Mit der X-Serie baut Ortofon nicht einfach eine weitere Runde erschwinglicher MC-Systeme. Die Dänen wollen mit den vier Modellen neu definieren, was man von MC-Tonabnehmern der jeweiligen Preisklasse überhaupt erwarten kann. Beim Ortofon MC X30 für 700 Euro gelingt das in unseren Ohren besonders gut.
Tradition wird in der Analogwelt generell großgeschrieben. Niemand würde heute einen neuen Streamer akzeptieren, dessen Bedienkonzept aus dem Jahr 2007 stammt. Bei Tonabnehmern sieht das anders aus: Dein System kommt ohne Nadelschutz? Find dich damit ab, Sportsfreund. No risk, no fun! Die deinem Japan-MC beiliegenden Schlitzmuttern sind winzig, außen rund und von keinem Werkzeug der westlichen Welt zu greifen? Dann lass sie halt nicht fallen und pack sie beim Anziehen mit dieser rostigen Spitzzange hier. Auch von völlig törichten Designentscheidungen trennt man sich nur ungern, wenn sie nur lang genug de facto Standard waren.
Aber es geht auch anders: Mit der X-Serie löst Ortofon nicht nur die bewährten Quintet-MCs ab, die über zehn Jahre lang den Einstieg in die MC-Welt des Herstellers markierten. Der dänische Tonabnehmerriese zeigt sich dabei auch wirklich innovativ, mit neuen Werkstoffen und Methoden, die andere Manufakturen entweder gar nicht oder nur zu viel höheren Preisen einsetzen. Auch als Fan von Phonofossilien wie dem Denon DL-103 (vorgestellt 1963) oder dem Ortofon SPU (1959) kann ich so etwas spannend finden. Zumal Tonabnehmer in den vergangenen 10, 15 Jahren – also in einer Zeit, als das Thema schon als komplett durchentwickelt galt und niemand mehr mit großartigen Fortschritten rechnete – qualitativ überraschend deutlich zugelegt haben. Und zwar bei vielen Herstellern, und in allen Preisklassen.
Auf diesem ohnehin schon hohen Niveau will Ortofon also wieder in Führung gehen. Die X-Modelle 10, 20, 30 und 40 liegen preislich zwischen knapp 300 und knapp 1.000 Euro, sind gegenüber ihren Vorgängern Quintet Red, Blue, Bronze und Black folglich sogar günstiger geworden. Eine aggressive Preisgestaltung, die zweifellos den japanischen Rivalen Audio-Technica ins Visier nimmt, während andere Hersteller es sich entspannt am Spielfeldrand bequem machen: Goldring, Sumiko, Hana, Excalibur bauen auch tolle, erschwingliche MC-Systeme. In nicht ganz so großen Stückzahlen, und schon deshalb oft ein paar Euro teurer. Aber deshalb nicht weniger interessant und auch in diesem Test als Vergleichs-Sparringspartner willkommen.
Die Besonderheiten des Ortofon MC X30
Neugierig war ich vor allem auf das MC X30, das schon von der Papierform her einen besonders guten Kompromiss zwischen Kosten und klanglich-technischem Gegenwert verspricht: Hier lassen wir die rustikale Welt der elliptischen Nadeln hinter uns. Und nähern uns mit Ortofons klassischem Fineline-Schliff den kapriziöseren Line-Contact-Diamantprofilen. Die bringen in jeder Hinsicht bessere Voraussetzungen für eine zuverlässige, verzerrungsarme Abtastung mit, weil sie der Rille präziser und zugleich auf größerem Fußabdruck folgen. Das geht beides gleichzeitig, auch wenn es zunächst vielleicht nicht einleuchtet. Denn in Fahrtrichtung sind diese Schliffe zwar schlank – das besagt der seitliche Verrundungsradius, der bei Ortofons Fineline beispielsweise bei 8µm liegt. Quer zur Rille – das verrät der zweite Radius, der hier bei 40µm liegt – sind die Nadelflanken aber deutlich gerader, liegen also vertikal sehr genau an der Rillenwand an. Das ergibt eine vertikal sehr lange, in Fahrtrichtung dagegen kurze Kontaktfläche. Letztere sorgt für sauberen Hochton, weil die schlanke Nadel feineren Auslenkungen folgen kann. Der vertikal längere Kontakt hat mehrere wünschenswerte Auswirkungen: Nebengeräusche werden gegenüber dem Musiksignal leiser und unaufdringlicher. Gleichzeitig reduziert die bessere Verteilung des Auflagedrucks die Belastung der Rille und der Nadel.

