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Unison Research S6 Black Edition Front
Der S6 ist der kräftigste und mit 6.000 Euro teuerste Unison Röhren-Vollverstärker der Black Edition. Der Test (Foto: Unison)

Test Röhren-Vollverstärker Unison Research S6 Black Edition: schwarze Magie

Dass Unison Research gute Röhrenverstärker mit zauberhaftem Klang baut, weiß die Szene. Dass die Italiener gute Verstärker noch besser machen können, wollen sie mit den drei „Black Edition“ ihrer Vollverstärker beweisen. Mit dem kleinsten des Trios, dem Simply Italy BE, ist es ihnen trefflich gut gelungen – siehe Test. Grund genug für LowBeats, den größten der drei Black-Label-Amps ebenfalls genauer unter die Lupe zu nehmen…

Unison Research Black Edition
Die Black Edition von Unison Research tritt ganz in schwarz auf.  Lediglich die Power-LEDs auf der Front sowie die Glühkolben, das Firmen-Emblem und die dezente Beschriftung setzen farbliche Akzent. Von links: Simply Italy BE, S6 BE, Triode 25 BE (Foto: Unison Research)

Schwarze Magie hat nicht den besten Ruf. Die Mächte des Bösen heraufbeschwören zum eigenen Vorteil – das sollte man egomanischen US-Präsidenten oder sonstigen imperialen Autokraten überlassen. In der High Fidelity: bitte draußen bleiben. Also die Überschrift nicht im althergebrachten Sinne interpretieren, sondern „schwarz“ tatsächlich nur als Farbe sehen, „Magie“ als erwünschte Klangeigenschaft.

Aber verlassen wir die vermeintlich magischen Sphären und wenden uns ganz irdischen Dingen zu. Was hat die Firma aus dem kleinen Ort Dosson di Casier südlich von Treviso und nördlich von Venedig nun an der Black Edition gegenüber der Normalversion verändert? Nun ja, den Preis: Der S6 Black Edition schlägt mit knapp 6.000 Euro zu Buche, die Basis-Version S6 MK2 mit 4.500. Und offensichtlich der Look: Die Black Edition hält alles rundum in schwarz, einschließlich der beiden massiven, sich nach vorne verjüngenden Drehzylinder zur Quellenwahl und Lautstärkeregelung. Die sind neben dem markanten Ein/Ausschalter und dem Empfänger für die Infrarot-Fernbedienung Allein-Unterhalter auf der Frontplatte. Den S6 MK2 – der MK1 sah mit quer stehender Röhren-Phalanx noch ganz anders aus – gibt es in schwarz (allerdings mit braunen Ringen um die silbrigen Bedienknöpfe, Einschalter und Infrarotauge) und mit kirschholzfarbener Front. Die Schutzgitterstäbe der verchromten Röhrenkäfige verlaufen bei der BE von hinten nach vorne (oder von vorne nach hinten) anstatt wie beim Basismodell quer. Sieht schnittiger aus, hat aber mit Technik und Klang erstmal nichts zu tun.

Unison Research S6 Black Edition: DAC an Bord

Schauen wir genauer hin. Zum Beispiel beim Eingangs-Wahlschalter. Dessen erste drei Positionen im Uhrzeigersinn heißen „USB“, „Optical“ und „S/PDIF“. Aha, der S6 BE hat also einen Digital-Analog-Wandler DAC an Bord, wie auch der kleinere Simply Italy Black Edition. Mit den kabelgebundenen Schnittstellen in USB-B-, TOSLink- und koaxialer Cinch/RCA-Buchse. Das allein kann schon einen Gutteil des Mehrpreises rechtfertigen. Zumal der implementierte Wandlerchip der gut beleumundete ESS Sabre 9018 ist. Der verarbeitet über USB Datenströme bis zu 32 Bit Tiefe (oder Wortbreite) und Abtastfrequenzen bis 384 Kilohertz bei Pulse Code Modulation PCM. Landet Direct Stream Digital (DSD) an, schafft er bis zu DSD 256. Über Koax und Toslink ist nur PCM bis zu 24/196 möglich. In der Praxis völlig ausreichend, denn natives Musikmaterial in höherer Auflösung beziehungsweise in hochaufgelöstem DSD hat sowieso Seltenheitswert.

