ende
Merason Reuss Front
Der Merason Reuss ist der neueste Streich der Schweizer-DAC-Spezialisten. Er kostet 4.900 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Merason Reuss: audiophiler DAC mit Referenz-Insignien

Als wir Ende 2019 den Merason DAC-1 testeten, war es schnell um mich geschehen: Ein so musikalisch klingender DAC – zumal unterhalb 5.000 Euro – war damals absolute Mangelware. Der DAC-1 wurde mittlerweile durch den DAC-1 Mk-II ersetzt, der sogar noch etwas heller, offener und feiner klingt, aber auch gleich um 3.500 Euro teurer ist. Den LowBeats Referenzstatus konnte auch die MK-II Version verteidigen, aber ein wenig trauerte ich dem „alten“ DAC-1 immer noch nach. Doch nun hat Firmen-Chef Daniel Frauchiger mit dem Merason Reuss wieder einen DAC in der Klasse unter 5.000 Euro vorgestellt und schon die ersten Hörtests nährten die Hoffnung, er könne auch klanglich in die Fußstapfen des sympathischen DAC-1 treten…

Daniel Frauchinger im LowBeats Büro
Merason Chef Daniel Frauchiger beim LowBeats Besuch (Foto: H. Biermann)

In Bezug auf die Namensgebung hat Daniel Frauchiger noch keine klare Richtung gefunden. Es gibt den nüchternen DAC-1 MKII genauso wie den liebevollen Frèrot (für: Brüderchen). Und auf der Suche nach dem passenden Namen für das Modell zwischen den beiden, überkam ihn die Idee: „Die Musik fließt so schön mit dem neuen DAC“, sagte er im Gespräch. „Deshalb suchte ich nach einem Flussnamen, möglichst aus der Heimat. Also Merason Reuss.“

Die Konstruktion des Merason Reuss…

….ist der des DAC-1 MKII sehr ähnlich. Wie beim großen Bruder finden wir einen komplett symmetrischen Aufbau. Das heißt: Die Signalpfade und Bauteile sind prinzipbedingt in doppelter Ausführung vorhanden. Die eigentliche D/A-Wandlungsarbeit übernehmen deshalb auch zwei 1794A von Burr Brown. Dieser Wandlertyp ist womöglich nicht der allerneueste Schrei, (weshalb bei 192 kHz@24 bit schon das Ende der HiRes-Fahne erreicht ist) klingt aber nach Aussagen von Daniel Frauchiger einfach musikalischer. Der Mann muss es wissen: Die Bauteile-Selektion erfolgt bei Merason fast ausschließlich in ausgiebigen Hörrunden.

Merason Reuss Koppel-Kondensatoren
Der komplett symmetrische Aufbau erfordert die doppelte Anzahl von Bauteilen. Wegen der bei Merason eingesetzten SMD-Technik ist das aber auch platzmäßig kein Problem (Foto: H. Biermann)

Deshalb weiß der sympathische Schweizer auch um den klangrelevanten Einfluss von Jitter. Er vertraut deshalb beim USB-Eingang auf die Technologie von Amanero, die mit Hilfe zweier hochpräziser Oszillatoren für ein jitterarmes Signal sorgen. Alle anderen Eingänge werden mit Hilfe von Transformatoren und Kondensatoren entjittert und ebenfalls galvanisch getrennt. Das sorgt für hohe Signalreinheit.

Wie bei beim großen DAC, hat auch beim Reuss jede Schaltung ihre eigene Speisung. Frauchiger spricht von insgesamt zwölf. Auch die beiden Ausgangskanäle werden durch eine separate lineare Speisung mit eigenem Trafo versorgt.

Merason Reuss Netzteile
Es sind mehr Trafos als man zu sehen glaubt, denn jede Schaltung hat ihre eigene Speisung. Frauchinger spricht von insgesamt zwölf. Auch die beiden Ausgangskanäle werden durch eine separate lineare Speisung mit eigenem Trafo versorgt (Foto: H. Biermann)

Bis hierhin unterscheidet sich der Reuss durch nichts vom sehr viele teureren Bruder DAC-1 MKII. Auch eingangs- und ausgangsseitig finden wir das gleiche Besteck 4 x digital rein und sowohl per Cinch als auch per XLR wieder raus.

Merason Reuss Anschluss
Auf der Rückseite des Merason Reuss findet sich je ein USB-, ein Cinch-, ein Toslink- und ein AES-Eingang.(Foto: H. Biermann)

Wenn also derartige Ähnlichkeiten bestehen: Wie erklärt sich der gehörige Preisunterschied? Lässt der Herr Frauchiger den Reuss womöglich auf günstigeren Werkbänken produzieren? Au contraire! Das würde dem Schweizer komplett gegen den Strich gehen. Jedes Gerät entsteht Stück für Stück in seiner kleinen Manufaktur; vor kurzem hat er sogar eine ausgewachsene SMD-Bestückungsstraße gekauft. So etwas habe ich bislang nur bei sehr viel größeren Herstellern à la Burmester, Linn oder T+A gesehen. Da muss man seinen Hut ziehen.

