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Test Sony VPL-VW760ES: 4K HDR-Projektor mit Laser

Laser haben den Vorteil, optisch einen maximalen Wirkungsgrad zu erzielen. Schließlich landet die gesamte Energie auf einer einzelnen Frequenz. Elektrisch haben sie allerdings einen ganz miesen Wirkungsgrad. Für die paar hundert Milliwatt optischer Leistung muss dieser Projektor bis zu 430 Watt Energie aus der Steckdose saugen. Das erzeugt eine Menge Abwärme, die von mehreren Ventilatoren aus dem Gehäuse gedrückt werden. Das machen sie erstaunlich unauffällig – selbst bei maximaler Leistung.

Lensmemory ist ein Thema, das bei highendigeren Projektoren mittlerweile weit verbreitet ist. Darunter versteht man ein in Zoom, Fokus und Bildlage elektrisch verstellbares Objektiv, das sich verschiedene Einstellungen merken und auf Knopfdruck immer wieder anfahren kann. Gebräuchlich ist diess vor allem in Kombination mit Leinwänden im CinemaScope-Format. Für 4:3 und 16:9 nutzt man die mittleren zwei Drittel der Leinwand. Spielt man einen CinemaScope-Film, dann zoomt man das Bild auf volle Breite und nutzt die gesamte Fläche. Nützlich ist das auch für das neuerlich bei TV-Serien zunehmend verwendete 2,0:1-Format, für das man gerade so weit aufzoomt, dass die nutzlosen schwarzen Balken verschwinden.

Der Sony VPL-VW760ES findet diese einmal gespeicherten Positionen tatsächlich rasant schnell und vergleichsweise präzise, wie das obige Video belegt. Leider verliert er aber hin und wieder seine genaue Bildlage. Das kann JVC konstanter halten, arbeitet im Vergleich dazu aber im Zeitlupentempo.

Sony VPL-VW760ES verarbeitet alle Signale bis UHD mit 60Fps und voller Farbbandbreite (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW760ES verarbeitet bis UHD mit 60Fps und voller Farbbandbreite (Foto: R. Vogt)

Tatsächlich ist der VW760ES für 15.000 Euro Sonys preiswertester Projektor, der alle aktuellen Signalarten und Auflösungen, die von UHD-Blu-ray oder Spielekonsolen kommen können, auch mit ganzer Bandbreite wiedergibt. Wer das alles preiswerter braucht, muss aktuell JVC kaufen, die bieten das als einzige für deutlich unter 10.000 Euro.

Sony VPL-VW760ES (Foto: R. Vogt)
HDR-Varianten (Foto: R. Vogt)

Immerhin kann der Sony VPL-VW760ES in Sachen HDR die relevanten Standards und zwar richtig gut. In aller Regel sollten Zuspieler und Projektor im automatischen Modus einander korrekt einigen. Das klappte in den Tests reibungsfrei. Das galt für HDR10 (PQ ST.2084 EOTF), HDR-Refererenz ist ebenfalls HDR10 mit einem fix eingestellten Clipping ab 1.000Nit sowie Hybrid Log-Gamma (HLG) für künftige HDR-TV-Sendungen.

Auch die Umschaltung zwischen den zwei nunmehr gängigen Farbräumen BT.709 und BT.2020 klappte stressfrei. Schade nur, dass im DCI-P3-Bereich des BT.2020-Farbraums (was für HDR-Filme heute am gebräuchlisten ist) maximal gesättigtes Grün arg in Richtung Gelb driftete.

Sony VPL-VW760ES: Colorchecker nach Kalibrierung (Messung: LowBeats)
Sony VPL-VW760ES in BT.709: Colorchecker nach Kalibrierung (Messung: LowBeats)

Im traditionellen Videostandard machte der Projektor seine Arbeit vorschriftsmäßig gut. Es war nur wenig Feineinstellung in den Presets Referenz oder Benutzer notwendig, um ein homogenes, leuchtkräftiges Bild zu bekommen. Kleine Schönheitsfehler waren die beim Testgerät nicht korrigierbaren übersättigten mittleren Rot- und Grüntöne.

Ein größerer Schönheitsfehler ist das bei HDR-Wiedergabe zu tiefe Schwarz und zu weit aussteuernde Weiß. Erst nach deutlicher Korrektur erschienen Schattendetails aus dem satten Schwarz und eine Differenzierung jenseits 1.000Nit braucht auch keiner wirklich; letzere ist leicht mittels „Kontrast-HDR“-Regler zu erreichen.

Dann macht der Laser ein sehr vorschriftsmäßiges Bild, welches aber für Projektion eigentlich nicht gut ist, denn die Norm ist für TVs in einem beleuchteten Zimmer gedacht. Hier lässt sich mit der Funktion „Kontrastverstärkung“nachhelfen, die mittlere Tonwerte in drei Stufen anhebt. Das funktionierte prima, ich hatte mich im Laufe der Tests auf die mittlere Stufe eingeschossen. Das zauberte – trotz 3,5m CinemaScope mit Gain-schwacher, akustisch transparenter Leinwand und auf 100% Leistung eingestelltem Laser – noch so viel Farbenpracht und Strahlkraft ins Kino, dass ich mir ein zufriedenes Grinsen nicht verdrücken konnte.