Auch wenn der Fineline-Schliff (8×40µm) nominell die gleiche Seitenverrundung hat wie der elliptische Diamant des nächstkleineren Modells X20 (8×18µm), klingt er doch völlig anders. Und er lebt im Schnitt auch länger. Weshalb ich im X30 eine Art Sweetspot innerhalb der X-Familie sehe: Die 200 Euro Mehrpreis gegenüber dem 20er machen sich augenblicklich im Klang bezahlt, und amortisieren sich zusätzlich über die längere Betriebsstundenzahl bis zum – irgendwann unvermeidlichen – Tausch.
Wer 700 Euro für einen Tonabnehmer ausgibt, hat in aller Regel etwas Analogerfahrung. Deshalb sei ein Nachteil solcher Line-Contact-Schliffe nur betont beiläufig erwähnt: Sie passen zwar genauer ins Rillenprofil, verkanten aber auch dementsprechend leichter. Vor allem der Azimuth sollte daher wirklich genau stimmen. Sonst findet man schnell heraus, warum solchen Schliffen gelegentlich heller, zischeliger Klang vorgeworfen wird. Genau diesen bekommt, wer beim Azimuth schlampt. Im Test habe ich als Tonarm hauptsächlich den Linn Ekos verwendet, der bekanntlich keine Azimuthverstellung besitzt. Der Arm hält das System exakt parallel zum Teller, die Nadel also genau senkrecht, sofern das System in sich korrekt ausgerichtet ist. Für das X30 absolut kein Problem, wie lupenreine S-Laute bestätigen. Tatsächlich „klingt“ Fineline, wenn überhaupt, eher etwas weicher und runder als ein elliptischer Schliff. Nerviges Hochtongezimbel bei intakten, nicht verschlissenen Nadeln liegt in meiner Erfahrung fast immer an Azimuthfehlern und ist mit VTA und Antiskating kaum beeinflussbar.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Azimuth bei Spielern mit abnehmbarer Headshell im SME-Stil. Denn die Bajonettkupplung des Headshells ist fast immer – und dann auch im angezogenen Zustand! – mit relativ wenig Kraft um ein, zwei Grad verdrehbar. Zu wenig, um visuell direkt aufzufallen. Aber mehr als genug, um einem mit Line-Contact-Nadeln den Hörspaß zu versauen. Sollte man deshalb beispielsweise seinem Technics SL-1200GR oder G keine moderne Nadel gönnen? Das ist natürlich Quatsch. Ganz im Gegenteil: Die neuen Ortofons passen optisch wie mechanisch perfekt in die Technics-Direkttriebler. Auch ihre stattliche Bauhöhe von 20mm kommt den Systemen dabei gelegen, weil man sie auch auf aktuellen Technicsen mit der neuen, dünneren Originalmatte ohne weitere Hilfsmittel sauber parallel zur Platte eingestellt bekommt. Das Resultat klingt mit meinem 1210GR so makellos ausgewogen, dynamisch und klar, als hätten sich Ortofon und Technics vor ein paar Jahren heimlich getroffen, um ein audiophiles Phonokartell zu gründen und ihre Produkte fürderhin gemeinsam mit- und füreinander zu entwickeln.

Für den Azimuth gibt es eine einfache Lösung: regelmäßige Kontrolle. Gerade das Original-Headshell hat man schnell versehentlich verdreht, wenn man den Arm etwas unsanft handhabt. Also stellt man einfach ab und zu einem dieser schraffierten Plexiglasblöcke quer vors Headshell, die es bei zahllosen Anbietern für kleines Geld gibt. Und schaut, ob die Linien noch mit der Headshellkante fluchten. Deutlich spielärmer – wohl auch wegen seines zusätzlichen Führungsstifts – sitzt das Ortofon-eigene Edel-Headshell LH-4000, das ich im Test verwendet habe. Nach Technics-Überhanglehre justiert, sitzt das MC X30 darin absolut bündig, was Ästhetik-Sonderpunkte gibt. Dafür ruft der im Vergleich zum Original-Shell stärkere vertikale Versatz des LH-4000 nun wieder nach einer dickeren Matte, wenn der VTA stimmen soll. Klanglich bedeutet das Ortofon-Headshell jedenfalls ein deutliches Upgrade, das man sich natürlich auch für später aufheben kann. Persönlich werde ich den dergestalt ausgestatteten 1210GR nun erstmal aufgebaut und einsatzbereit halten – als aufregend vernünftige Eingangskontrolle für alle Laufwerke, die sich mit dem Prädikat „High End“ schmücken wollen. Für in Summe rund 2500 Euro stellt diese Kombi den Gipfel des aktuell Machbaren dar.
