„Professional Fidelity“ nennt SPL seine HiFi-Gerätefamilie, zu der auch der neue SPL Phonos Duo gehört. Der Name verspricht HiFi, das den Ansprüchen und Qualitätsstandards professioneller Studiotechnik genügt. Und genau das bekommt man auch: Einen klanglich neutralen, enorm dynamischen Phono-Preamp, der als Arbeitsgerät genauso überzeugt wie als Genussmittel.
In Mastering- und Aufnahmestudios ist die Niederkrüchtener Firma SPL mit ihren Mikrofonverstärkern, Equalizern, Kompressoren und Effektgeräten schon seit Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken. Das Profi-Geschäft läuft gut. Warum dann also die Expansion ins eher rezessionsgeprägte HiFi-Business? Das hätte sich das Team um SPL-Chef Hermann Gier noch vor wenigen Jahren sicher auch gefragt. Aber dann stellte man fest, dass bestimmte Modelle aus dem Studioprogramm bereits still und heimlich zu audiophilen Geheimtipps geworden waren: Vom Kopfhörerverstärker Phonitor, so meldeten die Händler und Distributoren, gingen über die Hälfte aller Geräte gar nicht in Studios, sondern in HiFi-Haushalte. Also folgte man der Nachfrage – und stellte dem Phonitor passende Vorverstärker, Endstufen und Phono-Preamps zur Seite.

Das Besondere am SPL Phonos Duo
Der Phonos Duo ist nach dem originalen Phonos der zweite Phono-Aufschlag der Rheinländer. Wer sich deren Studiogerätschaften genauer anschaut, stellt aber schnell fest, dass die für Phono nötigen Skills bei SPL schon vorher in voller Blüte standen. Tonabnehmer und Mikrofone sind technisch eng verwandt und stellen an die Verstärkung die gleichen Herausforderungen. Nur dass man auf der Aufnahme- und Produktionsseite mit noch größerer Dynamik umgehen muss als bei der Wiedergabe der fertig gemasterten Aufnahmen. Auch die RIAA-Entzerrung der Phonosignale kann SPL-Entwickler Bastian Neu nicht schrecken. Für Masteringstudios baut SPL schließlich mächtige Equalizer wie den PASSEQ: Rein analog, mit komplett passiven Filtern, legendär musikalischem Klang und 28 Drehknöpfen aus Voll-Alu, sieht dieser EQ aus, als wäre er einem von Touchscreens und spartanischen Einknopf-Fronten ausgehungerten Audiophilen im LSD-Rausch erschienen.
So viel einzustellen gibt es an einem Phono-EQ natürlich nicht. Die RIAA-Kennlinie ist schließlich vorgegeben: 20dB müssen ganz oben weg, weitere 20dB ganz unten dazu, mit einem genau definierten Verlauf zwischen diesen Punkten. Dann entspricht der Wiedergabefrequenzgang wieder exakt dem des Masterbands, sofern auch der Tonabnehmer linear arbeitet. Dass solche Klimmzüge überhaupt nötig sind, liegt an zwei Grundproblemen der mechanischen Schallaufzeichnung: Wollte man die Bässe mit vollem Pegel – relativ zum Mittelton – ins Vinyl schneiden, bekäme man keine fünf Minuten auf eine LP-Seite. Und hätte auch keine Chance, sie sauber abzutasten. Der Hochton dagegen muss beim Schneiden angehoben werden, um nicht im Eigenrauschen des Vinyls unterzugehen. Zur Rückentzerrung benötigt man Filter mit der exakt spiegelbildlichen Charakteristik. Diese sind im Phonos Duo rein passiv aufgebaut. Das ist eine Parallele zum Profi-Verwandten PASSEQ, der seinen Klang unter anderem kunstvoll designten passiven Filternetzwerken verdankt. Wer die Promi-Testimonials zu dem Gerät auf der SPL-Website liest, stellt fest: So weit, wie man manchmal glaubt, sind Audiophile und Toningenieure gar nicht auseinander.
