Der Lautsprecher Teufel aus Berlin hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr auch bei Kopfhörern zu einer grioßen Nummer entwickelt und möchte daher auch beim neuesten Clou der Branche nicht zurückstehen. Die Rede ist vom sogenannten Open-Air-Konzept, das einen außergewöhnlichen Trage- und Soundkonzept verspricht und erstmals vom chinesischen Sportkopfhörer-Spezialisten Shokz angeboten wurde. Die Berliner Alternative heißt Teufel Airy Open TWS und möchte weit mehr als nur ein Sportkopfhörer sein…
Knubbel rein, Knubbel raus. Passstücke wechseln. Knubbel wieder rein. Und wieder raus. Klassische Handgriffe, wenn es um den Spieleinsatz von herkömmlichen In-Ear-Knopfhörern geht – das Prozedere mag manch einer zuweilen als lästiges Gefummel am oder im Ohr empfinden. Und den Sitz im Gehörgang ähnlich. Nicht ganz zufällig sind also etliche Redaktions-Mitglieder überzeugte Verfechter des noch nicht allzu lange währenden Prinzips der „Open-Ear“-Kopfhörer geworden…

Aber: „Offene Ohren“… – was soll das? Einfach und kurz erklärt: Die Klang-Module nisten sich nicht im Gehörgang ein, sondern schweben davor. Vorteil: Das Rein-/Raus-Knubbeln entfällt und die zarte Haut im Innenohr wird erst gar nicht touchiert. Kein Drücken, kein Stau von Körperwärme. Zudem dringen Umgebungsgeräusche während der Musiksession nach wie vor ans Ohr – wichtig oder gewünscht, wenn man im Straßenverkehr unterwegs ist oder eine wichtige Ansage in Zug oder Flugzeug nicht verpassen möchte. Nachteil: Auf engem Raum hören aufmerksame Bürger unter Umständen mit (kommt so gut wie nie vor) und der Klang reicht prinzipbedingt nicht so tief in den Basskeller wie mit In-Ears. Dafür dehnt sich das Stereopanorama vehementer aus, das Raumambiente gewinnt. Dazu später mehr im Hörtest.
Teufel Airy Open TWS: miniaturisiertes Hightech
Unterm Strich also eine verlockende Variante für mobile Musikfreunde. Die neuen Airy Open TWS der Berliner Manufaktur Teufel werben obendrein um Sportfreunde – in grau oder schwarz sollen sie recht stabil mit einem Bügel an den Ohren andocken. Wer dabei draußen unterwegs ist, muss zudem dank IPX4-Zertifizierung Regenspritzer oder Schweißperlen nicht fürchten.
Wir packen also mal aus. Im kleinen Kartonquader schlummern in einem stabilen Kästchen aus Kunststoff die beiden Soundmodule wie in einem maßgeschneiderten Nest. Der Clou: Dort können die Airy Open via USB-C-Port Saft saugen, zum Beispiel vom Laptop, und so einen Stromvorrat von bis zu 20 Stunden anlegen (inklusive Ladecase). Bis zu sechs Stunden befeuern die Earbuds dann am Ohr Outdoor-Sessions. Wer’s eilig hat, kann eine Zwischentankung einlegen – zehn Minuten sollen bis zu eineinhalb Stunden Wiedergabe reichen.