DAC an Bord – auf Kosten von was? Nun ja, der S6 MK2 bietet – neben den auch vom BE bereitgestellten – vier Hochpegel-Eingängen (Line 1 bis 4) noch einen „Tape“-In und Out. Diesen Fixpegel-Ausgang hat der BE nicht, dafür einen Subwoofer-Ausgang. Der freilich gibt ein ungefiltertes Vorstufen-Signal an externe aktive Tiefbauer weiter. Die müssen selber sehen, wie und ob sie die Hochtonanteile ausmerzen.

Unison Research S6 Black Edition Back
Der Unison S6 Black Edition hat auch einen DAC mit drei schaltbaren Eingängen an Bord (Foto: Unison)

Grundsätzlich sind Digitalboards in analogen Verstärkern eine Herausforderung – da kann sich bei nicht wohlbedachten Schaltungswegen so mancher Hochfrequenzmüll in die Signalverarbeitung der Verstärkerstufen schleichen. Als glühender Anhänger der Schallplatte würde ich einen Phono-Eingang bevorzugen. Unison verweist in dieser Qualitätsklasse auf externe Vorvorverstärker. Hat was für sich, ist ja auch die Lösung in allen LowBeats Referenz-Anlagen. Eigentlich gehört das digitale Frontend eher in die Quellen wie externe DACs, CD-Spieler, Streamer/DAC oder was da sonst noch binär kreucht und fleucht.

Natürlich hat der Schreiber dieser Zeilen auch dem DAC im S6 BE sofort auf den Klangzahn gefühlt. Und was höre ich da? Richtig gut tönt der! Ob von einem lustigen kleinen Streamer namens Munich von Silent Angel angesteuert oder einem betagten, aber nach wie sensationellen CD-Laufwerk von Sony/Swoboda: Da strömte viel Schmelz aus den Lautsprechern, von keinerlei digitaler Kühle beaufschlagt, mit sehr viel Nuancen und schön homogen. Und trotzdem mit Biss. Hut ab. Falsch machen kann mit dem eingebauten DAC also schon mal gar nichts – und für Streaming-Fans, die auch Röhrenzauber genießen wollen, ist er eine willkommene Dreingabe.

Röhren-Bestückung

Denn dieser positive Ersteindruck geht sicher mit zurück auf das Gesamtkonzept des Vollverstärkers. Und das beruht nun mal auf Röhren. Die End- beziehungsweise Leistungsröhren markieren einen weiteren, für die Glaskolben-Fraktion sicher markanten Unterschied zwischen S6 MK2 und S6 BE. Der günstigere führt pro Kanal drei Pentoden EL34 ins Feld, der teurere pro Kanal drei Strahl-Tetroden des Typs KT77 Gold Lion.

Kleine Röhrenkunde: Die Triode weist als Elektroden (wirksame Teile) drei Elemente auf: Kathode, Anode und das Steuergitter. Jeweils eine Doppeltriode des gängigen Typs ECC83 oder 12AX7 kommt in den Treiberstufen des S6 MK2 (MK1: ECC82) und auch des S6 BE zum Einsatz. Bei der Tetrode kommt als viertes Element das Schirmgitter zwischen Steuergitter und Anode hinzu. Das positive geladene zusätzliche Gitter schirmt (daher der Name) das Steuergitter von der Anode ab. Tetroden können wesentlich höhere Verstärkungen als Trioden erreichen. Zu Probleme kann es mit sogenannten Sekundärelektronen geben. Denen versuchen Pentoden mit der fünften Elektrode, dem Bremsgitter, einen Riegel vorzuschieben. „Beam Power“-Tetroden oder Strahltetroden sind – früher aus Kostengründen, inzwischen auch aus klanglichen Gründen – statt mit Bremsgittern mit gebogenen Elektronenstrahl-Leitblechen versehen. Für Audio-Anwendungen nutzen Entwickler daher meist die Pentoden EL34 oder die Strahl-Tetroden 6L6 und 6550/KT88 sowie Derivate und Weiterentwicklungen wie eben die KT77.