Die zweite Parallele ist der volldiskrete Aufbau aller verstärkenden Baugruppen in 120-Volt-Technik. Jegliche Kleinsignalverstärkung und -pufferung arbeitet dabei mit einer ungewöhnlich hohen Versorgungsspannung von plus und minus 60 Volt. Das sorgt für gigantisch hohe Übersteuerungsreserven, die im Studio sicher noch entscheidender sind als im HiFi-Hörraum. Aber auch ein Phono-Preamp – erst recht mit passiver RIAA – muss das ankommende Signal extrem verstärken. Da zudem die Ausgangsspannung unterschiedlicher Tonabnehmer in weiten Grenzen variiert, kommt man mit Opamp-IC-basierten Entzerrern schnell an deren Limits, die letztlich durch die Versorgungsspannung von ±15 Volt (oft auch noch weniger) definiert werden. SPLs „VoltAir“-Technik bringt dagegen Kennlinien mit, die kerzengerade bis in die Dynamik-Stratosphäre reichen. Das „Air“ steht also nicht nur zur Deko im Namen: Es steht für den üppigen Headroom, das luftige Dynamik-Firmament, das auch über den lautesten Signalen stets rein und klar bleibt.

Operationsverstärker, die mit 120 Volt zurechtkommen, gibt es allerdings nicht in Chipform. Weshalb SPL sich eigene Amp-Module baut, aus speziellen Hochspannungstransistoren (MJD340/350) und spannungsstabilen MELF-Widerständen, piekfein arrangiert auf kleinen Platinchen, die im Gerät hochkant auf dem Motherboard stehen. Nicht weniger als neun dieser 120V-Module finden sich im Phonos Duo. Zwei davon sind Doppelmodule, die also zwei Verstärker beinhalten und als symmetrische Ausgangstreiber dienen. Die anderen sorgen für den heftigen Spannungs-Gain, der zur MM- und erst recht zur MC-Vorverstärkung nötig ist: um bis zu 70dB hebt der Phonos Duo MC-Signale an. Der intern nötige Gain ist sogar noch höher als dieser nominelle Wert, weil die passive RIAA-Entzerrung allein bereits 40dB schluckt.
Bei so hohen Verstärkungen muss auch das Netzteil blitzsauber arbeiten. SPL hat sich für ein internes, klassisches Linearnetzteil mit Mu-Metall-geschirmtem Ringkerntrafo entschieden, von dem man wirklich nicht den geringsten Mucks hört, selbst wenn man in klassischer Metal-Manier alles auf 11 dreht. Zur Regelung und Stabilisierung der beiden 60-Volt-Arbeitsspannungen dienen statt der im Original-Phonos noch verwendeten ICs nun proprietäre, diskret aufgebaute Reglerplatinchen. Integrierte Schaltkreise sind zwar nicht per se schlecht. Aber gerade bei einem Phono-Preamp wie dem Phonos Duo fühlt es sich einfach gut an, wenn damit die letzten ICs aus dem Gerät verschwunden sind. Denn auch für die Verwaltung der insgesamt 26 Relais auf der Hauptplatine ist kein Prozessor zuständig, sondern schlichte Analog-Logik ohne potenziell störenden Hochfrequenz-Takt. Lediglich eine Gleichspannung von 12 Volt muss das Netzteil für sie bereitstellen.
Die Relais setzen mit ihren langlebigen Kontakten aus vergoldeter Silber-Palladium-Legierung alle Einstellungen um, die der Besitzer oder die Besitzerin an den satt rastenden Dreh- und Kippschaltern an der Frontplatte vornimmt. An Funktionen ist kein Mangel. Anders als der normale Phonos – und ganz im aktuellen Trend zu symmetrischen Phono-Pres – verfügt der Duo neben dem Cinch-Eingangspaar auch über einen symmetrischen XLR-Eingang. Beide Eingangspaare können gleichzeitig belegt werden, der „Input“-Schalter legt fest, welchen man hört. Blitzschnelles hin- und herschalten zwischen zwei Spielern (oder zwei Armen auf demselben Spieler) geht allerdings nicht uneingeschränkt. Denn alle systemspezifischen Einstellungen – etwa Gain, Abschlusswiderstand und -Kapazität – gelten für beide Eingänge und müssen beim Umschalten eventuell angepasst werden. Aber das dauert vernachlässigbare Sekunden – und ist allemal besser, als jedes Mal Phonokabel hinterm Gerät umzustöpseln.

