Besonderheiten der Piega Premium 801

Aber Roger Kessler winkt ab: „Mag sein, dass sie bekannt aussehen. Aber wir haben sie komplett neu gemacht: Neue Antriebe, neue Parameter, alles perfekt für die neue Premium 801.“

Praxis
War ich in den vergangenen Jahren nicht immer ganz zufrieden mit dem elektrischen Verhalten der Piega-Speaker, zeigt das Premium-Flaggschiff, dass auch diesbezüglich eine neue Zeitrechnung bei den Schweizern begonnen hat. Ich kann es kurzhalten: Die 801 ist ohne Fehl oder Tadel. Allein der Impedanz- und Phasenverlauf ist so wunderbar linear, dass die meisten Verstärker ohne jede Einschränkung damit absolut problemlos arbeiten können.

Einzige Einschränkung: Will man laut hören, sollte der Verstärker (sofern es sich um einen der üblichen Transistor-Verstärker mit A/B-Technik handelt) ein möglichst stabiles Netzteil haben. Denn der EPDR-Wert (graue Kurve) sackt zwischen 30 und 40 Hertz sehr tief ab. Aber das ist absolut verschmerzbar.
Und ein kräftiger Verstärker wäre in Verbindung mit der 801 sowieso eine ziemlich gute Idee. Denn anders als etliche andere Piegas zuvor, ist die Neue erstaunlich pegelfest und freut sich über starke Watt-Lieferanten:
Vielleicht ist ja auch dies eine Konsequenz aus den neuen, auch Automobilbranchen-gerechte Anforderungen. Mit der 801 – beziehungsweise ihrem kurzfristigen Maximalpegel von 109 dB Dauer / 121 dB – kann man jedenfalls richtig Party machen: Oder entsprechend die Aufnahmen von Live-Konzerten erschreckend echt ins Wohnzimmer zaubern. Aber dazu bräuchte es halt auch Verstärker mit mindestens 300 Watt pro Seite…
Hörtest
Die Premium 801 ist ja als Brückenbauer gedacht: Sie soll zwar gut klingen – das ist der Anspruch eines jeden Akustikers – aber sie soll eben auch wohnraumverträglich aussehen. Der 801 gelingt dieser Mix in Perfektion. Und wo man ihren kleineren Geschwistern immer noch eher das „Design-HiFi“ anhört – nämlich im Bassbereich, legt die 801 so ein Pfund hin, dass man sich wirklich erst einmal die Augen (beziehungsweise die Ohren) reiben muss: Wo holt die schlanke Säule diese satte Schwärze her?
Zumal es sich in diesem Fall nicht um einen womöglich etwas schwabbeligen Bassberg, sondern um ein erfreulich festes Fundament handelt. Bei Manu Katchés „Glow“ (unter anderem auf der neuen in-akustik S.A.M-Samplerserie) liegt unter dem feinen Percussion-Spiel des Meisters ein fetter, elektronischer Bass. Die Piega drückte die Tiefton-Energie kraftvoll in den Raum und separierte trotzdem sehr fein zwischen den verschiedenen Bassquellen – sehr gut.

erscheint bei in-akustik als Doppel-LP oder U-HQCD.
Auch bei mit den Stimmlagen und der feinen Hochton-Percussion machte die 801 schnell deutlich, dass der gesamte Mittelhochton gegenüber der Premium Gen2-Serie noch einmal deutlich zugelegt hat: ungemein lebendig und mühelos, zudem räumlich sehr stabil modellierte die Neue die Klangbilder in den Hörraum.
Das gleiche Bild bei „Bloodflow“ des Düsseldorfer Piano-Duos Grandbrothers (ebenfalls unter anderem auf dem S.A.M.-Sampler zu finden). Herrlich, wie genau die 801 die einzelnen Klavieranschläge auseinanderhielt, wie fein sie die Töne ausklingen ließ.
Zum Vergleich holten wir die Børresen X2 aus dem Referenz-Lager. Die dänische Box hat diverse Parallelen zur Piega: Auch sie ist ein Tonmöbel mit besonderem Design, auch sie arbeitet mit einem Bändchen-Hochtöner und auch sie macht deutlich mehr Bass als man ihr zutraut.

Allerdings kam der wuchtige Bass der Dänin weniger strukturiert und weniger habhaft. Aber auch im Mittelhochtonbereich wirkte die Piega noch ein bisschen feiner und offener – insgesamt müheloser. Und bei Elektropop-Aufnahmen (wie jene von Underworld), abgespielt mit so hohem Pegel, dass die Ohren schon dezent Kritik anmeldeten, überfuhr die 801 nicht nur über die Børresen mit beeindruckender Pegelfestigkeit und Verzerrungsarmut.
Fazit Piega Premium 801
Der erste Lautsprecher nach der Zeitenwende dokumentiert große Fortschritte. Gut geklungen hat Piega in seiner fast 40-jährigen Geschichte ja fast immer. Die Verarbeitung hat in den vergangenen Jahren so große Fortschritte gemacht, dass man die Alu-Speaker immer und jederzeit auch als Design-Element im Wohnzimmer einsetzen kann. Und mit der Zeitenwende hinzu kommt nun eine äußerst erfreuliche Praxistauglichkeit hinzu: Eine fat ideale Impedanz und ein hoher Wirkungsgrad machen die Premium 801 zum perfekten Spielpartner von nahezu jedem Verstärker. Und was man der schlanken Säule überhaupt nicht ansieht: Sie ist so pegelfest, dass sie die meisten HiFi-Lautsprecher dieser Klasse locker übertrumpft. Das LowBeats-Ergebnis kann daher nur lauten: Überragend!
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Unangestrengt-breitbandiger Klang, gute Abbildung |
| | Elektrisch anspruchslos, spielt mit jedem Verstärker |
| | Hoher Wirkungsgrad, sehr hoher Maximalpegel |
| | Überragende Verarbeitung, altersloses Design |
Vertrieb:
Piega SA
Bahnhofstrasse 29
8810 Horgen / Schweiz
www.piega.ch
Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Piega Premium 801 (silber): 9.900 Euro
Piega Premium 801 schwarz oder weiß eloxiert: 10.500 Euro
Technische Daten
| Piega Premium 801 | |
|---|---|
| Konzept: | 3-Wege Standbox, Bassreflex |
| Bestückung: | TT: 4 x 14 cm, MT: 1 x 14 cm, HT: 1 x Magnetostat |
| Wirkungsgrad (@2,83 V/1m): | 86 Dezibel |
| Nenn-Impedanz: | 6,7 Ohm |
| Maximalpegel (Dauer/kurzfristig): | 109 / 121 Dezibel |
| Mindest-Leistung für Max.-Pegel: | 300 Watt (4 Ohm) |
| Abmessungen (H x B x T): | 116,2 × 21,0 × 31,1 cm (Fuß Ø 35 cm) |
| Gewicht: | 39,6 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
Mit- und Gegenspieler:
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