Unison Research S6 Black Edition von der Seite
In der Black Edition ersetzt die KT 77 die EL34 im S6 als Leistungsröhre. Je drei sind pro Kanal parallelgeschaltet (Foto: Unison)

Mit der Dreizahl pro Kanal setzt Unison Research erst einmal Fragezeichen auf die Autorenstirn. Eine typische Push-Pull-Schaltung mit jeweils einem Pärchen kommt nicht in Frage. Hier würde je eine Röhre das phasenrichtige, die andere das phaseninvertierte Signal verstärken. Im Ausgangstrafo würden beide in gleiche Phasenlage gebracht addiert bei entsprechend verdoppelter Leistung. Das würde aber eine weitere Röhre, den so genannten Phasenschieber bedingen. Fehlanzeige. Die Italiener schalten vielmehr alle drei Endröhren parallel in einer Single-ended-Konfiguration. Die S6 ist quasi ein Simply Italy mit sechs statt zwei „Zylindern“. Das erhöht natürlich die Ausgangsleistung erkennbar. Unison gibt mit 2 mal 40 Watt an 6 Ohm sogar 15 Prozent mehr Leistung als bei dem S6 MK2 an. Die Parallelschaltung setzt zudem die Komplexität der Ausgangstrafos herab.

Diese Umsetzer sind für fast alle Röhrenendstufen vonnöten – Ausnahme: OTL- (Output-Transformer-less) Modelle –, weil sie neben den Signal-Spannungen auch die für dynamische Lautsprecher notwendigen Ströme in adäquater Stärke liefern.

Die Ausgangs-Trafos, wie auch den gewaltigen Netz-Umspanner, wickelt für Unison nach deren strengen Vorgaben ein nicht genannter italienischer Zulieferer. Der gießt die Ferrosilizium-/Laminat-Konstruktionen zudem in Harz ein. Das „verschleiert“ zum einen die Herkunft, beruhigt aber zum anderen mechanische Vibrationen und sorgt auch für bessere Wärme-Ableitung, so der Hersteller.

Manche Röhrenverstärker bieten Trafo-Abgriffe für verschiedene Lastwiderstände der Lautsprecher, etwa 4, 8 und 16 Ohm. Das ist nicht unbedingt Kokolores, aber auch nicht wirklich zielführend, weil die Impedanz von Lautsprechern ohnehin über den Frequenzbereich mehr oder wenig stark schwankt, entscheidend ist das Impedanz-Minimum im leistungszehrenden Bassbereich. Die Norm lässt bei der Angabe 20 Prozent Toleranz zu, eine 4-Ohm-Box kann also durchaus bis 3,2 Ohm „runtergehen“. Lange Rede kurzer Sinn, Unsion verzichtet auf verschiedene Abgriffe und empfiehlt Lautsprecher mit 6 Ohm. Wir ergänzen: Allzu weit unter 4 Ohm sollten sie nicht gehen.

Unison Research S6 Black Edition Vorstufen-Röhre ECC-83
Die ECC83 treibt in jedem Kanal die Endröhren an. Auch sie schmückt sich mit dem Gold Lion Emblem (Foto: H. Biermann)

Zurück zur Parallelschaltung: Auf der Soll-Seite stehen ein sehr sorgfältiges „Matching“ der drei Leistungsröhren, also der penible Abgleich ihrer elektrischen Werte – und da können Röhren desselben Typs schon mächtige Serienstreuungen aufweisen. Zweitens muss die Treiberstufe mehr Leistung liefern, was aber die ECC83 Gold Lion vor keine Probleme stellen sollte.

Bias unter Kontrolle

Kein Problem für den Nutzer ist die genaue Einstellung des Ruhestroms der Röhren. Von dem exakten Wert des so genannten Bias – er fließt immer durch die Röhre, egal ob sie verstärkt oder nicht – hängt ab, dass die Röhren immer im für sie optimalen Arbeitsbereich und damit verzerrungsarm beziehungsweise linear verstärken. Das ist für den Unison S6 besonders wichtig, weil er die Gegenkopplung sehr geringhält, in der Black Edition wurde diese Korrektur-Maßnahme nochmals weiter zurückgefahren. In jüngerer Zeit ist die Gegenkopplung – in früheren HiFi-Tagen unumstritten – etwas in Verruf gekommen, weil sie zwar Nichtlinearitäten ausgleichen, aber auch Tempo sowie Feinzeichnung kosten kann. Ein weites Diskussionsfeld…

Unison Research S6 Black Edition Bias
Die Einstellung des optimalen Ruhestroms für die sechs Endrühren bereitet keine Probleme (Foto: Unison)

Für jede der sechs Endröhren im Unison S6 jedenfalls kann man den Bias separat einstellen, pro Kanal hilft dabei jeweils ein Anzeige-Instrument in den Farben der italienischen Trikolore: rot, weiß, grün. Wenn der Zeiger – nach einer gewissen Aufwärmzeit – exakt in der Mitte auf dem schwarzen Strich steht, ist alles gut. Ein Riesenlob in diesem Zusammenhang gilt der Stabilität: Auch über Stunden im Betrieb verkniff sich der S6 BE das gefürchtete Driften des Bias total.

