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Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
Tom Evans hat seinen Dauerbrenner, die „The Groove Plus“ MC-Phonostufe nun auf die SRX-Mk3-Version gehoben. Klanglich erstklassig, aber mit 6.590 Euro leider nicht ganz billig... (Foto: Wittmann HiFi)

Test Phonostufe Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3: der Spezialist

Der neueste Phonostufen-Streich von Tom Evans sieht aus wie alle bisherigen. Bei der stetigen Groove-Evolution geht es schließlich um innere Werte – und die sollen abermals zugelegt haben. Wir testen, wie es sich mit dem Super-Phonopreamp leben und hören lässt, und wie sich Evans’ Konstruktionsphilosophie gegen andere technische Ansätze schlägt.

Irgendwann in den 1980er Jahren setzte sich schwarzes Acryl als Highend-Werkstoff durch. Eine dicke, polierte Acrylfront zierte vor allem Kleinserien-Geräte. Das Material an sich war zwar teuer. Aber es transformierte gewöhnliche Standard-Blechgehäuse in High-End-Anzüge, wenn man es mit vier schicken Inbusschrauben vornedran klatschte. Als Kirsche auf der Torte dienten dann Knöpfe aus poliertem Messing, die – weil leitfähig – nicht selten für Brumm und Knistern beim Berühren sorgten, und die – weil schwer – auch der Lebensdauer der daran hängenden Potis nicht zuträglich waren.

Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
Oldschool-Schmuckstück: Das Acrylgehäuse ist spiegelblank, sehr passgenau und je nach Lichteinfall leicht transparent. Das „+“ im rechten unteren Eck steht für 3.000 Euro Mehrpreis gegenüber dem Anniversary-Modell. Immerhin ist es wie alle Beschriftungen auf dem Gerät graviert (Foto: B. Rietschel)

Als ich auf die Geräte von Tom Evans aufmerksam wurde, es muss irgendwann in den 2000er Jahren gewesen sein, war schwarzes Acryl längst wieder out. Aber HiFi-Moden und Designtrends sind dem britischen Entwickler offensichtlich egal. Zumal der Werkstoff hier nicht wegen seines dekorativen Äußeren zum Einsatz kommt – dazu gleich mehr. Damals wie heute heißt das Modell The Groove, aber nur grundsätzlich. Der volle Name ist inzwischen komplizierter. Selbst manche Evans-Besitzer dürften Schwierigkeiten haben, ihren Phono-Preamp in seiner jeweiligen Version stets fehlerfrei zu benennen, zumal auch schräge Zwischenwerte wie Mk2.5 vorkommen. Dafür transportiert der Name The Groove Plus SRX Mk3 gleich eine Art Modell-Chronik: Wir haben hier mindestens die fünfte Evolutionsstufe jenes Groove vor uns, der mir einst als jungem AUDIO-Redakteur aus vielen Lagen Knallfolie auf den Tisch purzelte. Und der mich anschließend nachhaltig begeisterte. In diesem speziellen HiFi-Sektor, wo grundlegende Bauteil- oder Schaltungs-Quantensprünge nicht mehr oft vorkommen, kann so ein evolutionärer, langsamer Reifeprozess durchaus der richtige Weg sein.

Die Besonderheiten des The Groove Plus SRX Mk3

Die Tom-Evans-Preamps sind vom Einstiegsmodell Microgroove bis hin zum bombastisch teuren „Mastergroove“ Variationen derselben Grundphilosophie. Zu der auch das Acrylgehäuse zählt: Evans opfert die unstrittig bessere Abschirmwirkung eines Kabinetts aus (idealerweise Eisen-) Blech, weil leitfähiges Material in direkter Nähe der Bauteile und Leiterbahnen eben auch mit diesen interagiert, etwa durch die Ausbildung von Wirbelströmen. Der Entwickler ist mit dieser Ansicht nicht allein, sondern in überschaubarer, aber durchaus prominenter Gesellschaft von Leuten wie Denis Morecroft (DNM). Nebenbei ist das Acryl nicht nur ein Isolator, sondern auch leicht und resonanzarm – was ebenfalls als Vorteil zählt. So befindet sich auch unter der Acrylhülle kein schirmendes Innengehäuse. Einen minimalen Schutz gegen elektrische Felder bieten unbestückte Leiterplatten ober- und unterhalb der eigentlichen Platinen im Gerät – aber da sprechen wir von einer hauchdünnen, nicht mal einen Zehntel Millimeter starken Kupferschicht.

