Mit dem Sony VPL-XW5100, der auch Sony Bravia Projector 7 heißt, vervollständigen die Japaner ihre aktuelle Projektor-Serie nach unten. Er ist damit der Nachfolger des Sony VPL-XW5000, den LowBeats bereits 2022 testete. Im Kern handelt es sich um den gleichen Projektor, doch an einigen entscheidenden Stellen hat dieser wirklich spannende Updates erfahren, teils auch solche, die längst überfällig waren.

Sony VPL-XW5100: Zwei Namen – ein Produkt
Wollen wir zunächst einmal den Namen klären. Auf dem Karton, dem Gerät und im Menü lautet dieser „Sony VPL-XW5100“. Ursprünglich gehörten die Heimkino-Projektoren auch zur Edel-Serie „Esprit“, kenntlich am „ES“ am Ende des Namens. Das verschwand mit der „XW“-Serie. Nun taucht es aber als Logo auf dem Gehäuse wieder auf. In einigen Sony-Dokumenten steht daher XW5100ES. In einigen Prospekten und Infos nennt Sony diesen Projektor auch „Sony Bravia Projector 7“ in Anlehnung an die TV-Geräte. Wer auch immer für diese Namensverwirrung verantwortlich ist, sollte sich mal mit seinen Händlern unterhalten. Dann lässt man so einen Unsinn. Im Folgenden nenne ich das Produkt wie es selbst beschriftet ist: Sony VPL-XW5100.
Der optische Block, also der Teil, der das Bild erzeugt, bleibt unverändert. Das betrifft die drei SXRD-Panels und die optischen Komponenten, die das Licht in seine Grundfarben aufteilen und später wieder zusammenführen, sowie das Objektiv, das das Bild auf die Leinwand projiziert. Die technischen Daten und das Ergebnis auf der Leinwand zeigen keinen Unterschied, die auf eine Veränderung hindeutet.
Das Objektiv ist ein Erbe der Full-HD-Projektoren der „HW“-Serie und wird für die Justage von Fokus, Zoom und Lensshift manuell verstellt. Einzig mit der Fernbedienung lässt sich ein recht hilfreiches Testbild einblenden. Das zeigt, wie gut man Leinwand und Geomtrie trifft und wie scharf es wird.Die gestrichelten Linien zeigen hier die Bildformate für 1,85:1 (US-Kinostandard), 2,35:1 (Cinemasope) oder 4:3. Gerade die Cinemascope-Markierung hilft dabei, das Bild auf einer entsprechenden Leinwand auszurichten. Damit man eine Cinemascope-Leinwand sinnvoller als bisher nutzten kann bietet die Scaler-Einstellung – ASPECT auf der Fernbedienung – nun eine neue Funktion zur Darstellung von 16:9-Video innerhalb des Cinemascope-Bereichs. Das ist mangels Lens-Memory eigentlich das Mindeste. Schade: Für die gängigen Formate 2,0:1 und 2,2:1, die einige Serien verwenden, gibt es keine Lösung.
Die zwei gleichwertigen HDMI 2.1-Eingänge bieten, was heute gefragt ist: Auflösungen bis 4K mit 120fps mit ALLM (Adaptive Low Latency Mode) für Gamer. Damit wird eine minimale Latenz von 12 Millisekunden erreicht, die selbst in Actionspielen kaum noch stört. Mit 3D kann der XW5100 allerdings nichts mehr anfangen; der aus der TV-Technik adaptierte XR-Bildprozessor kann es nicht mehr verarbeiten.
Eine Konstante: die Bedienung
Seit nahezu 20 Jahren unverändert zeigen sich bei Sony-Projektoren die Menüs und die Fernbedienung – und zwar über alle Preisklassen und Serien hinweg. Das ist ein Punkt, weshalb Sony-Jünger gerne bei der Marke bleiben, wenn sie ein neues Gerät kaufen, eben weil man sich bei der Handhabung nicht umgewöhnen muss. So ist der Handgeber vergleichsweise groß und zeigt mit angenehm gelblichem Licht auch im Dunkeln die Beschriftung der Tasten. Diese sind in den immer gleichen vier Gruppen sortiert und daher schnell auch ohne Hinzusehen zu verwenden.
XR Prozessor: die neuen Features
Der neue Bildprozessor bringt einige neue Funktionen in die aktuelle Serie. Beginnen wir mit den einfachsten: Der Sony VPL-XW5100 bietet wieder (gab es vor Jahren schon) eine Trapezkorrektur. Damit lässt sich das Bild entzerren, wenn der Projektor sich nicht exakt zur Leinwand ausrichten lässt oder der Lensshift nicht ausreicht. Das ist nichts Neues und im Regelfall eher zu vermeiden. In Fällen, in denen es nicht anders geht, ist es allerdings eine gute Lösung.
