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Test Opel Insignia Grand Sport 2017 mit Bose Sound

Blitz-Besuch im Taunus

Das hole ich jetzt alles nach: „Frank, es ist nur noch eine Viertelstunde zum Zwischenziel, die fahre ich am besten auch noch.“ Als ich dann auf einem Parkplatz das gut in der Hand liegende, lederbezogene Multifunktions-Lenkrad an den inzwischen wieder munteren Kollegen abgebe, ist mein Grinsen so breit, dass ich kaum durch die Tür der familientauglichen Sportlimousine passe. Was ist passiert? Mit mir im Grunde gar nichts. Aber Opel hat sich mächtig gewandelt.

Würde heute ein dynamik-affiner Fahrer den Vergleich zwischen dem Opel Insignia Grand Sport und einer zeitgenössischen Sportlimousine süddeutscher Produktion machen, sähe die Sache anders aus als früher. Es gibt inzwischen auf beiden Seiten Multilenker-Hinterachsen, die Lenkung erfolgt elektromechanisch und die Motoren sind technisch ausgereizt, dabei selbstverständlich digital gesteuert. Und selbst in Sachen Smartphone Apps zum Fernzugriff geht es eng zu.

Es kommt noch besser. Angenommen, es würde sich bei dem süddeutschen Vergleichsfahrzeug um einen 3er BMW mit xDrive handeln: Dessen Besitzer dürfte sich vermutlich die Haare raufen und sich mit Fragen wie diesen quälen: Warum kann mein teureres Auto kein Torque-Vectoring, um die Kraft gezielt zwischen den Antriebsrädern der Hinterachse zu verteilen?

Test 2017 Opel Insignia Grand Sport mit Bose
Mit seinem elektronisch gesteuerten Twinster Differenzial für die Hinterachse bietet der Opel Insignia Grand Sport dank Torque Vectoring und sportlicher Kraftverteilung mit 60% der Allrad-Kraft an der Hinterachse jede Menge Sicherheit und vor allem auch Spaß im Winter. Leider lag im Taunus kein Schnee mehr (Foto: Opel)

Verbesserung der Fahrstabilität und des Einlenkens durch zwei elektrisch gesteuerte Lamellen-Kupplungen im Hinterachsdifferenzial versus radselektiven Bremseingriff. Oder Brembo-Bremsen mit definiertem Druckpunkt und exzellenter Dosierbarkeit kalt wie warm versus Sport-Bremssättel in auffälliger Metallic-Lackierung. Und zwar zu Ungunsten der Süddeutschen. Als ich beim Zwischenstopp das „amtliche“ Differential sehe, wird mir schlagartig klar: Die machen ernst bei Opel.

Deshalb konnte ich es nach dem Technik-Talk kaum erwarten, den damit ausgestatteten 260-PS-Turbo-Benziner zu scheuchen. Schließlich mussten wir zu Anfang der Fahrvorstellung des Opel Insignia Grand Sport mit dem Basis-Benziner mit 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo-Direkteinspritzer Vorlieb nehmen.

Doch auch selbst das war mir eine Freude – dank knackigem 6-Gang-Schaltgetriebe und direkter, gleichmäßiger Leistungsentfaltung. Es gab mir außerdem die Möglichkeit, das Standard-Audio-System von Opel gegen den Bose Sound im Vergleich zu hören. Auch hier dürften sich manche Fahrer der Premium-Marken ärgern, denn ihre Standard-Anlagen haben in der Regel auch nicht mehr drauf.

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Das Twinster Sportdifferenzial leistet mehr als Bremseingriffe bei vielen anderen Allrad-Konzepten (Foto: Opel)
Brembo baut die Bremsen für Traumsportwagen wie den Nissan GTR oder die roten Renner aus Maranello. Für das Top-Modell der Insignia Linie greift man in Rüsselsheim ebenfalls auf diese erlesene italienische Zutat zurück (Foto: Opel)
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Die direkten Mitbewerber VW Passat B8 und Škoda Superb und wirken mit ihren Interpretationen des Einheitscockpits mit tief liegendem Touchscreen im Doppel-DIN-Format reichlich hausbacken gegen den auch innen schick gestylten Opel Insignia Grand Sports. Allerdings sind bei den beiden Produkten des VW-Konzerns die Materialien im Innenraum etwas edler, was mir zumindest bei den Kunststoffen der beigen Innenausstattung des 1,5-Liter-Insignia ins Auge stach. Die hoch motorisierte Sport-Version wirkte dann in Schwarz deutlich gediegener und bot auch den von mir geschätzten schwarzen Dachhimmel.

