Home / Test / Verstärker / Vollverstärker / Test Vollverstärker Neukomm CPA155S – der kompakte Favoritenkiller

Test Vollverstärker Neukomm CPA155S – der kompakte Favoritenkiller

Da der Var-Ausgang auch die verstärkereigenen Endstufen ansteuert, ermöglicht diese Option sogar, dass sich der Neukomm CPA155S als Leistungsendstufe nutzen lässt. Darüber hinaus kann der Var-Ausgang auch als hochwertiger Kopfhörerausgang dienen. All diese Besonderheiten werden in der deutschsprachigen Bedienungsanleitung zwar hinreichend genau beschrieben. Jedoch würde ein Blockschaltbild vom Innenleben des CPA155S die Konfigurationsmöglichkeiten besser erkennbar darstellen.

Neukomm CPA155S – Musterknabe im Messlabor

Immer wieder finden sich HiFi-Verstärker, die an bestimmten Lautsprechern subjektiv gute Klangresultate einfahren, an anderen Lautsprechern oder im Messlabor hingegen weniger oder kaum überzeugen können. Daher war ich besonders gespannt, ob sich die mit dem Neukomm CPA155S im Vorfeld gesammelten, überdurchschnittlichen Klangresultate an unterschiedlichsten Lautsprechern im Messlabor bestätigen.

In der Tat zeigte der Schweizer Amp in Peter Schüllers Reich Messwerte wie im Bilderbuch – wie die Diagramme in der nachfolgenden Galerie belegen, brillierte er mit hoher Bandbreite (>200kHz), unbedingter Stabilität (>= 1 Ohm), hohem Dämpfungsfaktor (>1000) sowie extrem geringen harmonischen Verzerrungen mit nahezu perfektem und lastunabhängigem Oberwellenspektrum – letzteres gelingt selbst der altehrwürdigen 300B im Single-Ended-Betrieb kaum besser.

Vorwärts Zurück
Neukomm CPA155S Technical Spedifications and Frequency Response with Load
Neukomm CPA155: Messwerte und Frequenzgang unter Last bei 8, 4 und 2 Ohm (rot, grün, blau). (Messung: P. Schüller)
Neukomm CPA155S damping factor vs. frequency
Neukomm CPA155S: Dämpfungsfaktor (log.) versus Frequenz (Messung: P. Schüller)
Neukomm CPA155S THD spectra 4k/2k/1k/500/250/125Hz 8 Volts into 8 Ohms
Neukomm CPA155S: Oberwellenspektrum bei 4k (türkis), 2k (magenta), 1k (grün), 500Hz (rot), 250Hz (blau), 125Hz (schwarz) bei einer Ausgangsspannung von 8V an 8 Ohm. Sehr gut zu erkennen die frequenzunabhängige Oberwellenstruktur (Messung: P. Schüller)
Neukomm CPA155S THD spectrum vs Load Impedance (Uout = 8V/1kHz)
Neukomm CPA155S: Oberwellenspektrum in Abhängigkeit zur Lastimpedanz bei einer Ausgangsspannung von 8V/1kHz. Über einen weiten Impedanzbereich dominieren die geradzahligen Harmonischen (Messung. P. Schüller)
Neukomm CPA155S THD spectrum vs Load Impedance (Uout = 8V/1kHz)
Neukomm CPA155S: Oberwellenspektrum in Abhängigkeit zur Lastimpedanz bei einer Ausgangsspannung von 8V/1kHz. Hier anders dargestellt in 20Hz-Inkrementen: Sehr gut zu erkennen die weitgehend lastunabhängige Oberwellenstruktur (Messung. P. Schüller)
Vorwärts Zurück

Die einzelnen Messwerte des Neukomm CPA155S ließen sich sicher noch eingehender kommentieren. Doch möchte ich hier Peter Schüller nicht vorgreifen, der sich in einem alsbald folgenden, eigenen Beitrag ausführlich zum Thema Verstärker-Messtechnik äußern wird.

Bereits vor 40 Jahren wusste man: Gute Messwerte allein machen noch keinen Top-Verstärkerklang. Wie die Messungen des Neukomm CPA155S jedoch deutlich belegen: Verstärker, die wirklich top klingen, messen sich auch hervorragend. Unbedingt gilt das für solche Amps, die man als Testredakteur ruhigen Gewissens uneingeschränkt empfehlen kann – egal, welchen Lautsprecher es anzutreiben gilt. Nicht wenige sich „High End“ nennende Verstärkerchen erfüllen heutzutage nur noch mit Ach und Krach die Anforderungen der altehrwürdigen HiFi-Norm DIN 45 500.