Quasi als letzter der renommierten Hersteller führt nun auch Sony für die HDR-Wiedergabe ein dynamisches Tonemapping ein. Dabei wird das eintreffende HDR-Bild auf seine Helligkeitsanteile hin analysiert und dann für jedes einzelne Filmbild ein Tonemapping durchgeführt. Dabei entscheidet der Algorithmus, wie viel er vom HDR-Motiv unbearbeitet lassen kann und welchen Anteil der oberen Helligkeitswerte er wie weit komprimieren muss, um diese noch darstellen zu können. Dadurch stellt der Projektor ständig noch so viel „HDR“ (Spitzlichter und Farbaussteuerung) zur Verfügung, wie es gerade noch darstellen kann. Das Tonemapping-Menü ermöglicht drei Modi mit unterschiedlich starken Gewichtungen zwischen Helligkeit der Darstellung oder mehr Dynamik im Bild. An dieser Stelle ist auch hilfreich, dass der XW5100 mit 2.200 Lumen immerhin 10 Prozent gegenüber seinem Vorgänger heller geworden ist.
Alle anderen bekannten Sony-Funktionen und Menüs sind wie gewohnt vorhanden. Wahlweise geliebt oder gehasst: Sonys Zwischenbildberechnung Motionflow, die eine extrem geschmeidige Bewegungsdarstellung erlaubt, aber eben auch stets etwas synthetisch rüberkommt. Dazu gesellt sich Sonys Nachschärfung namens Reality Creation, die mittlerweile recht feinfühlig einstellbar ist und ziemlich Artefakt-arm feine Details deutlicher zeichnen kann. Die macht auf kleiner Stufe in jedem Fall Sinn.
Wo sich aber bei mir ehrlich gesagt alles sträubt: Auf derselben Seite seiner Präsentation zum XR-Prozessor erklärt das Sony-Marketing, dass über „Depth Mapping“ und „Focal Point Recognition“ fokussierte Bildteile betont und entfernte Motivteile und der Bokeh-Effekt geglättet werden. Das Ganze wird mit dem Begriff mit „Creator’s Intent“ begründet. Also eigentlich hat sich ein Kameramann bei Objektiv- und Blendenauswahl etwas gedacht und versucht den Blick des Zuschauers durch subtile Schärfedifferenzen zu lenken. Es kann also kaum im Sinne des Kreativen sein, dass der Projektor hier manipuliert. Leider ist dieser Prozess weder dosierbar noch abschaltbar. Glücklicherweise ist dieser aber so dezent, dass er kaum zu sehen und nur in kritischen Motiven erkennbar wird.
Gute Werte im Labor
Ungewöhnlich hoch war der ermittelte Wert für den nativen sequenziellen Kontrast des Sony VPL-XW5100. Rund 11.000:1 konnte ich für das Testgerät ermitteln. Und das ist der kurzfristige Wert, also real im Film. Wenn der Projektor ein paar Sekunden nur Schwarz erhält, regelt er nochmals dunkler. Solche Werte erreichten bislang nur Geräte von JVC. Nicht ganz so erfreulich ist der etwas beschränkte Farbraum in Rot und Grün, die beide nicht ganz die Werte für UHD-P3 erreichen. Grob 90 Prozent Farbabdeckung für HDR ist okay, aber auch weniger als die im Prospekt versprochenen 95 Prozent. Bei HDR bilden sich dadurch maximal gesättigte Motivteile minimal blasser ab. Das spielt in der Praxis aber keine große Rolle.
Im Colorchecker für HDR (siehe oben) zeigen die maximalen Sättigungen daher starke Fehler. Aber man sieht in der Messung des kalibrierten XW5000 bei HDR10, dass alles andere mit Delta-E-Werten unterhalb 2 sehr exakt dargestellt wird. Das gilt erst recht für die Messung des Projektors mit SDR (BT.709). Der Colorchecker weist einen maximalen Fehler von 1,8 und einen mittleren von 0,7 aus. Das ist schon nahe an der Referenz. Wohl bemerkt: kalibriert, ab Werk lagen die Abweichungen in gutem Rahmen, der voreingestellte Modus FILM 1 ist allerdings schon sehr Effektverliebt bunt.