Die direkten Konkurrenten VW Passat und Škoda Superb bieten keine heckbetonte Antriebskraftverteilung wie der Opel Insignia, der mit seinem adaptiven Twinster Allradantrieb gewöhnlich 60 Prozent der Leistung an der Hinterachse bereitstellt. Dass damit schöne Drifts wie im Demo-Film möglich sind, liegt auf der Hand. Mangels geeignetem Territorium verzichte ich allerdings auf die Überprüfung.

Brembo: Die italienische Spaß-Bremse

Der neue Opel Insignia Grand Sport macht mir auch so schon viel Vergnügen. Er wirkt für einen Oberklasse-Opel mit fast fünf Metern Außenlänge vom Fahrersitz aus sehr kompakt und fühlt sich auch so leicht an wie ein deutlich kleineres Fahrzeug. Dieser Schein trügt nicht. Die Ingenieure in Rüsselsheim speckten unsere Limousine um 175 Kilogramm, den Kombi namens Insignia Sports Tourer gar um 200 Kilo ab. Er wiegt deshalb auch ohne exotische Karosseriewerkstoffe wie Aluminium oder Karbon nicht einmal 1,5 Tonnen.

Daher braucht das dreistufig verstellbare adaptive Flexride-Fahrwerk auch in der Position „Sport“ keine übertriebene Härte, um den Wagen stabil auf der Straße zu halten. Er taucht auch beim Bremsen mit den fantastischen Brembos aus Bella Italia vorne nicht übermäßig ein und lässt einen selbst auf den schlechten Straßenbelägen mancher Nebenstraßen im Taunus ganz locker spät die Kurven anbremsen.

Dass mir das Bremsen und elegant durch die Kurven schwingen mehr Spaß als das Gas geben macht, liegt nicht etwa an einer mangelnden Leistungsentfaltung des aufgeladenen Direkteinspritzers, der immerhin 400 Nm Drehmoment  bereitstellt. Es liegt auch nicht an der Hardware der 8-Gang-Automatik. Es liegt allein an der Applikation, der Schaltstrategie des Getriebes. Wer entspannt zügig durch die Kehren des Taunus gleiten möchte, wird enttäuscht.

Es vergeht selbst im Sport-Modus eine gefühlte Ewigkeit, bis das Getriebe sich zum Herunterschalten entschließt. Der Tritt aufs elektronische Gaspedal wird damit erst mit spürbarer Verzögerung in Vortrieb umgesetzt. Das passte beim Volvo V90 T6 AWD, der auch einen Asin-Warner-Schaltautomaten verwendet, oder den 8-Gang-Automatiken von ZF besser. Beim Opel heißt es für sportliche Fahrer: Alles oder nichts. Du musst entweder gegen einen deutlichen Widerstand den Kickdown nach alter Väter Sitte wagen oder die Schalt-Paddel am gut in der Hand liegenden Lenkrad bemühen.

Test 2017 Opel Insignia Grand Sport mit Bose
Die Fahr-Premiere des Opel Insignia Grand Sport war für den Autor des Berichts eine Reise in seine eigene Vergangenheit. Er stammt nämlich aus dem Rhein-Main-Gebiet und sein Vater fuhr früher Opel Rekord (Foto: Opel)

Angesichts des erstaunlich günstigen Preises des agilen, stimmigen Gesamtpakets sprechen wir hier allerdings von Jammern auf hohem Niveau. Der Sound des kräftigen Vierzylinders hinterlässt mich gespalten. Zwar kommen keine mechanischen Geräusche ans Ohr und der Sound wirkt auch recht gut gedämpft, doch gleichzeitig reichlich artifiziell. Mal pfeift er wie ein Raumschiff, mal grummelt das Opel-Aggregat. Doch können die Autobauer einem Audiophilen nichts vormachen. Schon bevor ich den entsprechenden Hinweis auf ASM (Active Sound Management) in den technischen Unterlagen finde, ist mir klar, dass hier Sound-Tuner am Werk waren, die mit Hilfe des Bose Sound-Systems den Motorklang zurechtgestylt haben. Das haben zwar auch die Konstrukteure des Nissan GT-R gemacht, aber ihren elektronischen Trickserien kommt man dabei mit dem Gehör nicht so leicht auf die Schliche.

Immerhin hört man beim Insignia Diesel, mit dem wir am Ende der Dienstreise zum Flughafenbahnhof tuckerten, keinerlei Genagel im Innenraum, wovon sich viele teure Taxi-Limousinen aus dem Ländle eine Scheibe abschneiden könnten.