Weitere Unterschiede

Der ursprüngliche S6 entsprang (wie ja auch der Simply Italy) noch der Feder des Unison-Firmengründers Giovanni Sacchetti. So war es im Grunde auch mal Zeit für eine Frischzellenkur. Und für diese Überarbeitung von Simply Italy, Triode 25 und S6 auf Black-Edition-Niveau hatte sich Unison-Entwicklungsleiter Alessio Fusaro viel Zeit genommen. Noch in der Entwicklungsphase zeigte uns der sympathische Italiener die Schaltungs-Unterschiede – die erstaunlich groß ausfielen und etliche Bauteile mehr aufweisen. Gegenüber dem S6 weist die BE-Variante aber auch bessere Kondensatoren im Netzteil auf. Vom Netztrafo war bereits die Rede, ganz sicher trägt der gewaltige Kraftmax mit 265 Voltampere unter der Mittelabdeckung zum kapitalen Gewicht von 25 Kilogramm etliches bei. Die Innenverkabelung – Stichwort Einstrahlsicherheit – legen die Italiener mit Koaxialkabeln aus. Und auch an der Erdungs-Architektur haben die Entwickler beim neuen S6 gefeilt. Apropos: Die Eingangswahl mit Mikro-Relais haben sie aus den „großen“ Modellen übernommen. Deren Return-Ground-Technologie führt die Masse der nicht benutzten Eingänge zu einem Lastwiderstand in Eingangsnähe zurück. So sollen sie die aktiven Pfade nicht behelligen.

Unison Entwicklungsleiter Alessio Fusaro
Unison Entwicklungsleiter Alessio Fusaro mit den drei neuen schwarzen Schönheiten (Foto: H. Biermann)

Beibehalten wurde das motorgetriebene Alps-Potentiometer, das die Ferneinstellung des Pegels erlaubt. Die Fernbedienung, wie die englisch/italienische Bedienungsanleitung wertig verpackt, ist „leider“ nur die Unison-System-Fernbedienung. Die meisten der gleichgroßen Minitasten taugen nicht für den S6 BE, einzig die ganz oben liegenden Vol- und Vol+ haben Gewalt über ihn. Und wer glaubt, die weiter unten angeordneten „Source“-Knöpflein würden die Eingänge umschalten, sieht sich getäuscht. Die Quellenwahl muss man brav am Verstärker selber vornehmen.

Unison Research S6 Black Edition RC
Die Fernbedienung aus Metalldecke und holzähnlich aussehendem Kunststoff regelt beim S6 Black Edition leider nur die Lautstärke (Foto: Unison)

Hörtest

Verschieden Fragen galt es zu klären. Nämlich: Wie schlägt sich der S6 BE gegen den Simply Italy BE? Wie gegen den Vorgänger S6 Mk2? Und wo steht er überhaupt? Dazu bemühten wir nicht nur eine ganze Phalanx an Röhren-Amps, sondern auch eine Batterie von Lautsprechern. Genauer: Dynaudio Heritage Special, FinkTeam Borg Episode 2, Piega Premium 801.

Zunächst zur offensichtlich größten Veränderung. Eingangs wurde ja von mir der eingebaute DAC recht kühn als „willkommene Dreingabe“ bezeichnet. Doch im Laufe der Zeit verdichtete sich der erste Eindruck zur Gewissheit, dass hier ein starker Zusatzpart den italienischen Röhren-Vollverstärker kräftig aufpeppt. Der Test-Zeitraum fiel zusammen mit dem Bewertungszeitraum für meine Jurorentätigkeit für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. So werden es mir die LowBeats Leser sicherlich nachsehen, wenn zu Beginn mal Klassik aufgetischt wird.

Genauer: Barock. Der gute Georg Philipp Telemann (1681-1767) wurde lange als braver, uninspirierter und anspruchsarmer Vielschreiber abqualifiziert. Das hat sich seit ein paar Jahrzehnten gründlich geändert. Wieviel Feuer, Originalität und auch Humor in dem tapferen Musikdirektor steckte, zeigt jetzt auch eine tolle Einspielung von Suiten und Konzerten mit der grandiosen, hochintelligenten Geigerin Isabelle Faust und der Akademie für Alte Musik Berlin (Harmonia Mundi). Das ist nun wahrlich kein – pardon – Lahmarsch- und Langweil-Barock, sondern das Orchester gibt entgegen seinem etwas betulichen Namen mal so richtig Gas.

