Modul
Das MM-Phono-Modul ist weitgehend diskret aufgebaut. Und natürlich ist eine RIAA-Entzerrung eingebaut (Foto: H. Biermann)
Fezz Audio OVO EVO BT-Modul
Auch das gibt es: Ein Bluetooth-Modul, das aktuelle Standards wie aptX, AAC und MQA unterstützt. Aber es ist nur für hereinkommende Signale wie vom Handy geeignet. BT-Kopfhörer werden vom OVO nicht bedient (Foto: H. Biermann)
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Natürlich haben wir alle drei Module ausprobiert und uns über die hohe Qualität gefreut. Vor allem das Phono-Modul konnte bewährte Separat-Vorstufen wie das Cambridge Audio Alva Duro oder sogar das AVM P30 in den Schatten stellen. Es bewies mehr musikalischen Fluss als das AVM-Vorstüfchen und mehr Detail-Auflösung als der Cambridge Pre-Amp.

Leider kann der geneigte Nutzer nur eines der Module einbauen. Und im Falle des (erwartungsgemäß meistgenutzten) DAC-Moduls muss man zur Aktivierung des optischen oder des koaxialen Eingangs auch noch den kleinen Kippschalter auf der Rückseite umlegen. Bequem geht anders. Das gilt auch für die solide und wertig ausgeführte Fernbedienung: Mehr als laut/leise geht nicht. Aber es ist ja nun einmal ein Kopfhörer-Verstärker, den man konzeptbedingt vor allem aus der Nähe bedient.

Fezz Audio OVO EVO RC
Heavy Metal: Die Fernbedienung im Metallgehäuse ist erfreulich hochwertig gemacht, kann aber lediglich den Pegel regeln (Foto: H. Biermann)

Kommen wir aber zu der Parade-Disziplin des OVO: den Kopfhörerbereich. Hier bietet der OVO drei Ausgänge: eine 6,3-mm-Klinkenbuchse, einen 4,4-mm-Pentaconn-Anschluss und eine XLR-Buchse für symmetrisch ansteuerbare Kopfhörer. Die symmetrische Ansteuerung bringt aus meiner Sicht immer die bessere Kontrolle und die höhere Detail-Genauigkeit.

Fezz Audio OVO EVO Front
Mehr braucht man nicht: Der OVO EVO hat alle relevanten Kopfhörer-Anschlüsse auf seiner Front und Sie sehen richtig, es gibt ihn unter anderem auch in der Farbe Rot (Foto: Fezz Audio)

Laut Bedienungsanleitung ist der OVO für Kopfhörerimpedanzen zwischen 16 und 600 Ohm ausgelegt – also absolut praxisgerecht. Allerdings stellt man seine Ausgangsstufe nicht direkt auf den entsprechenden Wert des angeschlossenen Kopfhörers ein, sondern wählt einen von drei Impedanzbereichen: Low (bis 32Ohm), Mid (bis 150 Ohm) und High für alle Impedanzwerte darüber. LowBeats gibt bei seinen Tests auch die Kopfhörer-Impedanzen an; da lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Fezz Audio OVO EVO Front
Das Bild vermittelt die hohe Anfassqualität und auch die einfache Bedienbarkeit des OVO. Bei den Quellen gibt es nur RCA, XLR und – wenn eingebaut – das Zusatz-Modul, das man auf der Rückseite ein- oder ausschalten muss (Foto: H. Biermann)

Denn die richtige Anpassung ist hörbar. Ich habe die Hörtests überwiegend mit dem 32-Ohm-Hörer ATB92 von Klaus Heinz und dem Sennheiser HD 660S2 (320 Ohm) gehört. Bei richtiger Anpassung wurde es (nach exaktem Pegelausgleich!) noch ein Stück feiner.

Hörtest

Für die Testphase besorgte ich mir einen T+A MP 2500 R Multi Source Player, der den großen Vorzug hat, nicht nur ganz vorzüglich zu klingen, sondern alle erdenklichen Quellen (außer Phono) anzubieten. Das ist schon ein wahres Füllhorn… Und weil der Test des ATB92 noch gar nicht lange her war, hörte ich sofort, dass er dank des OVO noch einmal einen richtig großen Schritt nach vorn machte. Sofort hörbar waren seine enorm farb- und zugleich konturenstarke Wiedergabe. Einzelne Instrumente bekamen mit ihm deutlich mehr Körper und plastische Präsenz im Raum.

Fezz Audio OVO EVO TEst-Aufbau
Das Bild zeigt den Testaufbau: Über den T+A MP 2500 R Multi Source Player konnten verschiedenste Quellen zugespielt werden. Verbunden waren beide mit XLR-Kabeln, dem Gran Finale 50 von HMS (Foto: H. Biermann)

Das funktioniert normalerweise nur mit Mitten-fokussierten Komponenten. Der OVO aber bleibt immer auch auf der harmonisch-musikalischen Seite, die eine angenehme Wärme mitbringt und auch den Raum nach hinten öffnet.

