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Mercedes A 200 mit Burmester-Anlage und MBUX im Test

Das Downsizing mit 1300er-Motörchen geht also in meinen Augen nur auf, wenn man seinen Mercedes A 200 vorwiegend auf kurzen Strecken bewegt. Fast ein wenig schade, denn abgesehen vom Motor könnte man die neue A-Klasse durchaus als kompakten Kilometerfresser verwenden. In dem Fall lohnt es sich, einmal die Diesel-Varianten oder den A 220 mit 2-Liter-Turbo-Benziner auszuprobieren.

MBUX: Genial, aber mit einigen Poser-Funktionen

Neben dem nützlichen, aber leider nicht im gleichen Umfang wie etwa bei Mini genutzten Head-up-Display besaß der Mercedes-A-200-Testwagen die MBUX Augmented Reality für die Navigation. Die 250 Euro können Sie sich nach meinem Geschmack sparen und lieber auf das Burmester-Audio-System legen. Den AR-Gimmick fand ich nicht nur nutzlos, sondern kontraproduktiv.

Man stelle sich vor: Statt geradeaus auf das Head-up-Display oder die ohnehin schon reichlich mit allerlei nützlichen und weniger nützlichen Infos gespickte virtuelle Instrumenten-Kombi zu schauen, zieht die fragwürdige Programmierer-Spielübung ausgerechnet vor Kreuzungen und Gabelungen die Blicke zur Seite ab – auf ein kleines, wie ein Handyvideo wirkendes Live-Kamerabild, in das kleine, im Eifer des Gefechts nicht leicht zu erfassende Richtungsinfos eingeblendet werden. Wenn dann der Vordermann unvermittelt bremst oder jemand vors Auto läuft, darf der zwischen Virtual Reality und echtem Leben driftende Chauffeur nur darauf hoffen, dass die Programmierer des Bremsassistenten ihre Aufgabe mit etwas mehr Ernst erledigt haben. Dabei besitzt die  Mercedes A-Klasse doch schon eine viel smartere Augmented Reality in Form des Head-up-Displays, das man vielleicht einfach stärker für weitere Infos nutzen sollte.

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Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Sehr gut umgesetzt hat Mercedes seinen neuen Concierge Service von Me Connect. Der Mensch am anderen Ende der Leitung reserviert bei Bedarf einen Tisch im zuvor für die Fahrzeugbesatzung gesuchten Restaurant, schickt Adresse und Telefonnummer ins Fahrzeug und bei Bedarf auch aufs Smartphone des Mercedes-Besitzers. Hier hat Daimler nicht nur aufgeholt, sondern überholt (Foto: S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Die Sprachsteuerung des MBUX-Systems der neuen Mercedes A-Klasse setzt Maßstäbe über das Kompakt-Segment hinaus. Die Stimme aus dem Navi kann sprechen und zuhören zugleich, reagiert schnell und versteht normale Umgangssprache (Foto: S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Unser Mercedes A 200 hatte auch 360-Grad-Kamera-Unterstützung beim Rangieren (Foto: S. Schickedanz)
Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Die Augmented Reality fürs Navi ist dagegen ein Gimmick, der an Abzweigungen mehr ablenkt, als er mit seinen kleinen in das Realtime-Bild der Frontkamera eingeblendeten Richtungsinformationen nutzt. Das Head-up-Display leistet hierbei weit bessere Dienste (Foto: S. Schickedanz)
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Das gemeinsam mit Harman umgesetzte MBUX-Konzept leistet sich zwar noch zahlreiche Technik-Späßchen, doch muss man seinen Entwicklern im Kern eine sehr gute Arbeit bescheinigen. Das beginnt schon bei den Mikrofonen und dem zugehörigen Spracherkennungs-Algorithmus für die bereits in vielen Berichten gelobte Sprachsteuerung. Die kann man zwar wie bei anderen Autos mit einer Taste am Lenkrad betätigen – muss man aber nicht. 