Falls doch mal etwas umzuverkabeln oder am Spieler herumzuschrauben ist, erweist sich der Mute-Schalter des Phonos Duo als geniales Feature. Denn so vermeidet man potenziell zerstörerische (für die Lautsprecher, im Extremfall auch für die Ohren) Knack-, Popp- und Brummexzesse. Klar könnte man auch die Mutefunktion des Vor- oder Vollverstärkers nutzen. Aber sobald dieser nicht direkt neben dem Plattenspieler steht, klappt das nicht immer reibungslos. Wenn ich in meinem Hörraum zum Beispiel bei den Plattenspielern auf dem Sideboard am Fenster bin, sehe ich vom Vollverstärker nur die Rückseite, weil dieser auf einem Lowboard mitten im Raum steht. Fernbedienungen funktionieren zwar meist auch über Bande, dann aber nicht wirklich zuverlässig und ohne optische Rückmeldung – und auch nur, wenn ich nicht vergessen habe, sie überhaupt mitzunehmen.
Neben dem Muteschalter sitzt der Monoschalter, der nicht nur für tatsächliche Monowiedergabe, sondern auch zur Fehlersuche und für Tests hilfreich sein kann. „Rumble“ links daneben aktiviert ein Subsonicfilter, das die hart eingespannten 25er Bässe meiner Tannoys eigentlich nie brauchen. An kleineren Kompaktboxen kann das Filter aber deutlich mehr Pegelfestigkeit und/oder saubereren Klang bewirken, weil es das nutzlose Membranflattern deutlich vermindert. Als zweitinnerster Schalter in der rechten Frontplattenhälfte offeriert der „Input“-Knebel die Wahl zwischen dem Cinch- und dem XLR-Eingang. Beide Eingänge stehen MM- wie MC-Systemen gleichermaßen offen. Die Wahl des Systemtyps obliegt dem „Cartridge“-Schalter, der je nach Stellung auch gleich auf den für das gewählte System zuständigen Anpassungs-Drehschalter zeigt: rechts stehen sechs Abschlussimpedanzen für MC-Systeme zur Wahl, links sechs Kapazitäten für MMs und MIs. Gegenüber dem normalen Phonos bedeutet das nicht nur eine größere Auswahl, sondern auch eine noch praxisgerechtere: Die zuvor wählbaren Werte 150, 220 und 330pF gibt es nach wie vor, nun aber ergänzt um drei kleinere Werte (12, 47 und 100pF), die mit modernen MMs à la Audio Technica oder Ortofon interessanter sind als die hohen Kapazitäten.

Die Auswahl an MC-Abschlussimpedanzen hat sich zwar nicht vergrößert, aber ebenfalls zu kleineren Werten hin verschoben: 20, 50, 100, 220, 500 und 1000Ω sind es jetzt. Auch das ist in meinem Hör- und Testalltag eher ein Vorteil – auch wenn ich die super-niederohmigen Systeme, die für 20 oder 50 Ohm Abschlusswiderstand in Frage kommen, tendenziell eher mit Übertrager höre. Durch ihre sehr kleinen Spulen sind diese Systeme nämlich auch sehr leise: Aus Ortofons SPU mit 2Ω-Spulen sprudeln knapp 0,2 mV heraus, Linns Klassiker Klyde (mit 4Ω-Spulen, wenn ich mich richtig erinnere) stemmt sogar nur 150 Mikrovolt. Da kommt man dem thermischen Eigenrauschen elektrischer Bauteile schon bedenklich nah. Auf solche MCs ist der SPL nicht wirklich spezialisiert. Ultra-rauscharme Vorverstärker erfordern andere Schaltungen, die aber auch andere Nachteile mitbringen. Mit Hochspannung und rein passiver RIAA erzielt der Phonos Duo zwar keine Rauscharmuts-Rekorde, dafür aber geradezu unglaubliche Dynamik und einen wunderbar weichen, natürlich-unangestrengten Klang. Dafür ziehe ich für Extremsysteme gerne noch einen passiven Übertrager hinzu. Was nicht nur das Rauschen komplett verschwinden lässt (messtechnisch ist natürlich noch etwas da, gehörmäßig herrscht aber Totenstille), sondern auch die klanglichen Qualitäten des Phonos Duo noch potenziert.
