Es ist schon zehn Jahre her, dass ich mit der Marantz AV8802 einen großen Surround-Vorverstärker der Japaner getestet habe. Der allerdings war/ist so gut, dass er noch immer seinen Dienst tut. Dennoch wurde es Zeit, sich den spannendsten seiner Nachfolger samt passender 12-Kanal-Endstufe aus dem mittlerweile recht großen AV-Programm der Japaner anzuschauen. Marantz AV20 und Marantz AMP20 heißen die Zwei, und sie bestechen durch eine schier überbordende Ausstattung – für einen in dieser Dimension durchaus attraktiven Preis von je 5.800 Euro.
Äußerlich hat sich an den Marantz-Komponenten einiges geändert. Die glatten, runden Pausbäckchen sind dem Riffelmuster mit dezenter Beleuchtung der Konturen gewichen. Und die glatte Front ist nun mattiert. Ein über Jahrzehnte gebliebenes Markenzeichen ist das zentrale Bullauge, in dem sich je nach Gerätegattung Zeigerinstrumente oder moderne Displays finden. Hier ist es einerseits die reduzierte Statusanzeige beim Prozessor und andererseits das klassische, mechanische Zeigerinstrument in der Endstufe, welches – weil es ja nur eines und nicht 12 gibt – die abgegebene Leistung des Kanals 1 anzeigt.
Ausstattung Marantz AV20

Wie immer gibt der Vorverstärker hinter seiner breiten Klappe ein großes, zweizeiliges Display und eine Reihe von Direkttasten frei. Gab es früher auch einige von Anschlüssen hinter der Klappe, sind davon nur noch die Miniklinke für das Einmessmikrofon und ein USB-Anschluss übriggeblieben. Die ausgewachsene Klinkenbuchse für Kopfhörer ist nach draußen gewandert. Schön: Die Kopfhörer lassen sich auch per Bluetooth betreiben, sogar mit separater Lautstärkeregelung. Geschmackssache: Die zwei Displays haben unterschiedliche Farben.

Ein Blick auf die Rückseiten des Marantz-Duos dokumentiert die reichhaltige Ausstattung. „Voll“-Ausstattung stimmt dabei eigentlich nur in Relation zum Preis, denn tatsächlich verarbeitet die größere Marantz-Kombi namens AV10 und AMP10 jeweils noch ein paar Kanäle mehr, dafür sind dann aber auch gut 3.000 Euro zusätzlich zu veranschlagen. Davon abgesehen gleichen sich die Geschwister-Kombis sehr. Der AV20 jedenfalls bietet Anschlüsse für 15 Kanäle und kann maximal 13 davon gleichzeitig ansteuern. Das ermöglicht verschiedene Setups abhängig vom gewählten Codec. Man kann beispielsweise mit Auro-3D einen Voice-of-God und Height-Center konfigurieren oder bei Dolby Atmos stattdessen mittlere Deckenkanäle einbinden.

Vier Subwoofer kann der Marantz ansteuern und je nach Einsatzzweck recht flexibel zuweisen. Das schließt bei Erwerb einer Dirac-ART-Lizenz die Verwendung für die aktive Raumkorrektur mit ein. Im Bassmanagement lässt sich einstellen, ob man alle angeschlossenen Subwoofer gemeinsam (Mono) oder separat nach links/rechts bzw. vorne/hinten verwendet – oder vorn links/rechts und hinten. Oder man ordnet gleich alle vier komplett separat (vorne links, vorne rechts, hinten links und hinten rechts) zu. Flexibler geht es kaum.

Auch die Eingangsseite des AV20 zeigt sich bestens bestückt. So gibt es weiterhin einen analogen XLR-Eingang und einen einfachen, aber gut klingenden Phono-MM-Eingang mit separater Erdungsklemme. Ebenfalls im Bild zu sehen sind Anschlüsse für die Steuerspannung externer Geräte: Drei 12V-Trigger-Ausgänge ermöglichen es, beispielsweise Subwoofer gemeinsam mit dem AV20 ein- und auszuschalten. Zudem steht eine USB-Buchse mit 5V und immerhin 1,5 Ampere zur Verfügung, um etwa Funksender mit Strom zu versorgen.

Die digitale Welt findet per LAN-Kabel (bevorzugt), WLAN (Wi-Fi) oder Bluetooth ihren Weg zum Marantz. Dabei dienen die erstgenannten neben dem Streaming von Musik primär der täglichen Steuerung per App oder Webbrowser. Aber auch wer die intelligenteren Einmesssysteme wie die Audyssey App oder gar Audyssey Pro oder Dirac Live anwenden möchte, muss eine Netzwerkverbindung herstellen. Ein paar digitale Cinch- und Toslink-Eingänge sollten reichen, und auch die sieben HDMI-Eingänge wird kaum jemand gleichzeitig belegen.

