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Test Player/Verstärker-Kombination Marantz KI Ruby

Der Player der Marantz KI Ruby Kombination: SA-KI Ruby

Ohne den beiden Ruby-Masterminds Ken Ishiwata und Rainer Finck zu nahe zu treten: Man darf sicherlich unterstellen, dass die wesentlichen Forschungsarbeiten für die Marantz KI Ruby Kombination bereits 2015/16 stattfanden – nämlich als Grundlage für die „großen“ 10er Modelle. Die Herausfoderung bei der Ruby-Kombination war eher, mit viel Geschick den Technlogietransfer auf ein noch bezahlbares Niveau umzusetzen.

Marantz KI Ruby Rainer Finck
Rainer Finck ist einer der kompetentesten Digtalentwickler Deutschlands. Die von Marantz vor zwei Jahren neu entwickelte MMM (Marantz Musical Mastering Streaming-Technologie) ist in weiten Teilen von ihm inspiriert (Foto: H. Biermann)

Die Ähnlichkeiten des Players zum SA-10 sind daher unübersehrbar. Die Wesentlichste ist dieser Punkt: Jedes eingehende Signal wird von zwei Prozessoren auf DSD256-Niveau gehievt. Das Upsampling auf ein so hohes Niveau bewirkt, folgt man Rainer Finck, dass die Filterstufen vergleichsweise flach ausfallen können. Das ist dann schon fast analog. MMM (Marantz Musical Mastering Streaming-Technologie) nennt Marantz dieses Konzept, das uns schon beim SA-10 so gut gefallen hat.

Marantz SA-10 dual clock
Der Dual Clock rechnet die eingehenden Signale auf DSD256-Niveau hoch (Foto: Marantz)

Bei einer so aufwändigen und ausgefuchsten Digitalverarbeitung wäre es schade, könnten nicht auch externe Quellen das MMM nutzen. Der Marantz SA-KI Ruby hat daher vier zusätzliche Digitaleingänge. Neben den üblichen Cinch- und optischen Eingängen gibt es zwei USB-Eingänge: den asynchronen (USB-DAC) für hochauflösendes Audio bis PCM/DXD 384 kHz/32 Bit und DSD 11,2 MHz sowie den der 5V/1A-Eingang (rechts) zum Abspielen von USB-Sticks.

(Foto: H. Biermann)

Der Aufbau des SA-KI Ruby ist – wie der des Verstärkers – blitzsauber. Mit doppelwandigem Chassis, großem Ringkerntrafo und vielen diskret aufgebauten Schaltungen. Kein Wunder, dass hier über 17 Kilogramm zusammenkommen…

Marantz KI Ruby
Ein Blick unter die Haube des SA-KI Ruby: das Laufwerk sitzt mittig, das doppelwandige, verkupferte Chassis und der für einen CD-Player ziemlich großer Ringkerntrafo (links vom Laufwerk ) sorgen für das hohe Gewicht (Foto: Marantz)

Ein Wort noch zur Abspiel-Mechanik. SACD-Laufwerke sind mittlerweile absolute Mangelware am Weltmarkt. So mancher Hersteller musste seine SACD-Player-Produktion einstellen, weil die Laufwerke nicht mehr verfügbar waren. Das Laufwerk des Marantz SA-KI Ruby (namens SACDM-3) basiert auf einem Denon Universallaufwerk, welches der Konzern noch lange nutzen will und über dessen Verfügbarkeit er allein bestimmen kann. Die mechanische Qualität ist sehr ordentlich, der Einlesevorgang – wie bei allen SACD-Playern – diese eine Sekunde zu lang…

Marantz KI Ruby SACD Laufwerk
Das solide SACDM-3 Laufwerk ist Konzern-eigen. Da werden viele Mitbewerber neidisch… (Foto: Marantz)

So klingt die Marantz KI Ruby Kombination

Als Vorbereitung zum Verstärkertest hatte ich den Exposure 3010 S2D, den Dauerbrenner Atoll IN 300 sowie den aktuellen Referenz-Verstärker Cambridge Audio Edge A aufgebaut und konnte so vielfach quervergleichen. Was sofort auffiel: jeder der drei Referenz-Amps spielte lebendiger, offener, schneller als der PM-KI Ruby. Der Marantz hatte dennoch durchaus Vorzüge: Ein Saxophon, eine Geige hatten mit ihm immer wunderschöne Klangfarben: mit viel Schwärze und viel Schmelz. Auch zog der Marantz den Raum wunderbar weit auf. Das ist ansprechend schön, das tut selten weh, aber für eine mitreißende Performance muss man den PM-KI Ruby mit sehr lebendigen Lautsprechern kombinieren.