Praxis & Hörtest
Womit wir auch schon im Praxis- und Hörtest wären. Dabei kamen vier verschiedene Spieler zum Zug, die alle an ihren Stammplätzen stehenbleiben durften. Der SPL ist kompakt und elektrisch so verträglich, dass er überall Platz findet und an allen getesteten Stellplätzen auf Anhieb störungsfrei spielte. Das Dynavector 20X2A-L, montiert im Zehnzoll-Arm des Luxman PD-191A, erwies sich dabei als gutes Beispiel für ein leises MC, dessen Ausgangsspannung einen direkten Anschluss am Phonos Duo gerade noch sinnvoll erscheinen lässt. 5Ω Spulenwiderstand und 0,3 mV Ausgangsspannung (bei einer Schnelle von 5cm/s) bringt dieses schöne japanische Manufaktur-MC mit – und generell schon einen eher sonoren, körperreichen Klang mit akkurater, aber stets dezenter Hochtondarstellung. Dass der Phonos Duo etwas ganz Besonderes ist, ahnt man schon nach wenigen Takten. Das Dynavector beginnt daran regelrecht zu singen: Stimmen aller Art gewinnen damit einen wunderbar ausdrucksstarken, kraftvollen Grundton, während die Dynamik, die aus einer Folge von Tönen erst eine Melodie macht, ein überraschendes Eigenleben führt: Betonungen und Crescendi wirken, als hätte sie jemand auf dem Notenblatt mit Textmarker hervorgehoben. Das ist mehr als nur Laut und Leise, eher eine körperlich spürbare Präsenz und Bewegung.

Mit der Pro-Ject Tube Box DS3B, die ich zum Vergleich angeschlossen habe, wirkt die Musik zwar tonal ganz ähnlich körperbetont und zugleich fein aufgelöst. Aber nur der SPL scheint wirklich den ganzen Sänger oder die ganze Sängerin in das dynamische Geschehen mit einzubeziehen, während der (erheblich günstigere) Pro-Ject eine HiFi-Variante der Heisenbergschen Unschärferelation vorführt: Ich kann die Schallquelle entweder genau orten, oder aber ihrem dynamischen Eigenleben folgen. Beim SPL bleiben beide Qualitäten mit jeder Art von Musik absolut stabil und gleichberechtigt. Das leuchtet wahrscheinlich besser ein, wenn man’s gehört hat. Es ist aber kein kleiner Unterschied: Indem er Gewicht und Kontur, Dynamik und Stabilität miteinander versöhnt, schafft der Phonos Duo eine selbstverständliche Natürlichkeit, die selbst unter deutlich teureren Phono-Vorverstärkern Seltenheitswert hat.
Nach dem Luxman kommt mein treuer Linn LP12 an die Reihe. Weil kein Linn genau wie der andere konfiguriert ist, hier die komplette Spec: 1993er Baujahr, Originalmotor mit Lingo-Netzteil, Circus-Tellerlager, Kore-Subchassis, Ekos-Tonarm mit 8000er Seriennummer (also nach dem ersten Lager-Upgrade). Im Headshell ein Lyra Delos – das ich seit diesem Test noch mehr schätze als vorher schon. Was ist passiert? Der SPL ist passiert. Am Phonos Duo spielt das Delos wie entfesselt. Das Lyra ist ja generell kein Kind von Traurigkeit, sondern ein sehr dynamisches, fein und offen abtastendes System. Manchmal wünschte ich mir sogar etwas weniger Auflösungsfleiß, zugunsten einer etwas runderen, geschlosseneren Tonalität. Denn wie eigentlich jeder Lyra-Eigner bestätigen kann, verzeihen diese MCs keine Fehler im Setup und am Tonarm. Das liegt einerseits an dem hier verwendeten MicroRidge-Diamanten, der auf Fehlstellungen allergisch reagiert, dafür aber enorme Farb- und Detailtiefe bietet, wenn alles stimmt. Hinzu kommt der magnetisch wie mechanisch verlustarme Aufbau des Generators, der für einen präzisen klanglichen Fokus sorgt.