Die vielleicht wichtigste Audioquelle verbirgt sich unter einem gravierten Schirmblech im Inneren: Das HEOS-Modul sorgt für Musik vom eigenen Server (DLNA) genauso wie für Internet-Radio und die wichtigsten Streamingdienste aller Herren Länder – von Spotify bis Qobuz und seit einiger Zeit ist sogar direktes Zuspielen via Roon möglich. Ob hochkomprimiert, neueste Codecs für Bluetooth oder High-Res-Streaming: Das läuft alles über diese Platine und stellt die klanglich audiophilste Quelle im Marantz AV20 dar.

Und da wir schon mal den Deckel abgeschraubt haben: Hier ist der Blick auf die Marantz-typischen, diskret aufgebauten HDAM-Ausgangstreiber, die für ordentlich Strom und Bandbreite auf der analogen Ausgangsseite sorgen. Sie sind der edle Ersatz für die ansonsten gängigen Operationsverstärker-Chips an dieser Stelle – mit Vorteilen bei der Bandbreite und dem Störabstand, sprich: Dynamik.
Ausstattung Marantz AMP20

Das auffälligste Merkmal auf der Front des mächtigen 12-Kanal-Verstärkers ist das VU-Instrument, das die abgegebene Leistung symbolisiert. Es reagiert auf den Kanal 1 und dokumentiert in etwa die verbleibenden Leistungsreserven. Die Beleuchtung lässt sich abschalten.

Das Bild zeigt, dass die Verstärker in paarweisen Einschüben integriert sind. Es gibt sechs zweikanalige Einschübe. Die Kanalpaare lassen sich separat betreiben oder zusammenschalten, sodass man wahlweise aus beiden Endstufen dasselbe Eingangssignal für Bi-Amping bekommt oder im Brückenbetrieb die doppelte Leistung erhält.
Blicken wir in den AMP20. Sehr konsequent setzt Marantz auf separate Netzteile für die Eingangsseite mit einem gekapselten Ringkerntrafo und einem großem Schaltnetzteil für die kraftvollen Endstufenmodule, die von ICEpower stammen.
Die Endstufenmodule sitzen senkrecht in Reih und Glied im Gehäuse und benötigen nur wenig Kühlung. Der Wirkungsgrad ist so hoch, dass es erstaunlich wenig Abwärme gibt. Der einzige Ventilator kühlt tatsächlich das riesige Schaltnetzteil. Die massiven Messingschienen, welche die Endstufen mit Energie versorgen, demonstrieren anschaulich, welche Energien hier fließen können. Ihr Signal erhalten die Endstufen von den Eingangsstufen mit HDAM-Schaltungen, wie sie auch der Vorverstärker an seinen Ausgängen verwendet.
Der Blick ins Innere zeigt zudem, wie viel Wert (zu Recht!) die Entwickler auf einen guten mechanischen und damit auch elektrischen Kontakt legen. Die komplett nach außen hin isolierten Lautsprecherklemmen erlauben neben Bananensteckern im Mittelloch auch Kabelschuhe, verdrillte Litzen oder Ader-Endhülsen an den Lautsprecherkabeln. Für diese müssen die Schraubklemmen auch sicher und kraftvoll zupacken. Ein Handschlüssel, der dem AMP20 beiliegt, vergrößert den Durchmesser und damit die Hebelwirkung beim Zuschrauben für ein besseres Drehmoment. Das sorgt für einen sichereren Sitz und besseren elektrischen Kontakt, als wenn man versucht, die Klemmen ohne das Hilfsmittel zuzudrehen.
Handhabung und Einrichtung
Ungewöhnlich umfangreich sind auch die Möglichkeiten, die Endstufe zu steuern beziehungsweise ein- und auszuschalten. Vorbildlicherweise liegt ein kurzes Miniklinken-Kabel bei, mit dem die AV20 das Kraftwerk per AMP CONTROL-Buchse mit ein- und ausschaltet. Auto-Standby kann die automatische Abschaltung deaktivieren, die gemäß Energieverordnung das Gerät nach einer Weile Stille in den Schlaf schickt. Dann gibt es den obligatorischen 12V-Trigger mit Ein- und Ausgang, einen Infrarot-Repeater-Anschluss, einen Marantz-Fernsteuer-Anschluss mit Durchschleifung und für professionelle Raumsteuer-Systeme á la Control4 und Crestron eine serielle Schnittstelle.

