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Piega Premium 801 im LowBeats Hörraum
Die Premium 801 ist weit mehr als Design-HiFi und pegelfest wie eine PA. Der Preis der schönen Säulen: 9.900 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Piega Premium 801: die neue Zeitrechnung

Bei Piega gibt es zwei Zeitrechnungen: Die Zeit vor der Zusammenarbeit mit einer höchst renommierten Automobil-Marke, (deren Namen noch nicht genannt werden darf), die von 1986 – 2023 reichte. Und die Zeit nach der Zusammenarbeit mit jener höchst renommierten Automobil-Marke. Sie beginnt 2023 und stellte bei der beschaulichen Schweizer Manufaktur so einiges auf den Kopf. Die Piega Premium 801 ist der erste Lautsprecher, der komplett nach besagter Zeitwende entstand. LowBeats hatte das erste ausgelieferte Pärchen der 801 im Test.
Piega Premium 801 Paar
Ein von allen Seiten solider Auftritt: die Premium 801 im LowBeats Hörraum (Foto: H. Biermann)
Die Zusammenarbeit mit der Auto-Industrie ist für kleinere Unternehmen in der Regel ein höchst zweischneidiges Schwert. Man lernt viel, aber man muss leider auch einiges umbauen. So ist eine Fertigung nach ISO 9001 unumgänglich. Und ein komplettes Unternehmen zu zertifizieren, ist eine wahre Herkules-Aufgabe, die am Ende zwar Vieles vereinfacht, aber extrem viel Aufwand und Geld kostet. Das muss man erst einmal stemmen. Ein Beispiel: Wurden frühen Piegas Bändchen-Hochtöner allesamt per Hand im traumhaft gelegen Stammwerk in Horgen am Zürich-See gefertigt, genügt diese Herangehensweise den Autobauern natürlich nicht – zu anfällig, zu große Toleranzen. Und so kommt das Prunkstück der neuen Premium 801, der Bändchen-Hochtöner, als erster Treiber aus der neuen, ISO-zertifizierten Produktion, die selbstredend allerhöchsten Standards genügt. Und damit sind wir schon bei den:

Besonderheiten der Piega Premium 801

Vielleicht muss man als erstes versuchen, die Premium 801 im Portfolio einzuordnen. Als Flaggschiff der Premium-Serie soll sie die Brücke zur Coax-Linie schlagen: Zur Erinnerung: Der absolute LowBeats-Liebling aus dem Piega-Programm, die Coax 611 (es ist die kleinste Standbox der Serie), liegt aktuell bei 16.000 Euro, die neue 801 ziemlich genau bei 10.000 Euro. Und da war es umso erfreulicher zu hören, dass Piegas Entwicklungsleiter Roger Kessler kurzerhand das – über alle Zweifel erhabene – Aluminiumgehäuse der Coax 611 auch als Behausung für die 801 auserkoren hat. Wir sprechen über dieses perfekt gemacht Gehäuse mit Wandstärken von 5 Millimeter und einer Front von gar 8 Millimetern Dicke, das unter einem Druck von 5.000 Tonnen entsteht. Das Gehäuse hat uns schon beim Test der 611 begeistert. Doch auch hier schreitet die Zeit voran und Kessler fand mit Hilfe zahlreicher Simulations-Durchgänge eine nochmals bessere Gehäuse-Ruhigstellung. Und zwar in Form einer durchgehenden MDF-Matrix – ganz so, wie es B&W in den 1980er Jahren gemacht hat: mit vielen kleinen Kämmerchen. Das Ergebnis kann jeder hören, der mit dem Knöchel auf eine Premium 801 pocht: ein kaum hörbares „Popp“, mehr nicht.
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Piega Premium 801
Die 801 von vorn. Als Flaggschiff der Premium-Serie hat auch sie den stylischen Fuß der Linie, der die Lautsprecher optisch „schweben“ lässt… (Foto: Piega)
Piega Premium 801
Die Rückseite: 4 Tieftöner und entsprechend 4 Bassreflexrohre. Die Verteilung hat durchaus Vorteile, weil die Bass-Anregung über die gesamte Bauhöhe verteilt wird (Foto: Piega)
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Bestückt ist die 801 mit vier Tieftönern und einem gleichgroßen Mitteltöner im 14 Zentimeter Format. Die Treiber kommen dem geneigten Beobachter recht bekannt vor: Hatten wir die bei Piega nicht schon vor zig Jahren gesehen?
Piega-801-Mid
Mittel- wie Tieftöner arbeiten mit gezogenen Kunstsoff-Membranen. Äußerlich sind beide Typen nicht zu unterscheiden. Doch der Mitteltöner hat eine deutlich geringere bewegte Masse, was die Impulsfreudigkeit verbessert. Im Tiefton dagegen steht mehr Masse für mehr tiefen Bass (Foto: Piega)

