ende
Home / Test / Professional Fidelity / Test Mackie MR824 – Aktiver Studio-Monitor für 500 Euro das Paar

Test Mackie MR824 – Aktiver Studio-Monitor für 500 Euro das Paar

Im LowBeats-Messlabor zeigte der Mackie MR824 denn auch ein sehr ordentliches Intermodulations-Spektrum (siehe nachfolgende Diagramme). Der hierbei herrschende Spitzenwert für den Schalldruckpegel in 1 Meter Abstand betrug knapp 105 dB SPL – mit 111 dB SPL für beide Monitore zusammen entspricht das ziemlich genau den Herstellerangaben.

Vorwärts Zurück
Mackie MR824 IM spectrum fullrange
IM-Spektrum Mackie MR824 im Full-Range-Betrieb: Die hörbare Verzerrungsgrenze wird zunächst bei etwa 800 Hertz erreicht. Der mittlere Schalldruckpegel beträgt hierbei 92 dB SPL (1m). Die selektiven Pegelspitzen und -einbrüche bei 60, 170 und 600 Hertz sind nicht Lautsprecher-, sondern raumbedingt (Diagramm: J. Schröder)
Mackie MR824 IM spectrum hp 80Hz
IM-Spektrum Mackie MR824 mit aktiviertem 80-Hz-Filter für simulierten Subwoofer-Betrieb: Im Vergleich zum Full-Range-Betrieb sinken die Intermodulationsverzerrungen bei identischem, mittleren Schalldruckpegel (92 dB SPL/1m) um satte 10 dB. Die selektiven Pegelspitzen und -einbrüche bei 60, 170 und 600 Hertz sind nicht Lautsprecher-, sondern raumbedingt (Diagramm: J. Schröder)
Vorwärts Zurück

Was die elektrische Signalverarbeitung angeht, setzt der Mackie MR824 vom Eingang bis zum Ausgang konsequent auf bewährte Analogtechnik. Class-D-Schaltverstärker? Ebenfalls nein danke: Auch als Kraftquelle zum Antrieb der Lautsprecher kommen analoge Leistungsendstufen in Class-AB-Schaltungstechnik zum Einsatz – mit Nennleistungen von 55 Watt für den Tiefmitteltöner beziehungsweise 30 Watt für den Hochtöner.

block diagram Mackie MR series
Blockschaltbild der Mackie-MR-Aktivmonitor-Famile. Der Aufbau ist bei allen drei Modellen identisch. Die eingezeichneten „Parkbuchten“ sind Ausdruck des typischen Mackie-Humors (Grafik: Loud Technologies)

Eingangsseitig verbindet sich der Mackie MR824 mit Mischpult, Audio-Interface oder Preamp entweder symmetrisch via XLR- sowie 6,3-Millimeter-TRS-Klinkenbuche oder aber unsymmetrisch via RCA-Buchse. Ein Pegelsteller mit kalibrierter Rastposition erlaubt dabei das Anpassen der Eingangsempfindlichkeit an die Signalquelle.

Mackie MR824 rear panel
Die rückseitigen Anschlussmöglichkeiten beim Mackie MR824 genügen in der Praxis vollauf (Foto: Mackie)

Eher rudimentär fielen beim Mackie MR824 die Filter zur Ortsanpassung aus – immerhin sind sie vorhanden, was längst nicht für alle Aktivlautsprecher gilt, die das Kürzel „Pro“ im Namen führen.

Zunächst mal wäre da ein dreistufig schaltbares Tiefenfilter – die Positionen sind folgenden, in der Praxis meist anzutreffenden Standorten zugewiesen: A = Freie Aufstellung im Raum, B = Platzierung nahe einer rückseitigen Wand, C = Platzierung in Richtung der Raumecken. Des Weiteren findet sich noch ein ebenfalls dreistufiger Umschalter zum Anheben und Absenken des Hochton-Bereichs um jeweils 2 Dezibel – natürlich inklusive einer 0-dB-Position.

Mackie MR824: Hörtest

Der Grundcharakter des Mackie MR824 geht eindeutig in die volltönend-warme statt in die analytisch-kühle Richtung. Warm und substanziell heißt aber keineswegs mollig oder unkonturiert – nur liegt sein Schwerpunkt eher auf warmer Tonalität mit einem schubkräftigen Unterbau.

Damit ist der Mackie MR824 ein angenehmer Begleiter: Wer mit ihm arbeitet, kann daher ganz sichergehen, am Ende des Tages noch immer gern Musik hören zu können – und zu wollen.

