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Test Standbox KEF R11 – ganz nah an der Reference

Wir haben die KEF wie üblich mit vielen unterschiedlichen Verstärkern ausprobiert, darunter sogar der kleine Cambridge Audio AX35. Das ging erstaunlich gut. Richtig genial aber klang es mit kräftigen Vollwert-Verstärkern wie dem Atoll In 400 ES oder dem großen Cambridge Edge A. Auch wenn diese Verstärker in etwa so teuer sind wie die KEF, so wäre das keine ungewöhnliche Kombination – einfach, weil die R11 auch in einer preislich höheren Liga angesiedelt sein könnte.

Das neue R-Flaggschiff ist wohl auch deshalb so gut, weil seinee Konstruktion mit den neu entwickelten Treibern ausgesprochen verzerrungsarm ist. Ein solch gutmütiges Verzerrungsverhalten wie unsere Messungen bei 94 Dezibel  ist jedenfalls bei klassischen HiFi-Lautsprechern sehr selten.

Verzerrungen bei einer mittleren Lautstärke von 94 Dezibel in einem Meter Entfernung: sie sind fast nicht wahrnehmbar (Messung: J. Schröder)

Doch auch bei hohen Pegeln – da sprechen wir von Spitzenwerten bis 115 Dezibel – bleiben die Verzerrungswerte moderat – siehe Messung unten. Das unterstreicht die Aussage von KEF Entwicklungsleiter Dr. Jack Oclee-Brown, dass die R11 auch in größeren Räumen sehr souverän spielen würde. Im 70 Quadratmeter großen LowBeats Hörraum zeigte sie jedenfalls auch Pegel-mäßig keine Schwächen.

Selbst bei einem hohem Pegel von 106 Dezibel bleiben die Verzerrungen niedrig (Messung: J. Schröder)

Noch ein Wort zur Aufstellung. Die R11 ist eine typischen KEF mit sattem Bass-Fundament. Die Aufstellung in Wand- oder Eckennähe verbietet sich daher bei einem solchen Edelstück von selbst. Fakt ist: Man muss wegen der vielen Bassquellen etwas herumprobieren, kommt aber in der Regel zu einem guten Ergebnis.

So klingt die R11

Ich hatte das Glück, eine bereits eingespielte R11 zu bekommen und so legte sie nach etwas Hin- und Herrücken mit unglaublichem Selbstverständnis los. Zum Warmmachen erst einmal das äußerst dynamische „Crying“ von James Blood Ulmer: Puh. Wie weit die KEF den Raum der Live-Aufnahme aufzog, dann aber bei den Gesangspassagen doch wieder ziemlich dicht ans Mikro kam… Die Bassdrum-Hiebe hatten nicht ganz den brachialen Drive der kürzlich getesteten Heco Celan Revolution 9, aber mehr Tiefgang und fühlten sich fast genauso Live-haftig an. Und dann die Stimme von Ulmer: rauchig, kernig, mitreißend.

James Blood Ulmer
Eine großartige Live-Aufnahme aus einem relativ kleinen Konzertraum: James Blood Ulmer Liver At Bayerischer Hof

Die Aufnahme ist teils recht bissig. Und doch war da mit der KEF nichts Störendes. Dieser Lautsprecher hat etwas ungemein Natürliches. Bei der KEF Reference Serie fand ich die Bässe insgesamt etwas zu mollig: die R1 recht gut, die R3 noch gut, die R5 nur in Ausnahmefälle zu empfehlen. Nun kommt die R11 mit einer sehr ähnlichen Bestückung wie die angesprochene Reference 5 daher und macht es im Tiefton einfach viel besser. Der Bassbereich wirkt nicht wie ein zu laut angekoppelter Subwoofer, sondern ist Teil eines natürlichen Ganzen.

KEF R11 im LowBeats Hörraum
Die KEF R11 mischten den LowBeats Hörraum mächtig auf und ließen selbst deutlich teurere Mitbewerber schlecht aussehen (Foto: H. Biermann)

Auch die Bässe der R11 reichen weit runter und sorgen für ein sattes Fundament. Aber sie sind einfach sehr viel habhafter und präziser als die der großen Reference: Ein Tritt des Schlagzeugers auf die Bassdrum fährt wie eine Faust in die Magengrube. Das ist gemessen an den etwas „weicheren“ Bass-Auftritt vieler anderer KEF Lautsprecher der letzten Zeit ein enormer Fortschritt – hin zu mehr Realismus und zu mehr Erlebnisspaß.