Aber Roger Kessler winkt ab: „Mag sein, dass sie bekannt aussehen. Aber wir haben sie komplett neu gemacht: Neue Antriebe, neue Parameter, alles perfekt für die neue Premium 801.“

Kommen wir jedoch zum „Herzstück“, wie Piega den neuen Hochtöner der 801 nennt. Das gute Stück firmiert unter der Bezeichnung RM 01-24: Der erste Ribbon-Magnetostat aus neuer Fertigung und das Entwicklungsjahr (2024) wird gleich mitgeliefert. Dabei handelt es sich nicht um ein „reines“ Bändchen wie sie früher für Piega typisch waren, sondern um einen klug gemachten Magnetostaten mit extrem leichter Kunststofffolie (bewegte Masse: 0,03 Gramm) mit aufgedampften Leiterbahnen, die im Magnetfeld starker Dauermagnete liegt und durch das zugespielte Musiksignal in Schwingung gerät.
Piega Premium 801 Bändchen
Der neue Hochtöner mit Horn ist der erste Treiber nach Vorgaben des Automobil-Partners. Die Anforderungen sind enorm. Und so konnte auch die Übergangsfrequenz von 3,5 KHz auf 2,7 KHz gelegt werden. Der Neue verträgt das klaglos (Foto: H. Biermann)
Ungewöhnlich ist die Kombination mit dem vorgesetzten Horn. Eigentlich wäre der Hochtöner laut genug. Aber Kessler nutzt das Horn einerseits, um die Abstrahlung etwas zu bündeln und somit besser an die Mitteltöner anzupassen und andererseits, um das akustische Zentrum des Hochtöners genau über das des Mitteltöners zu legen. So schafft man Lautsprecher mit überzeugender Räumlichkeit.

Praxis

War ich in den vergangenen Jahren nicht immer ganz zufrieden mit dem elektrischen Verhalten der Piega-Speaker, zeigt das Premium-Flaggschiff, dass auch diesbezüglich eine neue Zeitrechnung bei den Schweizern begonnen hat. Ich kann es kurzhalten: Die 801 ist ohne Fehl oder Tadel. Allein der Impedanz- und Phasenverlauf ist so wunderbar linear, dass die meisten Verstärker ohne jede Einschränkung damit absolut problemlos arbeiten können.

Impedanzprofil Piega Premium 801
Impedanzprofil Piega Premium 801: vorbildlich lineare Verläufe ohne Phasensprünge (Messung: J. Schröder)

Einzige Einschränkung: Will man laut hören, sollte der Verstärker (sofern es sich um einen der üblichen Transistor-Verstärker mit A/B-Technik handelt) ein möglichst stabiles Netzteil haben. Denn der EPDR-Wert (graue Kurve) sackt zwischen 30 und 40 Hertz sehr tief ab. Aber das ist absolut verschmerzbar.

Und ein kräftiger Verstärker wäre in Verbindung mit der 801 sowieso eine ziemlich gute Idee. Denn anders als etliche andere Piegas zuvor, ist die Neue erstaunlich pegelfest und freut sich über starke Watt-Lieferanten:

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MTD-Spektrum Piega Premium 801 @85dBC/1m
MTD-Spektrum Piega Premium 801 @85dBC/1m: keinerlei Verzerrungen bei der LowBeats Wohnzimmerpegel-Messung (Messung: J. Schröder)
MTD-Spektrum Piega Premium 801 @109dBC/1m (CTA-426-B input signal)
MTD-Spektrum Piega Premium 801 @109dBC/1m (CTA-426-B input signal): erfreulich pegelfest (Messung: J. Schröder)
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Vielleicht ist ja auch dies eine Konsequenz aus den neuen, auch Automobilbranchen-gerechte Anforderungen. Mit der 801 – beziehungsweise ihrem kurzfristigen Maximalpegel von 109 dB Dauer / 121 dB – kann man jedenfalls richtig Party machen: Oder entsprechend die Aufnahmen von Live-Konzerten erschreckend echt ins Wohnzimmer zaubern. Aber dazu bräuchte es halt auch Verstärker mit mindestens 300 Watt pro Seite…

Hörtest

Die Premium 801 ist ja als Brückenbauer gedacht: Sie soll zwar gut klingen – das ist der Anspruch eines jeden Akustikers – aber sie soll eben auch wohnraumverträglich aussehen. Der 801 gelingt dieser Mix in Perfektion. Und wo man ihren kleineren Geschwistern immer noch eher das „Design-HiFi“ anhört – nämlich im Bassbereich, legt die 801 so ein Pfund hin, dass man sich wirklich erst einmal die Augen (beziehungsweise die Ohren) reiben muss: Wo holt die schlanke Säule diese satte Schwärze her?