Aber weiter. Erst einmal die teiltransparenten rechteckigen Schutzpflaster von den Hörkapseln lösen. Und schon aufgesetzt! Der Hook am Modul lässt sich intuitiv einfach hinter die Ohren klemmen, ohne dass dies drücken würde oder lästig wäre. Via Bügel kann man den Earbud dann recht zielsicher in die gewünschte Position vor dem Ohr positionieren. Gesagt, getan – nach anfangs zwei, drei Anläufen, die bei mehrmaligem Aufsetzen nicht mehr nötig waren. Passt. Alles in allem tragen sich die Teufel Airy Open TWS so angenehm, dass ich mehrfach vergaß, sie abzusetzen – man spürt sie mit ihrem Gewicht von gerade einmal acht Gramm kaum…
Die Teufel-Technikabteilung bescherte den Airy Open TWS je Kapsel einen „Linear-HD“-Breitbänder mit 14,2 Millimeter Durchmesser. Dazu gesellt sich eine aktuelle 5.3-Bluetooth-Sektion fürs Musikstreaming, die zudem Videoton lippensynchron supportet. Wenn wir schon dabei sind: Die Telefonzentrale der Ear-Buds vermittelt Ton- und Videocalls dank vier Mikrofonen in prima Sprachqualität – eine Fraktion hält dabei Umgebungsgeräusche fern, die andere fokussiert die Sprache. Die verschiedenen Bedienbefehle lassen sich via Berührungs-Sensoren weitergeben. Klar, da heißt es wie bei anderen Mini-Ohrhörern auch, im Vorfeld die Touch-Anleitung gut durchzulesen. Und ein bisschen üben.

Und go: Das Pairing zwischen Smartphone und den Airy Open TWS funktioniert reibungslos. Smart sozusagen, denn nach dem Öffnen des Aufbewahrungs-Kästchens sind die Minis betriebsbereit – einfach in der Bluetooth-Einstellung von iPhone & Co die Airys anklicken und los geht’s. Der Bluetooth-Empfang bahnte sich übrigens im Reichweite-Test sogar über gut zehn Meter Distanz durch zwei Räume hindurch. Chapeau. Womit wir bei der Klangperformance der kleinen Teufelchen angelangt sind.
Höreindruck
Wie gesagt, setzen (noch) nicht allzu viele Hersteller auf das Open-Ear-Prinzip. Bereits dabei sind neben dem chinesischen Spezialisten Shokz auch der Weltmarktführer Harman/JBL. Und, ja: Ich schließe mich – keinesfalls im vorauseilenden Gehorsam – der Gruppe der Überzeugten gerne an: Das Open-Ear-Prinzip ist eine echte Bereicherung.
Denn da werden auch längst vergessene Erinnerungen an meine Stereo-Pionierzeit wach. Der Spieltrieb und das knappe Budget verführten in den fortgeschrittenen 1970ern dazu, meine Grundig-„1000“-HiFi-Boxen im kleinen Jugendzimmer auch mal nah, sehr nah an die Lauscher zu positionieren: Quasi studio-like als Nahfeld-Monitor aufgestellt, mit dem Kopf in der Mitte als Sandwich-Prinzip, eingetaucht in die Musik. Die Offenbarung stellte sich ein: Elton John’s „Tiny Dancer“ oder „Jackson Browne“ mit seinem Live-Track „Runningn On Empty“ schossen damals akustisch den Vogel ab, stießen in beinahe intime Dimensionen vor. Wie Kopfhörer. Damals lagen ein Beyerdynamik DT 880 neben dem Dual-721-Dreher, doch die Nahfeld-Erfahrung toppte das Erlebte. Zumindest für eine Weile. Bis die HiFi-Freude schließlich zum HighEnd-Genuss reifen sollte.
So ähnlich ging es mir in punkto Plastizität mit den Open-Ears von Teufel: Macht hoch die Tür, das Tor macht weit – der Raum öffnete sich spontan in großzügigem Stereopanorama. Wer das mag, ist hier gut aufgehoben. Klar wurde aber auch, dass dieses Vor-dem-Ohr-Prinzip keine große Bass-Gewalt und Mega-Lautstärke ausüben kann, der vorgelagerte Schalldruck reicht da einfach nicht aus. Was im Grunde ja auch nicht der Sinn der mobilen Sound-Sache ist. Ein Equalizer oder eine App zum Feintuning des persönlichen Sound-Geschmacks gibt es für den Teufel Airy Open TWS nicht und wäre kaum sinnvoll, weil der kleine Treiber bei einer Bass-Anhebung schnell überlastet ist.