Die klassische Fernbedienung hat im Alltag sicher immer noch ihre Berechtigung. Wer will schon, nur um mal die Stummschaltung zu aktivieren, weil das Telefon klingelt, erst das Smartphone oder Tablet nehmen, es entsperren und die App aufrufen? Der Handgeber ist gewohnt ergonomisch mit haptisch angenehmen Tasten, die in logischen Gruppen angeordnet sind. Im dunklen Heimkino leuchten die Beschriftungen glasklar.
Die Marantz Remote App ist für Android, iOS und iPadOS verfügbar. Im folgenden Bild ist die Variante des iPads zu sehen. Sie hat für Technik-affine Nutzer unter anderem den Vorteil, dass sie direkt und übersichtlich über die Signalarten, sowie die aktiven Kanäle und angesteuerten Lautsprecher informiert. Das wirkt alles übersichtlich und ist tatsächlich ein Mehrwert gegenüber manchen Mitbewerbern, die mehr oder weniger nur die Infrarot-Fernbedienung per App ersetzen.

Zum Einrichten des Marantz AV20 öffnet die App (intern) allerdings den Webbrowser und nutzt das Webinterface, das man natürlich auch mit jedem anderen Browser verwenden kann. Hier lassen sich die Konfigurationen und das Feintuning erledigen, sowie die getätigten Einstellungen auf die Festplatte oder einen Memory-Stick sichern und gegebenenfalls wieder zurückspielen.

Die zweite App, die wohl jeder Denon- und Marantz-Anwender installiert, ist die HEOS-App. Hier ist alles zum Thema Musik und Streaming zusammengefasst, und sie ist in Anbetracht der großen Angebots- und Funktionsfülle erfreulich übersichtlich. Remote App und HEOS lassen sich auch gegenseitig aufrufen, wenn man oben rechts in die Ecke klickt. So verschmelzen die beiden im Alltag mehr oder weniger zu einer einzigen. Neben der Musikauswahl und Multiroom-Steuerung lassen sich für jedes aktuell angewählte Gerät sämtliche Alltagsfunktionen wie Eingangswahl und Soundmodi ebenfalls handhaben. Außer zur Geräte-Einrichtung und Kalibrierung kommt man im Grunde mit der HEOS-App aus.
Praxis und Klangvergleich
Bevor es ins Detail ging, interessierte mich der Klangunterschied der Hardware, insbesondere was sich bei den Vorverstärkern getan hat. Also habe ich LowBeats’ altgediente Referenz Marantz AV8802A zum Vergleich geholt und im Wechsel mit dem Marantz AV20 im Pure-Direct-Modus an aktiven JBL LSR4328P per XLR gehört. Da das alte Schätzchen noch kein HEOS an Bord hat, diente für beide eine Roon-Zuspielung per SPDIF als Quelle. Und wie soll ich sagen: Die alte Maschine zeigte in jedem Falle eine charaktervollere Darstellung mit erdigen Klangfarben und federnder Musikalität.
Der AV20 wirkte nüchterner und brillanter, dadurch etwas schlanker, aufgeräumter und feiner aufgelöst. Der 8802A spielte aber auch gemütlicher, wo die neue Maschine dynamischer und leichtfüßiger wirkte. Die ehemaligen Marantz-Granden Ken Ishiwata und Rainer Finck hätten die AV20 sicher etwas wärmer abgestimmt. Aber sie sind leider verstorben (Ken Ishiwata) oder nicht mehr an Bord (Reiner Finck) und haben so keinen Einfluss mehr auf den Marantz-Klang. Und so klingt die neue Marantz-Vorstufe eher Denon-typisch – was ja auch nicht verkehrt ist. Und wer weiß, wie man mit Audyssey oder Dirac eine Abstimmung trimmt, kann die Tonalität ohnehin selbst bestimmen. Wichtig ist nur, dass die dynamisch-verzerrungsarme Basis stimmt. Und das ist hier fraglos gegeben.