Die neue A-Klasse hört nämlich auch auf den Befehl: „Hey Mercedes“ respektive „Hallo Mercedes“. Und das gelingt ihr in aller Regel sehr gut, sogar bei lauter Musikwiedergabe über die Burmester-Anlage. Wer dergleichen schon einmal mit einer der (derzeit wie Pilze aus dem Boden schießenden) sprachgesteuerten Lautsprecherboxen fürs Wohnzimmer versucht hat, kann sich die Leistung der Ingenieure in etwa vorstellen. Und auch die Tricks, die MBUX beherrscht, sind bestens geeignet, mögliche Mitfahrer/innen und auch die Kollegen von der Presse zu beeindrucken. Klar, mir fällt kein anderes Auto ein, das auf den Spruch „mir ist kalt“ die Heizung hoch regelt oder einem auf die Frage „brauche ich einen Regenschirm“ den Wetterbericht anzeigt (das mit der Sonnenbrille hatte ja bereits Dr. Ian Kuah probiert). Soweit, so gut.

Doch, wer sich nur einigermaßen bewusst war, dass er gerade nicht mit einem Kumpel redet, konnte auch mit freier Sprechweise den BMW M140i xDrive von 2016 mit der optionalen Off-Board-Spracherkennung schon zuverlässig dazu bringen, den ausführlichen Wetterbericht auf dem Display anzuzeigen. Und obwohl der 1er damals noch nicht darauf programmiert wurde, die Temperatur durch Sprachbefehl zu steuern, verstand er schon Befehle wie „stelle die Temperatur auf 22° ein.“ Er reagierte dann immerhin mit einem Hinweis, dass diese Einstellung nur manuell möglich sei und zeigte im Display die dazu nötigen Schritte an.

Ich bin, anders als bei den teilweise halbgaren Voice-Control-Lösungen fürs Wohnzimmer, am Steuer ein großer Freund von gut gemachter Sprachsteuerung. Daher reizte mich ein Vergleich der Systeme, auch wenn der Sieger schon allein aufgrund des jüngeren Alters von vornherein festzustehen schien. Schließlich hatte unser 1er-Testwagen von 2016 noch nicht den Stand der Technik, der heute für den schärfsten, gleichwohl am Ende seines Produktlebenszyklus stehenden Rivalen der Mercedes A-Klasse verfügbar ist. Seit letztem Sommer hat BMW nämlich auch Alexa, den clever gemachten Sprachassistenten von Amazon, ergänzend an Bord.

Zu meiner großen Überraschung landete der betagte Münchner Mitbewerber im zeitlich versetzten Fernduell einige Stiche. 

Ich versuchte einfach, den Mercedes A 200 die gleichen Kunststücke aufführen zu lassen, die mich am BMW M140i und später am BMW 540i xDrive so begeisterten. Dabei zeigte sich einerseits der riesige Schritt, den der Daimler gegenüber der vor einem Jahr getesteten E-Klasse in Sachen Sprachsteuerung gemacht hat. Denn die verstand oder fand die meisten frei gesprochenen Navi-Ziele nicht zuverlässig. Und sie konnte im Gegensatz zur den BMW-Sprachsteuerungen und jener in der neuen A-Klasse nicht gleichzeitig zuhören, wenn sie am Reden war (viele kennen das Problem von Ehestreitigkeiten).  Außerdem wertet das neue MBUX die Sprachbefehle deutlich schneller aus als die bisherigen Systeme von BMW oder Mercedes.

Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Die dritte Generation der Mercedes A-Klasse hat nichts mehr mit dem als Elch in die Geschichte eingegangenen Urahn gemeinsam. Vor allem wirkt sie sehr viel jugendlicher, ohne mit klassischen Mercedes-Mustern zu brechen (Foto: S. Schickedanz)

Allerdings zeigte sich trotz allen Fortschritts in der Dialogfähigkeit der künstlichen Intelligenz, dass im gesamten MBUX-Konzept noch einiges Potenzial für Verbesserungen steckt. Beispiele gefällig? Egal wie ich es formulierte, die A-Klasse zeigte mir kein Regenradar an, denn sie hat offensichtlich im Gegensatz zum betagten BMW keines an Bord. So ging es mit zahlreichen anderen Funktionen, deren Abruf am wenigsten an der Spracherkennung scheiterte, sondern am Konzept.

Umso erstaunter war ich allerdings, dass es mir weder mit Sprache noch mit Eingaben über den Touchscreen möglich war, mir den Reifendruck im Auto anzeigen zu lassen. Doch diese Funktion ist grundsätzlich möglich, nämlich über die Smartphone App von Mercedes Me vor und nach der Fahrt. Dagegen zeigte einem der BMW M140i auf den (oder sinngemäß ähnlich formulierten) Befehl „zeige den Reifendruck an“ die aktuellen Drücke in den einzelnen Reifen samt der Reifentemperatur an. Das mag übertrieben erscheinen, steigert aber gerade für einen sportlichen Fahrer das Verständnis für den Umgang mit den Reifen. Außerdem zeigt BMW den Druck griffig in Bar, während die Mercedes Me App die Einheit kPa verwendet.