Zumal es sich in diesem Fall nicht um einen womöglich etwas schwabbeligen Bassberg, sondern um ein erfreulich festes Fundament handelt. Bei Manu Katchés „Glow“ (unter anderem auf der neuen in-akustik S.A.M-Samplerserie) liegt unter dem feinen Percussion-Spiel des Meisters ein fetter, elektronischer Bass. Die Piega drückte die Tiefton-Energie kraftvoll in den Raum und separierte trotzdem sehr fein zwischen den verschiedenen Bassquellen – sehr gut.

Diverse Interpreten: „s.a.m. – Selected Audiophile Music Vol.1“
Diverse Interpreten: „s.a.m. – Selected Audiophile Music Vol.1“
erscheint bei in-akustik als Doppel-LP oder U-HQCD.

Auch bei mit den Stimmlagen und der feinen Hochton-Percussion machte die 801 schnell deutlich, dass der gesamte Mittelhochton gegenüber der Premium Gen2-Serie noch einmal deutlich zugelegt hat: ungemein lebendig und mühelos, zudem räumlich sehr stabil modellierte die Neue die Klangbilder in den Hörraum.

Das gleiche Bild bei „Bloodflow“ des Düsseldorfer Piano-Duos Grandbrothers (ebenfalls unter anderem auf dem S.A.M.-Sampler zu finden). Herrlich, wie genau die 801 die einzelnen Klavieranschläge auseinanderhielt, wie fein sie die Töne ausklingen ließ.

Zum Vergleich holten wir die Børresen X2 aus dem Referenz-Lager. Die dänische Box hat diverse Parallelen zur Piega: Auch sie ist ein Tonmöbel mit besonderem Design, auch sie arbeitet mit einem Bändchen-Hochtöner und auch sie macht deutlich mehr Bass als man ihr zutraut.

Piega-801-vs-Borresen-X2-
Die Piega Premium 801 (außen) im Vergleich zur etwa gleich-hohen Børresen X2 im LowBeats Hörraum. Im Vordergrund (links) die Acousence-Vorstufe unserer Referenz-Kombi (Foto: H. Biermann)

Allerdings kam der wuchtige Bass der Dänin weniger strukturiert und weniger habhaft. Aber auch im Mittelhochtonbereich wirkte die Piega noch ein bisschen feiner und offener – insgesamt müheloser. Und bei Elektropop-Aufnahmen (wie jene von Underworld), abgespielt mit so hohem Pegel, dass die Ohren schon dezent Kritik anmeldeten, überfuhr die 801 nicht nur über die Børresen mit beeindruckender Pegelfestigkeit und Verzerrungsarmut.

Fazit Piega Premium 801

Der erste Lautsprecher nach der Zeitenwende dokumentiert große Fortschritte. Gut geklungen hat Piega in seiner fast 40-jährigen Geschichte ja fast immer. Die Verarbeitung hat in den vergangenen Jahren so große Fortschritte gemacht, dass man die Alu-Speaker immer und jederzeit auch als Design-Element im Wohnzimmer einsetzen kann. Und mit der Zeitenwende hinzu kommt nun eine äußerst erfreuliche Praxistauglichkeit hinzu: Eine fat ideale Impedanz und ein hoher Wirkungsgrad machen die Premium 801 zum perfekten Spielpartner von nahezu jedem Verstärker. Und was man der schlanken Säule überhaupt nicht ansieht: Sie ist so pegelfest, dass sie die meisten HiFi-Lautsprecher dieser Klasse locker übertrumpft. Das LowBeats-Ergebnis kann daher nur lauten: Überragend!

Piega Premium 801
2025/11
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Unangestrengt-breitbandiger Klang, gute Abbildung
Elektrisch anspruchslos, spielt mit jedem Verstärker
Hoher Wirkungsgrad, sehr hoher Maximalpegel
Überragende Verarbeitung, altersloses Design

Vertrieb:
Piega SA
Bahnhofstrasse 29
8810 Horgen / Schweiz
www.piega.ch

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Piega Premium 801 (silber): 9.900 Euro
Piega Premium 801 schwarz oder weiß eloxiert: 10.500 Euro

Technische Daten

Piega Premium 801
Konzept:3-Wege Standbox, Bassreflex
Bestückung:TT: 4 x 14 cm, MT: 1 x 14 cm, HT: 1 x Magnetostat
Wirkungsgrad (@2,83 V/1m):86 Dezibel
Nenn-Impedanz:6,7 Ohm
Maximalpegel (Dauer/kurzfristig):
109 / 121 Dezibel
Mindest-Leistung für Max.-Pegel:
300 Watt (4 Ohm)
Abmessungen (H x B x T):116,2 × 21,0 × 31,1 cm (Fuß Ø 35 cm)
Gewicht:
39,6 Kilogramm
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Test Børresen X2: die Bestie im Maßanzug

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Autor: Holger Biermann

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Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.