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Sennheiser BDT700 Set
Winzig klein: Sennheisers HD BDT700 baut eine hochqualitative Bluetooth-Brücke für echten Highend-Klang ohne Kabel. Sein Preis: 49 Euro (Foto: Sennheiser)

Test Sennheiser HD Bluetooth BTD 700: kleinstes Ding, erstaunliche Wirkung

Die Chancen stehen hoch, dass Sennheiser genau jetzt das kleinste Bauteil seiner Firmengeschichte veröffentlicht hat. Die Schrauben für die Mikrofone und Kopfhörer einmal ausgenommen. Hinter dem Kürzel Sennheiser HD Bluetooth BTD 700 verbirgt sich ein Bluetooth-„Dongle“. Das bedeutet: Ein aktiver Prozessorstecker für den Mac, PC, das Smartphone – kaum größer als ein Fingernagel und mit 49 Euro noch recht erschwinglich. Bleibt aber eine Frage:

Was kann der Sennheiser HD Bluetooth BTD 700

Antwort: Es ist ein Upgrade und eine Chance, von der „gemeinen“ Bluetooth-Verbindung auf den besten aptX-Audiocodec aufzusteigen. Die besten kabellosen Hörer von Sennheiser sind dafür vorbereitet, aber manche Schnittstellen sind eben auf der Quellseite potenzielle Nadelöhre. Die reine CD-Auflösung macht eben keinen mehr an. Sennheiser verspricht kabelloses Audio bei 24 Bit/96 Kilohertz im Standard Bluetooth 5.4. Die Modelle aus der hauseigenen Momentum-Serie und ausgewählte Accentum-Modelle sind bereits für die Unterstützung hochauflösender aptX-Codecs vorbereitet. Spannend: Das gilt für die großen, ohrumschließenden Hörer ebenso wie für die kompakten Momentum-InEars. Der Produktmanager Christian Ern legt sich dabei weit aus dem Fenster:  „Der Transfer der Bluetooth BTD 700 hält nicht nur mit einer Kabelverbindung mit – er toppt diese sogar.“  Zweifel, Zweifel …

Sennheiser BDT700 mit Kopfhörer
Der Sennheiser Dongle mit dem Momentum 4 in der Jubi-Edition (Foto: A. Günther)

Was es für LowBeats aber einfach machte, einen Testaufbau zu gestalten. Fix dabei ist das größte Modell unter den Bluetooth-Hörern, der Momentum 4. Den hat Sennheiser schon einige Monate im Katalog und traut sich allenfalls an die Äußerlichkeiten, das aber wirklich mit Ambition. Ganz frisch ist eine „Limited Edition“ zum 80. Firmengeburtstag erschienen, eingefärbt vom deutschen Graffiti-Künstler Bond Truluvs, Gelb dominiert –Preis: 370 Euro.

Also sind drei Testkonstellationen verpflichtend: 1.) vom Smartphone über die normale Bluetooth-Verbindung, 2.) über den neuen BTD-700-Dongle und 3.) per USC-C-Kabel direkt aus dem Rechner.

Letzteres hat mit der Realität recht wenig zu tun. Das gesteht auch Christian Ern – die meisten Menschen kaufen den großen Momentum, um sich in der U-Bahn abzuschotten oder hübsch in der Einkaufsstraße auszusehen. Aber von dieser Zielgruppe wollen etwa zehn Prozent auch das maximale Klangpotenzial ausschöpfen. Hierauf zielt Sennheiser mit dem Dongle – weiß aber um die begrenzten Umsätze auf dem Weltmarkt. Siehe dazu auch unser Interview mit dem Sennheiser Produktmanager Ern.

HD BTD 700: der Kontakt

Der Dongle kommt in einer kleinen Papphülle, die Bedienungsanleitung kann man lesen, muss es aber nicht, die Funktion versteht sich von selbst. Ein Adapter erlaubt den Kontakt per USB-A, in der Basis ist jedoch alles auf USB-C ausgerichtet. Das ist der Standard auch beim neuen iPhone – und eine direkte Vorgabe der Europäischen Union gegen die Masse an Ladekabeln.

Sennheiser BDT700 in Packung
Erstaunlich klein: Einen Daumennagel ist größer als der BTD 700. Per zeitgemäßem Standard ist ein USB-C-Kontakt fest verbaut. Der Verpackung liegt aber auch ein Adapter auf USB-A bei (Foto: A. Günther)

Also einstecken und dann auf die sichtbare Kopfseite der BTD 700 drücken, die Oberseite leuchtet auf und sagt mir, dass das Pairing beginnen kann. Blitzsauber und schnell wird der Kontakt für den Momentum erkannt. Wichtig: Alle Basiseinstellungen bleiben unangetastet, nur der Signalweg hat sich geändert. Entziehe ich dem Smartphone wieder den Dongle, switcht alles auf das ursprüngliche Bluetooth-Protokoll zurück.

