Hübsch können viele, gut manche. Aber so richtig gut? Der Pantheone 1 vereint Lebensgefühl mit schlauer Klangabstimmung. Nehmt das, ihr Herren Bang & Co.
Nehmen wir einen Gedanken auf: Die Firma hier heißt Pantheone Audio. Da denken wir an das Pantheon in Rom, die Kreativen denken vielleicht an die Farbpalette von Pantone. Was aber komplett vom Ort der Handlung wegführt. Pantheone Audio residiert in Sydney, Australien. Der Gründer heißt Oren Adani und entstammt der Consumer-Elektronik, also ein Insider. Der Clou liegt darin, dass sich Adani die Kreativdirektorin Anne-Claire Bottos leistet. Die wiederum arbeitete für Cartier, Yves Saint Laurent, Givenchy – der perfekte Mix aus Modewissen und Erfahrung im Luxussegment.

Aha, also haben wir es hier mit Design-Lautsprechern zu tun. Stimmt auffällig. Die Fressfeinde sind natürlich Bang & Olufsen, Devialet und andere Schönlinge. Es gibt aber noch einen Dritten im Bunde bei Pantheone Audio – den „Head of Acoustic Engineering“. Das ist Adrien Stachowicz, der beim französischen Lautsprecherhersteller Focal Großes geleistet hat.
Jetzt wieder die Rolle rückwärts zum Pantheon in Rom. Der hier vorgestellte Lautsprecher heißt ebenso – und ist eine Huldigung der großartigen Architektur der alten Römer. Die haben besagtes Gebäude etwa 120 Jahre nach Christi Geburt errichtet – es ist noch immer die größte unbewehrte Betonkuppel der Welt. Beton? Richtig, die alten Meister haben auch diesen Werkstoff erfunden. Es wäre sehr dunkel im Pantheon, gäbe es nicht in der Mitte der Kuppel das Oculus, eine Öffnung von neun Metern, durch die das Außenlicht einfällt. Erinnert an den großen Leonard Cohen und seinen Ausruf in „Anthem“: „There is a crack, a crack in everything. That’s how the light gets in.“
Genau in dieser Mischwelt setzt der Pantheon-Lautsprecher an: Eine Klangkuppel, eine Skulptur, eine Verbeugung vor archaischer Architektur. Aber nicht aus Beton gebaut, sondern aus hochdichtem Harz gegossen und poliert. Alles entsteht in Handarbeit. Im Sinne der stringenten Design-Philosophie gibt es auch nur zwei Farben – weiß, schwarz, basta.

Pantheone I: die technischen Details
Wer an dieser Stelle des Textes aussteigen möchte – bitte. Aber man verpasst die Preiskalkulation. Denn trotz der Edelfertigung auf 25 Kilogramm, trotz der Design-Finesse: Pantheone Audio behält den Preis bei 3.300 Euro pro Stück. Das ist auch eine Kampfansage an die Design-Konkurrenten. Zugleich fällt mit dem Preisvorsprung dem deutschen Vertrieb der Weg in den Handel leichter. Der ist neu, aber ebenso professionell stark aufgestellt: Pantheone konnte Manuel Neitzel gewinnen – wieder einen Profi mit Vergangenheit, lange Jahre das Gesicht und der Gesandte von Linn und später Piega.

Aufmerksame Menschen stellen jetzt eine Detailfrage, fast eine Fangfrage: 3.300 Euro pro Stück – dann ist der Pantheone I also ein Mono-Ei? Er kann so agieren, aber zwei Modelle fügen sich vollumfänglich zum Stereo-Paar. Dann sinkt auch der Set-Preis, zumindest leicht. Noch eine Überlegung: Es gibt zusätzlich die Option zum Multiroom, als kompakten flankierenden Gefährten gäbe es auch den „Obsidian“, den zweiten Lautsprecher im Katalog der Australier, nur fünf Kilogramm schwer und für das Regal konzipiert. Auch hier Stringenz: zwei Lautsprecher im Repertoire, abermals basta.