Boris Blank, der musikalische Kopf hinter dem Schweizer Elektro-Pop Duo Yello, hatte mir einmal bei einem Besuch in seiner Züricher Villa eine unkomprimierte Spezialversion von „The Expert“ überspielt und mich bei der Gelegenheit auf einige Effekte dieser Aufnahme hingewiesen. Da gibt es einige Sounds, die wie in Scheiben hintereinander liegen. Diese Abbildungsgenauigkeit in der Tiefe habe ich in den letzten Wochen von genau drei Lautsprechern perfekt gehört: 1.) Finkteam Borg, 2.) TAD Evolution One TX (Test kommt in Kürze) und 3.) eben der KEF R11. Allerdings kostet die KEF nur ein Fünftel der beiden anderen Top-Lautsprecher…

Cover Yello "Touch"
Musikalisch und klanglich ganz stark: Yello „Touch“ kann man gut hören und ist zum Boxentesten bestens geeignet ((Cover: amazon)

Was man ebenfalls gut hört, sind die Qualitäten des neuen Koax. Der Mittelhochtonbereich ist nicht ganz so transparent und feingliedrig wie etwa der der Dynaudio Evoke 50. Aber er ist frei von Artefakten und klingt wunderbar druckvoll, homogen und plastisch. Das Nasale der früheren Uni-Qs hat er jedenfalls komplett abgelegt – das macht die Wiedergabe – auch von Streichern und Bläsern –  so authentisch.

Aber auch klassische Musik klingt mit diesem Lautsprecher überwältigend. LowBeats Autor und Klassik-Fan Andreas Günther hatte seine Lieblings-Aufnahme von Mahlers 8. Symphonie („die Symphonie der 1.000“) im Hörraum gelassen und ich war begeistert, mit welcher Souveränität, Spielfreude und Klangfarbenfreude die R11 diesen dynamischen Kraftakt meisterte.

Chicago Symphony Orchestra unter Sir Georg Solti auf Decca
Chicago Symphony Orchestra unter Sir Georg Solti auf Decca (Cover: Amazon)

Es gelingt der R11 einen magischen Sog zu erzeugen: mit ihrer absolut homogenen und bruchlosen Spielweise zieht sie den Zuhörer unweigerlich in die Aufnahme. An dem Tag, als ich die Platte im Hörraum fand, hatte ich kaum Zeit – und musste mir dann doch einen Großteil der Aufnahme anhören. Weil es ein so großes Werk ist. Und weil die KEF so unspektakulär mitreißend klingt: Wie gut da die einzelnen Instrumentengruppen herauszuhören sind…

Ich hatte leider keine Gelegenheit, eine Reference 5 direkt gegen die R11 zu hören, aber ich empfand die Reference 5 im Test als deutlich inhomogener. Oder anders herum formuliert: die Reference wäre mir nie nach Hause gekommen, die R11 sofort.

Fazit KEF R11

Ich will hier gar nicht lange um den heißen Brei herumschreiben. Dieser Lautsprecher ist großartig. Ich habe keinen Schwachpunkt gefunden. Seine Homogenität, seine Abbildungstiefe und Klangfarbenvielfalt sind fantastisch, seine technischen Über-alles-Qualitäten und die Verarbeitung ebenfalls. Ich lege mich fest: Unterhalb 5.000 Euro kenne ich derzeit keinen besseren Lautsprecher. Und selbst für 7.000 oder 8.000 Euro fallen mir da nicht so viele ein…

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Im Beitrag erwähnt:

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KEF R11
2019/06
Test-Ergebnis: 4,8
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Souveräner Klang mit beeindruckendem Bass und plastischer Abbildung
Hohe Pegelreserven, große Impedanzlinearität
Exzellente Verarbeitung
Überragendes Preis-/Leistungsverhältnis

Vertrieb:
GP Acoustics GmbH
Kruppstraße 98
45145 Essen
www.de.kef.com

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
KEF R11: 5.000 Euro