Fazit: Opel Insignia Grand Sport mit Bose Sound

Letztes Mal im Taunus wurde ich geblitzt. Diesmal bin ich geflasht. Der Kurztrip nach Hessen hat nicht nur Heimatgefühle geweckt, sondern auch ein Umparken im Kopf bewirkt. Zwar passt eine 5-Meter-Limousine derzeit weder ohne lästiges Rangieren in meine enge, schwer zugängliche Garage, noch in mein automobiles Beuteschema. Doch gilt für für den Opel Insignia Grand Sport, was ich schon über manche tolle HiFi-Komponente im Fazit geschrieben habe: Dieses ebenso günstige wie in jeder Hinsicht äußerst ansprechende Auto würde ich einem guten Freund respektive einer guten Freundin empfehlen – auf die Gefahr hin, dass ich dann wegen des tollen Fahrwerks und der bemerkenswerten Brembos nur die Rücklichter sehe. Immerhin ist die schnittige Rückansicht mit den dreidimensional wirkenden Leuchtelementen und den links und rechts angeordneten Auspuffrohren die Schokoladenseite des zeitlos schnittigen Insignia-Designs.

Das Bose Sound-System des Opel Insignia Grand Sport leistete sich bis auf eine gewisse Brummigkeit im Bass, die allerdings nur bei Franks fett abgemischten Beginnern auftrat, keine Schwächen und darf für 580 Euro als Schnäppchen bezeichnet werden. Die Konnektivität gefiel mir gut, vom klanglich einwandfreiem, auch zum Telefonieren nutzbaren Bluetooth-Streaming über jede Menge-USB-Buchsen (zwei davon finden sich sogar im Fond). Das Navi nutzt zwar nur DAB+ Infos für Verkehrsmeldungen, lässt sich aber wie das gesamte Infotainment am zentralen Tochscreen gut bedienen. Wer’s braucht, bekommt sogar Apple CarPlay oder Android Auto. Und mit Opel OnStar können sich Mobilgeräte über einen bordeigenen Hotspot in das schnelle 4G/LTE WLAN des Wagens einloggen – etwa für Musik-Streaming aus dem Internet.

Gerade in der 2.0-Turbo-Variante mit 260 PS macht der Opel Insignia Grand Sport viel mehr Spaß als sein direkter Mitbewerber von Škoda. Der von LowBeats getestete Superb ist zwar ein grundsolides, komfortables Auto, doch er wirkt viel schwerer und schwammiger im Fahrwerk und der Lenkung. Auch der Allradantrieb ist eher auf Sicherheit und weniger auf Fahrdynamik abgestimmt. Die Schaltlogik seines Doppelkupplungsgetriebes ist allerdings besser an das Auto angepasst als die 8-Gang-Automatik des bildschönen Rüsselsheimer Newcomers. Auch das Canton-Audio-System bildet noch besser ab und löst feiner auf als das Bose-Pendant, mit dem es allerdings einen nicht übermäßig differenzierten Bass gemeinsam hat. Ungeachtet aller Unterschiede bieten sowohl Opel als auch Škoda zwei Preishammer an – was für die Autos und die Anlagen gilt. Nur eben unter gegensätzlichen Vorzeichen. Bei den Rüsselsheimern ist das Auto dynamischer, bei den Tschechen die Anlage.

Im Beitrag erwähnte Themen:
Test Škoda Superb mit Canton HiFi System
Test Volvo V90 T6 AWD mit Bowers & Wilkins Sound System
Test Bose Panaray-Sound-System im Cadillac CT6
T
est Mazda MX5 mit Bose Sound
Test Audi R8 Spyder mit Bang & Olufsen Sound System

Active Sound Management: aktuelle Sound-Design Trends im Automobilbau

Opel Insignia Grand Sport mit Bose Sound
2017/03
Test-Ergebnis: 4,6
Überragend
Anlage
Auto
Spassfaktor

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Gerade im Stimmbereich sehr ausgewogener Klang mit sattem Bass
Viel Anlage und viel Auto für’s Geld
Ausgewogene Fahrzeugbalance, heckbetonter Allrad-Antrieb mit Torque-Vectoring, exzellente Bremsen, sehr guter Fahrkomfort
Im Bass geht Quantität vor Qualität und auch die Abstimmung der Automatik könnte noch etwas Feinschliff vertragen

Preis (Herstellerempfehlung):
Opel Insignia Grand Sport 2.0 Direct Injection Turbo 41.500 Euro, Bose Sound System 580 Euro

Vertrieb:
Adam Opel AG
65423 Rüsselsheim am Main
www.opel.de

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