Zwei Vergleichs-Komponenten haben wir aus dem Referenz-Regal geholt. Zunächst den Exposure MX HP, den wir seit Ewigkeiten als Kopfhörer-/Vorverstärker nutzen und der dank seiner Vielseitigkeit und hohen Spielfreude immer viele Argumente auf seiner Seite hat. Klanglich konnte er aber gegen den OVO nicht punkten. Der Röhren-Amp bot immer die schöneren Klangfarben, das vollere, aber auch feinere Bild und – auch hier wieder – diese plastische Darstellung, die außergewöhnlich ist. Besonders gut zu hören bei Manu Katchés „Keep Connexion“ (Album: The Scope). In diesem komplexen Zusammenspiel von Percussion, Bass und verschiedenen Saiten-Instrumenten schafft es der OVO deutlich überzeugender als der Exposure, den einzelnen Instrumenten Körper und Raum zu geben. Zudem schwingen auch die Obertöne noch einen Hauch feiner aus.

Manu Katché The Scope
Ein großes Album des Ausnahme-Drummers Manu Katché: „The Scope“ (Cover: qobuz)

Der härtere Gegner kam dann in Gestalt des SPL Phonitor Mk3, seit seinem Test eine der Referenzen bei LowBeats. Gegen dessen ausgefeilte Crossfeed-Schaltung (die den Kopfhörer wie einen Lautsprecher im Raum vor dem Hörer positioniert) können klassische Kopfhörer-Verstärker wenig ausrichten – außer gut zu klingen. Genau das macht der OVO. Er klingt diesen Tick feiner, plastischer und wärmer als der SPL und schiebt sich deshalb als Vorstufe ein ordentliches Stück vor den Phonitor. Ich sage es mal so: Als alles richtig eingestellt war und ich auf dem T+A eine ganze Liste meiner Lieblingsmusik zusammengestellt hatte, wollte ich nicht mehr aufhören, Musik zu hören: Mit dem ATB92 und vor allem dem Fezz OVO klang es einfach unverschämt gut…

Fazit Fezz Audio OVO EVO

Der OVO ist ein faszinierend gut klingender Kopfhörerverstärker und eine ebenso gut klingende Stereo-Vorstufe. Während aber im Kopfhörerbereich vieles luxuriös geregelt ist, bleibt die Ausstattung der Vorstufe spartanisch. Schade. Da helfen auch die aufpreispflichtigen Zusatzmodule für Bluetooth, Phono-MM oder Digital (Coax/optisch) wenig.

Fezz Audio OVO EVO Farben
Schwarz, Silber, Weiß, Rot, Burgund, Champagner, Evergreen (Grün) – die zahlreichen Farb-Varianten des OVO EVO (Foto: Fezz Audio)

Doch das ändert nichts am Urteil: Wer mit den wenigen Eingängen auskommt, findet mit dem OVO EVO eine anspruchsvoll-audiophile Vorstufe mit überlegen klingendem Kopfhörer-Ausgang. Und besonders schön: Fezz bietet ja nicht weniger als sieben Farben an – eine attraktiver als die andere…

Fezz Audio OVO EVO
2025/12
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Enorm Klangfarben-reiche und Kontoren-scharfe Wiedergabe
Praxisgerechte Anpassoptionen – elegant über großformatige Schalter
Verarbeitung topp, sieben Farben zur Auswahl
Nur zwei Eingänge, nur ein Zusatz-Modul einsetzbar

Vertrieb:
Audium
Catostr. 7b
812109 Berlin
www.audium.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Fezz Audio OVO EVO: 3.495 Euro
Erweiterungsmodule BT, Phono/MM und S/PDIF: 299 Euro

Technische Daten

Fezz Audio OVO
Konzept:Class-A Kopfhörer-Verstärker mit Röhren im Ausgang
Röhrenbestückung:1x 12AU7, 2 x EL84, leicht zu wechseln
Ausgangsleistung:1,5 Watt
Eingänge:1x Cinch, 1x XLR
Ausgänge:1x Cinch, 1x XLR, 1x 6,3-mm-Klinke, 1x 4,4-mm-Pentaconn
Empfohlene Lastimpedanz:16–600 Ω, in 3 Bereichen (LOW, MID, HIGH)
Farben:Schwarz, Silber, Weiß, Rot, Burgund, Champagner, Evergreen (Grün)
Besonderheit:Aufrüstbar durch Einschub-Module: Digital, Streaming, Bluetooth
Abmessungen (B x H x T):
35,5 x 9,5 x 38,0 cm
Gewicht:10,5 Kilogramm
Alle technischen Daten
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