Alle Evans-Modelle sind reine Halbleitergeräte, die zur Verstärkung der superleisen Eingangsströme und zur Pufferung des Ausgangssignals Operationsverstärker verwenden. Keine Röhren und auch keine diskreten Transistorschaltungen, sondern ganz normale, moderne ICs. Wobei das „ganz normal“ vom Entwickler ausdrücklich betont wird: Als wäre es ein besonders Qualitätsmerkmal, verkündet die Firmen-Website stolz, dass grundsätzlich keine „audiophilen“ Esoterikkomponenten zum Einsatz kommen. Einen potenziellen Vorteil dieser Herangehensweise macht Evans gleich wieder zunichte, indem er viele Schlüssel-Halbleiter durch Abschleifen der Typennummern anonymisiert. Steht der Meister himself einmal nicht (mehr) zur Verfügung, könnte das allfällige Reparaturen kniffliger machen. Andererseits: Fällt tatsächlich mal ein aktives Bauteil, ein Opamp oder Spannungsregler aus, wäre es mit der simplen Nachbestellung des betroffenen Käfers eh nicht getan. Evans’ Schaltungen erreichen ihr volles Potenzial erst mit peinlich genau ausgemessenen und selektierten Chips.

Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
Viele Bauteile sind durch Abschleifen der Bezeichnung unkenntlich gemacht (Foto: B. Rietschel)

Dass Evans auch einigermaßen preiswert bauen kann, sehen wir an Geräten wie dem Microgroove, einem vollwertigen MC-Preamp für schlanke 720 Euro. Der fast zehnmal so teure Groove Plus aus diesem Test verfügt über eine deutlich raffiniertere Verstärkung und RIAA-Entzerrung, die je Kanal allein sechs Opamps beschäftigt. Ob es sich dabei jeweils um Ein- oder zweikanalige Typen handelt, lässt sich mangels lesbarer Beschriftung wie gesagt nicht feststellen. Jedenfalls ist auf den sauber bestückten Boards einiges geboten. Was auf dem Weg durch die Groove-Hierarchie ebenfalls regelrecht explodiert, ist der Aufwand in der Stromversorgung. Alle Phono-Preamps aus Aberbargoed, etwa 15 Meilen nördlich von Cardiff, werden aus externen Trafos mit bereits gereinigter und stabilisierter Gleichspannung gespeist, die im Gerät dann abermals geregelt und gefiltert wird – und dann je nach Modell nochmal und nochmal. Die Spannungsregler-Baugruppen sind Evans-Eigenentwicklungen, die ebenfalls kontinuierlich verfeinert werden und den Namen Lithos tragen – gefolgt, wie kann es anders sein, von einer Versionsnummer. Lithos 6.5 zum Beispiel ist der neueste Regler für größere Stromanforderungen, Lithos 7.5 sein kleinerer, feinerer, noch präziser arbeitender Bruder, der als letzte Instanz direkt den Verstärkerschaltungen zuarbeitet.

Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
Komplexität unterm Kupferdach: Jedes Verstärkerboard trägt zwei Huckepack-Platinen. Im Bild rechts das Lithos-7.5-Modul. Das kleinere Board zu seiner Linken beherbergt allein vier Opamps, die anscheinend parallel arbeiten und für den MC-Gain verantwortlich sind. Zwei weitere Operationsverstärker befinden sich auf der blauen Basisplatine (Foto: B. Rietschel)

Beide Lithos-Versionen finden sich doppelt und kanalgetrennt im Groove Plus. Der günstigere Groove ohne Plus, seit einigen Jahren als „Anniversary“ im Handel, muss auf die Vorregler verzichten und zudem mit einem deutlich kleineren externen Trafohäuschen auskommen. Auch diese Version hatte ich beim Test griffbereit. Sie spielt schon seit einigen Monaten in meinem Testalltag die Rolle des unbestechlichen MC-Spezialisten, wenn Übertrager, Röhren und andere Spezialitäten gerade mal nicht gewünscht sind. Um es vorwegzunehmen: Zwischen Anniversary und Plus dominieren im Hörvergleich die Gemeinsamkeiten. Wer also nicht reich oder verrückt genug ist, für so ein unscheinbares Acrylkästchen über 6.000 Euro auszugeben, bekommt mit dem Anniversary zum halben Preis einen ähnlichen, ausgewogen-feinen Charakter.

Klar, dass dieser Charakter nicht auf billigen Effekten basiert. In erster Linie hört man den Groove-Modellen ihre große Bandbreite und die Abwesenheit irgendwelcher Artefakte an. Rauschen und Verzerrungen sind schlicht kein Thema: Der Groove Plus schweigt bei aufgedrehter Lautstärke wie ein Grab. Die penible Auswahl der Opamps und deren fast schon obsessiv rauscharme und stabile Stromversorgung tragen also Früchte. Die RIAA-Korrektur ist mit komplett passiven Filtern um die Opamps herum aufgebaut. Die OPs verstärken das gesamte Signal also zunächst weit mehr, als der nominelle Gain des Preamps verlangt. Dann stutzt das passive Filter dieses Rohsignal zurecht, um die standardisierte, beim Vinylmastering applizierte, Vorverzerrung zu neutralisieren.

Hintergrund dieser RIAA-Kennlinie sind die technischen Grenzen des Mediums: Linear geschnitten hätten Bässe so große Amplituden, dass kaum mehr als ein paar Minuten Musik auf eine LP-Seite passen würden. Umgekehrt versänken die Höhen alsbald im mechanischen Grundrauschen des Vinyl-Rohmaterials. Also hat man sich vor rund 70 Jahren darauf verständigt, die Bässe beim Schneiden definiert zu verkleinern und die Höhen anzuheben – jeweils um bis zu 20dB, mit einem genau festgelegten Kurvenverlauf über den gesamten Audiobereich. Bei der Wiedergabe müssen exakt spiegelbildlich wirkende Filter diese Charakteristik wieder einebnen. Der Standardweg führt über frequenzabhängige Bauteile (Kondensatoren) in der Gegenkopplung der Opamps. Das wäre dann eine „aktive“ Entzerrung, weil sie den Gain der OPs mit zunehmender Frequenz verringert. Die passive Lösung – lineare Gainstufen gefolgt von passiven Filtern – geht zurück bis in die Röhrenära, wird aber von vielen Entwicklern bis heute klanglich bevorzugt. Am fertigen Gerät können wir allerdings schlecht verifizieren, ob es nun wegen der passiven RIAA so toll klingt oder aus einem anderen Grund. Zahllose andere Faktoren beeinflussen den Klang ja schließlich auch noch. Das ist so ein bisschen wie bei den angeblichen Klangsignaturen verschiedener D/A-Wandler oder auch Opamps: Man ahnt und weiß, dass sie nicht alle gleich klingen, braucht aber Hunderte von Vergleichen und Hörstunden, bis man – wenn überhaupt – das Bauteil und seine Implementierung zu trennen lernt.