Telemann Faust
Telemann, Quantz: Ouvertüren, Violinkonzerte; Isabelle Faust, AAMB, Bernhard Forck (Cover: JPC)

Und Frau Faust schlägt regelrecht Funken. All die Energie, den Drive, auch die verspielte Zartheit dieser Musik brachte der Unison, über den Koax-Eingang beliefert, DAC- und Verstärker-seitig sehr glaubhaft rüber. Von einem anderen Test stand noch mit der Piega Premium 801 auch für Röhren verträgliche, „echte“ 6-Ohm-Box zur Verfügung. Und an ihr wurde dann auch erkennbar, dass der Unterschied von 10 Watt (Simply Italy BE) zu 40 Watt (S& BE) ein großer sein kann. Sympathisch sonor und fein klingen beide. Aber alle Punkte in Sachen Punch, Nachdruck und Basskontrolle ganz weit unten gingen an den S6 Black Edition.

Wechsel in die Romantik, zu Hans Bronsart von Schellendorf (1830-1913), einem weitgehend unbekannten Schüler des Klavier-Übervirtuosen Franz Liszt. Bronsart hat ein mitreißendes Klavierkonzert in Fis-Moll geschrieben. Die Einspielung mit dem unermüdlichen Repertoire-Forscher Oliver Triendl mit der Staatskapelle Weimar unter Eugene Tzigane (Capriccio) zählt sicher zu den Highlights des Jahres 2025. Hier waren griffige Dynamik, gute Raumabbildung – die Akustik des Weimarer Kongresszentrum ist grandios! – und natürlich reichlich Klangfarben gefragt. In Sachen Elan und Farbpracht konnte sich die S6 Black Edition dann auch vom Vorgänger S6 MK2 leicht absetzen; da trug die Detailarbeit am Innenleben Früchte.

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Bronsart von Schellendorf: Klaverkonzert op. 10 u.a.; Oliver Triendl, Staatskapelle Weimar, Eugene Tzigane (Cover: JPC)

Dass „klassische“ (auf schlecht Deutsch: „ernste“) Musik aus dem 20. Jahrhundert nicht grundsätzlich rauflustige Ohrenfolter und atonales Getöse bedeutet, beweist die Einspielung britischer Komponisten mit dem Viola-Virtuosen Mathis Rochat und dem BBC National Orchestra of Wales unter Howard Griffiths (Evil Penguin Classics). Da ist zum Beispiel die „Elegy“ von Herbert Howells (1892-1983): ein regelrechtes Sahnestückchen, das Mathis und Griffiths mit unfassbarer Delikatesse zubereiten. Die Variabilität und Farbpracht von Mathis´ Bratschenton ist phänomenal. Der Unison hatte Pinsel und Palette gut im Griff und punktete mit seiner Klangfarbenpracht auch gegen den etwas teureren Cayin Soul 170i. Der um 7800 Euro gehandelte Integrierte aus Fernost weist freilich mit vier KT170 im Push-Pull-Betrieb eine deutlich Leistungs-orientiertere Schaltung auf, die ihm in Bass und Maximal-Lautstärke Vorteile verschaffte.

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Walton, Benjamin, Howells: Werke für Viola und Orchester; Mathis Rochat, BBC NO of Wales, Howard Griffiths (Cover: JPC)

Gegenüber Howells mutete der große Gitarrist, Sänger, Komponist und Varèse-Fan Frank Zappa (1940-1993) seinen Zuhörern zuweilen deutlich herbere Neutönerei zu. Doch seine Scheiben Anfang/Mitte der 1970er verbinden avantgardistische Lust am Provozieren mit virtuosem Rock-Instrumentarium und cooler Mucke. Sein 1975er Album „One Size Fits All“ hat eine schöne „50th Anniversary Edition“ (Zappa Records/Universal) bekommen, die das sehr gute Remaster von Bob Ludwig noch einmal zu Gehör bringt. Da setzte sich man sich gerne mit Frank Zappa und seiner überragenden Band auf das „Sofa“, ob No1 oder No2. Über die „Inca Road“ marschierte der Unison S6 Black Edition zudem trittsicher und mit konturiertem Bass.