Auf der Strecke geblieben ist bei Ortofons Neuentwurf die quadratisch-praktische Gehäuseform, mit der die alten Quintet-Modelle stets etwas an Legosteine erinnerten. Der neue, leichte Kunststoff-Maßanzug sitzt figurbetont, lässt kaum Luft zum Generator-Innenleben des Systems. Dessen Aufbau ist für ein Sub-1000-Euro-MC bemerkenswert high-endig. Bemerkenswert erst recht, wenn man bedenkt, dass alle technischen Merkmale mit Ausnahme der Nadel auch bereits für das Einstiegsmodell MC X10 für nicht mal 300 Euro gelten. Der neue Generator ist gegenüber seinem Vorgänger in allen drei Disziplinen verbessert worden: elektrisch, magnetisch und mechanisch. Einen deutlichen Anteil and der Performance dürfte der neue zentrale Träger haben, an dem alle Elemente des Systems befestigt sind. Ein raffiniertes, komplex geformtes Werkstück mit Bienenwabenstruktur, das ich auf der High End im München, wo es als loses Einzelteil herumlag, minutenlang ratlos anstarrte: Wie fertigt man sowas? MIM heißt die Lösung, Metal Injection Molding oder Metallpulverspritzguss, wobei es sich bei dem Metall hier um Edelstahl handelt. Der zum Abschluss, als ob dieses Herstellungsverfahren noch nicht cool genug wäre, eine schwarze, hochbelastbare Beschichtung erhält, die auch nicht einfach draufgepinselt, sondern im Vakuum aufgedampft wird (Physical Vapor Deposition, PVD). Damit macht man zum Beispiel auch Bänder und Gehäuse von Schweizer Fliegeruhren mattschwarz, auf dass keine grellen Reflexe durchs Cockpit geistern.
Der supersteife Träger besitzt an der Oberseite Gewinde im M2,5-Format und wird direkt mit dem Headshell verschraubt. Seine hohe und in der Produktion teuer erkaufte Festigkeit hat er nicht zum Spaß. Schließlich rüttelt am seinem unteren Ende die Nadel. Jede Elastizität außerhalb des Generators verschwendet Energie, die dem Ausgangssignal verloren geht. Aber auch der Generator selbst hat an mechanischer Festigkeit und Kontinuität zugelegt. Dessen hinteres Magnetjoch fertigt Ortofon für die X-Serie erstmals einteilig, statt ihn aus Polplatte und -zylinder zusammenzusetzen. Da das hintere Joch an seinem vorderen Ende die Nadel samt Aufhängung trägt, sind Festigkeit und Resonanzarmut hier entscheidend. Die einteilige Bauweise macht das Joch aber nicht nur mechanisch steifer, sondern bietet auch dem Feld des zentralen Seltenerd-Magneten einen noch verlustärmeren Weg zur Spulenarmatur. Für den Nadelträger verwendet Ortofon ganz konservativ Aluminium. Noch verlustärmer wäre Bor, aber das teure, zudem schwerer zu verarbeitende Material bleibt in der X-Serie dem Topmodell X40 vorbehalten.
Ebenfalls in den Bereich Mechanik gehören die neuen Dämpfergummis, die entscheidend für Abtastverhalten und Geräuscharmut des Tonabnehmers verantwortlich sind. Ortofon muss diese Teile nicht zukaufen, sondern besitzt dafür einen eigenen Geschäftsbereich namens Ortofon Microtech, der auf technische Elastomere spezialisiert ist und damit zum Beispiel auch die Hörgeräteindustrie beliefert. Direkt in den Gummidämpfer eingebettet und per Spanndraht gehalten, finden sich die Spulen im Luftspalt zwischen vorderem und hinterem Magnetpol. Sie werden aus hauchdünnem Reinsilberdraht von Hand auf einen kreuzförmigen Weicheisenträger gewickelt. Ihr Gleichstromwiderstand von 6Ω verrät einen klassischen Low-Output-Aufbau mit wenigen Windungen und geringer Induktivität, was nicht nur die bewegte Masse klein hält, sondern auch die elektrische Bandbreite erhöht. Mit 0,4 Millivolt bleibt die Ausgangsspannung dennoch praxisfreundlich.