Im Normalfall bleibt uns also nichts übrig, als dem Entwickler bei seiner Einschätzung zu vertrauen. Und zu konstatieren, dass Abbildungsgenauigkeit und 3D-Realismus beim Groove tatsächlich außerordentlich gut sind. Vielleicht schleift Tom Evans ja auch deshalb die Beschriftung seiner Chips ab: um fruchtlose Diskussionen über diesen oder jenen Chip, sowie die meist auf Bro Science und anekdotischer Evidenz basierenden Generalisierungen zu deren Klang, von vornherein ins Leere laufen zu lassen. Die OPs jedenfalls arbeiten auf kanalgetrennten Platinen, die im Gerät zwei Ebenen bilden: oben residiert der rechte Kanal, im Parterre der linke. Wobei man das anschließen kann, wie man will, da die beiden Kanäle logischerweise identisch sind. In meiner Anlage zum Beispiel überwiegt ganz klar die Zuordnung „rechts = unten“, die ich dann auch beim Groove beibehalte. Denn kaum ein Vergleich schlägt sich im Tester-Notizbuch in kreativeren Räumlichkeitsbeschreibungen nieder als derjenige, in dessen Verlauf versehentlich die Kanäle getauscht werden.

Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
Tower of Power: Die blauen Motherboards für linken und rechten Kanal erhalten durch unbestückte Platinen ein gewisses Maß an Schirmung. Die Perforation des Platinendachs lässt die beträchtliche Abwärme der Spanungsregler abziehen (Foto: B. Rietschel)

Huckepack auf den Preamp-Platinen sitzen kleinere Boards, die jeweils eine Lithos-7.5-Baugruppe beherbergen. Stromaufwärts befinden sich die Lithos-6.5-Vorregler, die ihrerseits über einen verriegelbaren Vierpol-Stecker mit dem externen Trafohaus in Verbindung stehen. Hier finden sich weitere Stabilisierungs- und Regelelemente, sowie ein großzügig dimensionierter, hausgefertigter Netztrafo. Das Anschlusslayout am Netzteil stellt ordnungsliebende Besitzer:innen vor ein Dilemma: Das Netzkabel geht hinten, die Verbindung zum Preamp aber vorne heraus. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, weil das Netzteil ohnehin nicht neben dem Preamp präsentiert, sondern möglichst weit davon entfernt platziert werden sollte.

Der Preamp selbst steht absolut clean im Rack, ohne sichtbare Bedienelemente. Eine einsame blaue LED signalisiert, dass die Schaltung unter Strom steht. Abschalten kann man den Preamp nur am Netzteil. Da das – siehe oben – oft nicht direkt in Griffnähe steht, dürfte der Groove Plus häufig einfach permanent am Netz bleiben. Am Heck gibt es Ein- und Ausgänge im Cinchformat, den Anschluss fürs Netzteil und eine Massenklemme. Was ein ganz normaler Phono-Vorverstärker eben so hat. Symmetrische MC-Eingänge, wie sie aktuell in Mode sind, gibt es dagegen weder für Geld noch für gute Worte. Kein Wunder, denn komplett symmetrisch aufgebaut würde der Groove definitiv nicht mehr in sein Gehäuse passen. Jedenfalls wenn man die bewährte Bauweise beibehalten wollte, die die Acrylschatulle bereits jetzt sehr gut ausfüllt. Durch die Doppelmono-Konstruktion, die auch die Spannungsregelung einschließt, finden sich im Inneren des Geräts mehrere Platinentürme aus bis zu sechs Ebenen je Turm – wenn man die unbestückten Schirmboard-Baldachine mitrechnet.

Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
Plattenbau: Hier die üppige Bestückung in der Seitenansicht (Foto: B. Rietschel)

Die Platinen sind vollgepackt, aber ordentlich verarbeitet und sind mit dünnem, teflonisoliertem Massivdraht untereinander verbunden – wenn sie nicht gerade direkt aufeinanderstecken und damit eine fast dreidimensionale Schaltungstopologie ergeben. Hier geht es erkennbar nicht nur um Platzeinsparung, sondern darum, Wege so kurz wie möglich zu halten. Was vielleicht auch erklärt, warum der Preamp trotz minimaler Abschirmmaßnahmen im Test beeindruckend störunempfindlich performte. Alle Verbindungen zwischen den Boards sind gelötet, was schleichenden Kontaktproblemen vorbeugt, den Tausch einzelner Module aber erschwert. Die Bauteile – soweit man sie erkennen kann – sind hochwertig und teilweise sehr eng toleriert. Ohne Zweifel sind auch die OPs selbst das Ergebnis enger Selektion. Alles in allem wirkt der Aufbau nicht wie ein auf wirtschaftliche Fertigung optimiertes Großseriengerät, sondern eher wie ein handgebauter Prototyp. Hier lötet der Chef noch selbst, und zwar ziemlich ausgiebig – auch das ist sicherlich ein Faktor, der sich im Preis niederschlägt.

Praxis

Als reiner, spezialisierter MC-Vorverstärker ist der Groove Plus auf Tonabnehmer mit um die 0,4mV Ausgangsspannung optimiert. Eine konkrete Gain-Angabe in dB habe ich nirgends gefunden, ich würde gehörmäßig aber auf 66dB oder etwas in dieser Größenordnung tippen. Sprich: Auch für leise Systeme an der Untergrenze der Auslegung – etwa ein DL-103R mit 0,25mV – und Vorstufen wie die Chord Ultima Pre 3, die an den Cincheingängen eher wenig verstärkt, bleiben noch ausreichende Reserven. Da die Phono-Preamps ohnehin handgebaut werden, sind auf Bestellung aber auch abweichende Gainwerte möglich. So müssen auch Betreiber:innen eher vorlauter Benz- oder EMT-MCs nicht ohne Groove-Segen durchs Leben gehen. Zur klanglichen Feinanpassung offeriert die Groove Plus zwei DIP-Mäuseklaviere pro Kanal: Das größere mit insgesamt acht Schaltern legt den Eingangswiderstand zwischen 112 und 1000Ω fest, das kleinere variiert die Kapazität fünfstufig zwischen 100 und 500pF. Damit ist so ziemlich jedes MC-System abgedeckt, und auch hier sind für wirkliche Exoten Sonderwünsche möglich.

Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
Fein anpassbar: Im abgebildeten Zustand beaufschlagt das Input-Mäuseklavier das angeschlossene MC mit 112Ω und 300pF (Foto: B. Rietschel)

In der Praxis gehört der Groove Plus zu der Art Preamps, die man einfach vergisst. Er brummt nicht, rauscht nicht, knackt und knistert nicht (solange das Knistern nicht von der Platte kommt). Auch von seinem Netzteil, das immerhin einen 70-Watt-Trafo beherbergt, gehen keinerlei Geräusche aus. Im Testverlauf zerstreute der walisische Preamp auch anfängliche Bedenken seinen weitgehend ungeschirmten Aufbau betreffend: Wie alle Phonoteile sollte er nicht in der Nähe von Verstärkern oder Netzteilen stehen. Aber er verhält sich dabei nicht brummempfindlicher als andere gut gemachte Phono-Pres. Da er kein Netzteil enthält, geht von ihm selbst zudem praktisch gar kein Störfeld aus, was eine Platzierung des Hauptgehäuses direkt neben dem Plattenspieler ermöglicht.

Die Rauscharmut des Preamps ist eindrucksvoll. Aktive MC-Stufen geben sich eigentlich immer zumindest durch ein ganz zartes Säuseln zu erkennen, wenn man zum Beispiel laut hört und dann ohne leise zu drehen die Platte umdreht. Mit dem Groove Plus ist der Hörraum in solchen Situationen so still, als wäre am Vorverstärker ein anderer Eingang gewählt oder die Mute-Taste gedrückt. Klar ist da noch irgendwas, wenn man nah am Lautsprecher horcht oder einfach bessere Ohren hat als der Autor. Aber der Störabstand des Groove Plus kommt schon nah an den guter Übertrager in Kombination mit guten MM-Eingängen heran.