Infected_Mushrooms_Converting_Vegetarians
Infected Mushroom Converting Vegetarians (Cover: Amazon)

Die Wolf von Langa Audio Frame (wir haben sie gerade in der London Ausführung mit Lowther Breitbänder im Hörraum) harmonierte hervorragend gut mit ihm. Die Q Acoustics C 500 klang so perfekt, dass ich fast unterstellen würde, der Marantz Amp sei an ihr entwickelt worden. Doch an anderen Lautsprechern des LowBeats Referenz-Regals tönte der PM-KI Ruby etwas verhalten: mit der Dynaudio Contour 20, der B&W 805 D, der Monitor Audio Gold 200 (bald im Test). Das hatte alles seinen Charme, aber mir persönlich hat der PM-KI Ruby zu wenig Grip, zu wenig Attacke. Eine hart geschlagene Snare-Drum klang über die Vergleichsverstärker mitreißender und echter, obwohl der Marantz Leistung ohne Ende zu haben schien. Verglichen mit dem Hörraum-Champ Cambridge Audio Edge A konnte ich meine favorisierten Techno-Teststücke von Infected Mushroom (u.a. „Deeply Disturbed“) spürbar lauter hören.

Während der Hörtests bekam ich Besuch von einem Freund, von dem ich weiß, dass er jeden Tag viel Musik hört – vor allem Klassik. Über eine Dynaudio Contour 1.3SE. An der Dynaudio Contour 20 hörte er mit mir alle Konstellationen durch und alle angeschlossenen Verstärker fielen bei ihm durch: „Zu scharf“, war sein immer eintöniger werdender Kommentar. Bis ich den Marantz PM-KI Ruby ankabelte, der bei meinem Gast fast schon Jubel auslöste. „Genauso muss es klingen“, brach es aus ihm heraus. Das zeigt, wie unterschiedlich die Geschmäcker sein können. Und wie schwer es auch für die Hersteller sein muss, so etwas wie einen Universal-Geschmack abzudecken. Doch davon ist der PM-KI Ruby recht weit entfernt. Er hat halt einen warmen, leicht schönfärbenden Charakter.

Marantz KI Ruby PM + SA Beleuchtung
Blaue Stunde: Die beiden Komponenten der Marantz KI Ruby Kombination im LowBeats Hörraum. Im Dunkeln machen die beiden mit ihrer auffälligen Beleuchtung natürlich einiges her  (Foto: H. Biermann)

Aber, ich hatte es oben schon angedeutet, die eigentliche Sensation dieser Marantz KI Ruby Kombination ist der Player. Wir hatten ja den SA-10 lange im Haus und ausgiebig Zeit zum Testen. Er entwickelte sich bei LowBeats zur Top-Quelle, denn auch der Wandler des SA-10 ist überragend. Die für ihn entwickelten Filterstufen und das geschickte Upsampling kommen auch im SA-KI Ruby zum Einsatz – und das hört man. Wir hatten den SA-10 leider nicht mehr zum Vergleich, aber aus der Erinnerung heraus spielt der SA-KI- Ruby nicht viel schlechter…

Es ist diese ungemeine Leichtigkeit und Mühelosigkeit, mit welcher der SA-KI Ruby durch alle Aufnahmen geht. Da hört man hier und dort ein Detail mehr, da raschelt es im Konzertsaal erkennbarer. Als Zuhörer wird man noch intensiver in die Aufnahme gezogen.

Und dabei scheintes auch fast egal zu sein, ob nun eine CD, eine SACD oder HiRes per DVD-ROM eingelegt wird: durch das geschickte Hochrechnen auf DSD256 gewinnen fast alle Aufnahmen. Ich will die Vorzüge der SACD an dieser Stelle nicht herabwürdigen: Sie sind auf dem SA-KI Ruby sehr wohl hörbar. Nur klingt der SA-KI Ruby halt auch mit normalen CDs richtig gut.