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Frank Zappa and the Mothers of Invention: One Size Fits All, 50th Anniversary Edition (Cover: JPC)

Dennoch konnte ihm diesbezüglich der Cayin erneut den Rang ablaufen. Wohingegen der Unison erneut beim musikalischen Fluss und der „Schönheit“ der Wiedergaber mindestens gleichziehen konnte. Und auch das nicht nur als Leisetreter: An der gar nicht so effizienten Borg Episode 2 entfachte er richtig Budenzauber. Und im Sprint mit sauberen Impulsen, etwa bei Chester Thompsons Beckenschlägen oder Ruth Underwoods virtuos geklöppelten Mallet-Instrumenten war er im Vergleich zum Cayin mindestens ebenbürtig.

Nach oben kleine Limits also? Nicht ganz. Bei knüppelhartem Prog Rock, wie ihn uns Dream Theater mit des Autors persönlichen Album des Jahres „Parasomnia“ (InsideOut) bescherten, offenbarte der italienische Beau mit dem Look eines V6-Motorblocks dann doch ab bestimmten Pegeln an Borg und Piega dann doch Leistungslimits. Im Vergleich etwa mit einem Vollverstärker vom Kaliber eines Octave V70 CA, mit kraftstärkender „Super Black Box“ rund 11.000 Euro schwer, wirkte der Unison stets ein wenig wärmer, aber auch – leicht, durchaus hörbar – nachgiebiger oder weicher.

Dream-Theater-Parasomnia
Heavy Metal trifft größte Spielfreude und Spielkunst: Dream Theater „Parasomnia“, erschienen bei InsideOut (Cover: JPC)

Diese Aussage sollte allerdings nicht zu schwer wiegen, denn ein Softie ist der S6 BE ganz sicher nicht. Außerdem kostet er auch nur wenig mehr als die Hälfte des deutschen Leistungsträgers, der seit seinem Test im Januar 2024 als Referenz-Verstärker bei LowBeats firmiert. Prinzipiell klingt der S6 BE mitreißend authentisch. Nur an Lautsprechern mit Impedanztiefs um 3 Ohm und allzu hohen Rock-Pegeln sollte man ihn nicht quälen. Versteht sich aber von selbst, oder?

Fazit Unison Research S6 Black Edition

Ob mit dem eingebauten DAC oder über einen der analogen Hochpegel-Eingänge: Der Unsion Research S6 Black Edition überzeugt rundum und kann sich sowohl gegen den ebenfalls neuen Simply Italy BE als auch gegen den Vorgänger S6 Mk2 überzeugend absetzen. Der sympathische Unison-Klang ist immer noch durchhörbar und ist zudem einfach noch ein bisschen besser geworden. Seine Leistungsreserven reichen für einigermaßen wirkungsgradstarke, möglichst Impedanz-lineare Lautsprecher (mit nicht allzu viel unter 6 Ohm) völlig aus, um mittelgroße Räume mit herrlich einnehmenden Klängen über lange Zeiträume zu beglücken. Viel mehr geht nicht.

Unison Research S6 Black Edition
2026/01
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Charmanter, warm durchleuchteter Klang mit transparenten Höhen, nie grell
Erfreulich hochwertiger DAC an Bord
Unverwechselbar italienisches Design, schöne, solide Verarbeitung
Fernbedienung nur für Pegel, keine Phono-Option, kein Kopfhörer-Ausgang

Vertrieb:
TAD Audio Vertriebs GmbH
Hallwanger Str. 14
83209 Prien
www.tad-audiovertrieb.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Unison Research S6 Black Edition: 6.000 Euro

Die technischen Daten

Unison Research S6 Black Edition
Technisches Konzept:Röhren-Vollverstärker mit DAC: Class-A, Single-ended
Bestückung:6 x KT77 Gold Lion, 2 x ECC83
Leistung:2 x 40 Watt / 6 Ohm
Gegenkopplung:schaltbar zwischen 3 – 4 dB
Eingänge:4 x Line Cinch, USB-B, S/PDIF, 1 TOSLink
Ausgänge:
1 x Subwoofer
Abmessungen (B x H x T):35,0 x 22,0 x 50,0 cm
Gewicht:25,2 Kilogramm
Alle technischen Daten
Mit- und Gegenspieler:

Erster Test: Standbox FinkTeam Borg Episode 2
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Test Octave V70 Class A: Röhrenvollverstärker mit dem feinen Ton

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Autor: Lothar Brandt

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Musiker, Musikkenner und HiFi-Fan: Schon seit 1989 schreibt der ehemalige Audio-Chefredakteur für HiFi-Magazine. Doch digital ist da nichts – sein Herz schlägt erkennbar für’s Analoge…