Das sind gute Nachrichten. Nicht nur wegen der peinlichen Momente beim Plattewenden, die uns hier erspart bleiben. Sondern vor allem, weil sich diese außergewöhnliche Störarmut im Klang als außergewöhnliche Dynamik und Sauberkeit manifestiert: Der Groove Plus verstärkt subjektiv extrem schnell, klar und konturiert. Nach einfacheren Preamps – selbst nach dem exzellenten normalen Groove – reichen ein paar Takte etwa von Elliott Smiths gleichnamigem Debut von 1995, um dem Hörer klarzumachen: Jetzt hast du ein neues Klang-Level freigeschaltet, eines ohne Verdeckungseffekte, ohne ablenkende Artefakte, mit kristallklarem Durchblick.

Hörtest

Das neue Level kommt nicht ohne gesteigerte Verantwortung: Dass Plattenspieler perfekt eingestellt sein müssen, wird hier vorausgesetzt, denn eventuelle Fehler werden gnadenlos freigelegt. Smiths Gitarren – meist mehrere pro Track als Overdub – füllen den Raum mit folkigen Harmonien, aber auch mit metallischen Zupf- und Griffgeräuschen. Die Stimme des Singer-Songwriters klingt ultradirekt und intensiv, kann aber leicht ins Zischelig-Unsaubere kippen, wenn irgendwas nicht stimmt. An den Testspielern stimmt alles. Verwendet habe ich meinen treuen Linn LP12 mit Ekos-Arm und Lyra Delos, den Luxman PD-191A mit einem Dynavector DV-20X2AL und Luxmans eigenem LMC-5, sowie den neu eingetroffenen Vertere DG-X mit einem Audio-Technica AT-33Sa.

Was ich zu hören bekomme, ist ein fein gezeichneter, überraschend komplexer Klang, den ich so nicht vom Ur-Groove Anno Dazumal in Erinnerung habe. Lebendige, impulsive Mitten zeichneten den walisischen Preamp schon immer aus. Die Differenzierung und lupenreine Klarheit, die der Groove Plus ermöglicht, sind auch in kleineren Tom-Evans-Modellen schon erahnbar, im neuesten Groove Plus dagegen komplett ausbuchstabiert. Tendiert eine Anlage eher ins Schlanke und Vordergründige, kann der SRX Mk3 vielleicht schon des Guten zu viel sein. In ausgewogenen Ketten verleiht der Preamp dagegen jeder Platte ein ganz besonderes Maß an Einzigartigkeit, während eher runde, träge Anlagen einen willkommenen Kick mitbekommen. Klassikhörer werden mit unforcierter, lässig aufgefächerter Raumabbildung verwöhnt, und mit einem Obertonreichtum, der natürlichen Instrumenten ein Maximum an Klangfarben verleiht. Rockfreunde wiederum erfreuen sich an straffen, energischen Rhythmen und dem ungefilterten Biss der Gitarrenamps.

Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
In guter Gesellschaft: Der Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3 im Hörraum, flankiert vom Vertere DG-X und dem Luxman PD-191A (Foto: B. Rietschel)