Dennoch zeigte sich während der zwei Wochen mit dem Mercedes A 200, dass der Daimler in Sachen Konnektivität gerade in Siebenmeilenstiefeln voranschreitet. Es gibt immer mehr Apps, die man teilweise zukaufen kann wie beim Münchner Mittbewerber. Sogar ein Online-Fahrtenbuch gehört jetzt dazu, das aber wegen der hohen Grundgebühr erst ab einer gewissen Unternehmensgröße interessant ist.

Was den Concierge-Service betrifft, hat Mercedes nicht nur mit Vorreiter BMW gleichgezogen, sondern diesen überholt. Der kostenpflichtige Abo-Dienst ließ sich nicht nur im Mercedes A 200 abrufen, sondern auch über die Mercedes Me App von außerhalb. Zudem schickt der freundliche Helfer einem Hotels oder Restaurants nicht nur ins Fahrzeug, wo man die Adresse als Naviziel verwenden kann. Auf Wunsch bekommt man auch eine SMS auf Handy, was auf der „Last Mile“ zu Fuß unter Umständen gute Dienste leistet.

Mercedes-Benz A200 mit Burmester Surround-Sound-System
Mit der AMG-Line und deren 19-Zöllern liegt der Baby-Benz satt auf der Straße und wirkt dezent aggressiv. (Foto: S. Schickedanz)

Fazit: Mercedes A 200 mit Burmester Surround-Sound-System

Das spursichere Aktiv-Fahrwerk bietet mit seiner gelungenen Spreizung zwischen den Fahrprogrammen eine tolle Kombination aus Kompaktsportler und geschrumpfter Komfort-Limousine. Die rundum gelungene, hochwertig anmutende, mit Assistenz-Systemen auf Oberklasse-Niveau ausgestattete neue A-Klasse hätte einen seidenweichen Sechszylinder verdient, dann wäre sie eine ernste Konkurrenz für größere Business-Limousinen. Denn vom Fahrwerk her lässt sie den BMW 1er, der mit dem im Herbst anstehenden Modellwechsel seinen kraftvollen und sparsamen 6-Zylinder verlieren wird, regelrecht halbstark erscheinen.

Das Burmester Surround-Sound-System im Mercedes A 200 ist zwar nicht so audiophil wie das um ein Vielfaches kostspieligere Burmester High-End-3D-System der E-Klasse, gerade, was die Abbildung betrifft. Es bereitete mir aber während des gesamten Tests unterm Strich fast genauso viel Freude. Sein Bass hat einfach den nötigen Drive, der bei Rock und Pop unter die Haut geht und Neutralität sowie Auflösung sind zumindest so gut, dass es nichts zu kritisieren gibt. Das ganze Auto groovt und ist für einen so erwachsenen Benz mit einem Einstiegspreis von rund 30.000 Euro wirklich angemessen gepreist. Das gilt für das Burmester Surround-System des Mercedes A 200 mit seinen 791 Euro ganz genauso, zumal sich der Aufpreis in Verbindung mit einem der beiden Energizing-Paketen auf 494 Euro verringert. Spätestens dann ist Preußens Beitrag zum neuen Schwabenstolz ein Mega-Schnäppchen.

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Mercedes-Benz A 200 mit Burmester Surround-Sound
2019/01
Test-Ergebnis: 4,8
überragend
Bewertung
Auto
Anlage
Fahrspass

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Neutrale Abstimmung, sehr tiefer, knackiger Bass, sehr gute Dynamik
Brillante Sprachsteuerung versteht so ziemlich alles, außer Schwäbisch
Die Kombination aus MBUX und Me Connect eröffnet eine Fülle von Möglichkeiten
Das sichere und auch im Sport-Modus nicht übermäßig harte Fahrwerk mach den A 200 zum kompakten Kilometerfresser

Preis (Hersteller-Empfehlung): Mercedes-Benz E 200 ab 30.916 Euro, Burmester Surround-Sound-System 791 Euro

Vertrieb:

Daimler AG
Mercedesstraße 137
70327 Stuttgart
www.mercedes-benz.de

Weitere Informationen zu Burmester und Mercedes-Benz unter www.burmester.de