Den Pantheone 1 stellt man idealerweise auf den Boden, im praktischen Alltag genügt ein Kabel – die Stromzufuhr. Dann wird er wahlweise ins WLAN integriert oder per Bluetooth angesteuert. Die Ersteinrichtung ist in weniger als drei Minuten geschafft. Das System ist offen, wächst mit den Softwareangeboten der Branchenriesen, bereits an Bord sind Alexa als Sprachsteuerung und eigentlich alle entscheidenden Streaminganbieter. Apple-Fans werden natürlich die Option von AirPlay 2 lieben, die Sammler mit den eigenen NAS-Festplatten könnten auch per Ethernetkabel den Kontakt finden. Und die Vinyl-Fans? Seltsame, aber interessante Frage. Hier boomt doch gerade der Markt der Plattenspieler mit Phonostufe und Bluetooth-Sender (wir hatten kürzlich den Technics SC-CX700 im Test…). Aber ja: Der Pantheone 1 ist mit Mini-Klinke auch offen für ein klassisches, kabelgebundenes Analogsignal.
Zum Innenleben. Wie viele Lautsprecherchassis würden wir mit Röntgenaugen hinter den Frontblenden sehen? Es sind immerhin acht Stück. Zwei Woofer, zwei Papiermembranen für den Mitteltonbereich und vier Seidenkalotten für die Höhen. Die braucht es auch – denn der Pantheone 1 spielt eben nicht auf Ohrenhöhe, er muss gerade seine Höhenpräsenz und Ortung über berechnete Abstrahlwinkel erschaffen.

Natürlich ist dazu auch ein DSP im Gehäuse verbaut, plus Class-D-Verstärker. Die Woofer bekommen doppelte 130 Watt angeboten, die Mitten- und Hochtöner doppelte 70 Watt. Das ist sehr potent, wie auch das Versprechen für den Frequenzgang: 22 Kilohertz in der Höhe überraschen uns nicht, aber fast 30 Hertz sind schon ein strammes Versprechen an Basspräsenz.
Praxis
Genau diese Basspräsenz muss austariert werden. Die Chancen sind hoch, dass der Pantheone in der Raumecke platziert wird – was die Tiefen nochmals anhebt. Zugleich immer bedenken: Das Klangkonzept wurde von Adrien Stachowicz auf 360 Grad ausgelegt. Also ein Rundumstrahler. Es gibt kein eingebautes Messmikrofon, keine selbst einmessende Automatik. Für diese Praxisfragen sind die Fachhändler geschult. Wer selbst eingreifen will, nutzt die Pantheone-App, in der eine Steuersoftware nach der Position des Lautsprechers im Raum fragt. Wer tiefer in die Einstellungen greifen will, startet den reduzierten Equalizer.
Die hauseigene App ist genauso reduziert wie das Design der Lautsprecher. Faktisch übernehmen Apple, Amazon, Tidal, Qobuz die Wahl der Tracks. Aber wichtig: Die Pantheone-App verfügt über Feineinstellungen für Höhen und Bässe plus die Position des Lautsprechers im Raum:
Das hat uns weder Schweiß noch Mühe gekostet. Wer keine Lust auf die App hat, kann den Pantheone 1 direkt am Gehäuse bedienen. Auf der Oberfläche liegen beleuchtete Taster für Ein/Aus, die Lautstärke, den schnellen Skip der Tracks, das Pairing mit Bluetooth und/oder WLAN, dazu kann ich den Lautsprecher auch in den Privatmodus zwingen – eben den Zuruf für Alexa ausschalten. Abermals: alles möglich, sehr dezent eingefügt, edel in der Haptik, stressfrei.

Die Fotos im Katalog und auf der Webseite von Pantheone zeigen schöne Menschen in schönen Räumen. Da können wir als Tester mit Bauch und Bart nicht mithalten, aber unsere Räume verstrahlen Flair. LowBeats residiert in einer alten Nähmaschinenfabrik im Westend von München – hohe Räume, harter Boden, hier und da ein Stahlträger. Wir hätten den Lautsprecher auch in unseren dezidiert gedämpften Profi-Hörraum schleppen können. Aber das Wohnambiente ist ja Teil des Markenversprechens. Umkehrschluss: Es gibt keine plüschigen Sofas, keine Teppiche, aber eine große Fläche. Da mussten wir etwas Zeit aufwenden, den Equalizer auf sinnige Vorgaben zu trimmen. In der Lieferfassung erschien insbesondere der Oberbass etwas zu füllig, der echte Tiefbass hingegen kantig und überraschend ehrlich. Und ja: Das Stereo-Setup hätten wir haben können, doch das Konzept des Mono-Monolithen hielten wir für spannender.

Hörtest
Morrissey gibt sich dem Alterswerk hin: „Make-Up Is a Lie“ greift uns nicht beim ersten Hören ans Herz. Alles im mittleren Tempo, alles mit peitschendem Schlagzeug auf halb-edlen Industrial-Charme gemixt. Passt also zu unseren Räumlichkeiten und zu den Pantheone-Bildern.