Neukomm CPA155S – innere Werte

Weil’s bislang schon recht technisch ablief, an dieser Stelle ein kurzer Schnelldurchgang vom Signalfluss im Neukomm CPA155S. Alle Eingangssignale laufen zwecks Entkopplung zunächst auf hochwertige Pufferstufen. Auf den elektronisch arbeitenden Eingangswähler folgt der Lautstärkesteller, der auf analoger Ebene mit elektronisch geschalteten Festwiderständen arbeitet (127 Stufen à 0.75 dB).

Neukomm CPA155S Input- and Preamp-Board
Die Eingangs- und Vorverstärker-Baugruppe ist unmittelbar bei den Anschlüssen an der Rückwand montiert (Foto: J. Schröder)

Die beiden Leistungsendstufen arbeiten gleichspannungsgekoppelt in Power-MOS-FET-Technik. Pro Kanal kommen drei komplementäre MOS-FET-Pärchen von International Rectifier zum Einsatz (echte N- und P-Kanal-Typen). Das Hochfahren der Endstufen nach dem Einschalten übernimmt ein zweiter, kleiner Ringkerntrafo, der auch zur Stromversorgung der Vorstufen und des System-Controllers dient. Erst wenn die Endstufen stabil arbeiten, wird der große 330-VA-Ringkerntrafo zugeschaltet. Das soll mögliche Schäden an Verstärker oder Lautsprecher beim „Kaltstart“ vermeiden.

Neukomm CPA155S
Ruhe bitte: Beide Ringkerntransformatoren im Neukomm CPA155S zeichnen sich durch absolute, mechanische Brummfreiheit aus (Foto: J. Schröder)

Wie man sieht, verzichtet der Neukomm CPA155S auf jegliches schaltungstechnische Chi-Chi. Vielmehr bezieht er seine Qualitäten aus dem „Gewusst wie“. Hier merkt man, dass Hansruedi Neukomm als Entwickler im Halbleiterbereich tätig war und seit nunmehr 50 Jahren Verstärker baut.

Neukomm CPA155S – der Hörtest

Die vergangenen zwölf Monate habe ich oft mit dem Neukomm CPA155S gearbeitet. Und ganz gleich, an welchen Lautsprechern: Stets hat mich seine absolut schlackenfreie, farbenprächtige und anspringend lebendige Spielweise begeistert. Bemerkenswert fand ich dabei auch, dass er Lausprecher bei explosiven Dynamiksprüngen unglaublich packend und absolut sicher wie kaum ein anderer führen kann. Wurde es mal übermäßig laut, griff eher seine Überstrom-Schutzschaltung ein, als dass der CPA155S dynamisch in die Knie ging.

Damit war klar, dass für einen Hörvergleich mit dem Neukomm CPA155S das Beste an Vollverstärkern gerade gut genug war. Im großen LowBeats Hörraum fanden sich gleich zwei adäquate, oft gespielte Match-Partner: Zum einen der Cambridge Audio Edge A (den ich ebenfalls für einen absolut herausragenden Transistorverstärker halte) sowie den Glaskolben-Leistungsträger Octave V 80 SE. selbstverständlich mit angekoppelter Netzteil-Erweiterung Super Black Box. Als Zuspieler diente der ebenfalls testbewährte, hochkarätige D/A-Wandler Questyle CAS192D aus dem Questyle Golden Reference System – versorgt mit digitalen Audiosignalen aus dem Netzwerkspieler Pioneer N-70AE.

Neukomm CPA155S at LowBeats listening suite: Test Setup
Illustre, internationale Spielpartner: Der Neukomm CPA155S beim Hörtest im LowBeats Hörraum (Foto: J. Schröder)

Natürlich fand auch dieser Hörvergleich wieder mit mehreren Lautsprechern statt, um eventuell lastabhängiges Klangverhalten der Verstärker aufzuzeigen. Den Auftakt machte die große Canton A-55, die sich derzeit für den kommenden Test bei LowBeats einspielt.

Wie nicht anders zu erwarten, zeichnete sich das Verstärker-Triple-Match durch extrem hohes Niveau aus. Die beiden Transistor-Amps schlugen hierbei eine durchaus ähnliche Klangrichtung ein – nämlich kraftvoll und sauber-durchzeichnend. Allerdings spielte der Neukomm im Vergleich zum Cambridge Audio Edge A noch eine Spur agiler, charmanter. Der Cambridge wirkte ein wenig trockener, ohne dabei jedoch ins Glanzlose zu verfallen – gut zu hören an den Glockenspiel-Sounds bei Miss Teardrop von Felix Laband. Zudem agierte der Neukomm im Tiefbassbereich bei „Dirty Nightgown“ vom gleichen Album Dark Days Exit noch ein wenig nachdrücklicher.