Sennheiser BDT700 am iPhone
Einfach einstecken: Egal ob in das Notebook oder das Smartphone. Dann ein sanfter Druck auf die Rückseite und auf der Oberseite leuchtet eine LED auf, die die Kontaktbereitschaft per Bluetooth anzeigt (Foto: A. Günther)

Das Spiel kann ich mit jeder Audio-Hardware veranstalten. Also auch mit einem Tablet oder PC. Eine Steigerung haben wir uns allerdings ausgedacht, um ein absolutes Master zu finden. Wir gehen mit High-Res-Files direkt an einen externen Kopfhörer-Verstärker/Wandler. Konkret den ADI-2 DAC von RME. Von dort aus dann per Klinke in den Momentum. Das wird der Dongle nicht überbieten können. Oder?

Hörtest

Heute beginne ich sanftmütig, „biedermeierlich“, um im Wortsinn unterwegs zu sein. „The Romantic Room“ ist eine Versammlung von Kammermusik aus der Feder von Louis Spohr. Kennt man nicht? Der Mann war aber zu Lebzeiten (1784 – 1859) der Überflieger unter den Komponisten, Geigen-Virtuose und bekannt mit allen Größen der Zeit – Beethoven, Goethe… Ach, nebenbei war Spohr auch der Erfinder des Taktstocks.

Cover---Spohr
Herrlich muss die alte Zeit gewesen sein: Kammermusik von Luis Spohr – wenn einmal Eleganz im Raumklang gefragt ist. Sehr edel von Pentatone in High-Res angeboten (Foto: A. Günther)

Das High-End-Label Pentatone hat die WDR Chamber Players für eine 6er-CD-Box gewonnen und eben einen High-Res-Stream. Die Aufnahmen klingen famos – weil hier wirklich alles intim wirkt, dynamisch dazu, wie eine Zeitreise in ein bürgerliches Prachtzimmer des 19. Jahrhunderts. Genau das will man hören – und das neue iPhone 16 Pro versagt diesen Reiz am Momentum 4. Wo strömende Eleganz sein sollte, wird es leicht nervös: Die Variationen über ein Mozart-Thema wirken getrieben.

Ganz anders der Wechsel auf den BTD 700 – ich hatte einiges erwartet, aber nicht diesen großen Schritt in Richtung zu mehr Feinheit, zu mehr Luft und eben Eleganz. 49 Euro? Da müssen wir nicht darüber reden, der Effekt ist audiophiles Gold wert.

Aber ich will auch wissen, ob ich per Kabelkontakt zum iPhone besser unterwegs bin. Im Kopf ist die Sache klar – das muss besser klingen. Tut es aber nicht. Das ist ein klares Unentschieden – und die Kabelfreiheit ist ein Killerargument auch für das Lebensgefühl auf dem warmen Hörsofa. Das fühlt sich nach falscher Nabelschnur an.

„The New Eve Is Rising“ - Cover
Nicht dem netten Rosa vertrauen, die Damen können auch richtig brachial sein. Wenn man wirklich wissen will, wie viel dynamische Spannbreite ein Kopfhörer-Erlebnis verträgt. Kein Scherz: Auch eine Version auf Musikkassette ist erschienen (Foto: A. Günther)

Mehr Druck, mehr Tempo: Das Debütalbum von „The New Eve Is Rising“ ist so unbeugsam, dass es schon wehtut. Zwar gibt es auch parfümierte Harmonien wie bei einem Standspaziergang am Meer, aber „Highway Man“ peitscht mit dem Schlagzeug über die Membranen. Da fährt der Momentum 4 mit dem neuen Dongle zwar nicht an die Wand, aber das Tempo zieht interessanterweise nicht. Doch wieder ein Gleichauf mit dem Kabelweg zum iPhone. Als die Gitarre in der Mitte des Songs zu kreischen beginnt, zeigt der große RME-Amp auf dem Schreibtisch, dass doch nichts über Kabel und eben einen ambitionierten High-End-Wandler geht. Aber der Aufwand ist halt gewaltig…

Fazit Sennheiser HD Bluetooth BTD 700

Vorurteile sind eine Pest. Sie nisten sich wie Läuse ein und kratzen. Diese kleine Bluetooth-Dongle vertreibt sie. Denn tatsächlich hebt Sennheiser damit den Klang seiner besten, kabellosen Modelle auf das Niveau einer Kabelverbindung. Das hätte ich nie erwartet und ich mich böse verwettet. Nun gut, es bleibt vielleicht eine Nische – aber die Investition von 49 Euro für alle bestehenden Sennheiser-Momentum-Nutzer ist ein Nichts angesichts des Klanggewinns. Die Überraschung des kabellosen Sommers.

Sennheiser
HD Bluetooth BTD 700
2025/09
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.

 

Tatsächlich auf einem Klangniveau wie eine Kabelverbindung
Kleines Bauteil, kleiner Aufwand, große Wirkung
Die klangliche Top-Option auf Reisen
Hochwertig, preisgünstig

Vertrieb:
Sonova Consumer Hearing GmbH
Am Labor 1
30900 Wedemark
www.sennheiser-hearing.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Sennheiser HD BDT700: 49 Euro

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Autor: Andreas Günther

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Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.