Sony VPL-VW760ES (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW760ES mit echter 4K-Auflösung mit 4.096 x 2160 Pixeln (Foto: R. Vogt)

Mit an Bord hat auch der Sony VPL-VW760ES die cleveren Bildverbesserer von Sony. Da wäre zum Beispiel der Scaler mit seiner sehr Artefakt-armen Nachschärfung „Realismus“, der etwa bei Zuspielung von Full-HD-Signalen mit richtiger Dosierung derart knackige Details mit feinstem Pinselstrich zeichnet, dass sich echte 4K/UHD-Signale schon anstrengen müssen, um real mehr Information zu zeigen.

Im Gegensatz dazu dient „Weiche Übergänge“ zum Ausbügeln von stufigen Verläufen (Banding, Solarisation), die durch zu geringe Quantisierung mit nur 8 Bit bei konventionellem Video und Fernsehen entstehen. Das sieht anschließend aus wie mit 9 oder 10 Bit aufgelöst. Diese Funktion steht erstmals auch bei 3D zur Verfügung. Toll. Auch beherrscht der Sony VPL-VW760ES im Gegensatz zu den kleineren Modellen die beliebte Zwischenbildberechnung in allen Auflösungen, selbt mit 4k/UHD-Signalen.

Sony VPL-VW760ES (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW760ES im Vergleich zur installierten Referenz JVC DLA-X7900 (Foto: R. Vogt)

Der Sony VPL-VW760ES im Testvergleich

Im Februar habe ich die betagte Referenz Sony VPL-VW300 gegen den getesteten JVC DLA-X7900 getauscht, der nun auch alle Signalarten und Auflösungen beherrscht und vom Datenblatt her dem VW760ES gar nicht unähnlich ist. Nur bei unbewegten Fotos konnte man einen klaren Schärfevorteil für den nativ 4K auflösenden Sony gegen die e-Shift-Technik des JVC ausmachen. Im bewegten Filmbild merkt man davon nichts.

Sony VPL-VW760ES (Foto: R. Vogt)
Sony Funk-3D-Brille (Foto: R. Vogt)

Ein klarer Vorteil geht an die Laserlichtquelle des Sonys, nicht nur wegen der Lebensdauer und längeren Helligkeit, sondern vor allem in Sachen Bildruhe. Das fällt vor allem bei großen hellen Flächen auf, die vom Sony wie auf die Leinwand gemalt wirkten und bei denen der JVC im Kontrast dazu merklich flackerte. Die Ruhe und gute Glättung kam beim Sony auch bei der 3D-Wiedergabe zur Geltung. Nur zeigt sich das 3D-Bild vergleichsweise dunkel, wie bei allen Sony 4K-Modellen. Dafür halten sich die Geisterkonturen in Grenzen. Macht insgesamt einen ausgewogenen, plastischen 3D-Eindruck.

Ein Punkt geht an den JVC was das native Schwarz angeht, wobei der Sony kaum schlechter war. Die Spitzenhelligkeit geht knapp an den Sony, auch erneut mit dem Hinweis, dass diese länger erhalten bleibt. Und dank des genialen Scalers geht auch der Vergleich bei nativer Zuspielung von Satelliten-TV mit 720p oder 1080i sowie Blu-ray Disc mit 1080p kristallklar in Sachen Bildschärfe zu Gunsten des Sonys aus.

Fazit: Laserpower mit knackscharfem Bild

Ein Schnäppchen ist der Sony VPL-VW760ES für knapp 15.000 Euro sicher nicht. Aber er bietet auf höchstem Niveau ein angenehm ausgewogenes Paket aus wichtigen Eigenschaften. Die Laser-Lichtquelle ist ausdauernd und lichtstark, gleichzeitig angenehm ruhig und garantiert entspannte Augen. Die 4K-Panels liefern in Kombination mit dem scharfen Objektiv und der cleveren Signalverarbeitung (Stichwort „Realismus“) knackscharfe, leuchtstarke Bilder und tiefes Schwarz. Der Sony ist der perfekte Projektor für Vielgucker, die ihr Kino auch zum täglichen Fernsehen verwenden und maximale Qualität genießen wollen, ohne stetig auf den Lampentimer zu schielen. Ein Allrounder auf Highend-Niveau.

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Mehr über Leinwände:
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Sony VPL-VW760ES
2018/03
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen:
Bild
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
echtes 4K-Bild, sehr gute Bildruhe
Laser bis 20.000h Lebensdauer
Gute HDR und HLG Integration
Werkseinstellung für HDR

Vertrieb:
Sony Europe Limited
Zweigniederlassung Deutschland
Kemperplatz 1
D-10785 Berlin
www.sony.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Sony VPL-VW760ES 14.990 Euro
Sony TDG-BT500A (3D-Brille) 60 Euro