Der Octave V 80 SE hingegen verpasste dem Klangbild im Vergleich zu den Transistoramps in den oberen mittleren Lagen (1-bis-2-Kilohertz-Region) einen etwas vordergründigeren Anstrich. Das ließ beispielsweise Stimmen ein wenig stärker hervortreten. Der Neukomm arbeitete Klangfarben-Schattierungen im stimmlichen Bereich jedoch genauer heraus, was Sängerin Rochelle bei „Ballerina Footprints“ von Florent Campana authentischer rüberkommen ließ.

An die Sauberkeit und Durchzeichnung der beiden Halbleiteramps reichte der Octave V 80 SE nicht ganz heran, was ebenso für die Impulsivität und Kraftentfaltung im Bassbereich galt. Hinsichtlich Bassintensität jedoch konnte der Röhrling erstaunlich gut mit der Halbleiterkonkurrenz mithalten, auch wenn er in puncto Kontrolle die Zügel hier etwas schleifen ließ.

Dennoch hatte die Röhre durchaus ihren Charme: Bei „Velvet & Air“ von Florent Campana beispielsweise ließ sie durch ihre Auffächerung in den mittleren Lagen eine virtuelle Dreidimensionalität entstehen, die die Marimba-Windspiel-Sounds enorm plastisch klingen ließ. Der Neukomm dagegen zeigte dann aber doch sofort, dass es sich dabei nicht um natürliche, sondern um elektronische Klänge handelt – Information statt Interpretation.

Die Wolf von Langa Audio Frame London ließ dank ihrer enormen dynamischen Feinauflösung die charakteristischen Eigenschaften der drei Verstärker noch etwas deutlicher zutage treten. So schien es beispielsweise beim Cambridge Audio Edge A, als hätten die Töne bei ihm eine kürzere Ausklingphase (decay time) als beim Neukomm CPA155S.

Natürlich sollte man beim Lesen solch verbaler Vergleiche stets berücksichtigen, dass sie subtile Unterschiede beschreiben, die einen seriösen A-B-Vergleich mit Pegelabgleich erfordern. Nichtdestotrotz konnte der Neukomm an der Audio Frame London seinen klanglichen Vorsprung gegenüber dem Cambridge noch ein wenig ausbauen.

An den Wolf von Langa Dipolen konnte sich der kompakte Schweizer gegen den badischen Glaskolben-Konkurrenten klar durchsetzen: Er zeichnete sich durch lebendigeren, akzentuierteren Klangcharakter aus und bewies im Bassbereich nicht nur merklich größere Kraftreserven, sondern auch Kontrolle.

Neukomm CPA155S – Fazit

Kaufentscheidungen für HiFi-Komponenten fallen aus vielerlei Gründen – nicht nur aus klanglichen. Wer herausragende Klangqualität und Wertbeständigkeit ganz oben auf seiner Liste führt, sollte beim anstehenden Kauf eines Vollverstärkers dem Neukomm CPA155S unbedingt eine Favoritenrolle einräumen: Der Schweizer Manufaktur-Amp klingt nicht nur „richtig“ – was seine hervorragenden Messwerte objektiv bestätigen –,  sondern auch richtig gut. Je besser der Lautsprecher, desto deutlicher treten die Qualitäten des Neukomm CPA155S zutage.

Zudem besticht der Neukomm durch gediegene Verarbeitung, kompakte Abmessungen und hohe Flexibilität. Zweifellos gibt’s fürs gleiche Budget andernorts „mehr“ Verstärker – mehr Klang, möchte ich jedoch ernsthaft bezweifeln. In meiner nunmehr 40-jährigen HiFi-Vita gab es nur sehr wenige analoge Vollverstärker, die mich nachhaltig beeindruckten – beispielsweise der erste NAD 3020 (den ich noch heute besitze), der Pass Aleph 0s, der Lundahl Magamp oder der Ayre AX-5. Den Neukomm CPA155S begrüße ich als neues Mitglied in meiner Hall of Fame. Er beweist, dass High End weder platzraubend, energiefressend, „untragbar“ noch kompliziert sein muss – Wohlklang ohne Nebenwirkungen. Damit bleibt der Fokus, wo er eigentlich liegen sollte: auf der Musik.

Die Mit- und Gegenspieler im Test:
Erster Test Vollverstärker Cambridge Audio Edge A
Test Octave V 80 SE – der Referenz-Vollverstärker
Test D/A-Konverter Questyle CAS192D mit True DSD
Test Streamer-Netzwerkplayer Pioneer N-70AE

Neukomm Audio CPA155S
2019/02
Test-Ergebnis: 4,7
Überragend
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sensationell transparenter, facettenreicher und dynamischer Klang
Überzeugt auch an schwierig anzutreibenden Lautsprechern
Zeitlos-klassisches Design und perfekte Verarbeitung
Kompakte Maße, geringe Wärmeentwicklung

Vertrieb:
Schüring High End
Bernd Schüring
Lindenallee 36
21465 Reinbek
https://www.schuering-highend.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Neukomm CPA155S: 6.600 Euro