Dabei besitzt der Mackie MR824 durchaus die nötigen analytischen Fähigkeiten: Bedingt durch sein kontrolliertes Abstrahlverhalten bleibt die räumliche Abbildung weitgehend unbehelligt von Raumreflexionen, sodass man die auf der Stereobasis verteilten Phantomschallquellen eindeutig orten kann. Auch werden hierdurch echte oder künstliche akustische Umgebungen in der Aufnahme ausgesprochen gut hörbar.

Das mag für HiFi-Fans vielleicht etwas „trocken“ und unspektakulär klingen, schafft aber fürs Arbeiten am Pult sehr gute Voraussetzungen. Der Mackie MR824 ist auf jeden Fall ein Monitor, dem man trauen kann.

In tonaler Hinsicht gilt dasselbe. Selbst mit kritischem Material wie dem nachfolgenden Mín Móðir in der Live-Version der färöischen Musikerin Eivør lässt er keine merklichen spektralen Übertreibungen erkennen – was dem Waveguide vor dem Hochtöner ein gutes Zeugnis ausstellt. Denn besonders im gehörkritischen oberen Mitten- und Präsenzbereich entstehen mit „geladenen“ Hochtönern schnell Vordergründigkeiten.

Damit hat der Mackie MR824 definitiv nichts am Hut. Dennoch zeigt er in dieser Region den nötigen Biss, der seinen Benutzer denn auch schon mal dazu animiert, beispielsweise ein Gitarrensolo richtig laut abzuhören.

Das macht mit dem MR824 durchaus eine Menge Spaß, weil er einiges an dynamischem Temperament mitbringt. Gerade bei gehobenen Lautstärken zeigt sich denn auch, dass sein tonal eher warmes Timbre sehr vorteilhaft ist: Er kann ordentlich laut, ohne dass die Ohren klingeln.

Besonders gut gefiel mir denn auch seine unverblümte, dabei aber stets angenehme Direktheit – er ist eine ehrliche Haut und gibt keine Rätsel auf, welche Ursachen klangliche Ereignisse haben. Besonders positiv macht sich das bemerkbar beim Arbeiten mit dicht produziertem Material – wie etwa beim ziemlich crunchy daherkommenden Skeksis vom britischen Musiker und Produzenten Stumbleine.

Gibt’s denn überhaupt nix zu meckern am MR824? Nichts Grundsätzliches: Ja, es gibt sicherlich Lautsprecher, die noch mehr feindynamische Auflösung und Detailreichtum zeigen. Auch gibt es solche, die im Bassbereich noch straffer und massiver zupacken.

Dennoch lässt sich mit den klanglichen Eigenschaften des Mackie MR824 wirklich sehr gut leben und vor allen Dingen auch arbeiten – und genauso ist er von seinen Entwicklern auch gedacht.

Mein Tipp: Kombiniert man den MR824 mit dem passenden Subwoofer Mackie MRS10 (400 Euro), lässt sich nicht nur der unverzerrte Schalldruckpegel im Tieftonbereich steigern. Auch sinken die Intermodulationsverzerrungen im Bereich von 800 Hertz noch mal sehr deutlich um 10 dB, was der tonalen Sauberkeit im oberen Mitten- und Präsenzbereich zugutekommt.

Mackie MR824: Fazit

Zusammenfassend braucht man über den Mackie MR824 nicht viele Worte zu verlieren: Er ist ein angenehm voll klingender Monitor mit gutmütigen und kalkulierbaren Eigenschaften. Als echter „Mackie“ ist er zudem mechanisch robust und zeigt sich praxisgerecht ausgestattet. Zu dem Preis ein echter Knaller.

Weitere Nahfeld-Monitore:
Test Nubert nuPro A-200: der kompakte Aktivlautsprecher
Test: Aktiver Nahfeld-Monitor Elac AM 200
Test Aktivlautsprecher-Set Eve Audio SC203

Mackie MR824
2017/11
Test-Ergebnis: 4,5
Überragend
Bewertung
Klang:
Praxis:
Verarbeitung:

Gesamt:

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Voller, konturierter und stressfreier Klang
Pegelfest
Sehr gute, verlässliche Raumabbildung
Praxisgerechte Ausstattung und solide Verarbeitung

Vertrieb:
ComLine
24941 Flensbzrg
Lise-Meitner-Straße 16
www.comline-shop.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Mackie MR824: 500 Euro (Paarpreis)