Jedenfalls erkennbar besser als unser verfügbaren Vergleichs-Player von Exposure (3010 s2 CD) und Musical Fidelity (M6scd). Beide sind großartige CD-Player, aber der Marantz meisterte alles müheloser. Die Obertöne von Gitarren sirrten feiner, Glöckchen hatten einen noch klareren Klang.

Dies liegt natürtlich an der speziellen Bearbeitung des Musiksignals und an der Qualität der Marantz Wandler. Die eingebauten DACs des Cambridge Audio Edge A halte ich für richtig gut. Doch auch den Vergleich mit diesem DAC entschied die Digitalstufe des Marantz für sich: Analog mit dem Cambridge Amp verkabelt, hatte der Marantz-Player noch etwas mehr „Luft“ und Selbstverständlichkeit in der Wiedergabe, als wenn man nur sein Laufwerk nutzte und (verbunden per optischem Kabel) die D/A-Wandlung dem Cambridge Edge überließ.

Marantz SA-KI Ruby
Auch im neuen, kleinen Hörraum von LowBeats war der Marantz SA-KI Ruby während seiner Zeit bei uns Top-Quelle und Top-Wandler (Foto: H. Biermann)

Und so wurde der SA-KI Ruby während seiner LowBeats Zeit zu einer der meistgenutzten Komponenten: als Player und als Wandler. Jammerschade, dass er wieder zurück musste; ein gleichwertiger Ersatz ist schwer zu finden.

Fazit Marantz KI Ruby

Der Verstärker ist erwartungsgemäß gut, enorm leistungsstark und hat einen – wie man es von einem Ken-Ishiwata-Jubiläums-Amp erwarten durfte – recht warmherzigen Charakter. Das ist nichts für jedermann und in der Preisklasse um 4.000 Euro gibt es starke Konkurrenz. Aber der PM-KI Ruby hat eine erkennbare Persönlichkeit und ist adressiert an Musikhörer, die das Dezente und Warmherzige schätzen – und an solche, die ihre übermäßig lebendigen Lautsprecher auf elegante Weise etwas zähmen wollen.

Aber er verblasst gegen den CD/SACD-Player, der nicht nur im Verbund mit diesem Verstärker brilliert, sondern fast jede anspruchsvolle Anlage aufwerten kann.

Ich habe viele Bekannte mit tausenden von CDs und SACDs zu Hause, die auf der Suche nach einem „finalen“ Player sind und dafür durchaus kleinere fünfstellige Summen ausgeben würden. Müsst ihr nicht, Freunde. Der Marantz SA-KI Ruby bringt alles mit, was so ein „finaler“ Player haben muss – zum Beispiel die SACD-Abspielfähigkeit und ein herausragend natürlich-feines Klangbild.

Dass zudem das Laufwerk des SA-KI Ruby Konzern-eigen ist und hier auch langfristig keine Engpässe durch unkontrollierbare Zulieferer drohen, empfinde ich als weiteren, schwerwiegenden Vorteil. Dazu hat er einen fantastischen Wandler, der auch andere Digitalquellen enorm aufwertet. Viel besser geht es nicht.

Und so fällt die Quintessenz etwas zwiegespalten aus: Der Marantz SA-KI Ruby ist trotz seiner 4.000 Euro günstig. HiFi-Fans, die noch auf digitale Tonträger stehen und vor allem auf den besten Klang aus sind, sollten mit diesem Player liebäugeln. Obwohl Marantz eher in Kombinationen denkt, wird Ihnen der Händler des Vertrauens das Schmuckstück sicher auch einzeln verkaufen.

Fans der Marke müssen sich eigentlich die komplette Kombi kaufen. Am besten mit gematchen Nummern; das steigert sicher irgendwann einmal den Wert…

Die Bewertungen der beiden Ruby-Komponenten in der Slideshow:

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Marantz KI Ruby
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Damals…:
Marantz Model 2238B: Vintage-Receiver von 1978

Mit- und Gegenspieler:
Erster Test: Vollverstärker Cambridge Audio Edge A
Test Exposure 3010 S2D: Hohe Dynamik & Agilität
Test Atoll IN 300: DAC-Amp mit Kraft und Feindynamik
Test Dynaudio Contour 20: Absolute Natürlichkeit
Test B&W 805 D3: Maßstab der Kompaktklasse