Im Test funktionierte das X30 sowohl an diversen Phono-Preamps als auch an 1:20-Übertragern vorbildlich. Transrotors sehr offener und rauscharmer Phono 3 vermittelte dabei zwischen dem Technics und der Chord-Vorstufe Ultima Pre 3. Der brandneue, gerade zum Test eingetroffene, Cyrus 40 PPA wiederum arbeitete an meinem LP12 und verwöhnte mich mit seiner fernbedienbaren MC-Feinanpassung. Wobei Ortofon auch für die X-Baureihe im Datenblatt mal wieder die normalste aller MC-Abschlussimpedanzen empfiehlt: 100Ω ist quasi die Apfelsaftschorle unter den Widerständen. Immer vorhanden, auch an praktisch allen nicht einstellbaren MC-Eingängen, nie wirklich falsch. Ich muss zugeben, nach etwas hin- und her spielen dann auch wieder bei 100Ω gelandet zu sein und danach nicht mehr darüber nachgedacht zu haben.

Mit den beiliegenden Torx-Schrauben sicher im Headshell des Linn Ekos verankert, klingt das X30 sehr dezent, unaufdringlich, fast vornehm. Vielleicht rührt dieser Eindruck auch daher, dass direkt zuvor im zweiten Ekos das EMT HSD SC6 gespielt hatte. Das ist nicht nur mehr als doppelt so teuer, sondern auch für seine dynamische Präsenz berühmt: Kein Tonabnehmer wirkt nach einem EMT noch besonders motiviert. In ihrem Umgang mit schwierigen, hochtonreichen Passagen gibt es aber durchaus Parallelen zwischen den beiden Abtastern: Wie der Superfineline-Schliff des EMT hält sich der Ortofon-Fineline trotz sehr guter Auflösung stets auf der weichen, seidigen Seite des Spektrums auf. Er zeigt aus dieser Grundstimmung heraus aber eine enorme Wandlungsfähigkeit, die mich im Test immer wieder überraschte. Auch Laufwerksunterschiede kommen kristallklar zum Vorschein: Der Wechsel vom Technics zum LP12 lässt den Ortofon-Abtaster deutlich direkter und dynamischer klingen, aber die fantastische räumliche Ordnung des Japaners kann auch das schottische Subchassislaufwerk nicht toppen.
Hörtest
Strand von The Spinanes bläst jede Befürchtung, der Tonabnehmer könne insgesamt zu gepflegt musizieren, in wenigen Takten weg. Eine weitgehend übersehene LP (Discogs-Have/Want: kümmerliche 56/70, was auf eine Pressauflage von 500, höchstens 1000 Stück schließen lässt), die so roh und direkt aufgenommen ist, als säße man im Proberaum direkt zwischen Rebecca Gates’ Gitarrenverstärker und Scott Ploufs Drumset. Einen Bassisten haben die Spinanes nicht, was die metallisch prickelnden Gitarrensounds nur noch mehr in den Fokus rückt. Die Aufgabe ist hier erfüllt, wenn die Musik den Tonträger abwirft und nur noch nach sich selbst klingt: Wer je eine Rockband live gesehen hat, kann das blitzartig entscheiden, und hier gehen beide Daumen hoch. Das Gleiche passiert beim turbulenten Neon Golden von Notwist, das sich auf sehr reizvolle Weise nicht zwischen abrasivem Postrock und elegantem Elektropop entscheiden kann und daher einfach beides macht. Hier zeigt das Ortofon klassische MC-Stärken: einen hoch energischen, intensiv strukturierten Mittelton, konturierten Bass und leuchtende Klangfarben, die jedes MM im Vergleich matt wirken lassen.
Weniger spektakulär dann Leonard Cohen mit seinen „Ten New Songs“ aus dem Jahr 2001, wo sich alles um Cohens Stimme und dessen Coautorin Sharon Robinson dreht. In den Arrangements dominieren warme Synthesizer und gemächliche, programmierte Tempi, ein Drummer findet sich gar nicht in der Credit-Liste.