Mit dem SPL ist die gelegentlich leicht helle Note des Lyra wie weggezaubert. Und zwar nicht, weil obenrum Energie fehlt. Im Gegenteil: So konkrete, klare, eindeutige Höhen sind in der Phonowelt selten. Wenn sie manchmal nicht hundertprozentig sauber wirken, sucht man reflexartig die Ursache in der Justage, spielt mit Azimuth und VTA, variiert die Auflagekraft, bis man zufrieden ist oder auch nicht. Dabei übersieht man leicht, dass auch Top-Phonoteile das Obertonspektrum eines mittellauten MC-Systems (das Delos ist mit 0,6mV bei 5cm/s spezifiziert) mit einem Hauch Klirr und Stress garnieren können. Der Phonos Duo gehört zu den ganz wenigen, die sich hier komplett neutral verhalten, ohne zu bremsen. Unter diesen Idealbedingungen gibt das Delos dem Klang eine fein fließende, schimmernd transparente Note, lässt Instrumente fast erschreckend realistisch vor den Boxen erscheinen und schichtet die Sound-Layer komplexerer Aufnahmen akkurat und ästhetisch wie ein Sterne-Patissier die Teig- und Cremelagen einer Torte. „Sleep Dream Walk Enter“ von der niederländischen Band Oak gleitet jedenfalls so appetitlich frisch in meinen Hörraum, dass man in die Streicher-, Harmonium- und Theremin-Sounds des Prelude fast reinbeißen kann.

Die Platte wurde nur 500mal gepresst, und auch nur auf weißem Vinyl, was im Erscheinungsjahr 2007 noch eine normale Auflage und ein exklusives Material bedeutete. Heute ist es eher umgekehrt, eine Nachpressung dennoch sehr unwahrscheinlich – egal in welcher Farbe. Oak machen sensibel verhuschten Kammerpop, der stark an die späten Talk Talk erinnert. Und zwar in vielerlei Hinsicht: im Aufbau der Kompositionen, der Besetzung mit einem kleinen Kammerensemble, aber auch ganz bestimmten Sounds, die direkt Spirit Of Eden oder Laughing Stock heraufbeschwören: Dieser Leadgitarrensound, der an eine Mundharmonika erinnert, oder das konzentrierte, beckenfreie Filzklöppel-Getrommel, das hier ein gewisser Detlev Timm übernommen hat. Andererseits wirkt der Sound direkter und konkreter als auf den Talk-Talk-Meisterwerken. Der Genussfaktor ist jedenfalls hoch – vor allem mit einem gnadenlos genauen Tonabnehmer wie dem Lyra und seinem kongenialen Partner in diesem Test: dem SPL Phonos Duo, der diese Genauigkeit mit sagenhafter Lässigkeit einfach nur weitergibt.
Aber auch der SPL lässt sich noch verbessern. Für sehr viel Geld mit einem tatsächlich besseren (und nicht nur teureren) Phono-Preamp, wobei mir spontan erst mal gar nichts einfällt. Oder für deutlich weniger Geld mit einem separaten MC-Übertrager. Selbst das Lyra Delos, das den damit möglichen rauschfreien Extra-Gain eigentlich gar nicht nötig hat, verwandelt sich mit einer vorgeschalteten Step-Up-Box DS3B von Pro-Ject für moderate 899 € in ein absolutes Dynamikmonster. Der SPL mit seinen praktisch nicht übersteuerbaren 120V-Eingangsstufen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn der Übertrager auf 30dB Verstärkung gestellt ist und das Lyra-Signal den MM-Eingang an lauten Stellen folglich mit locker 18 mV Amplitude betritt. Mit angehobener Nadel herrscht nun eine absolute, gespenstische Stille, die die Phonofans schon fast irritiert: Ist am Verstärker überhaupt der richtige Eingang gewählt? Die Antwort kommt mit dem Aufsetz-Knack, der je nach Lautstärke fast schon pyrotechnisch knackig aus dieser Stille heraus erscheint. Da muss die Musik gar nicht mit Dynamik-Kabinettsstückchen gespickt sein, um nachhaltig zu beeindrucken. Klar: Westküstenklassiker wie die ersten Rickie-Lee-Jones-Alben oder Steely Dans dekadentes Lounge-Schlachtross Aja hauen uns nun ihr pornografisch ausgeleuchtetes Sounddesign um die Ohren, dass wir aus dem Blinzeln kaum mehr herauskommen. Das kann man auflegen, wenn Besuch von außerhalb der Branche da ist, der dagegen nicht schon allergisch ist.