Charakterlich passt der Marantz AV20 jedenfalls wunderbar zur 12-Kanal-Endstufe Marantz AMP20. Die bietet mit ihren modernen Schaltverstärkern eine wunderbare Balance aus Kraft und Feinsinnigkeit. Das wirkt alles im positiven Sinne neutral – will heißen, die AMP20 wird praktisch jedem Programm gerecht. Wirklich genial gelöst ist eben auch die Beschaltung, die einzelne Kanäle, Bi-Amping für mehr Kontrolle, oder Brückenschaltung für eine de facto doppelte Leistung, ermöglicht. Diese Möglichkeiten stehen für jedes der sechs zweikanaligen Module offen. Der Klangcharakter oder die Auflösung ändern sich dabei nicht, es stehen aber einige Dezibel mehr an Schub zur Verfügung.
Fazit: Marantz AV20 und Marantz AMP20 – können wirklich alles!
In Sachen Ausstattung und Universalität dürfte diese Marantz-Kombi aktuell nicht zu schlagen sein. Der oft, aber nur selten zu Recht bemühte Begriff „Vollausstattung“ trifft hier sowohl auf den Marantz AV20 Vorverstärker und erst recht auf die 12-Kanal-Endstufe Marantz AMP20 zu. Während die meisten Endstufen vielleicht noch mit symmetrischen Eingängen aufwarten, gibt es hier zudem vielfältige Steuerungsmöglichkeiten, Bi-Amping und Brückenbetrieb. Und das mit modernsten, bis zu 400 Watt starken Schaltendstufen, die eine Menge Kraft und gleichzeitig eine feinfühlige Detailwiedergabe bieten.
In Sachen Ausstattung aber schießt die Vorstufe Marantz AV20 den Vogel ab. Ob aktuellste HDMI-Standards mit drei Ausgängen, wirklich alle Surround-Decoder von Dolby, DTS und Auro, plus aller Immersive Audio und Upmixer-Varianten – alles ist an Bord. Selbst analoge Video-Eingänge und Phono gibt es noch. Und dank HEOS sind alle wichtigen Streamingdienste, lokale Netzwerkquellen und Roon Ready an Bord. Man kann Bluetooth-Signale empfangen und umgekehrt den Ton des AV20 per Bluetooth auf einem Kopfhörer wiedergeben. Eine gute Infrarot-Fernbedienung, die ausführliche App und das Webinterface lassen alle Möglichkeiten offen.
Wenn es um Raumanpassung und klangliches Feintuning geht, sind alle Audyssey-Einmessungen und (gegen Aufpreis) auch sämtliche Dirac-Live- und ART-Varianten möglich, weil die DSPs dafür genügend Speicher und Rechenpower bieten. Schließlich klingt er auch noch angenehm, fein auflösend, glockenklar und neutral. Ob Film oder Musik: egal. Die Kombi ist jedenfalls so gut und so prall ausgestattet, dass der Griff zu den noch größeren Modellen Marantz AV10 und AMP10 wohl nur in den wenigsten Fällen Sinn ergibt.


| | Echte Vollausstattung |
| | Audyssey und Dirac (optional) |
| | Alle Decoder/Upmixer von Dolby, DTS, Auro-3D |
| | HEOS Streaming/Multiroom |
Vertrieb:
Marantz Deutschland
D&M Germany GmbH
Poensgenstraße 7
41334 Nettetal
www.marantz.com
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Marantz AV20: 5.800 Euro
Marantz AMP20 | 2026/03 |
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Überragend | |
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Klingt kraftvoll & fein |
| | Paarweise Bi-Amping oder Brückenbetrieb |
| | Optionen zur Steuerung |
| | Geringe Wärmeentwicklung |
Vertrieb:
Marantz Deutschland
D&M Germany GmbH
Poensgenstraße 7
41334 Nettetal
www.marantz.com
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Marantz AMP20: 5.800 Euro
| Marantz AV20 | |
|---|---|
| Konzept: | AV-Vorverstärker mit 13.4 Kanälen, 15.4 Kanal Ausgänge |
| Processing: | DTS-HD, DTS:X, DTS:X Pro, DTS Virtual:X, DTS Neural:X, Dolby TrueHD, Dolby Atmos, Dolby Atmos Height Virtualization, Dolby Atmos Music, Dolby Surround, IMAX Enhanced, Auro 3D, 360 Reality Audio, MPEG H |
| Einmessung: | MultEQ XT32, Dirac Live Room Correction/Bass Control/ART (optional) |
| Streaming: | HEOS integriert |
| Multiroom: | Analog, HDMI, HEOS, Roon |
| Abmessung (BxHxT): | 442 x 189 x 457 mm, 442 x 255x 457 mm inkl. Antennen |
| Gewicht: | 15 kg |
| Alle technischen Daten | |
| Marantz AMP20 | |
|---|---|
| Konzept: | Endstufe mit 12 Kanälen |
| Eingänge: | 12 x Cinch, 12 x XLR symmetrisch, kanalweise wählbar |
| Funktionen: | Je Kanalpaar Bi-Amping oder Brückenbetrieb (BTL) schaltbar |
| Leistung je Kanal: | bis 200 Watt (8 Ω), bis 400 W (4 Ω), bis 400 W BTL (8 Ω) |
| Abmessung (BxHxT): | 442 x 189 x 442 mm |
| Gewicht: | 18 kg |
| Alle technischen Daten | |
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