Merason Reflow-Ofen
Zur Bestückungsstraße gehört ein Reflow-Ofen. Die bestückten Printe werden hier in einem dreistufigen
Verfahren mit Heißluft gelötet (Foto: Merason)

Der erste preistreibende Unterschied zum DAC-1 MK II ist das Gehäuse. Der neue DAC hat nur knapp die Hälfte der Bauhöhe, weil der keinerlei Kühlkörper im Inneren hat. Frauchiger: „Der Reuss kühlt seine Transitoren komplett über das Gehäuse und es hat mir echt einen riesigen Spaß gemacht, die Schaltung auf die niedrigere Bauhöhe hin umzugestalten.“ Und die geringere Bauhöhe bedeutet ja nicht nur geringere Gehäusekosten – der Reuss ist einfach besser im HiFi-Möbel unterzubringen.

Merason Reuss versus DAC-1 MKII
Der Merason Reuss im Hörraum zum Vergleich auf dem DAC-1 MKII: die Bauhöhe ist mit fünf Zentimetern exakt halb so hoch. Die Gehäusequalität ist in etwa gleich (Foto: H. Biermann)

Der zweite Punkt ist die Bauteilequalität. So gerieten etwa die Trafos für die verschiedenen Stromversorgungen etwas kleiner (45 V/A statt 100 V/A), statt der edlen Polystyrolkondensatoren zur Tiefpassfilterung in der Ausgangsstufe bekam der Reuss „nur“ Keramik-Typen und auch die Anschlussbuchsen liegen eine Qualitätsstufe unter jener des DAC-1 MK II. „Das Wichtigste aber“, sagt Frauchiger und dabei huscht ein Lächeln über sein Gesicht, „ist die Arbeitszeit. Ich habe den Reuss so entwickelt, dass wir ihn in nicht einmal der Hälfte der Zeit bauen können, die wir für einen DAC-1 MKII brauchen. Das ist ein immenser Kostenfaktor.“

Praxis & Hörtest

Weil wir den DAC-1 (und seit April 2023 den DAC-1 MK II) dauerhaft als Referenz im Hörraum haben, ist er uns mit all seinen Eigenheiten sehr ans Herz gewachsen. „Eigenheiten“ heißt: Er klingt überragend gut, ist aber nur ein klassischer Digital/Analog-Wandler, der weder MQA oder gar DSD beherrscht; wegen des nicht mehr ganz taufrischen Burr Brown 1794A hören die Spielmöglichkeiten definitiv bei 192/24 auf. Aber das hat Daniel Frauchinger nicht abgeschreckt – und uns auch nicht. Denn oberhalb 96/24 wird die Geschichte eh zur Geschmackssache…

Nun sind DAC sicherlich nicht die Bausteine in der Kette, die besonders hervorstechen. Und doch bildete ich mir ein, die feine Musikalität, die man von Merason gewohnt ist, auch beim Reuss sofort herauszuhören. Frauchinger untertrieb nicht als er die Namensgebung mit den Worten begründete: „Da ist alles so schön im Fluss.“ Er hat Recht. Der Reuss klingt sehr harmonisch und alles andere als „digital“.

Natürlich drängte sich der Vergleich mit der konstruktiv so ähnlichen LowBeats Referenz DAC-1 MKII auf. Würde man das andere Kühlungskonzept und die wenigen, preisoptimierten Bauteile heraushören? Ja. Der Unterschied war größer als ich gedacht hätte. Aber nicht in Richtung besser oder schlechter, sondern eher in Richtung „anders“.

Die Auflösungs-Fähigkeiten des DAC-1 MKII sind – verbunden mit der Merason-typischen Musikalität – einfach unerreicht. Da kann auch der Neue nicht dran kratzen. Das Ausklingen der Becken, diese immense Luftigkeit in der Oberton-Darstellung von Gitarrensaiten, bleibt immer noch eine Domäne des DAC-1 MKII. Gerade in einem so ernsthaften Vergleich machte er wieder einmal deutlich, warum er Teil der LowBeats Referenzkette ist.

Der Reuss war im Nachzeichnen der feinsten Schattierungen nicht ganz so exakt, nicht ganz so mühelos und wirkte sogar einen Hauch bedeckter. Aber dadurch gewann die Tonalität. Stimmen kamen einen Hauch weniger präsent, aber einfach schöner und ja: sogar etwas kraftvoller.