Mir persönlich reicht das eigentlich nahezu dynamikfreie „Once Twice Melody“ von Beach House, um mich vor diesem Phono-Preamp verneigen zu wollen: Ach so! Hier geht’s gar nicht um Dynamik-Zackbumm. Dafür aber um ein tiefes, üppig schillerndes Soundfeld, vom Drumcomputer ganz unambitioniert auf mittleres Tempo gebracht, in dem sich dann Mellotron-Chöre und mannigfaltige Synthieflächen hinter dichten Hallschwaden stapeln. Das klingt immer ein bisschen so, wie sich Musik in Träumen anfühlt. Aber hier bekommt das Album so viel Tiefe und Differenzierung, seidigen Flow und riesiges Raumformat, dass ich gleich den kompletten Beach-House-Backkatalog direkt daran anschließen will. Das ginge sogar, weil alle acht Studioalben der Band hier irgendwo im Hörraum stehen. Es würde nur Stunden dauern, sie alle zu finden. Sowie eine ganze Nacht, um sie durchzuhören. Und dann würde dieser Test noch später fertigwerden.
Fazit SPL Phonos Duro
Wer sich den SPL Phonos anhört (und das sollte jeder Analogfan dringend tun), sei gewarnt: Rein tonal wirkt der Preamp völlig unspektakulär. Aber das ist jenseits der ersten Vorführtakte ja genau sein Geheimnis: Weich und mühelos transparent fließt die Musik durch ihn hindurch, aber auch mit kompromissloser Autorität und nur durch die Aufnahme und den Plattenspieler begrenztem Größenmaßstab. Wer wirklich leise MCs damit betreiben will, ist mit einem Step-Up-Trafo gut beraten, der nicht nur das Rauschen praktisch gänzlich verschwinden lässt, sondern auch die enorme Dynamik der VoltAir-Technik noch eindrucksvoller zu Gehör bringt. Dabei muss es nicht mal der (für Übertragerverhältnisse sehr moderat kalkulierte) DS3B von Pro-Ject sein. Selbst dessen kleiner Bruder S3 zum halben Preis hat nahezu den gleichen Effekt. Aber wer weiß: vielleicht haben die SPL-Mannen, die in ihren Studiogeräten gerne mit Übertragern arbeiten, auch schon einen passenden Step-Up für den Phonos Duo in Arbeit.
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Musiziert weich, natürlich und bei Bedarf gnadenlos kraftvoll |
| | Extrem verzerrungsarmer Klang auch mit hohen Signalspannungen |
| | Umfangreich konfigurierbar über Schalter an der Frontplatte |
| | An sehr leisen MCs (unterhalb 0,3mV) ist ein Übertrager von Vorteil |
Vertrieb:
SPL electronics GmbH
Sohlweg 80
41372 Niederkrüchten
spl.audio/de/professional-fidelity
Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
SPL Phonos Duo: 3.000 Euro
Technische Daten
| SPL Phonos Duo | |
|---|---|
| Konzept: | Phono-Vorverstärker mit Hochvolt-Technik |
| Eingänge: | Cinch und XLR |
| Besonderheiten: | Anpassung der Verstärkung |
| Kapazitäten (MM): | 12, 47, 100, 150, 220, 330 pF |
| Impedanzen (MC): | 20, 50, 100, 220, 500, 1.000 Ohm |
| Abmessungen (H x B x T): | 27,8 x 5,7 x 30,2 cm |
| Gewicht: | 3,2 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
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