Der Sony VPL-XW5100 in der Praxis
Wie gewohnt bringt der VPL-XW5100 die typischen Sony-Tugenden mit: Handhabung und Menüs sind nahezu selbsterklärend, Features für Experten sind auf hintere Menüseiten verbannt. Dort befinden sich dann die Tools, die eine exakte Kalibrierung erlauben – wie auf den Messungen oben zu sehen. Ab Werk sind die Einstellungen praxisgerecht, aber nicht auf den Punkt.

Aufstellung und optische Einrichtung erleichtern hilfreiche Kleinigkeiten, bei denen jemand gut mitgedacht hat. So steht der Projektor etwa auf zwei, weit verstellbaren Füßen vorne und einer gebogenen Gummilippe hinten. Dies erleichtert beispielsweise die Ausrichtung auf die Leinwandkanten, wenn der Projektor steht. Wer von einem früheren Sony-Projektor wechselt, kann dank der stets gleich angeordneten Gewindebuchsen seine Halterung weiterverwenden. Lästig dagegen bleibt die manuelle Einstellung des Objektivs. Homogenität und Schärfe des Testgeräts waren sehr gut, Zoom und Fokus laufen geschmeidig, aber die zwei Rädchen für den Lensshift hakeln.
Angenehm unauffällig bleibt das geringe Arbeitsgeräusch des kleinen Sony-Modells. Vor dem Hintergrund macht es durchaus Sinn, für HDR die maximale Lasereinstellung zu wählen. Damit das wirklich gut arbeitende adaptive Tonemapping zum Einsatz kommt, muss man allerdings im Expertenmenü bei HDR „Referenz“ abschalten, sonst laufen die Highlights in eine sture Übersteuerung und gleichzeitig wirkt das Bild ziemlich dunkel. Der „Referenz“-Modus mag für die Norm und bei TV-Displays korrekt sein, für Projektion ist das wenig sinnvoll. Weiterhin praktisch: Wer gern sein Kino mit dem Tablet steuert, kann mit dem Eingeben der IP-Adresse des Projektors das übersichtliche Webmenü verwenden.

Fazit Sony VPL-XW5100 – günstiger Highend-Projektor
Mit dem Sony VPL-XW5100 bringt der Traditionshersteller einen würdigen Nachfolger mit wichtigen Verbesserungen. Dank der erweiterten Aspekt-Einstellung ist der Projektor nun grundsätzlich auch mit Cinemascope-Leinwänden nutzbar. 10 Prozent mehr Helligkeit helfen insbesondere bei der HDR-Darstellung – erst recht mit dem endlich auch bei Sony eingeführten adaptiven Tonemapping, das in Echtzeit Helligkeits-Spitzenwerte des Films analysiert und an das real Darstellbare des Projektors anpasst. Das alles funktionierte im Test sehr gut. Wer schon Sony-Fan ist, wird seine Lieblings-Features – wie die aalglatt laufende Zwischenbildberechnung Motion Flow und Artefakt-arme Nachschärfung Reality Creation – wiederfinden und auch eine vorhandene Deckenhalterung wird weiterhin passen. Damit ist der Sony VPL-XW5100 ein perfektes Gerät für Auf- und Umsteiger. Sparen aber sollte sich die Marketingabteilung die Namensverwirrung: Denn Sony VPL-XW5100 und Sony Bravia Projector 7 sind ein und dasselbe Produkt.
Sony VPL-XW5100 | 2025/11 |
![]() | |
SEHR GUT | |
Bewertungen
BildPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | gute Helligkeit, dabei sehr leise |
| | (endlich) adaptive HDR-Wiedergabe |
| | Webmenü für Tablet/Smartphone |
| | Objektiv nur manuell verstellbar |
Vertrieb:
Sony Europe B.V., Zweigniederlassung Deutschland
Kemperplatz 1
10785 Berlin
pro.sony/de_DE
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Sony VPL-XW5100: 6.990 Euro
| Sony VPL-XW5100 | |
|---|---|
| Native Auflösung: | 3840 × 2160 Pixel |
| Projektionsverhältnis: | 1,38:1 bis 2,21:1 |
| Lens-Shift: | vertikal: ±71 %, horizontal: ±25 % |
| Lichtquelle: | Laserphosphor, max. 2.200 lm |
| Standby-Verbrauch: | 0,3 W (bei „Remote Start“ auf „Off“) 0,5 W (bei „Remote Start“ auf „On“) |
| Abmessungen (BxHxT): | 460 x 200 x 472 mm |
| Gewicht: | 13 kg |
| Alle technischen Daten | |
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