Überragend gut aufgenommene Weltmusik: Tolyqyn: „Silver Seed“ erschien bei Hey!blau Records auf CD, LP oder online, zum Beispiel auf qobuz.de

Ein schönes Beispiel ist (das übrigens exzellent klingende) Album „Silver Seed“ der drei Weltmusiker von Tolyqyn. Der Kanadier Roland Satterwhite bearbeitet da seine Bratsche gekonnt mit dem Daumen, sodass sich das Ganze sehr orientalisch anhört. Der DAC-1 MKII arbeitet jede Daumenbewegung exakt heraus, der Reuss macht daraus eher ein harmonisches Ganzes, weil er mit seiner etwas „erdigeren“ Art noch ein Stückchen besser das Gefühl der Bratsche vermittelt, dass hier ein hölzernes Instrument gespielt wird.

„Back to black“, der Klassiker der großen Amy Winehouse, braucht meiner Meinung nach von der Wiedergabekette nicht nur die allerbester Durchhörbarkeit, sondern auch etwas kraftvoll-Rotziges, um diese einzigartige Stimme mit der nötigen Energie nach vorn zu bringen. Und genau das kann der Reuss: Wo der DAC-1 MKII vielleicht einen Hauch zu fein, zu genau, zu glitzernd agiert, haut Frauchingers neuer DAC auch das Raue und Kratzige raus.

Merason Reuss versus DAC-1 MKII
Merason Reuss (oben) und DAC-1 MKII im direkten Verglich im LowBeats Hörraum. Den Referenz-DAC haben wir in der Sonderfarbe „Cidre“, den Reuss gibt es nur in Silber und Schwarz (Foto: H. Biermann)

Ich könnte jetzt noch dutzende, ähnlich gelagerte Beispiele bringen, aber sie sind alle gleich: Der DAC-1 MKII ist der bessere Wandler, mit dem man fraglos mehr hört. Schöner, lebendiger und bodenständiger aber ist es mit dem Reuss…

Fazit Merason Reuss

Mit seinem neuen DAC schließt Daniel Frauchiger eine Lücke: Durch kluge Konstruktionsverbesserungen und dezente Preis-Optimierung bei den Bauteilen schafft er es, die die enorm hohen Klang-Qualitäten des DAC-1 MKII auf ein deutlich attraktiveres Preis-Niveau zu ziehen. Dass Frauchiger immer noch auf den betagten Burr Brown 1794A setzt, schränkt zwar auch die Möglichkeiten des Reuss etwas ein, aber es gilt nach wie vor das Statement des Schweizers: „Dieser Wandlertyp klingt halt so schön, oddr?“

Obwohl der Reuss nicht ganz die immense Feinauflösung seines größeren Bruders, der LowBeats-Referenz DAC-1 MKII, erreicht, fallen die Unterschiede doch sehr klein aus. Und in meinen Ohren klingt der Reuss im Gegenzug einen Hauch sonorer, erdiger, letztlich sympathischer. Er ist quasi die Referenz der Herzen und bekommt wie alle Merason-DACs zuvor ebenfalls eine ganz dicke Empfehlung…

Übrigens: Der deutsche Merason-Vertrieb CM Audio hat ja nicht nur einen starken Internet-Auftritt, sondern hat das sogenannte Testpaket entwickelt, mit dessen Hilfe sich der geneigte Musikfreund die meisten Produkte des CM Audio Programms auch zu Hause anhören kann. So könnte der sympathische Reuss zuerst einmal versuchsweise die Anlage verfeinern…

Merason Reuss
2024/06
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Extrem fein-natürlicher Klang. Hohe Präzision und Dynamik
Überragende Räumlichkeit und Abbildung
Robuste Mechanik, hochwertige Verarbeitung
Kein DSD, kein MQA

Vertrieb:
CM-Audio
Kölner Straße 46
D-41464 Neuss
www.cm-audio.net

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Merason Reuss: 4.900 Euro

Merason reuss
Wandler-Bestückung:2 x Burr Brown 1794A
Eingänge:
1 x S/PDIF (Cinch), 1 x AES/EBU (XLR), 1 x TOSLINK (optisch), 1 x USB (Class 2.0)
Ausgänge:
1 x asymmetrisch (Cinch), 1 x symmetrisch (XLR)
Bestückung:
2 x BurrBrown 1794A
Besonderheit:
vollsymmetrischer, diskreter Aufbau
Gehäuse-Ausführung:Schwarz, Silber
Abmessungen (B x H x T):45,0 x 5,0 x 29,0 cm
Gewicht:6,2 Kilo
Alle technischen Daten
Mehr von Merason:

Test Merason DAC-1 Mk II – es lebe der König
Test Merason Frérot + pow1: Extra-Power für den bezaubernden DAC
Merason Frérot: Mini-DAC rockt die Spitzenklasse
Test D/A-Wandler Merason DAC-1 – der Klangpurist

Lesetipp:

Die LowBeats Referenz-Anlage: über jeden Zweifel erhaben

 

 

Autor: Holger Biermann

Avatar-Foto
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.