Bühne frei für die Test-MusikerInnen: Die kanadische Pop-Band The Weather Station legte mit „Defense“ schon einmal mit prima Raumgefühl los – der Folk-Rock spannte sich in akustischem Panavision schön breit von links nach rechts, dabei tonal homogen. Das Ganze wirkte tonal recht aufgeräumt mit prima Stimmartikulation von Sängerin Tamara Lindeman. Vielleicht hätte die Durchhörbarkeit etwas prägnanter ausfallen können, ebenso der Bassdruck. Dafür entschädigte das „freie“ Hörgefühl. Übrigens: Head-Banging funktioniert ganz gut mit den Open-Ears – Kopfwackeln lässt sie nicht gleich vom Ohr plumpsen.
Die Klassikabteilung besetzte die bewährte Sol Gabetta mit Cello und Orchesterbegleitung. Das edle Instrument inszenierten die Airys recht sehnig in Solo-Passagen, auch die Mitmusiker-Riege drang recht gut aufgefächert an die Ohren. Schmelz und Glanz der Streicher sowie die Wucht des Orchesterkörpers könnten jedoch fulminanter ausfallen.
Ausnahme-Klarinettist Rolf Kühn weilt seit 2022 nicht mehr unter uns. Mit seinem letzten Album „Fearless“ vermachte er uns jedoch einige Perlen, wie etwa das gediegene „Somewhere“. Der Drum-Besen streichelzart, das Piano fein perlend, der Bass brummt – wenn auch nicht sehr tief. Dafür beeindrucken Raumambiente und die recht strahlende Klarinette. Die Albumbesprechung gibt’s hier:

Und wie klingt der Teufel zum Original” von Shokz? Die Chinesen haben ja mittlerweile zwei Modelle im Programm: den neuen Shokzs OpenFit Air (109 Euro) und den ursprünglichen OpenFit für 169 Euro. Den Teufel würde ich beiden Shokz-Modellen vorziehen: Weil er in den Mitten noch ein Hauch feiner, vor allem aber im Bass druckvoller klingt.
Fazit Teufel Airy Open TWS
Das hat schon was: Kopfhörer, die gefühlt quasi fast gar nicht da sind und zudem eine breite Stereobühne inszenieren. Das „Open-Ear“-Prinzip, das nach Konkurrenten wie Shokz nun auch die Berliner Teufel(s)-Kerle für sich entdeckt haben, begeistert mit raumgreifendem Soundambiente. Die Airy Open TWS Teufel punkten zudem mit homogen-luftigem Klangbild, das prinzipbedingt allerdings nicht besonders tief in den Tieftonkeller hinabsteigt oder mit Kick-Bässen lockt. Macht nichts: Unterm Strich empfehlen sich die Open-Ears aus Berlin als innovative Out- und Indoor-Begleiter: einfach zu handhaben und mit fantastischem Trage-Komfort.
Teufel Airy Open TWS Teufel | 2025/04 |
![]() | |
überragend |
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| Luftig-räumliches, tonal recht ausgewogenes, homogenes Klangbild Tragekomfort mit tollem Sitz |
| Prima Verarbeitung |
| Spritzwasserschutz nach IPX4 |
| Kein Equalizer/keine Sound-App |
Vertrieb:
Lautsprecher Teufel GmbH
Bikini Berlin
Budapester Straße 44
10787 Berlin
www.teufel.de
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Teufel AIRY Open TWS: 120 Euro
Technische Daten
Teufel Airy Open TWS | |
---|---|
Prinzip: | Mobile Open-Ear-Kopfhörer, Wandler-Prinzip: dynamisch |
Wandlergröße: | Ø 14,2-Millimeter |
Übertragungsbereich: | 70 – 16.000 Hertz |
Bluetooth: | 5.3 |
Farben: | „Moon Gray“ und „Night Black“ |
Lieferumfang: | Hartschalen-Ladebox-/USB-C-Ladeport, USB-C-Kabel |
Gewicht: | ca. 8 Gramm |
Alle technischen Daten |
Mit- und Gegenspieler:
Test True Wireless Mini-OnEar-Kopfhörer Shokz OpenFit: the missing link
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