Da gibt es nicht viel, um sich als Tonabnehmer in den Vordergrund zu spielen. Und doch hört man die Klasse des Ortofon auch hier ganz klar heraus. Etwa gegen ein Hana EL, das den Stimmen nicht die gleiche Nähe und Emotionalität verleiht, aber sonst sehr angenehm klingt. Oder gegen das praktisch preisgleiche Goldring Eroica LX, das bisher in dieser Klasse als Maß des Erreichbaren amtiert – und das jetzt das X30 als unterm Strich gleichberechtigten Partner neben sich dulden muss. Wobei das Ortofon Genauigkeit und Räumlichkeit noch ein klein wenig größer schreibt, während das Goldring dynamischen Aufnahmen noch ein wenig mehr Drive zu entlocken scheint.
Wer den Auftritt des X30 beim ersten Reinhören zu brav findet, sollte sichergehen, dass er/sie nicht einfach auf die überragende Verzerrungsarmut dieses Tonabnehmers reinfällt. Tonal milde Platten bleiben damit tatsächlich mild, weil keine Klirr-Artefakte für zusätzlichen Kick sorgen. Um den richtigen Eindruck zu gewinnen, hört man am besten wahllos weiter, quer durch den Plattenschrank. Und lernt mit jeder neuen Seite, die man auflegt, eine neue Facette dieses extrem vielseitigen Tonabnehmers kennen. Etwa bei meinem alten Flohmarktexemplar von Kate Bushs Hounds of Love, einer Ausnahme-Aufnahme, die alles hat, was Audiophile lieben: hohe Dynamik, ein reiches Spektrum an Instrumenten und Klangfarben, eine kunstvoll, fast cineastisch inszenierte Räumlichkeit und natürlich Bushs brillantes Songwriting. Mein konkretes Exemplar hat eine unklare Vorgeschichte und zeigt diese mitunter schmerzhaft. Dann geht die Dynamik in diffusem Klirrnebel unter und die sehr schwierigen S-Laute lenken zischelnd vom eigentlichen Gesang ab. Und zwar auch bei Spielern, die über solche Probleme eigentlich erhaben sein sollten.
Mit dem MC X30 klingt Hounds Of Love wie eine Neuplatte, wenn man einmal von den paar Kratzern und Knacksern absieht. Wobei die tatsächlichen Neuauflagen, die ich zu hören bekam, risikoärmer, leiser und milder gemastert sind. Das macht die Platte mit Durchschnitts-HiFi sicher genießbarer. Aber die Zielgruppe, die das einst goutieren sollte, kann heute ja bequem zum Stream greifen. Weshalb ich mit meiner alten, ambitionierten Euro-EMI-Pressung absolut glücklich bin. Zumindest wenn ich sie mit einem so wunderbar abtastsicheren, neutral-hochauflösenden und dennoch sanften System wie dem X30 spielen kann.
Fazit Ortofon MC X30
Mit der X-Serie zeigt Ortofon, dass auch bei erschwinglichen MC-Systemen noch echte Fortschritte und technische Innovationen möglich sind. Dabei bleibt das X30 charakterlich ein echtes Ortofon, das Neutralität und Vielseitigkeit vor Effekte und Spektakel stellt. Seine Fineline-Nadel tastet auch schwieriges Material unbeirrt sauber ab, Raumabbildung und Klangfarben lassen keine Wünsche offen, die Dynamik ist von der Verzerrungsarmut geprägt und wirkt etwas weniger extrovertiert als bei manchen Mitbewerbern. Ein vornehmes, effektfreies System. das in mittelschweren oder etwas schwereren Tonarmen perfekt aufgehoben ist.
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Unverfärbter, abbildungsgenauer Klang, verzerrungsfreie Abtastfähigkeit |
| | Sehr steifes Edelstahlchassis mit direkt eingeschnittenen Befestigungsgewinden |
| | Einfach zu montieren, bombenfester Halt im Headshell |
| | Exzellentes Preis-/Leistungs-Verhältnis |
Vertrieb:
Ortofon
Stavangervej 9
4900 Nakskov, Dänemark
www.ortofon.com
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Ortofon MC X30: 700 Euro
Die technischen Daten
| ortofon mc x30 | |
|---|---|
| Technisches Konzept: | Tonabnehmer Moving Magnet |
| Abtaster-Spitze: | |
| Spulen-Anordnung: | |
| Spulendraht-Material : | |
| Ausgangsspannung: | 0,4 mV |
| Auflage-Empfehlung: | 2,0 Gramm |
| Tonabnehmer-Gewicht: | 8,6 Gramm |
| Alle technischen Daten | |