Der 360-Grad-Sound funktioniert nicht nur, er ist intelligent inszeniert. Da ist Morrissey wirklich mehrdimensional im Raum – viel Körper, umschwirrt eben von dem hellen, treibenden Schlagzeug. Interessanterweise gibt es viel Räumlichkeit, die Aufnahme protzt vor Hall, mal diffus, mal konkret, immer ein freundlicher Maßanzug für den Sänger. Wie heißt das Album? „Make-Up Is a Lie“ – Morrissey hat viel Make-up in seine 24 Bit bekommen. Aber eine Lüge? Nein, ich kenne viele Edel-Lautsprecher mit Parfüm-Sound, die Pantheone mögen rund sein, sie zeigen aber echte Kante und Statement.

Einen Gang herunter, lassen wir es schleifen. Vielmehr rattern: Fortuna Ehrenfeld ist ein Phänomen aus Kölle. Etwas Element of Crime, schlaue Texte, viel Stimmung. Könnte man auch in kleinen Datenraten abhandeln. Aber hier werden echte 24 Bit und 192 Kilohertz aufgeboten. Das Album heißt „Live at the Hollywood Bowl“, ist aber eine lupenreine Studioproduktion. Der Song „Märklin“ (das Rattern) ist pure Melancholie mit kleinem Trompetensolo und Tamburin. Klingt köstlich, die Pantheone 1 ist sicherlich kein High-End-Zeige-mir-alles-Lautsprecher. Aber die Atmosphäre liefert sie vom ersten Takt an. Dazu wieder diese räumliche Präsenz, Frontmann Martin Bechler bricht die Stimme wie ein Tom Waits auf Alkohol-Entzug – das ist über das Ei aus Australien herzergreifend. Andere Design-Wandler hätten das Intime zum Bigger-than-life aufgeblasen und mit den Phasen gespielt. Der Pantheone 1 ist auch ein Meister der feinen Momente.
Fazit Pantheone I
Hier haben sich ein paar ausgebuffte Leute genau angesehen, wo die Lücke klafft: die Lücke zwischen hochwertigem HiFi und smarter Wiedergabe, zwischen Anspruch und eigentlichem Käuferwunsch. Und sie haben daraufhin den Pantheone 1 entwickelt. Dessen Bedienung ist einfach, der Klang so breitbandig wie gut und das organisch geformte Gehäuse besteht aus einem akustisch äußerst vorteilhaftem, hochdichten Harz, der sich zudem perfekt bearbeiten lässt. Ich sage, wie es ist: Wir haben lange gesucht und kein Haar in der Suppe gefunden. Ein toller Grenzgänger und geeignet, selbst größere Anlagen im Wohnzimmer zu ersetzen und mal wieder ein bisschen Schwung ins heimische Hören zu bringen.
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Ausgewogen mit sattem Bass, gefällig weit in der Raumabbildung |
| | Schnelle, geradlinige Einbindung in WLAN und zu Streaminganbietern |
| | Schlüssiges, konsequentes Gesamtkonzept |
| | Hohes Gewicht, besondere Form, gute Verarbeitung |
Vertrieb:
Sound In Form
Wiesenweg 14
23684 Scharbeutz
[email protected]
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Pantheone I: 3.300 Euro
Pantheone I (Paar): 6.400 Euro
Technische Daten
| Pantheone Audio I | |
|---|---|
| Technisches Konzept: | WLAN-Lautsprecher mit Alexa-Steuerung |
| Eingänge: | AUX-Eingang: 1 x Miniklinke Netzwerk: 1 x Ethernet 10/100M RJ45 |
| Lautsprecher: | TT: 2 x 15 cm, MT: 2 x 10 cm, HT: 4 x 20 mm |
| Frequenzgang: | 35 – 22.000 Hz |
| Gehäuse: | Handgefertigt aus poliertem Harz, ABS-Kunststoff |
| Bedienung: | Am Gerät und App (iOS &Android) |
| Streaming-Dienste: | Spotify Connect, Amazon Music, Airplay2, Tidal, Tuneln, DLNA, APE, FLAC, WAV, Apple Lossless Audio Format (ALAC), AAC. AAC-LC, HE-AAC, HE-AAC v2, MP3 |
| Multiroom: | Bis zu 8 Räume |
| Abmessungen (HxBxT) | 65,3 x 46,0 x 43,7 cm |
| Gewicht: | 24,9 kg |
| Alle technischen Daten | |