In der Differenzierung feinster Farbnuancen ist der Groove Plus zum Beispiel auch dem Fezz Gratia Prestige mit MC-Übertrager Argentum X10 überlegen, der im Test als technologischer Gegenentwurf antrat. Und dabei auch an Qualitäten erinnerte, mit denen Opamp-basierte Phonostufen selbst in perfekter Umsetzung noch zu kämpfen haben: Der Dynamikumfang der polnischen Röhren-Übertrager-Kombi ist schlicht riesig. Die vielstimmigen Gesangseinsätze der Roche-Schwestern auf „The Roches“ (WEA Vinyl Revival 7599-27390-1) verdeutlichen das sehr gut. Auch weil die Roches bereits 1978 nicht keine verhuschten Singmäuse sein wollten, sondern stimmlich wie textlich laut und aufrecht in den Hörraum marschieren. Und dieser Einmarsch wirkt über die Fezz-Kombi nicht etwa fezziger, sondern eher breiter, stabiler, noch unangestrengter vor allem an den lauten Stellen. Egal, wie weiträumig die Sängerinnen-Gruppen im Stereopanorama verteilt sind, und egal, mit wieviel Schmackes sie zur Sache gehen: Die Fezz-Kombi lässt sie durch wie ein Scheunentor. Der Evans-Entwurf wirkt daneben vielleicht noch nuancenreicher, aber eben auch kompakter.

"The Roches"
„The Roches“ (WEA Vinyl Revival 7599-27390-1) Dezent begleitet und produziert übrigens von den Prog-Titanen Robert Fripp und Tony Levin… (Cover: JPC)

Besonders stimmig empfand ich die Zusammenarbeit des Groove mit meinem LP12, dessen gewohnt elastischer, druckvoll-grooviger Bass von der konturiert-präzisen Vorverstärkung eher noch profitierte. Der Groove Plus SRX Mk3 kann Basspower schließlich nicht dazuerfinden, sehr wohl aber gnadenlos und kontrolliert weitergeben, wie das nur wenige Phono-Preamps hinbekommen.

Fazit The Groove Plus SX Mk3

Für über 6.000 Euro gibt es viele faszinierende Phonostufen. Etliche davon sind eindrucksvoller verarbeitet als der Tom Evans – man denke nur an den Canor PH1.10, den Pass XP-17, den Grimm Audio PW-1 oder den Soulnote E-2. Klanglich kann der The Groove Plus SX Mk3 in diesem Umfeld aber durchaus bestehen. Als vergleichsweise kleiner, hochspezialisierter Independent-Hersteller baut Tom Evans praktisch ausschließlich Phono-Vorverstärker. Und hat sich damit, wie der Hörtest zeigt, völlig zu Recht eine treue Fangemeinde zusammengelötet. Wir arbeiten gerne mit dem Groove, und noch lieber mit dem Groove Plus, der zwar mit oberflächlichen Schlüsselreizen geizt, dafür aber wunderbar offen, transparent und fast trägheitslos musiziert.

Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
2025/03
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Unter den aktiven MC-Vorverstärkern einer der rauschärmsten, die wir je im Test hatten
Griffiger, impulsschneller Klang mit toller Hochtonauflösung
Mustergültige Praxiseigenschaften
Nur für MCs geeignet

Vertrieb:
Wittmann HiFi
Brucknerstraße 17
70195 Stuttgart
www.wittmann-hifide

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Tom Evans The Groove Plus SRX MK3: 6.590 Euro

Technische Daten

Tom Evans The Groove Plus SRX Mk3
Konzept:MC-Phonovorstufe, Transistor
Eingangs-Empfindlichkeit:0,2 mV
Anpassbarer Widerstand:112, 126, 144, 168, 200, 250, 333, 500, 1000 Ohm
Anpassbare Kapazität:100, 200, 300, 400, 500 pF
Besonderheiten:Dual-mono-Aufbau, besonders rauscharm
Abmessungen (B x H x T): 33,0 x 8,5 x 18,0 cm
Gewicht ohne Netzteil:
2,1 Kilo
Alle technischen Daten

 

 

Autor: Bernhard Rietschel

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Bernhard Rietschel ist gelebte HiFi-Kompetenz. Sein Urteil zu allen Geräten ist geprägt von enormer Kenntnis, doch beim Analogen macht ihm erst recht niemand etwas vor: mehr Analog-Laufwerke, Tonarme und Tonabnehmer hat keiner gehört.